Test: Xilica Xp-3060 Lautsprecher Controller

3. Juni 2020

Der Klassiker unter den System Controllern

Wir möchten euch heute im Rahmen unserer STAGE-CLASSICS wieder einmal ein Produkt vorstellen, das bald sein 10-jähriges Jubiläum feiert und sich auf den Bühnen dieser Welt absolut bewährt hat. Die Rede ist vom Xilica XP-3060 Lautsprecher-Controller:

Background zum Xilica Xp-360

Xilica ist ein kanadischer Hersteller, der sich auf professionelle DSP-gestützte Audiosignalprozessoren für Tour und Festinstallation spezialisiert ist. Die Produktpalette umfasst unter anderem eine große Auswahl an digitalen Speaker-Management-Systemen. Darunter versteht man Geräte, die Frequenzweiche, Limiter, grafische und parametrische Equalizer sowie Delays in einem Gerät vereinen und so alles bereitstellen, was zur optimalen Ansteuerung von Lautsprecheranlagen benötigt wird.
Aktuell sind folgende Serien im Programm:

Xilica XP

Die Xilica XP-Serie bietet je Eingang einen 8-bandigen parametrischen Equalizer, einen grafischen Equalizer mit 31 Bändern, Kompressor und je Ausgang 8 parametrische Filter und Hoch- und Tiefpässe mit Flankensteilheiten von 6 bis 48 dB/Oktave sowie Limiter. Ein- und Ausgänge sind analog. Alle Filter sind als IIR Filter realisiert

Xilica XD

Die XD-Serie verfügt über die gleichen Features, bietet darüber hinaus aber auch digitale Ein- und Ausgänge sowie optionale FIR Filter. Derzeit ist aber nur noch der Xilica XD-4080 im Handel

Faktenlage zum Xilica XP-3060

Zum Test steht mir ein Xilica XP 3060 zur Verfügung, also die Version der X- Serie mit 3 Eingängen und 6 Ausgängen. Hier die Eckdaten:

  • 3-in-6 High-Performance 115 dB Digital-Matrix-System/Lautsprechercontroller
  • 96 kHz
  • 8 PEQs
  • 31 Bd GEQ
  • Delays
  • Mixer
  • Input-Compressor
  • In-Output-Crossover
  • RMS-Limiter
  • USB/RS232/Ethernet

Äußerlich mutet der Xilica recht klassisch an: Wie von andern Controllern z. B. von BSS oder XTA gewohnt, befinden sich auf der Frontseite Mute-Tasten für Ein- und Ausgänge, ein Display, ein paar Tasten, um sich durchs Menü zu tippen sowie ein Datawheel und als positive Überraschung dann noch neben der RS 232 Schnittstelle eine USB-Buchse. Auf der Rückseite befinden sich 3 analoge Ein- und 6 Ausgänge als XLR-Buchsen sowie eine Netzwerkbuchse. Die Eingänge können als Line- und als Mikrofoneingänge verwendet werden. Einen Digitaleingang gibt es leider nicht.

Stage-Anwendung

Mit 3 Ein- und 6 Ausgängen ist das vorliegende Gerät z. B. geeignet, ein 3-Wege-System oder ein 2-Wege-System plus Delay-Line oder Nearfills anzusteuern. Der dritte Eingang kann dabei dazu verwendet werden, Nearfills über einen Aux-Send oder Mono-Out anzusteuern oder die Unsitte zu realisieren, Subbässe über einen Aux-Send anzusteuern. Typischerweise wird der Controller im Endstufen-Rack Platz finden. Die Bedienung über die Schalter am Gerät darf daher als Nebenschauplatz eingestuft werden. Wichtig ist einzig, dass sich das Gerät komfortabel und zuverlässig fernsteuern lässt. In der Vergangenheit war dies bei vielen Geräten häufig nur über eine RS 232 Schnittstelle möglich. Ärgerlich nur, dass die wenigsten Laptops noch über einen derartigen Anschluss verfügen und die USB zu RS 232 Adapter einen häufig nur die Wunderwelt der Kompatibilität spüren lassen, anstatt eine Verbindung zum Controller herzustellen. Da freut es einen sehr, wenn sich reibungslos über Netzwerk, USB und RS 232 eine Verbindung mit dem Gerät herstellen lässt. Bei meinem Testkandidaten traten bei keiner der möglichen Verbindungen Probleme auf. Die Controller-Software X Console in der Version zeigt sich dabei gut durchdacht und sehr intuitiv bedienbar.

Bis zu 16 Controller lassen sich im Netzwerk betreiben und über die Software zentral steuern. Dabei lassen sich beliebige Funktionen auch Controller übergreifend verlinken. Nachdem man ausgewählt hat, welches Gerät man steuern will, erscheint zunächst ein Übersichtsfenster der Ein- und Ausgänge inkl. Mutes, Levels, Delays und Dynamics und Pegelanzeigen.

Klickt man auf einen dieser Punkte, z. B. Filter, öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem man auf alle entsprechenden Parameter zugreifen kann.

Für die Eingabe der Werte gibt es dabei verschiedene Möglichkeiten: Im unteren Bereich der Fenster befinden sich immer 4 Buttons mit Pfeilen nach oben und unten, um in verschieden großen Schritten Werte mit Mausklick zu ändern. Leider hat das Mausrad hierbei keine Funktion. Alternativ kann man Filter auch direkt in der Anzeige der Filterkurve bewegen. Das Raster der Werte ist hierbei erfreulich fein. Frequenzen lassen sich in 1 Hz Schritten editieren, Pegel in 0,25 dB Schritten und Delays in Samples, also ca. 0,01 ms, da der Controller mit einer Abtastrate von 96 kHz arbeitet. Im grafischen und den parametrischen Equalizern sind maximale Anhebungen von 15 dB und Absenkungen von 30 dB möglich. Die Güte ist von 0,02 bis 3,61 variabel.  Die parametrischen Filter sind als Peak, High- und Lowshelf sowie Allpass erster und zweiter Ordnung nutzbar. Auch für die Shelvingfilter ist die Güte variabel, so dass eigentlich jeder gewünschte Filterverlauf mit dem Xilica realisierbar sein sollte. Die Oberfläche ist sehr schön gestaltet und ist auch auf kleinen Laptop-Displays übersichtlich.

Alternativ zur X-Console können Xilica Controller auch von den Wandeinbaupanels namens X-Panel gesteuert werden. Diese sind vollständig programmierbar. So können Benutzern Zugriff nur auf ausgewählte Parameter in einem angepassten Wertebereich erlaubt werden. Z. B. könnte in einem Club dem Barpersonal die Eingangsumschaltung von DJ-  und Liveprogramm mit eingeschränkter Lautstärkeregelung ermöglicht sein.

Der Xilica Xp-3060 in der Praxis

Ich hatte vor einigen Jahren im Rahmen der „up in smoke tour“ mit den Bands Colourhaze, Rotor und Sungrazer das erste Mal das Vergnügen, den XP 3060 gründlich auf seine Alltagstauglichkeit zu prüfen. Die Clubs der Tour waren technisch sehr unterschiedlich ausgestattet, so dass dem Xilica jeden Tag wieder neue Aufgaben zukamen. Mal galt es, einen nicht vorhandenen Summen- oder Monitorequalizer zu ersetzen, mal Laufzeiten von Topteilen, Bässen, Nearfills und Delay-Lines anzupassen, die hauseigene  Frequenzweiche in Rente zu schicken oder einfach nur die Frontanlage auf Backline-Tiefe zu verzögern.

Beim Anschließen des Controller fiel sofort auf, dass er sich klanglich sehr neutral verhält, was auf sehr hochwertige A/D- und D/A-Wandler schließen lässt. Die technischen Werte sind über jeden Zweifel erhaben. Die Latenz des XP 3060 ist mit 1,5 ms so kurz, dass sie auch bei Monitoranwendungen nicht als störend wahrgenommen wird. Die Bedienung mittels Laptop funktioniert reibungslos. Als  einziger Kritikpunkt zeigte sich, dass Parameteränderungen mit einer leichten Verzögerung übernommen werden. Die Bedienung der Equalizer fühlt sich daher nicht so direkt an, wie man es z. B. von einem analogen grafischen 31-Band-Equalizer gewohnt ist. Ich habe deshalb gerne zunächst mit einem analogen Equalizer eine meinem Geschmack entsprechende Einstellung erarbeitet und dann im Xilica nachgebaut.

So hatte ich auch einen direkten Vergleich zwischen dem 31-Band-Equalizer des XP 3060 und hochwertigen analogen Exemplaren wie einem Klark DN 360. Der Xilica schlägt sich dabei ausgesprochen gut. Nichts erinnert an den typischen pixeligen MP3 ähnlichen Sound, den manche 31-Band-Equalizer günstiger Digitalpulte oder Controller bieten. Genau so positiv fällt mein Urteil über die Limiter des Xilica aus. Da PA-Anlagen nicht selten an ihrer Belastbarkeitsgrenze gefahren werden, sind Limiter, die die Lautsprecher zuverlässig vor Überlastung schützen, extrem wichtig. Auf der einen Seite will man maximale Lautheit erreichen, auf der anderen Seite soll ein Limiter jedoch möglichst unhörbar arbeiten. Dem Xilica gelingt dies auch bei sehr harter Limitierung des Eingangssignals gut, ohne dass störendes Pumpen auftritt. Ein Limiter ist aber natürlich nur dann ein wirksamer Schutz, wenn er gegen unbefugtes Verstellen geschützt ist.

Der Controller verfügt daher über einen zwei Ebenen Passwortschutz. Man kann also vorgeben, welche Parameter verstellt werden dürfen und welche nicht. Z. B. könnte in eine Clubinstallation lediglich die Umschaltung von einem Programm für Diskobetrieb und einem für Konzerte freigegeben sein oder im Verleihbetrieb die Auswahl verschiedener Presets für unterschiedliche Boxentypen. Die Delays des Controllers lassen sich sehr genau einstellen. Die maximale Verzögerungszeit des Xilica  beträgt 650 ms, was einer Entfernung von ca. 225 m entspricht, also deutlich mehr, als man jemals als Entfernung zu einer Delay-Line bräuchte.

Fazit

Der Xilica XP 3060 ist ein auf ganzer Linie überzeugendes Produkt. Man spürt, dass hier nicht nur Ingeneure am Werk waren, die wissen, wie man ein Gerät mit tadellosen Messwerten konstruiert, sondern auch eins, das die Anforderungen in der Praxis erfüllt. Für mich bleiben nur zwei Kleinigkeiten zu kritisieren: Die Verzögerung bei Parameteränderungen schränkt die Echtzeittauglichkeit des Xilica etwas ein.

Plus

  • hervorragender Klang
  • extrem flexibel konfigurierbar
  • durchdachte Bedienung
  • gute Remote-Software
  • sehr günstiger Preis

Minus

  • träge Reaktion bei Parameteränderungen
  • kein Digitaleingang

Preis

  • 1049,- Euro
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