Vergleichstest Studiokopfhörer: AKG 712 Pro, Audio Technica ATH-M70X, Beyerdynamic DT880 Pro, Focal Spirit Professional, Shure SRH940

Mechanische Ausführung, Tragekomfort und Klang der Testkandidaten

AKG K712 Pro

Der trotz seiner beeindruckenden Größe sehr leicht am Kopf anliegende Österreicher ist sehr gut verarbeitet und besitzt mit dem verriegelten Mini-XLR-Stecker einen sehr soliden Anschluss. Mechanische Geräusche beim Auf- und Absetzen sind kaum vorhanden. Der orange-bronzefarbene Bügel sieht hip aus, dient aber auch zur automatischen Anpassung an die Kopfgröße. Der Klang ist von leiser bis mittlerer Lautstärke satt, „schön“ und eher weich in der Gesamtabstimmung. Mit zunehmender Lautstärke fängt der K712 Pro bei den Gesangsstimmen und insgesamt im oberen Mittenbereich aber etwas an zu „plärren“ und es klingt dann nicht mehr ganz so beeindruckend.

Shure SRH940

Die mechanische Verarbeitung beim Amerikaner im Testfeld ist gut, eine Spur „Plastikcharakter“ ist aber vorhanden und die mechanischen Elemente machen ein wenig Geräusch beim Auf- und Absetzen. Für einen geschlossenen Hörer ist der Tragekomfort angenehm. Merklich heller abgestimmt klingt er nicht „kinomäßig“ oder nach Cinemascope, sondern nach einem kompakten Raum mit viel hohen Mitten. Der Klangcharakter ist von leise bis sehr laut auffallend stabil, ändert sich also kaum. Das Anschlusskabel ist hier eine Mini-Klinkenbuchse mit Drehverriegelung, diese erscheint durchaus vertrauenswürdig.

Beyerdynamic DT880 Pro

Der Deutsche im Testfeld stammt aus Heilbronn und ist mechanisch ganz vorzüglich ausgeführt. So gut wie kein Geräusch entwickelt sich beim Auf- und Absetzen und der Tragekomfort ist hervorragend (zumindest auf meiner Rübe). Das Klangbild ist einerseits relativ weit, es drückt aber auch merklich ein solider Bass in die Gehörgänge und alles ist sehr konturiert dargestellt. Gesangsstimmen klingen durchsetzungsfähig und ohne Schärfe und der DT880 Pro ist auch bei hoher Lautstärke noch ein Genuss. Zudem zeigt sich, dass auch mit einem relativ hochohmigen Kopfhörer (250 Ohm) eine hohe Lautstärke möglich ist (starker Kopfhörerverstärker natürlich vorausgesetzt).

Audio-Technica ATH-M70x

Der Japaner wirkt auf den ersten Blick ein wenig schlicht, ist aber sehr elegant ausgeführt. Die Verarbeitung ist hervorragend, ebenso der Tragekomfort. Zudem erzeugt er nur äußerst vernachlässigbare Geräusche beim Auf- und Absetzen. Der Anschluss am Kopfhörer erfolgt mit einer Miniklinke, die durch Drehung verriegelt wird, auch das wirkt solide ausgeführt. Der Klang ist für einen geschlossenen Kopfhörer eine Überraschung, da hier sehr viel Weite realisiert wurde und der ATH-M70x kaum nach „voll-in-die-Fresse“ klingt, wie das gerne bei geschlossenen Typen der Fall ist. Er hat einerseits viel Druck und schiebt schön, andererseits klingt er sogar ein wenig nach Feingeist. Eine sehr gelungene Abstimmung, die von leise bis laut weitestgehend gleichbleibt. Zudem kann er unglaubliche Lautstärken entwickeln.

Focal Spirit Professional

Die französische Firma bietet hier einen optisch äußerst schlichten Hörer an, der von der Verarbeitung aber insgesamt sehr gut ausgeführt ist. Die mechanischen Teile machen ein wenig Geräusche, aber alles noch im Rahmen, zudem wirkt alles sehr robust. Nur der nicht verriegelbare Miniklinken-Anschluss gefällt mir nicht sonderlich gut, denn es kommt immer mal wieder im Leben vor, dass man auf der Leitung steht und dann ist das Kabel draußen. Der Tragekomfort ist gut, aber man spürt hier doch einen gewissen Nachdruck am Kopf. Klanglich ist er sehr druckvoll und präzise, aber „große Weiten“ tun sich nicht auf, hier spielt die Musik eher auf einer kompakten Bühne. Ideal für die Musiker als Monitoring-Hörer.

Forum
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    Coin  AHU

    Moin Moin, die AKG sind für mich interessant.
    Ansonsten mit Beyerdynamic 770 Pro & 990 Pro lange gearbeitet,
    also würd ich hier auch die 880er vorziehen.
    Hab mal Shure 840 testen können, aber da waren
    die Mitten sehr stark ausgeprägt, was mir nicht gefallen hat.
    Aber wo bleiben Beyerdynamic 1770 und 1990 ?
    Die werden noch lange aufm Radar leuchten.
    Gruß – Coin

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    the_IMP

    Sehr cooler Vergleichstest! Ich selbst habe einen AKG712 und finde den für mich (!) perfekt. Das mit dem Plärren bei hoher Lautstärke ist mir noch nie aufgefallen, grad probiert, stimmt. ABER: das ist mir viel zu laut, da dreh ich vorher runter.
    Der Beyerdynamic war bei mir auch in der engeren Auswahl. beim Direktvergleich habe ich mich aber von der Bühne des AKG mehr beeindrucken lassen :) Focal & Shure habe ich nicht getestet gehabt.
    Was ich viel heftiger finde, wie bei KH’s die Preise gefallen sind! Gefühlt waren die vor 1-2 Jahren alle viel teurer

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    AMAZONA Archiv

    In wie weit unterscheiden sich die DT880 pro von den DT990 pro?

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      Onkel Sigi  RED

      Griass Di polyaural,

      der DT990 ist ein OFFENER Typ, der DT880 ein HALBOFFENER .

      Musikalische Grüße

      Onkel Sigi

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    AMAZONA Archiv

    Audeze LCD-2 ist mein treuer Begleiter seit Jahren..
    sicher sehr teuer… aber diese Auflösung erreicht kein dynamischer KH.

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    0gravity  

    Sehr schöner Test, der gerne ein noch größeres Kandidatenfeld hätte haben können. Aber vielleicht kommt ja noch ein 2.Teil (Wink mit dem Zaun).
    Mir hat auch die klare Rangordnung, mit der jeweils knappen aber schlüssigen Begründung und dem Hinweis auf die natürlich eingeflossene Subjektivität sehr gut gefallen.

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    MattZazzles  

    Mal ne ziemlich dämliche Frage: Was macht mehr Sinn: sich einen Luxus-KH um die 1000 Ocken zu gönnen oder schicke neue Monitore für den gleichen Preis. Ich besitze Rokits KRK 8 und finde sie richtig bescheiden. Meine Beyerdynamic DT-770 Pro mag ich auch nicht so wirklich.
    Was meint ihr?

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    Armin Bauer  RED

    Erste Option sollten zum Mixen eigentlich immer gute Monitore in einem funktionierenden Raum sein. Kopfhörer um mal etwas in die Tiefe zu horchen.
    Wenn kein vernünftiger Raum machbar ist darf sich die Gewichtung als Kompromiss Richtung Headphone verschieben.
    Es sind also nicht zwei, sondern drei Parameter auszuloten.

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      MattZazzles  

      Also sind KH eigentlich nur für die Feinjustierung gedacht?
      Danke für den Input, ich werde dann mein Geld eher in die hübschen Neumann’s investieren, der Raum ist nämlich fast optimal und wird immer mal wieder etwas optimiert.

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        Armin Bauer  RED

        Sicher keine schlechte Entscheidung.
        Wenn dann doch noch ein guter Kopfhörer dazu kommen soll, der die 200,- Euro Latte nicht knackt, kann ich den Audio-Technica ATH-M50x empfehlen.

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          MattZazzles  

          Besten Dank, Armin! Macht alles Sinn, und der KH ist auch nicht von schlechten Eltern. Hol mir jetzt endgültig vernünftige Speaker. Leider brauch ich immer ewig für solche Entscheidungen.
          Schicken Tach noch.

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            Armin Bauer  RED

            Die Auswahl seiner Hauptmonitore sollte man auch nicht übers Knie brechen. Im Idealfall begleiten einen die Dinger ein ganzes Leben. Ich habe mir vor ca. 20 Jahren die Emes Violet HR angeschafft und bin immer noch glücklich damit. Die Zweitmonitore wechseln gelegentlich.

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              MattZazzles  

              Stimmt. Nach dem absoluten Fehlkauf (zum Glück auf Ebay günstig) der Rokits werde ich jetzt auf die Neumanns KH120 übergehen. Habe keine Lust mehr auf matschigen Klang. Danke nochmal für deine Meinung.

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        TobyB  RED

        Hallo Matt,

        du kannst auch mit Kopfhörern mixen und mastern. Nur ist das recht aufwändig. Ich nehme die ATH M50 zur Vorproduktion und Einspielen. Partiell auch zum Mixen der Grobmischung. Feinarbeit und Bassmischung mit dem DT880 und Endfassung mit AKG 812. Das Endergebnis höre ich dann A/B wieder mit den ATH und Sennheiser CX Ohrstöpseln.

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          Armin Bauer  RED

          Hi Toby,
          klar geht das, man kann sich an (fast) alles gewöhnen.
          Ich erinnere mich noch gut an meine erste „Abhöre“ zu Cassetten-4Spur-Zeiten, die seligen ControlOne. Den Bass habe ich dadurch kontrolliert, dass ich die Hand vor den Reflexport gehalten habe und den Luftstrom erfühlt habe :-)
          Du schreibst aber selber, dass es aufwändig ist. Ich finde es auch deutlich anstrengender mit Headphones zu arbeiten und Ohrstöpsel geht bei mir gar nicht.

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            TobyB  RED

            Hallo Armin,

            so kann man den Bass auch fühlen ;-) Wenn es drückt ist gut ;-) Ich hab im Dachgeschoss zwar eine gute Aussicht nur eben einen akustischen GAU. Schräge Wände, Darunter Rigips, Rockwool und Lattenkonstrukt und eine Solaranlage samt Befestigung. Insofern Kopfhörer. Wichtig sind regelmäßige Pausen und die Abhörlautstärke. Bässe sind ein Thema. Ich helfe mir da mit Analyzer. Ohrstöpsel setze ich am wenigsten ein, die sind nur zu Abnahme auf dem iPhone/iPod/iPad. Da was zu hören ist noch mal ein ganz anderes Thema.

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          MattZazzles  

          Ich muss gestehen: ich habe die Kopfhörer meist vernachlässigt. Ich brauche den Druck im Gesicht. Ich gelobe aber Besserung. Versprochen!

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            TobyB  RED

            Hallo Matt

            und ich kümmere mich um eine gute Raumakustik und eine anständige Abhöre :-)

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    Sudad G  

    Hat man sich erst mal an den etwas schärferen Klang des SHURE gewöhnt, kann man wirklich tolle Mixe mit ihm erstellen. Am besten gefällt mir der über einen weiten Lautstärkebereich stabile Frequenzgang. Die Gefahr HiHats zu laut zu mischen, ist beim SHURE relativ gering. Er hat auch genügend Bass, um bei House bzw. Dance-Produktionen den sensiblen Low-End Bereich überzeugend abzubilden. Er erinnert mich fast schon an einen guten Studiomonitor. Er ist halt ein Arbeitstier. Nachteilig beim SHURE SRH-940 finde ich lediglich den Tragekomfort. Bei längerer Tragezeit drückt der schmale Bügel recht stark auf die Schädeldecke. Da sind AKG und Beyerdynamic wesentlich angenehmer zu tragen. Die AKGs klingen zwar recht gut, aber der Frequenzgang ändert sich je nach Lautstärke, was nervig sein kann. Aufgrund des „plärrenden“ Charakters mischt man Vocals und Leadsounds auch gerne etwas zu leise mit den AKGs. Nehme sie aber manchmal für das Einstellen der Effekt-Sends, da sie sehr räumlich klingen und Effektanteile sehr gut abbilden können. Der Beyerdynamic (kenne nur den DT-770 Pro) hat einen äßerst guten Tragekomfort, geht mir aber zu sehr schon in die sog. Hifi-Richtung. Über die Jahre ist der SHURE SRH-940, den ich anfangs auch nicht mochte, zum reinen Mischen in Verbindung mit KRK Monitoren mein Favorit geworden. Ich mische fast mehr auf dem SHURE als auf den KRKs.

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