Blue Box: Sequential Circuits Prophet 2000 Family

19. Mai 2004

Kult-Sampler mit analogen Filtern.

Vorwort

Kooperation mit dem ehemaligen Online-Mag SYNRISE
AMAZONA.de ist mit der Online-Seite Synrise.de eine Kooperation eingegangen, die es uns erlaubt mehrere informative Produkt-Features von SYNRISE.de auf AMAZONA.de vorzustellen. SYNRISE.de war eine Initiative des Synthesizer-Fachmanns Stephan Dargel. Alle Artikel auf SYNRISE.de trugen seine Handschrift.

Unabhängig von diesem Marktüberblick zu Sequential-Samplern, finden Sie einen ausführlichen AMAZONA.de-Testbericht zum Prophet 2002 HIERund zum Prophet 3000 HIER

Der Racksampler PROPHET-2002 war insbesondere in den USA ein recht weit verbreiteter Sampler, welcher insbesondere durch seine analoge Nachbearbeitung mit Filtern gerade in der Techno-Szene auch heute noch beliebt ist, wenngleich er auch wegen seiner dürftigen dreistelligen LED-Anzeige nur mit Hilfe des Programmierhandbuchs programmierbar ist – zumindest wenn man mit ihm anfängt zu arbeiten.

Aber nicht nur seine klanglichen Vorzüge sollen erwähnt sein. Auch ein Arpeggiator sorgt für die nötige Ausstattung der Neunziger. Gerade diese Einrichtung ist in den japanischen Samplern seltener zu finden, während auch EMU SYSTEMS als damals noch reinrassiger Amerikaner einen Arpeggiator in seine z.B. EMAX-Reihe integriert hat. Da der PROPHET-2002 ausserdem farblich optimal zum PROPHET VS RACKabgestimmt ist, bildete diese Kombination in vielen Studios eine klangliche Basis.

Der achtstimmige mit Monosampling arbeitende Sampler arbeitet mit einer 12-Bit-Auflösung in allen Bereichen, also in der A/D- und D/A-Wandlung wie auch in der internen Architektur. Die Abtastraten können gewählt werden, wobei die Werte 15,625 kHz, 31,25 kHz und 42 kHz zur Verfügung stehen. Der Problempunkt aus heutiger Sicht: der Sample-Speicher, welcher heutzutage von jeder billigen Soundkarte bereits locker überboten wird: 768 kByte, wenigstens auf 1,5 MByte (= PROPHET-2002 PLUS) erweiterbar. In diesem Speicher lassen sich bis zu 16 Samples organisieren, deren Verteilung auf die acht Mono-Einzelausgänge festgelegt werden kann, sofern sie nicht über die Stereoausgänge herausgelangen sollen. Der interessante Stack-Mode erlaubt die Kopplung der Stimmen auf eine MIDI-Note, wobei hier eine Stimme oder zwei, vier oder gar alle acht Stimmen auf eine Note gelegt werden können.

Auf Sample-Ebene gibt es einige Möglichkeiten, wie z.B. die von der Anschlagsdynamik kontrollierbare Sample-Start-Verschiebung, wobei diese sowohl positiv als auch negativ wirken kann. Zwei Loops können erstellt werden. Der eine loopt die Sustain-Phase (gehaltene Taste), der andere dient der Verlängerung des Ausklingens (Release-Loop), wie es z.B. bei einem Beckenklang sinnvoll wäre. Hier wird besonders deutlich, wie ökonomisch man mit dem knappen Speicher umgehen muss, um noch akzeptable Ergebnisse zu erhalten. Allerdings muss erwähnt werden, dass dies insbesondere dann ein Problem ist, will man möglichst realitätsnahe Samples erstellen. Betätigt man sich in alter Depeche-Mode-Manier und kreiert neue Klangschöpfungen mit Hilfe von Samples, so wird man mit diesem PROPHET-2002 seine Freude habe (man bedenke, viele Samples der Depeche-Mode-Alben wurden mit dem 8-Bit-Sampler E-MU SYSTEMS EMULATOR II erstellt!). Doch zurück zu den Bearbeitungsfunktionen. Samples lassen sich mischen und aneinanderhängen. Crossfade-Loops sind ebenso mögich. Mit Hilfe des Loop Finders können auch automatische Loops gesetzt werden, denn das Auffinden von Loop-Punkten ist in Zeiten der „noch nicht“ grafischen Displays ein mehr oder minder grosses Problem.

Die analoge Nachbearbeitung mit „herkömmlichen“ Synthesizerfunktionen macht den PROPHET-2002 dann aber erst richtig interessant. Pro Stimme gibt es ein 24 dB/Oct.-Tiefpassfilter mit Resonanz, zwei ADSR-Hüllkurven für die Filtereckfrequenz und Amplitude, sowie einen in Tiefe und Geschwindigkeit regelbaren LFO mit allerdings fester Dreieckswelle. Der LFO kann die Tonhöhe, die Filtereckfrequenz und die Amplitude modulieren. Das Filter packt ordentlich zu und macht auch diesen Sampler zu einem wahren Mitglied der PROPHET-Familie. Gerade dieses Filter hat für die Beliebtheit des PROPHET-2000/2002 gesorgt. Der damalige „Industriestandard“ in Form des AKAI S 900bietet da lediglich resonanzlose 12dB/Oct.-Tiefpassfilter an.

Zum Organisatorischen: Es gibt ein 3,5″-Diskettenlaufwerk für einfache DD-Disketten. Eine komplett gefüllte Diskette benötigt rund eine Dreiviertelminute zum Laden. 12 Presets (= Samples inklusive digitaler und analoger Nachbearbeitung) kann der Sampler verwalten, sofern die Samplingzeit beim begrenzten Speicher dafür überhaupt genügend Platz bietet. Was eingangs bereits erwähnt wurde, sollte auch hier nicht verschwiegen werden: die Bedienung. Zwar bedient man sich einer Matrix, mit welcher sich die Parameter gezielt auswählen lassen. Dennoch wäre ein Klartextdisplay die bessere Wahl gewesen, will man sich nicht allzu schnell in der Vielzahl der Parameter verirren. Fragt man verschiedene Anwender, so werden die einen das Bedienkonzept genial finden, die anderen wiederum haben den Sampler nur noch wegen der guten Filter, haben aber die Bedienung hassen gelernt. Was den Sound betrifft, so kann man diesen Sampler auch heute noch empfehlen. Einziges Problem: der knappe Speicher und die nicht mehr gesicherte Ersatzteilbeschaffung von SCI-Produkten. Immerhin war es schon möglich, per MIDI-Sample-Dump Samples auszutauschen, was bei den hier gebotenen Dateigrössen auch noch Sinn macht. PROPHET-2002 PLUS / pol spl exp 5500 (1987)

Expander des PROPHET-2000 PLUS mit 1,5 MByte RAM und Einzelausgängen.

Nach unserem Kentnissstand wurde diese Spezialversion (zumindest in Deutschland) nur vom damaligen SYNTHESIZER STUDIO BONN angefertigt und vertrieben.

PROPHET-2000  (1985)

Die Keyboardversion entspricht der Rackversion PROPHET-2002besitzt aber 61 anschlagsdynamischen Tasten ohne Druckdynamik, welche aber via MIDI empfangen werden kann. Ein Problem beim Absatz dieses Keyboard-Samplers dürfte das etwas arg nüchterne Design gewesen sein. Ausserdem werden in Studios ohnehin die Rackgeräte eher bevorzugt.

PROPHET-3000  (1987)

Als der PROPHET-3000 als einer der ersten 16-Bit-Stereosampler im erschwinglichen Preisrahmen erschien, war das Ende der einstmals ruhmreichen Firma SEQUENTIAL bereits in Sicht. Dabei bot der PROPHET-3000 für damalige Verhältnisse ein wirklich gelungenes Bedienkonzept, welches übrigens nur drei Jahre später in der KORGWAVESTATION (John Bowen und Dave Smith von SCI arbeiteten an der Konzeption der WAVESTATION neben anderen Ex-SCI-Mitarbeitern mit) erneut umgesetzt wurde. Wer die WAVESTATION kennt und bedienen kann, der wird mit einem PROPHET-3000 sofort zurechtkommen, da inklusive Display-Grösse und Softbuttons alle Merkmale bei beiden Instrumenten identisch sind.

Als schliesslich das Aus für SEQUENTIAL kam, kaufte YAMAHA USA die Reste von SEQUENTIAL auf und baute den recht beliebten PROPHET-3000 für den amerikanischen Markt zunächst weiter. Es dürften einige dieser Modelle als YAMAHA P-3000 existieren!

Der PROPHET-3000 ist lediglich in einer Expanderversion erschienen, welche im Rack zwei Höheneinheiten beansprucht. Alle Bedienschritte werden über die mit einem Kabel verbundene Fernbedienung vorgenommen, die eben die o.g. Merkmale besitzt. Bis zu 320 Zeichen können auf dem grafikfähigen Display dargestellt werden. Grafisch darstellbar sind Hüllkurvenverläufe und die gesampelten Wellenformen. Es existieren Versionen mit zwei und acht MByte Sample-RAM, wobei mir offiziell nur von einer 2-MByte-Version Daten vorliegen. Damit dürfte der Speicher wieder recht knapp bemessen sein, denn 16-Bit-Samples verbrauchen schon einmal ein Drittel mehr Speicher als 12-Bit-Samples. Dazu kommt noch Stereosampling, so dass die Samples ohnehin schon den doppelten Speicher belegen. Im Prinzip kommt man letztendlich auf ähnliche Sample-Zeiten, wie beim 12-Bit-Monosampler der PROPHET-2000-Familie.

Die Remote Control des Prophet 3000

Der PROPHET-3000 benützt 16-Bit-Wandler und arbeitet auch intern im 16-Bit-Format. Als Abtastraten stehen 16 kHz, 32 kHz, 44,1 kHz und sogar 48 kHz zur Verfügung. Die Samples können per MIDI-Sample-Dump übertragen werden, was allerdings schon zu Wartezeiten führt. Natürlich gibt es auch ein 3,5″-Diskettlaufwerk für HD-Disketten. Eine komplette Diskette ist in etwa 77 Sekunden in den Speicher geladen.

Bevor wir zu den Bearbeitungsfunktionen kommen, sei noch erwähnt, das der PROPHET-3000 verschiedene Software-Versionen besitzten kann. Die mir bekannte letzte Version war die Version 2.04. Seinerzeit wurde vom ehemaligen Service-Händler WINE COUNTRY PRODUCTIONS der Einbau der 2.0-Software dringend empfohlen. Modelle mit niedrigerer Version könnten Probleme bereiten, wobei insbesondere die Seriennummern 13 bis 57 davon betroffen sind. SEQUENTIAL kündigte seinerzeit noch eine spätere Version an, welche den PROPHET-3000 sogar zum HD-Recording hätte befähigen sollen. Daraus wurde aber nichts mehr.

Der achtstimmige Stereosampler kann zwei Loops pro Sample erzeugen, wobei einer der Sustain-, der andere der Release-Phase zugeteilt wird. Des weiteren ist es mit Normalize Gain möglich, die Spitzenpegel zu begrenzen und mit Crossfade-Loops die Übergänge beim Loopen zu glätten. Ausserdem gibt es eine Auto-Loop-Funktion, die sich des Loop-Finders bemächtigt. Bis zu 433 Samples kann er im Speicher halten, wobei dieser Wert wohl nur theoretischen Charakter hat. Die Samples können dynamisch zugeteilt werden, sind aber auch auf die acht Einzelausgänge routebar, und zwar jedes einzelne Sample. Über den SCSI-Port ist der Anschluss einer SCSI-Festplatte möglich. Neben dem MIDI-Trio findet sich ferner ein Single-Mix- und die Stereoausgänge auf der Rückseite wieder.

Die analoge Nachbearbeitung umfasst ein 24 dB/Oct.-Tiefpassfilter mit Resonanz, zwei fünfstufige Hüllkurven (einer fest auf die Amplitude, die andere über die Modulationsmatrix frei zuteilbar), sowie zwei LFOs mit den Wellenformen Sägezahn auf und ab, Rechteck und Random. Die LFOs sind synchronisierbar und könne auf Tonhöhe, Filtereckfrequenz, Panorama (!), andere LFOs und Hüllkurven wirken. Über eine Modulationsmatrix können unter anderen auch MIDI-Controller zugeteilt werden. Auch in diesem Bereich stossen wir auf eine aus der WAVESTATION bekannte Funktion: den Macros. Hier gibt es Macros für Filter- und Amplituden-Hüllkurven und die Modulationsmatrix. Macros sind dabei vorprogrammierte aber dennoch veränderbare Preseteinstellungen bestimmter namentlich genannter Eigenschaften (z.B. Piano-Hüllkurve, Streicherhüllkurve etc.). Auf einen Sequenzer hat man hier verzichtet. Ganz klar ist der PROPHET-3000 auch aus heutiger Sicht noch ein sehr interessanter Sampler, wenngleich auch hier vor der problematischen Ersatzteilbeschaffung hingewiesen werden muss (leider).

PROPHET-3001  (1987)

Geplant war dieses Modell, welches dem PROPHET-3000 mit doppelter Stimmenzahl (16 Stimmen) entsprochen hätte.

PROPHET-3002  (1987)

Geplant war dieses Modell, welches dem PROPHET-3000 entsprochen hätte, jedoch mit doppelter (16) Stimmenzahl und eingebauter Festplatte.

Forum
  1. Profilbild
    THEXCEE  RED

    Danke Stephan, sehr schön und umfassend beschriebener Bericht!
    Meine P2000´s „freuen“ sich ;)

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