Test: Wes Audio LC-EQP, Röhrenequalizer

Ein- und Ausgangsübertrager sind von Cinemag. Auf einen Zwischenstufen („Interstage“)- Übertrager vor dem Aufholverstärker, wie er im klassischen Pultec vorhanden ist, wurde verzichtet. Ansonsten hat die Schaltung, zumindest soweit sich das anhand des Platinenlayouts erkennen lässt, aber offensichtliche Anleihen beim bekannten Vorbild genommen. Generell muss bei passiven EQs natürlich das Rad nicht neu erfunden werden.

Die offene Induktivität mit mehreren Abgriffen in der Mitte der Platine wird verwendet, um die Höhenanhebung zu erzeugen.

Im Verstärkerteil des Wes Audio LC-EQP kommen zwei Doppeltriodenröhren, eine ECC82 (12AU7) der Firma JJ Electronic sowie eine  2AX7 (ECC83) von Electro-Harmonix zum Einsatz. Die Röhrenstufe kommt dem Hersteller zufolge ganz ohne die insbesondere von Hi-Fi-Enthusiasten geschmähte negative Rückkopplung aus.

Auch die restlichen Bauteile sind augenscheinlich hochwertige Markenprodukte. Der Bypass wird mittels Relais realisiert. Wes Audio gibt auf das Gerät drei Jahre Herstellergarantie.

Frequenzen

Vier Frequenzbänder gibt es:

Zunächst die Bassanhebung, ein Kuhschwanzfilter mit bis zu +18 dB und den Frequenzen  20, 30, 60, 100, 120 und 250 Hz.

Als nächstes folgt rechts davon die Bassabsenkung, ebenfalls als Kuhschwanzfilter ausgeführt mit maximal -18 dB und ebenfalls den Frequenzen 20, 30, 60, 100, 120 sowie 250 Hz.

Danach kommt die Höhenanhebung, ein parametrisches Glockenfilter mit bis zu +20 dB, zur Auswahl stehen Frequenzen im Bereich von 1-20 kHz.

Der Q, also der Gütefaktor (oder vereinfacht ausgedrückt, wie schmal oder breit die Anhebung im Frequenzband ist) kann bei der Höhenanhebung stufenlos verstellt werden.

Ganz rechts findet sich schließlich noch die Höhenabsenkung, wieder ein Kuhschwanzfilter mit den Frequenzen 2, 4, 6, 12, 16 sowie 20 kHz.

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Im Einsatz

Nach dem Einschalten des Wes Audio LC-EQP leuchtet beim Power-Knopf eine grüne LED, bei „EQ In“ kommt noch eine rote hinzu.

Die Potis und Schalter fühlen sich bei der Bedienung angenehm hochwertig an.

Einsatzzweck eines passiven EQs ist die breit angelegte, musikalische Klangveränderung und -veredelung, sowohl beim Mix als auch schon während der Aufnahme. Für feine Eingriffe, etwa das Entfernen störender Resonanzen, eignet sich ein vollparametrischer Equalizer natürlich besser.

Die Nachteile gegenüber aktiven Klangreglern im Hinblick auf die Flexibilität werden durch die besondere Klangqualität der passiven Schaltung wettgemacht. Gerade die Induktivitäten (Spulen) mit ihren speziellen magnetischen Eigenschaften haben ähnlich wie Bandmaschinen und Übertrager einen eigenen Sound, der subjektiv vielfach als angenehmer empfunden wird. Ähnliches gilt natürlich auch für die Röhren. Gleichzeitig werden durch die passive Schaltung gewisse Klangartefakte, die aufgrund der technischen Grenzen aktiver Bauteile entstehen können, vermieden.

Messungen der harmonischen Verzerrungen fielen röhrentypisch bescheiden aus. „Gute“ Messwerte sind hier natürlich relativ – Sinn und Zweck eines Röhren-EQ ist wie zuvor ausgeführt ja gerade der besondere „Sound“, den er produziert. Zu bemängeln war beim Testgerät allerdings der Störabstand, der sich aufgrund eines leisen, aber deutlich über dem Grundrauschen liegenden Brummens unnötig schlecht darstellte.

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Klangbeispiele
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