Retro: Sampling mit Akai, E-mu und Propheten

25. Mai 2000

Vintage-Hardware-Sampler im Jahr 2019

Speaking sound wave illustration vector

Hardware-Sampling in den 80ern

Als AMAZONA.de 1999 erstmals im Netz erschien, widmeten wir uns sofort dem Thema Sampling. Eine damalige Serie zum Thema Hardware-Sampler versuchte das Thema zu erschließen und eine echte Entscheidungshilfe bei der Wahl des nächsten Sampler-Kaufs zu geben. Bereits damals zeichnete sich der „Untergang“ der Hardware-Sampler ab, doch noch waren die 19″-Boliden in vielen professionellen Studios im Einsatz. Ein paar Jahre später setzten Tonstudios allerdings fast ausschließlich auf Software-Sampler. Nur für Live-Acts wurden weiterhin Groveboxen mit Sampling-Funktion entwickelt. Der klassische Studio-Sampler wanderte aber für wenige Euro auf den Gebrauchtmarkt und fand zum Teil nicht einmal mehr dort einen Abnehmer.

In den letzten 2 Jahren gab es allerdings ein Revival der Vintage-Hardware-Sampler. Nicht nur die legendären Klassiker wie z. B. Emulator II oder Emax I, die dank ihrer analogen Filter fast durchgehend eine Fan-Base hatten, sondern auch die weit verbreiteten AKAI-Standards wie S900, S1000 und sogar S6000, stiegen plötzlich wieder in der Gunst der User.

Spezialisten wie Rawndry haben sich sogar auf die Restauration von Vintage-Samplern spezialisiert und bieten neuerdings zahlreiche moderne Erweiterungen wie Floppy-Emulatoren, OLED-Displays und Spezialkabel an, mit denen sich so mancher Klassiker auch direkt an einen PC anschließen lässt.

Aus diesem Grund haben wir unsere 20 Jahre alte Workshop-Serie zum Thema Hardware-Sampling in der folgenden Neuauflage komprimiert und wieder vorgelegt.

Ganz bewusst haben wir dabei den Text NICHT nach neuen Erkenntnissen und Preisen bereinigt, da die eine oder andere Bemerkung dem heutigen Leser sicher ein Schmunzeln abringt. Auf der anderen Seite finden Hardware-Sampler-Neulinge ganz sicher den einen oder anderen Hinweis und Tipp, der auch heute beim Einstieg in eine faszinierende Welt noch wertvoll sein könnte, in der 8 MB RAM noch als gigantische Größe galt.

Welches sind die besten Vintage-Hardware-Sampler?

Am Ende habe ich mir erlaubt, noch meine 3 All-Time-Favourites Hardware-Sampler aufzulisten – inklusive Begründung versteht sich.

Viel Spaß beim Sampeln
Euer Peter Grandl

Dank Depeche Mode nochmals in aller Munde, der E-Mu Emax II

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem englischen Wort SAMPLING?

Musiker und Toningenieure assoziieren damit die Möglichkeit, Audiosignale zu digitalisieren und aufbereitet wiederzugeben. Dies geschieht entweder mit einem Computer oder einem sogenannten „Sampler”, der im Grunde genommen nichts anderes ist als ein auf Sampling spezialisierter Computer – doch dazu später mehr.

Vom Ton einer gezupften Gitarrensaite bis hin zu Fragmenten ganzer Songs füttert man heute Sampler mit nahezu jeder erdenklichen Audioquelle, egal ob per Mikrofon, CD-Spieler oder ähnlichem. Erlaubt ist, was Spaß macht.

Einst als Ersatz für nahezu alle akustischen Instrumente gepriesen, stellte man bald fest, dass Sampling diesem Anspruch nur zum Teil gerecht werden konnte, der Kreativität moderner Komponisten jedoch in ganz anderer Weise auf die Sprünge half.
„Orchesterhits”, „splitterndes Glas”, bis dahin nie gehörte Percussion-Sounds aus Gabeln und Tellern, E-Pianoartiges aus klingenden Gläsern, selbst „Hundegebell”, nichts war mehr sicher vor den Sampling-Enthusiasten jener Zeit, zu denen Künstler wie Peter Gabriel, Depeche Mode oder Yello gehörten, um nur einige zu nennen.

Die Musik blieb nicht mehr die Gleiche und bis zum heutigen Tage ist Sampling ein Grundpfeiler fast aller populären Musikrichtungen geblieben, hat viele Musikstile entscheidend beeinflusst und einige sogar erst möglich gemacht.

Einst den Superstars und Megastudios auf Grund der hohen Anschaffungskosten vorbehalten, ist Sampling heute für jedermann erschwinglich geworden.

Stürzen Sie sich also mit uns in das Abenteuer Sampling und erlernen Sie an Hand dieser Serie den spielerischen Umgang mit einer Technik, die Ihren musikalischen Horizont um ein Vielfaches erweitern wird.

Kultsampler E-Mu EIII mit analogen Filtern und Digitalprozessing

Sampling – „Ein wenig graue Theorie”

Jedes Audiosignal besteht aus Schwingungen. Das menschliche Ohr ist in der Lage, diese Schwingungen zu empfangen und in elektrische Impulse umzuwandeln. Das Gehirn verwertet diese Impulse schließlich und ermöglicht uns, die Schwingungen zu analysieren und zu verstehen.

Diese sehr rudimentäre Beschreibung der Wirkungsweise unseres Gehörs soll nur veranschaulichen, welche frappierende Ähnlichkeit bei der Digitalisierung von Audiodaten besteht.

Die Membrane eines Mikrofons wandelt die Schwingungen von Audiosignalen ebenfalls in elektrische Impulse um, die wiederum der AD (Analog/Digital) -Wandler in eine für den Computer verständliche „Sprache” überträgt.

Bei der Wandlung eines Signals von Analog- in Digitalinformationen entstehen mehr oder weniger starke „Ungenauigkeiten”, die abhängig von der Qualität des A/D-Wandlers sind.

Analoge Schwingungen enthalten praktisch unendlich viele Informationen, die bei der Wandlung in ein Digitalsignal auf ein notwendiges Mindestmaß reduziert werden.

Betrachten Sie zum besseren Verständnis bitte die folgende Grafik.

Die X-Achse haben wir mit „Sampling-Rate” bezeichnet, die Y-Achse als „Bit”.

Der Analog/Digital-Wandler tastet die Sinusschwingung entsprechend seiner Güte mehr oder weniger oft ab. Spricht man von einer Sampling-Rate von 44,1 kHz, geschieht dieser Abtastvorgang pro Sekunde genau 44100-mal.
Bei jedem Abtastvorgang wird das entsprechende Signal nun einem Wert in der Y-Achse zugeordnet. Fällt der Wert genau zwischen zwei mögliche Rasterpunkte, wird er automatisch dem am nächstgelegenen Rasterpunkt zugewiesen.

Ein 8-Bit Wandler unterteilt die Y-Achse z. B. in 256 mögliche Punkte, ein 12-Bit Wandler bietet bereits 4096 Unterteilungen an, ein 16-Bit Wandler sogar schon 65536. Je enger das Gitter dieser X/Y-Achse also ausfällt, umso exakter kann die vorliegend Schwingung digitalisiert werden. Im Falle einer handelsüblichen Audio -D mit den Werten 16 Bit/44,1 kHz wurde das Audiosignal pro Sekunde 44100-mal abgetastet und jede der Abtastungen einem von 65536 möglichen Werten zugeordnet.

Bis in die 90er der Studiostandard AKAI S1100

Es ist daher leicht vorstellbar, dass eine Wandlung mit 8Bit, egal wie hoch die Sampling-Rate auch sein mag, für professionelle Aufnahmen, schlichtweg nicht ausreichend ist. Hinzu kommt, dass durch die Verschiebung von Werten, die zwischen dem möglichen Raster liegen, nicht nur Klangeinbußen die Folge sind, sondern auch Rauschen entsteht. Die Bit-Breite hängt somit unmittelbar mit dem Rauschspannungsabstand zusammen.

Selbst bei perfekter Aussteuerung einer Aufnahme mit 12 Bit kann der maximale Rauschspannungsabstand theoretisch nur 72 dB betragen, ein 16 Bit System bietet immerhin einen theoretischen Rauschspanungsabstand von 96 dB.

Theoretisch deshalb, da auch andere Bauteile innerhalb des Samplers das Rauschverhalten entscheidend beeinflussen. Ein hochwertiger 12 Bit Sampler kann also unter Umständen trotzdem weniger Rauschen als ein billiger 16 Bit Sampler, wie ein Vergleichstest der Fachzeitschrift KEYBOARDS 1985 verdeutlichte.

Zuletzt sei noch der Speicherbedarf in Zusammenhang mit der Sampling-Qualität erwähnt. Ein hochwertiger Digital-Wandler produziert durch die Häufigkeit seiner Abtastungen natürlich auch entsprechend mehr Daten als ein minderwertiger Wandler. Zu einer Zeit, als RAM-Speicherbausteine einen entscheidenden Kostenfaktor bei der Herstellung von Samplern darstellten, mussten die Hersteller von Samplern die Audioqualität ihrer Produkte immer in Relation zu den Kosten setzen. „12 Bit Sampler” waren daher selbst in großen Studios lange Zeit der Standard. RAM-Speicher von 756 KB keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

Heutzutage gehören die Kosten für RAM-Speicher eher zu den unbedeutenden Faktoren bei der Herstellung eines Samplers. 32 Megabyte werden eher belächelt. Die neuesten AKAI-Sampler S5000 und S6000 können sogar bis zu 256 Megabyte Speicher aufnehmen, also das 338-Fache eines AKAI S900, der 1986 zu den begehrten Spitzenprodukten gehörte.

Von Multisampling, Stacking und Loops

Was unterscheidet einen Sampler von einer analogen Tonbandmaschine, mal abgesehen von der bereits erklärten Digitalwandlung? Die aufgezeichneten Audiosignale können von der Tonbandmaschine nur 1:1 wiedergegeben werden. Lediglich die Tonhöhe ließe sich durch die Wiedergabegeschwindigkeit beeinflussen. Ganz anders bei einem Sampler, hier beginnt der Spaß erst richtig nach der Aufnahme.

Sind die Audiodaten erst einmal im internen RAM des Samplers abgespeichert, können sie auf vielfältige Weise nachbearbeitet werden. Der eigentliche Clou ist aber, dass der Sampler bei der Abfrage der Audiodaten die Wiedergabe in verschiedenen Tonhöhen zulässt.

Angenommen, Sie haben eine Klaviernote mit der Tonhöhe C3 gesampelt, dann könnten Sie diese über ein angeschlossenes MIDI-Keyboard auch in C2 oder jeder von Ihnen gewünschten Tonhöhe abrufen. Und das nicht nur einmal, sondern abhängig von der Polyphonie Ihres Samplers, auch gleichzeitig mehrfach.

Der Sequential Prophet 2002 – minimalistisches Klangmonster

Theoretisch wäre es also im soeben genannten Fall möglich, ein komplettes Klavier mit seinen 88 verschiedenen Tasten polyphon zu spielen, obwohl Sie ursprünglich nur eine einzige Klaviernote aufgenommen hatten.

Praktisch ist das leider nur eingeschränkt machbar, da bereits eine Verschiebung der Originaltonhöhe von einigen Halbtönen auf- bzw. abwärts immer weniger mit einem realistisch klingendem Klavier gemeinsam hat.
Je weiter man sich beim Spielen von der Tonhöhe des Originals entfernt, umso stärker wirkt sich dieser Effekt aus. Vergleichbar mit einer Schallplatte, die viel zu langsam oder viel zu schnell läuft (im Volksmund auch als Micky-Mouse-Effekt bekannt).

Um diesem meist nicht gewünschtem Effekt entgegenzuwirken, behilft man sich der Technik des MULTISAMPLINGS. Man verwendet also nicht ein Sample, um das gesamte Spektrum des Originalinstruments abzudecken, sondern mehrere. Das Originalinstrument könnte z. B. pro Oktave einmal gesampelt werden. Bei der Wiedergabe hätte nun der Sampler nur noch die „Lücken” zwischen zwei Original-Samples zu „füllen”.

STACKING ist eine weitere Technik, um der Natur ein Schnippchen zu schlagen. Akustische Instrumente weisen in der Regel bei leisem Spiel ein völlig anderes Klangverhalten auf, als bei lautem Spiel. Durch entsprechende Synthesefunktionen, die viele Sampler heutzutage beherrschen, lassen sich diese Klangunterschiede zwar mehr oder weniger gut nachahmen, die wirkungsvollste Methode ist es aber, mehrere Samples der unterschiedlichen Dynamikstufen anzufertigen.
Bei der Wiedergabe werden dann, je nach Anschlagstärke, unterschiedliche Samples abgerufen. Auch hier gilt wie beim Multisampling, je mehr Dynamikstufen gesampelt wurden, umso realistischer vermag der Sampler das Instrument schließlich nachzuahmen.

Zuletzt sei noch kurz der Begriff des LOOPING angesprochen. Einst erfunden, um den minimalen Speicherplatz der Sampler optimal zu nutzen, spielt LOOPING heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die folgende Grafik zeigt die Display-Darstellung eines Samples, wie sie z. B. im EMULATOR IV verwendet wird.

Sie können wunderbar den Lautstärkeverlauf des gezeigten Klanges nachvollziehen, der zunächst links steil ansteigt und somit schnell lauter wird, bis er schließlich langsam rechts leiser wird und eine konstante Lautstärke beibehält, bis das Sample zu Ende ist.

Im Falle eine Loops startet die Wiedergabe zwar ebenfalls am linken Display-Rand, wird aber dann nach Erreichen von Punkt „E“ nicht beendet, sondern von Punkt „S“ aus wiederholt und bildet einen endlosen Kreislauf zwischen „E“ und „S“. Der Bereich zwischen „E“ und „S“ wird in der Fachsprache schließlich als Loop bezeichnet, nicht zu verwechseln mit einem Drumloop.

Diese Beispiele sollten nur als Kostprobe dienen. Ein moderner SAMPLER bedient sich weitaus mehr raffinierter Techniken, die in kommenden Folgen allesamt noch detaillierter beschrieben werden. Der SAMPLER gehört damit zweifellos zu den am vielseitigsten einsetzbaren elektronischen Musikinstrumenten.
Zieht man dann noch die umfangreichen Synthesemöglichkeiten in Betracht, die heutzutage einem Synthesizer in nichts mehr nachstehen, ja teilweise sogar noch übertreffen, wird schnell klar, warum auch heute noch, mehr als 10 Jahre nach seiner Markteinführung, der Sampler auf der Beliebtheitsskala von Musikern und Toningenieuren ganz oben steht.

Welcher Hardware-Sampler ist der Richtige für mich?

Gleich vorweg, den „richtigen“ Sampler gibt es nicht, höchstens den für Ihre Anwendungszwecke am besten geeigneten.

Wir können Ihnen deshalb nur die Vor- und Nachteile verschiedener Produkte aufzeigen und Ihnen Entscheidungshilfen in die Hand geben. Die Wahl müssen Sie letztendlich selbst treffen. Setzen Sie die technischen Angaben vor allem in Relation zu Ihren musikalischen Bedürfnissen. Man braucht schließlich nicht unbedingt einen Porsche, um von A nach B zu gelangen.

Mehr als nur ein Sampler, der Kurzweil K2600R

Die wichtigsten Fragen vor dem Sampler-Kauf

Um Ihnen die Sicht im Dschungel an technischen Möglichkeiten zu erleichtern, haben wir 11 Fragen und Antworten ersonnen, die Ihnen helfen sollen, die richtige Entscheidung zu treffen. 6 von 11 Fragen/Antworten finden Sie in dieser Ausgabe. Die restlichen Fragen/Antworten finden Sie in der Juli-Ausgabe von AMAZONA.de zusammen mit einem Test, der helfen soll, Ihren Wunschsampler zu ermitteln.

Notieren Sie sich deshalb Ihre Antworten, denn dieser Test ist integriert in eine Übersicht über die wichtigsten gängigen Sampler, die wir empfehlen können. In einer speziellen Spalte werden Sie dort die Möglichkeit bekommen, Ihre persönlichen Antworten einzutragen und nach einem Punkteschema Ihren endgültigen Favoriten auszuwerten.

Frage 1:

Wie viel darf ein Hardware-Sampler kosten?

Hintergrund:

Wohl die einfachste, aber zunächst wichtigste Frage! Evtl. fallen dadurch ja schon einige Kandidaten durchs Raster. Gute Sampler gibt es heute NEU zwischen 1.500,- DM und 10.000,- DM. Aber glauben Sie mir, für viele Anwendungen reichen heute bereits die preiswerten Einsteigergeräte, die inzwischen allemal die Spitzenprodukte in den Schatten stellen, die vor einigen Jahren noch bis zu 30.000,- DM kosteten.

Antwort:

Sie sollten sich mit der Beantwortung dieser Frage bis zum Schluss Zeit lassen.
Ermitteln Sie zunächst einmal Ihre Bedürfnisse an Hand der nächsten 10 Fragen.
Ermitteln Sie dann an Hand des Tests in der nächsten Ausgabe Ihren Wunschsampler. Sollte dieser Ihren Kostenrahmen allerdings sprengen, müssen Sie wohl oder übel Ihre Ansprüche herunterschrauben, am besten mit einem Sampler, der Ihnen die Möglichkeit bietet, die dringend benötigten Features später als Option zu erwerben.

Frage 2:

Wie viele Stimmen sollte der Sampler bieten (Polyphonie)

Hintergrund:

Jede Note, die Sie auf Ihrer MIDI-Tastatur spielen, benötigt eine aus dem Polyphonie-Vorrat Ihres Samplers. Ein 16-stimmiger Sampler ermöglicht Ihnen also maximal 16 Töne gleichzeitig erklingen zu lassen. „Das reicht doch allemal”, werden Sie vielleicht vorschnell urteilen. Bitte ziehen Sie aber in Betracht, dass verschiedene Faktoren Ihren Polyphonievorrat rasch schrumpfen lassen. So benötigt zum Beispiel ein Stereosample bereits zwei Stimmen und wäre somit nur noch 8-stimmig spielbar. Gehen wir außerdem davon aus, dass Ihr Sampler verschiedene Instrumente gleichzeitig erzeugen soll (Multimode), die von Ihrem Sequencer aus angesteuert werden, erscheint die oben genannte Polyphonie doch etwas dürftig. Aus diesem Grund bieten moderne Sampler derzeit zwischen 32 und 128 Stimmen.

Antwort:

Setzen Sie Ihren Sampler innerhalb eines ausreichend bestückten MIDI-Studios nur für Spezialaufgaben ein, dürfte die 32-stimige Version ausreichend sein. Ist Ihnen allerdings daran gelegen, einen Großteil der Instrumentierung Ihrer musikalischen Ergüsse durch einen Sampler abzudecken, sollte die Polyphonie höher sein.

Vorbildlich: Bedienung und Ausstattung – die EIV-Serie von E-Mu

Frage 3:

Wie groß sollte der RAM-Speicher sein?

Hintergrund:

Der RAM (Read Access Memory) Speicher entscheidet darüber, über wie viele Samples sie aktiv verfügen können. Wie Sie bereits wissen, hängt der Speicherbedarf von der Qualität und Länge Ihrer Samples ab. Ein 16 Bit Sample mit 44,1 kHz benötigt z. B. pro Sekunde (*) MB an Speicherkapazität.
Ein gut gesampeltes Piano könnte also durchaus 8 MB Speicherplatz benötigen.
Solange dieses Piano auf Ihrer Festplatte oder CD-ROM weilt, ist dies sicher kein Größenfaktor, der Sie beunruhigt. Nur, so lange können Sie dieses Piano auch nicht spielen*. Erst wenn Sie das Piano in den internen RAM-Speicher geladen haben, steht es Ihnen zur Verfügung. Im Falle eines 8 MB großen Speichers hieße das aber, dass Ihr Sampler nicht mehr fähig wäre, noch weitere Instrumente in den Speicher zu laden (z. B. um diese durch einen Sequencer anzusteuern).
Die gängigen Sampler lassen sich mindestens bis zu 32 MB RAM Speicher aufrüsten. Viele Modelle inzwischen sogar bis 64 MB, Ausnahmen bis 128 MB und sogar 254 MB RAM. Eine schier unglaubliche Größenordnung, bedenkt man, dass 1980 ein rund 70.000 DM teurer Fairlight-Sampler über 250 KB (ja Kilobyte) verfügt hat.

Antwort:

Setzen Sie Ihren Sampler zusammen mit verschiedenen Synthesizern oder Drumcomputern zur Erzeugung gängiger Musikinstrumente ein, sollten 32 MB RAM in den meisten Fällen ausreichen.
Für die Anwendung als Produktionstool, z .B. zur Aufnahme von Gesangspassagen, für Remix-Zwecke etc. empfehle ich ein Produkt, bei dem sich der RAM-Speicher auf mindestens 64 MB oder mehr aufrüsten lässt.
Für komplexe Arrangements klassischer Orchesterinstrumente kann man ebenso nie genug Speicher haben, vor allem wenn die Wiedergabe möglichst authentisch klingen soll. 128 MB RAM sind hier schon fast zwingend.

Frage 4:

Wie viele Einzelausgänge sind notwendig?

Hintergrund:

In professionellen Studios werden die einzelnen Instrumente und Drumsounds einer Produktion getrennten Mischpultkanäle zugeführt, um sie unabhängig voneinander nachbearbeiten zu können (Lautstärke, Panorama, Equalizer, Effekte etc.). Ein Sampler, der z. B. über nur einen Stereoausgang verfügt, muss notgedrungen alle erzeugten Audiosignale über diesen Ausgang schicken. Die am Mischpult vorgenommenen Einstellungen gelten dann natürlich für alle Audiosignale gemeinsam. ALLES oder NICHTS heißt somit die Devise. Nur mal schnell ein Delay auf die Snare-Drum legen, würde immer bedeuten, den Delay-Effekt auch mit allen anderen Audiosignalen auszulösen. Eben mal die Bässe mit dem Equalizer wuchtiger gestalten, hieße auch, allen restlichen Instrumenten mehr Bassanteil zu verleihen.

Man muss die Frage um die Einzelausgänge allerdings nicht ganz so schwarz sehen, wie ich sie eben dargestellt habe. Zum einen ist eine Entzerrung bei vielen gesampelten Instrumenten nicht mehr in dem Maße notwendig, wie bei einem soeben live eingespielten Instrument und zum anderen verfügen viele Sampler bereits intern über einen einfachen Mixer, oft sogar inkl. verschiedener Stereoeffekte.

Sampling als Production-Center: Akais MPC-60 I & II

Antwort:

Planen Sie eine Top-Produktion innerhalb einer exzellenten Studioperipherie, kommen Sie nicht um entsprechende Einzelausgänge herum, selbst wenn Ihr Sampler über einen internen Mixer und interne Effekte verfügt, da diese nie die Qualität spezialisierter Studioeffekte erreichen. In der Praxis sind acht Einzelausgänge in solchen Fällen der Standard. Für absolute Sample-Enthusiasten lassen sich die Spitzenmodelle gar auf 16 Einzelausgänge erweitern.
Für sehr gute Demoproduktionen sind oft schon vier Ausgänge ausreichend, vor allem dann, wenn das entsprechende Produkt zusätzlich über interne Effekte verfügt und einen rudimentären Mixer bietet. Der Großteil der Instrumente lässt sich so über einen Summenausgang stereo nach „außen” leiten, während problematischere Signale wie z. B. Bassdrum und/oder Synthesizer-Bass einzeln abgenommen werden können.
Zu Samplern mit nur einem Stereoausgang kann ich nur dann raten, wenn man entweder keine besonders großen Ansprüche an die Mischung stellt oder der Sampler nur für einen oder zwei Sounds in Anspruch genommen wird, weil entsprechend viele verschiedene Klangerzeuger/Instrumente den „Rest” erledigen.

Frage 5:

Wie viele Effekte sollten integriert sein?

Hintergrund:

Wie bereits bei der Frage um die Einzelausgänge deutlich geworden sein sollte, werden bei professionellen Produktionen so gut wie nie die internen Effekte der Sampler verwendet, da die externe Effekt-Peripherie deren Qualität bei Weitem übertrifft.
Heutzutage sind selbst preisgünstige Effektgeräte von Herstellern wie z. B. Alesis
den internen Effekten vieler Sampler ebenbürtig bzw. oft sogar überlegen. Um diese externen Effekte dann aber wieder gebührend einsetzen zu können, bedarf es entsprechend vieler Einzelausgänge und Mischpultkanäle.
Da beides nicht immer in beliebiger Anzahl zur Verfügung steht, ergeben auch heute noch interne Effekte Sinn.
Entscheidet man sich schließlich für „interne” Effekte, sollte man vor allem darauf achten, dass sich diese pro Sound nicht nur ein- und ausschalten lassen, sondern über variable Aux-Wege flexibel einsetzbar sind, ähnlich wie Effektgeräte, die an einem externen Mischer über die Aux-Wege angesteuert werden.
Wünschenswert ist außerdem die Möglichkeit, die Effekte während des Samplings einzubinden, bzw. bereits gesampelte Sounds erneut zu sampeln, aber diesmal inkl. eines Effekts. Auf diese Weise lassen sich später im Mixdown wieder Effekte sparen. Dazu im Praxisteil mehr!

Antwort:

Wer genügend Mischpultkanäle und Einzelausgänge an seinem Sampler besitzt, fährt mit externen Effekten sicher besser. Wer sich allerdings für eine Mischung innerhalb des Samplers entscheidet, sollte unbedingt darauf achten, dass der Sampler über einen internen Mixer inkl. einen oder mehrere Aux-Wege verfügt und darüber hinaus Resampling anbietet. Zwei Stereoeffekte sind dann quasi Pflicht, mehr aber von Vorteil.

Frage 6:

Welche Synthesefunktionen sollten integriert sein?

Hintergrund:

Noch vor wenigen Jahren war ein Sampler ein Sampler, ein Synthesizer ein Synthesizer. So profan sich dieses Statement auch anhören mag, heute beinhalten immer mehr Synthesizer eine Sampling-Funktion und viele Sampler beherbergen einen ausgefuchste Synthesizer.
Bei vielen Samplern beginnt der Spaß der Klangformung erst richtig nach dem eigentlichen Sampling-Vorgang. Angefangen mit der Beeinflussung durch Amplituden- und Filterhüllkurven, der Nachbearbeitung durch resonanzfähige Filter, die Modulation durch einen oder mehrere LFOs bis hin zu vollkommen abgefahrenen DSP-Algorithmen, die Samples auf Gedeih und Verderb in klangliches Neuland verwandeln.
An dieser Stelle komme ich auf die eigentliche Frage zurück: Wie umfangreich müssen die Synthesefunktionen denn nun sein?

Antwort:

Die Erfahrung zeigt, dass ein Großteil der Sampler-User die High-Tech Geräte hauptsächlich zum Abspielen von CD-ROMs verwendet. Praktisch jeder Klang, jeder Loop und jedes nur denkbar akustische Signal ist heute in den riesigen Librarys professioneller CD-ROM Anbieter erhältlich. Es ist absolut nichts Verwerfliches dabei, sich mit „Klangfutter” professioneller Programmierer einzudecken, deshalb mag für viele User die Syntheseabteilung der Sampler nicht zur Kaufentscheidung beitragen.

Sind Sie also hauptsächlich an der Wiedergabe professioneller Librarys interessiert, sollten Sie den Synthesefunktionen bei Ihrer Kaufentscheidung keine allzu große Bedeutung beimessen, zählen Sie sich aber zu den Klangtüftlern und planen, synthetisches Neuland mit dem Sampler zu entdecken, sind es vielleicht gerade diese Features, die letztendlich Ihren Favoriten ausmachen.

Legendär: Die FZ-Sampler-Familie von Casio

Zurück in die Gegenwart – meine persönliche Empfehlungen

Hier eine ganz persönliche Auflistung meiner TOP 3 Favoriten, für all jene, die heute ernsthaft vorhaben, ihr Setup durch einen Hardware-Sampler zu bereichern.

Platz 4: Casio FZ-Serie

Man muss für die Casio FZ-Sampler etwas Geduld mitbringen, denn einen schnellen Datenzugriff auf Samples bietet nur der extrem seltene Casio FZ-20M. Aber auch mit einem integrierten Floppy-Emulator geht das Laden und Speichern von Multisamples „relativ“ schnell (ca. 45 Sekunden für 1 MB – maximaler Speicherausbau 2 MB). Entlohnt wird man dafür am Ende mit einem sehr eigenständigen Klang. Gerade unter Einsatz der Filter und Stacking-Funktionen kommen da unerhörte Sounds aus der „Kiste“. Der FZ erlaubt z. B. so etwas wie einen Unisono-Modus, bei dem sich 8 Stimmen mit 8 leicht gegeneinander verstimmten oder unterschiedlich editierten Samples gleichzeitig spielen lassen – einfach MONSTER. Dazu kommen witzige Synthesemöglichkeiten, wie z. B. das Zeichnen eigener Schwingungsformen oder eine einfache Form der additiven Synthese. Spaß pur!

Platz 3: E-Mu IV Ultra-Serie

Ich bin überzeugte E-Mu User und Fan der ersten Stunde, aber so sehr ich die E-Mu-Sampler auch liebe, in Sachen Bedienungskomfort hat der nachfolgend präsentierte S6000 für mich die Nase einfach vorne. Dennoch, die EIV Serie, allen voran die finale Ultra-Serie der Reihe, punktet vor allem durch seine abgefahrenen Filtermodelle.

Platz 2: AKAI S6000

Mit 128 Stimmen und 256 MB RAM kann er bereits mit diesen beiden Eckpunkten überzeugen. Am Markt gibt es eine gigantische Vielfalt an Librarys, die heute zu einem Spottpreis zu haben sind. Neben den AKAI-eigenen Formaten wie S1000 und S6000, wandelt er aber auch zahlreiche Fremdformate um. Das Beste ist aber sein großes abnehmbares Bedienfeld. Kabellängen von einigen Metern spielen da keine Rolle. Die Remote-Control mit dem graphischen Display lässt sich daher ganz easy neben der Computer-Tastatur platzieren. Die Bedienung ist dabei selbsterklärend und für meinen Geschmack hervorragend gelöst.

Zusätzlich zu der Möglichkeit, SCSI-Platten anzuschließen, lässt sich der SCSI-Anschluss heute auch wunderbar für SD-Karten umrüsten. Da sich die formatierten SD-Karten auch im PC lesen lassen, ist der Datenaustausch zwischen PC und S6000 spielend einfach.

Klanglich ist der AKAI S6000 sehr detailreich und immer voller Wärme. Dank des integrierten Effekt-Boards mit unzähligen Insert- und Master-Effekten lassen sich im Handumdrehen selbst aus bescheidenen Samples gigantische Klangcollagen entwickeln. Die große Anzahl an durchaus attraktiven Filtermodellen (wenn man sie dezent einsetzt) runden dieses Paket ab. Dank immer noch niedriger Gebrauchtmarktpreise ein absoluter Geheimtipp.

Emulator 2

Mein Lieblings-Sampler, der E-Mu Emulator II (Bild von Marko Ettlich / Retrosound)

Platz 1: E-Mu Emulator II

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich liebe diesen crispen 8 Bit Sample-Sound des E-Mu Emulator II und dessen vollständige analoge Nachbearbeitung.  Die Bedienung ist kinderleicht und sehr intuitiv. Vollkommen egal, welches Multisample Sie laden, nach wenigen Handgriffen haben Sie etwas ganz Eigenes geschaffen, das sie garantiert mit keinem anderen Hardware-Sampler mit diesem einzigartigen Sound hinbekommen.

Fazit

Vintage-Hardware-Sampler haben auch heute noch ihren Reiz. Es sind nicht nur die klangbeeinflussenden Bausteine, die schwer durch ein Plugin abzubilden sind, es sind vor allem die Herangehensweise und die technischen Limitierungen, die bei der Arbeit mit deinem Vintage-Sampler zu deutlich anderen Ergebnissen führen als die Arbeit mit einem Software-Sampler.

Dank immer noch günstigen Gebrauchtmarktpreisen kann ich den Kauf eines Vintage-Samplers all jenen empfehlen, die Lust auf eine Zeitreise in die 80er haben und sich entspannt (denn alles dauert dann etwas länger) auf diesen Klangtrip einlassen wollen.

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