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Black Box: Sequential Circuits Studio 440


Sequentials All In One

Vorwort

Liebe Leser,

immer wieder tauchen Fragen zur Farbgebung unserer „BOX“ Serie auf.Grundsätzlich steht die „BOX Serie“ für Vintage-Produkte der Synthesizer- und Recording-Szene der 70er bis 90er Jahre. In die BLUE BOX Reihe fallen analoge bzw. analog-hybride Synthesizer. In der GREEN BOX Reihe finden Sie vor allem digitale Synthesizer und Sampler. Und als  BLACK BOX bezeichnen wir Drumcomputer und Hardware-Sequencer-Ikonen aus jenen Tagen.

Heute stellen wir Ihnen Sequentials Produktionsmaschine STUDIO 440 vor. Dieses Allround-Talent darf sich getrost in die Riege der Klassiker wie EMU SP12/1200 und AKAI MPC60 einreihen.

Der durchschlagende Erfolg blieb dem STUDIO 440 aber verwehrt. Noch bevor alle Kinderkrankheiten durch Software-Updates beseitigt wurden, schloss die Firma Sequential Circuits für immer seine Tore. Was einst mit dem Prophet-5 geradezu kometenhaft begann, endete schließlich mit einer Übernahme durch den Konkurrenten Yamaha. Die beiden letzten Highlights des Unternehmens, STUDIO 440 und der Studiosampler Prophet 3000, konnten die Talfahrt leider nicht mehr stoppen, obwohl sie eigentlich das Zeug dazu gehabt hätten.

Ich erinnere mich gut, als ein guter Freund ca. 1987 damals seine gesamten Ersparnisse opferte, um für ein gemeinsames Musikprojekt ein STUDIO 440 zu erwerben. Es war wohl ein Ladenhüter geworden, daher konnte er es zu einem Schnäppchenpreis von ca. 4.000 DM erwerben und das geplante Auto wurde für Jahre zurück gestellt.

Selten hat ein neues Musikinstrument bei uns nur durch seine bloße Anwesenheit für einen so unglaublichen Motivationsschub gesorgt wie damals diese schwarze Box. Schon bei den ersten selbst eingespielten Sequenzen glaubten wir, einen Groove und einen Druck zu hören, wie wir ihn zuvor noch nie wahrgenommen hatten. Nichts, aber auch gar nichts klang in unseren Ohren so authentisch und durchsetzungsfähig wie der Sound aus unserem STUDIO 440.

Mein Studio 440 von 2009

Das ist nun 30 Jahre (!!!) her. Inzwischen hatte ich die Möglichkeit, das STUDIO 440 erneut zu testen (die Bilder stammen tatsächlich von meinem eigenen Exemplar). Der Gebrauchtmarktpreis war mir relativ egal, denn ich konnte es kaum abwarten, diesen Sound-Schatz wieder in meinem Händen zu halten und loszulegen. Und dann? Klar, pure Ernüchterung. Die Faszination von damals stellte sich einfach nicht mehr ein. Der Sound war druckvoll und crisp, ohne Zweifel, aber ganz ehrlich, nichts, was man nicht auch mit BATTERY oder einer ähnlichen Software hinbekommen würde. Das Einzige was mir blieb, ich sampelte die Original-Library am Ausgang des STUDIO 440 ab, erstellte einige hübsche Bilder und verkaufte das schöne Stück schließlich weiter.

Und nun … noch während ich diese Zeilen schreibe, denke ich so klammheimlich bei mir selbst: „Mensch, was für ein großer Fehler!“

Viel Spaß nun beim folgenden Artikel, den uns „Zeitzeuge“ Richard Aicher zur Verfügung stellte, der damals selbst als Autor für renommierte Fachmagazine schrieb und diesen Test verfasste, lange bevor es das Internet gab.

Original Anzeigenmotiv von 1986

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  1. Profilbild
    pmm AHU

    Interessanter Artikel, mit einer Eingangsaussage, der ich viel abgewinnen kann, „Die Faszination von damals stellte sich einfach nicht mehr ein.“. Übrigens sähe meine Reihenfolge wohl genau, oder weitestgehend umgekehrt aus. An erster Stelle wäre die MPC-60, wobei ich wohl der 3000er den Vorzug geben würde, gefolgt von E-mus SP-12 und an dritter Stelle das Studio 440. Letztere kenne ich allerdings zu wenig und dieser Umstand ist gemeinsam mit Deinem Artikel vielleicht Grund genug sich bei gebotener Gelegenheit einmal näher damit zu beschäftigen.

    • Profilbild
      Tyrell RED

      Das ist einfach immer viel pure Nostalgie am Start. Übrigens, obwohl ich bei AKAI gearbeitet habe, lag die MPC-60 Zeit lange vor mir – und gerade weil auch du gerne von den MPCs geschwärmt hast, reizt es mich wiederum, mir die MPC-60 einmal genauer anzusehen :-)

      • Profilbild
        pmm AHU

        Die 4000er ist nach wie vor die Zentrale in meinem Studio. Jetzt mit SSD ist sie vor allem lautlos und vermutlich auch schneller. Die 3000er ist leider nicht derart flexibel, gefällt mir vom Sound her aber besser. Aber da sind wir dann bei den Nuancen.

  2. Profilbild
    Andreaz Vogel

    Ich hatte das Glück, Anfang der 90er mal ein Studio440 für ein halbes Jahr als Leihgabe nutzen zu können.
    Ich halte das Ding immer noch für den brillatesten (Drum-)Sampler, der jemals gebaut wurde.
    Das Spielen dieser seltsamen Moosgummi-Pads ermöglichte ein extrem nuancenreiches Spiel, von dem z.B. eine MPC meilenweit entfernt ist.
    Wirklich ein grandioses Ding; leider reichte mein damaliges Budget nicht aus, mir eines zu besorgen.
    Und heute habe ich dann doch etwas Schiss davor, eine Menge Geld (wenn mal wieder irgendwo ein 440er verkauft wird) bei fraglicher Ersatzteillage ggf. in einen teuren Briefbeschwerer zu investieren.
    Schade eigentlich.

  3. Profilbild
    iggy_pop AHU

    Dass vor 30 Jahren ein solches Gerät noch „flashte“ und für ungekannte Kreativitätsschübe sorgte und heute allenfalls ein schulterzuckendes „Na, und?“ hervorruft, zeigt, wie verwöhnt wir heute mittlerweile sind. Dabei sollte man seine ersten Produktionserfahrungen mit solch primitiven Mitteln machen müssen, damit man den Komfort moderner Produktionsmöglichkeiten nicht als kommode Selbstverständlichkeit hinnimmt.
    Ich habe noch nie eine 440 gesehen, die nicht Probleme mit den extrem weichen Pads gehabt hätte. Generell machte die Verarbeitungsqualität auf mich nie einen wirklich guten Eindruck, fühlte sie sich doch an wie ein Prophet VS oder ein Prophet 2000.
    Ob ein Prophet 2002+ mit zusätzlichem Speicher und acht Einzelausgängen nicht die bessere Wahl ist für Drumsamples? 1.600 bis 2.000 Euro für einen Exoten, der sich nie wirklich durchsetzen konnte und dessen Servicesituation eher suboptimal ist…? Von den Speichermedien mal ganz zu schweigen.
    Das ist wohl wirklich nur etwas für Nostalgiker.

  4. Avatar
    +R008

    Als Studio440-User kann ich nur dem obigen Wortlaut beipflichten.

    Es ist schade, dass die Produkte von SCI nicht fortentwickelt wurden, und die Übernahme von Yamaha fragwürdig ist (Mißbrauch des Patenrechts ?), zudem hier wohl Knowhow zerstört wurde (?).

    Auch haben sich nicht Gruppen gebildet, die, mit Ausnahme von point source, weiter entwickelt hätten.

    Trotzdem ist selbst aus heutiger Sicht ein Studio ein wichtiges Mittel gute Musik zu produzieren. Zudem, von den Custom Chips abgesehen, sind die geräte noch reparierbar.

    Auch ist es m.E. ein Unterschied, ob man am PC sitzt und etwas mit cut&paste zusammenbaut, oder ob man es wirklich einspielt, und zwar solang bis es perfekt ist, und der Sequenzer im Kopf des Komponisten läuft, wohl so, wie bei den großen Künstlern.

    Es gibt noch ein Yahoo Userforum, dort gibt es Schaltpläne.

    Gruß an alle Studio440 User
    +R008

  5. Profilbild
    Coin AHU

    Hallo +R008,
    das ist aber auch nur Deine Sicht.
    Es gibt auch gute Musiker, die nur mit PC/Notebook
    und Plugins gute Musik machen.
    Jeder hat halt seinen Workflow,
    den man auch ruhig respektieren kann/sollte.
    Andersrum macht nicht gleich jeder, der
    ein Studio besitzt automtisch gute Musik.
    Gruß – Coin

  6. Profilbild
    TobyB RED

    Tja, jetzt hab ich mir selber ne Nase gedreht, vor zwei Jahren auf dem Musikerflohmarkt in der Batschkapp wurde ein SC Studio 440 aus dem Studio von Jam & Spoon verkauft. Preislich okay. Ich konnte mit der Kiste nichts anfangen. Und hab mir „lieber“ einen Emu Phat Planet und einen Proteus gekauft. Und ein Boss RCE-10. Das abrockte Siel und die D50 mit Promibonus hab ich auch verschmäht. So kann es gehen ;-)

    • Profilbild
      Kyotonic AHU

      Haste alles richtig gemacht! Nicht alles aus dieser Zeit hat eine fortlaufende Berechtigung. Den Sound des 440 bekommt man auch anderswo geboten. Der Mirage als „billiges“ Beispiel hingegen, kann mit einem Sound einen ganzen Track rocken. So sind die Unterschiede. Mir fehlt auch noch ein Emu Rack als Rompler. Der Proteus soll gute Chiptune Sounds können. Bei entsprechender Programmierung natürlich. :)

      • Profilbild
        TobyB RED

        Hallo Kyo,

        wenn ich mal keinen Roland Drum Sound brauche greife ich eh zur Linn und oder dem Emu Procussion. Das kommt auch gut. Zumal die SC Studio 440 abgenutze Pads hatte und nicht den von Peter beschrieben FW Stand hatte. Das ist dann immer so eine Bastelei, das zu fixen. An meiner Linn hab ich ein Jahr gearbeitet, vor allem den ICs musste ich hinter her laufen. Das muss man auch immer im Kopf haben. Insofern, bin jetzt nicht traurig. War ein Aha Erlebnis. Viel interessanter war das RCE – 10, Originalware, nie benutzt. Mittlerweile habe ich seine Brüder der Boss R Serie. Der Delay RDD-10/20 ist einfach nur genial. Und das Chorus Ensemble auch.

  7. Profilbild
    Synthfreak ••••

    Erstmal danke für den Artikel und das eingebundene YT-Video, aber wäre es nicht noch möglich gewesen, Soundbeispiele einzubinden, oder besitzt keiner der Autoren mehr die 440?

  8. Profilbild
    SimonChiChi ••

    Für den Preis holt mich heute sich lieber eine Elektron Rytm. Die kann mehr, ist deutlich zuverlässiger und besitzt gleich von Werk aus Analogfilter mit modulierbarer Resonanz. AMEN.

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Sequential Circuits Studio 440

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