Vergleichstest: AKAI S5000, YAMAHA A5000, E-MU E5000 Ultra

3. Dezember 2000

Welcher 5000er ist der Beste?

Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie man in den Entwicklungsabteilungen der Global-Player auf so einfallsreiche Produktbezeichnungen wie z.B. « 01/WFD » (KORG) oder « PH50/m » (Kawai) kommt. Da klingen Produktnamen wie EMAX (EMU) oder PROPHECY (Korg) geradezu wohltuend in User-Ohren. Im folgenden Test hingegen sollte man seine Sinne schärfen, denn alle drei Probanden benutzen die Ziffern 5000 als Produktkennung mit einem einzigen vorgesetzten Buchstaben, der den großen Unterschied ausmacht. A5000 steht hier allerdings nicht für AKAI 5000 sondern für YAMAHA 5000 und S5000 soll auch nicht Sony heißen, sondern AKAI. Nur EMU bleibt sich treu und vergibt den Buchstaben E.
Verwirrt ? Kein Problem, denn im folgenden sprechen wir von AKAI, wenn wir S5000 meinen und YAMAHA, wenn wir eigentlich A5000 sagen wollen, damit Sie, liebe Leser, den Faden nicht verlieren.

History

AKAI PROFESSIONAL schuf 1986 mit dem S900 den zweiten Sampler-Standard, der 1988 durch seinen Nachfolger S1000 erfolgreich abgelöst wurde. Die nächste Ablösung aus den eigenen Reihen kam erst 1993 mit dem S3000 und klappte schon nicht mehr so reibungslos.
Der Hauptkonkurrent EMU hatte mittlerweile technologisch schwere Geschütze aufgefahren und machte AKAI das Leben schwer. Als Ende 1998 mit dem S5000 und S6000 dann auch noch die längst fällige Ablösung mit einer unfertigen Software auf dem Markt erschien, wurde AKAI endgültig von EMU überholt. Mittlerweile werden die Karten wieder neu gemischt, denn die aktuelle Software-Version (2.0) läuft reibungslos.

EMU´s Historie reicht zurück bis ins Jahr 1981, als der EMULATOR mit 2 sec. Samplingzeit
(bei 27,7 kHz) für DM 30.000,– eine kleineSensation darstellte. Mit dem EMULATOR II eroberte EMU schließlich die Herzen der Superstars und schuf den ersten Sampler-Standard.
Als 1988 der EMULATOR III auf den Markt kam, hatte AKAI bereits zu einem wesentlich günstigeren Preis den AKAI S1000 erfolgreich plaziert und EMU das Zepter als Marktführer entrissen.
In den kommenden Jahren beschränkte sich EMU zunächst durch abgespeckte Modellvarianten (EMAX I und II) auf den immer größer werdenden Homerecording-Markt und präsentierte erst 1995 mit dem EMU IV wieder ein Top-Produkt für die Studio-Szene. Es folgten zahlreiche Modelvarianten bis 1998 die Faggschiffe unter der Serienbezeichnung E-Mu EIV Ultra erschien.

Mit dem E-MU E5000 Ultra pärsentiert E-Mu nun eine Budget-version ihrer Flaggschiffe, die aber nur in Sachen Hardware Einschränkungen zu den großen geschwistern hat. Allerdings lassen sich auch diese Einschränkungen durch optionale Boards ausgleichen.

YAMAHA stieg erst 1988 ins Sampling-Business ein. Mit dem TX16w konnte Yamaha seinerzeit keine Lorbeeren ernten, da das Gerät praktisch unbedienbar war und über keine Schnittstelle für einen Massenspeicher verfügte, was damals bei EMU und AKAI bereits zur Standardausrüstung gehörte. YAMAHA verabschiedete sich daraufhin für viele Jahre aus dem Sampling-Geschäft und wagte erst knapp zehn Jahre später einen neuen Anlauf mit dem A3000, der allerdings eher für den Musiker als für den professionellen Studioeinsatz gedacht war.
Der hier getestete A5000 stellt nun quasi die Profi-Version des A3000 dar, mit dem Yamaha als lachender Dritter den beiden Rivalen EMU und AKAI ein Schnäppchen schlagen möchte.

Preislich gehören alle drei Probanden der Mittelgewichtklasse zwischen DM 4.000 und DM 4.700 an. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß der A5000 bereits das obere Ende der Fahnenstange der Yamaha Produktreihe darstellt, während EMU mit dem EIV ULTRA und AKAI mit dem S6000 auch noch deutlich teurere Sampler anbieten.

E-mu oder Akai, eine Glaubensfrage

Ganz recht, welchen Sampler man benutzt, ist heutzutage eine Glaubensfrage und wird zwischen AKAI und EMU Enthusiasten heiß debattiert – vergleichbar mit der zähen Auseinandersetzung zwischen MAC und PC Anhängern. Jeder der beiden Kontrahenten blieb seiner Struktur und seinen Begriffsdefinitionen seit Anbeginn treu, was vor allem den Aufstieg innerhalb der Familie stark vereinfachte. Auch der Wechsel von EMU zu AKAI und umgekehrt war nicht sonderlich schwer, hatte man sich einmal mit den neuen Begriffen und Bildschirmdarstellungen vertraut gemacht. Die Hierarchie vom Sample bis zum Programm ist nämlich bei beiden Firmen sehr ähnlich.

Die unterste Ebene stellt ein Sample dar. Dieses wird beschnitten, geloopt und anderweitig direkt und unwiderruflich verändert. Schließlich werden all diese Samples zum Zwecke eines Multisamples in einem Programm zusammengefaßt. Ein Programm ist quasi eine Hülse, die jedem Sample seinen Platz auf der Tastatur zuweist. Diese Programme beinhalten auch die in Echtzeit veränderbaren Parameter wie Filter, LFO´s und sonstige Synthesefeatures.

Speichert man ein Programm ab, werden bei EMU und AKAI automatisch alle darin enthaltenen Samples und Multisamples incl. der dynamischen Abspielparameter abgespeichert.

YAMAHA hingegen erfand das Rad neu und hofft nun, mit folgendem System einen besseren Weg einzuschlagen :

Auch hier ist die unterste Ebene das Sample bzw. eine Sample-Bank, die mehrere Samples zusammenschweißt. Doch anders als bei EMU und AKAI werden den Samples selbst die dynamischen Abspielparameter aufs Auge gedrückt und erst danach gelangen sie in ein Programm, das lediglich zur Verwaltung mehrerer Samples dient, aber keinen Einfluß mehr hat auf LFO´s, Filter, Frequenz etc. Der Vorteil besteht darin, dass man Samples unproblematisch in jedem Programm aktivieren kann, ohne von Neuem mit der Programmierung von Hüllkurven und Filtern beginnen zu müssen, denn diese Parameter wurden ja bereits mit dem Sample abgespeichert.
Ein gravierender Nachteil ist hingegen, dass das unproblematische Austauschen von Samples innerhalb eines Programms, ohne gleich die Soundsstruktur zu verändern, unmöglich geworden ist. Angenommen, Sie wollen den ressonanzhaltigen Sweep mit einem rauheren Sägezahnsample versehen, reicht es nicht, das Sample innerhalb des Programms zu ändern. Aber auch der schnelle Check von 20 verschiedenen Snare-Sounds innerhalb eines Drumsets, das ansonsten perfekt klingt, ist unmöglich, da das komplette Drumset als eine Sample-Bank abgespeichert wurde und sich einzelne Samples nur innerhalb des Sample-Edits Menüs austauschen lassen, nicht aber innerhalb der Programmebene.

Ob nun die Vor- oder Nachteile dieser Hirarchie überwiegen, lässt sich auf die Schnelle nicht sagen. Eines ist jedoch sicher, geneigte Umsteiger von AKAI und EMU werden ihre Schwirigkeiten haben, das neue System zu verinnerlichen.

Einfacher fällt da der Vergleich in Sachen…

Hardware

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Während der Yamaha Sampler in einem 2HE hohen Gehäuse steckt, benötigen der EMU und AKAI Sampler ganze 3HE im Rack.
Sofort sticht einem das riesige, blaue Display des S5000 ins Auge, das doppelt so gross ist wie das seiner beiden Mitbewerber.

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YAMAHA glänzt hingegen mit fünf Endlospotis, die unterhalb des Displays den schnellen Zugriff auf Parameter erlauben und sich darüber hinaus auch als Midi-Controller einsetzen lassen.
Besonders angenehm empfanden wir die schräg gestellte Pultfläche unterhalb des EMU Displays, die besonders die Editierung im Rack vereinfacht.

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Rückseitig wird klar, daß AKAI die Profi-Klientel im Auge hat. Neben acht Einzelausgängen sind bereits zwei Midi-Trios (für 32 Midi-Kanäle), Digi In/Out, Word-Clock In und ein ASCII Anschluß für eine PC Tastatur in der Grundausstattung vorhanden.

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Alles Dinge, die EMU nur optional anbietet, während beim YAMAHA auch im Nachhinein kein ASCII Anschluß oder WORD-CLOCK IN möglich ist. YAMAHA kassiert hierfür das erste dicke Minus.

AKAI hat auch mit zwei SCSI Anschlüssen die Nase vorn, da EMU und YAMAHA sich mit der Hälfte begnügen. Auch bei den Optionen schlägt AKAI seine Kontrahenten. Während die optionale ADAT Karte auch für EMU erhältlich ist, gibt es eine USB Schnittstelle bislang nur für AKAI User.

Klarer Fall, Testsieger in Sachen Hardware ist AKAI, knapp gefolgt von EMU ( da hier bis auf das USB Interface alles Features optional erhältlich sind), während YAMAHA sich hier deutlich geschlagen geben muß.

PS und BESCHLEUNIGUNG…
gibt es bei Samplern zwar nicht, aber trotzdem so eindeutige Kraftausdrücke wie Polyphonie und Speicherkapazität etc., mit denen man die Leistungsfähigkeit der Sampler, oberflächlich betrachtet, messen kann.

Der RAM Speicher bei allen drei Samplern ist in der Grundausstattung geradezu lächerlich klein, nimmt aber nach dem Maximalausbau beim AKAI S5000 Guiness-Book-Rekorde an, da er mit 256 MB Ramspeicher EMU und YAMAHA um das Doppelte überflügelt.

In Sachen Polyphonie ist Yamahas A5000 dafür bereits ab Werk mit 126 Stimmen ausgestattet, während EMU und AKAI nur 64 Stimmen anbieten. Bei AKAI lässt sich die Polyphonie auf 128 Stimmen aufrüsten, hingegen gibt der EMU Klein bei, da ihm eine Aufrüstung verwehrt bleibt, und das, obwohl intern der gleiche Prozessor werkelt, der seinem größeren Bruder, dem EMU E6400, ebenfalls 128 Stimmen ermöglicht. So etwas fällt unter die Kategorie Produktpolitik.

Forum
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    spacelight

    Ich habe meinen Akai S5000 jetzt 5 Jahre ,
    und hat man das System einmal inne und die Funktionsweise , so hat man schnell seine eigenen Sounds mit Effekten usw . erstellt.
    Heute bekommt man für 400 Euro einen voll ausgestatteten S5000 und für mich ist das Display die größte Hilfe und macht das editieren einfach und bequem . Nicht zuletzt kann ich so auch ohne PC mit meiner Hardware im Keller an Sounds basteln.
    Letztendlich entscheiden ja die persönlichen Vorlieben , aber für mich ist der S5000 ein Sampler fürs Leben. Wer sich jetzt Gedanken macht der sollte aber abwägen ob er sich nicht den S6000 zulegen sollte , der hat das Effektboard schon drinne , das Frontpanel ist abnehmbar und ich kann es niicht behaupten , aber ich meine er hat auch eine Festplatte drin.

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    kiro7  

    Bin über Akai Recherche hier gelandet… Den Yamaha A 5000 damals bei MS neu gekauft, nach einem halben Jahr waren die Regler plötzlich unpräzise, die Werte sind hin und her gehoppt.

    Des weiteren ist die Architektur im A 5000 / A 4000 so gänzlich anders und hat eine steile Lernkurve, als man es von Akai / Emu gewohnt ist, von Softwaresamplern ganz zu schweigen. Einfach ein Sample einem Klang zuordnen ist nicht… Knopf drücken, Regler schrauben, Regler drücken, nochmal anderen Funktionsknopf drücken— ups, falsche Seite–wieder zurück- von den epischen Ladezeiten ganz zu schweigen.

    Bei denen kann man sich aber vom schrauben und drücken ausruhen, man kennt das Gefühl wenn man über Kopf arbeitet, und einem gleich die Arme abfallen nach einer weile- hier hat man´s ähnlich.

    Jahre später noch mal einen A 4000 gebraucht gekauft- dessen Regler waren vom Vorbesitzer mit Kontaktspray angefixt worden, dass Sie danch süchtig geworden sind. Kann auch Einbildung gewesen sein, denn sprühen ging nur nach Abzziehen der Kappe, und dann hoffen, dass das Spray durch die Mikrometer an Spalt neben der Reglerachse in das Innere kommt.

    Von hinten kommt man nicht so ohne weiteres an die Regler. Mal aufgesschraubt – (gefühlte 50 Schrauben) – und ganz schnell wieder zugeschraubt… :-)))

  3. Profilbild
    kiro7  

    Also für schnell mal was absamplen lieber was kleines Desktop-mäßiges nehmen, für größere Sample Schichtungen, Libraries, Import… etc. lieber was mit Maus.

    Übrigens hatte ich früher vieles neu von Yamaha – da gabs nach ner Weile immer noch so ein sog. Blue-Book, in dem dann das stand, was eigentlich in die Anleitung gehört hätte, bzw. welches die vertrackte Bedienung erträglicher machte. Für die Sampler leider nicht…

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