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Über den Autor

Theo Bloderer

Theo Bloderer widmet sich intensiv Synthesizern und elektronischen Klängen. Besitzt eine der größten Vintage-Sammlungen in Deutschland. Er ist Gründer der Webplattform Bluesynths.com und organisierte von 2007 bis 2009 das Synthesizer Treffen Kufstein. Bis 2011 ist ein Teil seiner Sammlung in München ausgestellt.

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Blue Box: Roland Jupiter-4

03.10.2009
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Rolands Jupiter-4 war doch tatsächlich „state-of-the-art“ im Jahre 1978! Noch heute schwärmen Tanzmusiker von diesem ersten "leistbaren" polyphonen Synthesizer und den - wenn auch kurzen - goldenen Zeiten, die mit ihm anbrachen. Während Prophet-5 und andere Polyphone umgerechnet weit über 5000 Euro kosteten, war der Jupiter-4 um bescheidene 2000 Euro erhältlich.


Roland Jupiter-4

Aus heutiger Sicht scheinen die "Fakten" des Instruments dennoch nicht sehr spektakulär. Der Jupiter-4 verfügt über vier Stimmen mit jeweils einem VCO, VCF, VCA sowie zwei Hüllkurven. Des Weiteren gibt es einen Arpeggiator, Rolands typisch umfangreiche Controller-Sektion, 10 Presets, 8 "freie" Programmspeicher und ein Meer an bunten Knöpfen.

Doch interessant: Kaum ein Instrument hat sich in den letzten Jahren derart zum Geheimtipp und "gesuchten" Instrument entwickelt wie der Jupiter-4. Aus musikalischer Sicht hätte ich dem Gerät schon längst einen "deutlicheren" Erfolg gewünscht, doch bis vor nicht allzu langer Zeit konnte man den Jupiter-4 am Gebrauchtmarkt für günstige 250 Euro erwerben.

Die Rolle des hässlichen und ungeliebten Entleins war immer des Jupiters Schicksal. Sound und Aussehen ("Was kostet die Orgel da?") ließen ihn bereits ab 1980 – ein Jahr vor Produktions-Ende - sehr altmodisch erscheinen. In den 80er und 90er Jahren siedelte das Image des Jupiter-4 irgendwo zwischen "plump klingender Synthesizer" und "völlig unbrauchbares Instrument". Der Jupiter ist grundsätzlich gerne verstimmt, seine (nicht allzu hübsch tönenden) Presets lassen sich kaum verändern, die typisch klobige spät-70er-Jahre Roland Tastatur verleitet keineswegs zum "Spiel mich!" Syndrom, und eine Ansteuerung des Synthesizers via CV/Gate oder gar MIDI war natürlich nie vorgesehen bzw. ist eben nicht vorhanden.


Presets des Jupiter-4

Doch um die Sache ein wenig würzig zu machen behaupte ich nun, dass von allen Jupiters ausgerechnet der Jupiter-4 den mit Abstand stärksten Klangcharakter hat. Er ist nicht der "Beste" (in ihrer Ehre verletzte Jupiter-8 Besitzer dürfen sich wieder setzen), aber er hat den eigenständigsten Charakter. Ohne Zweifel.

Nun: Was macht den Jupiter-4 so besonders?

Er hat vier Stimmen. Nicht irgendwelche Stimmen. Diese sind fast immer „out-of-tune“, sie stimmen eben nie (oder zumindest selten). Aber gerade das ermöglicht einen so hervorragend musikalisch-natürlichen Klang. Spielt man viermal dieselbe Note, ergeben sich vier unterschiedliche Klänge (im "polyphonic mode", natürlich). Es stört nicht – ganz im Gegenteil: Soli klingen auf diese Art und Weise wesentlich natürlicher.

Er rauscht. Ursprung dieses Rauschens ist Rolands wunderbarer Stereo-Chorus (hier ENSEMBLE genannt). Derselbige muss natürlich eingeschaltet sein, um zu rauschen. Trotz des einzelnen VCOs klingen die Stimmen dann jedoch schön breit und sie „wandern“ im Stereobild – wie in vielen der angefügten Klangbeispiele zu hören ist. Teil des Chorus-Effektes ist somit eine Art Auto-Panning.

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Klangbeispiele

Bewertung

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  • Benutzerbild von shebsen
    shebsen, 04.01.2010 - 16:48 Uhr:
    Gotta love the Jup!
  • Benutzerbild von funsearcher
    funsearcher, 15.11.2009 - 22:37 Uhr:
    1978 -mit 16 Jahren- bekam ich meinen Jupiter 4 fabrikneu von meinem Großvater geschenkt. Damals wurde Musik noch live gespielt - Notenkenntnis, Harmonielehre, Fingerfertigkeit und ein gutes Gehör waren Voraussetzung für Erfolg, Midi noch ein Wort, dass erst noch erfunden werden wollte. Leider ließ sich meine musikalische Karriere nur schwer mit meiner parallel laufenden Ausbildung vereinbaren. Daher nutzte ich meinen JP4 nur "at home" als zusätzliches "Sound"-Gerät mit meiner Hammond B200. Es war damals einer der ersten mit 4-fach polyphonem, nie gehörtem Synthi-Sound - aber auch ein für mich damals unerklärliches Manko hatte das Gerät: Die 4 Oszillatoren arbeiteten nicht immer simultan - je nach Einschaltdauer (termischer Fehler?) musste sie an den 4 Trimmern der Rückseite von Zeit zu Zeit nachjustiert werden - tat man das nicht, so kam es vor, dass alle 4 Anschläge (drücken der selben Taste) sich der jeweils 4. Ton leicht getriggert (verstimmt) anhörte. Noch heute steht das Gerät ohne jeden Kratzer auf meiner B200- Erinnerung an eine schöne Zeit. Vielleicht stelle ich Ihn eines Tages als Leihgabe dem Museum der Fa. Roland zur Verfügung. - Oder jemand hilft mir, den thermischen "Fehler" dauerhaft auszumerzen- dann kommt er vielleicht doch noch in seinen alten Tagen da hin, wofür er eigentlich geschaffen wurde: live on Stage
  • Benutzerbild von m.ettlich
    m.ettlich, 23.10.2009 - 08:03 Uhr:
    Nicht selten hört man, der Jupiter-4 klingt dünn und langweilig. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären wie es zu so einem Gerücht kommen konnte. Der Jp-4 kann extrem wuchtig und bassig klingen wenn man möchte. Da kommen nur sehr wenige Synths mit. Er klingt sehr eigenständig, anders als die größeren Jupiter-Brüder und anders als die Juno- und JX-Serie. Die Hüllkurven sind sehr schnell und der weit in den Audiobereich hineinreichende LFO sorgt für exzellente Vocal- und FX-Sounds. Der JP-4 ist einfach unberechenbar und voller Leben im Klang. Der klingt jeden Tag etwas anders. Ein sehr cooles Teil! Mein Jupi-4 darf bei mir bleiben bis der Elektro-Tod uns scheidet.
    • Benutzerbild von Jupiter4
      Jupiter4, 23.12.2009 - 04:35 Uhr:
      das sehe ich zu 100% genau so! würde meinen jupiter 4 NIE hergeben! habe noch einen juno 106. der jupiter 4 bläst den juno so dermassen weg dass alles zu spät ist. ich hab selten einen so fetten synthie wie den jupiter 4 gehört. kein wunder dass bei ebay die preise für das ding explodieren.
  • Benutzerbild von Neven Dayvid
    Neven Dayvid, 20.10.2009 - 10:33 Uhr:
    Interessant, wie weit die Meinungen auseinandergehen. Ich habe den JP-4 nämlich wiederholt als Flächensynth im Industrial und Ambient eingesetzt. Er kommt halt aus der Frühzeit der Polyphonen, als noch nicht alles so normiert war wie bereits ein paar Jahre später mit der JX Reihe. Man muß aber liebevoll und geduldig vorgehen und damit klarkommen, daß er sehr launisch ist. An manchen Tagen ist er göttlich und inspirierend, an anderen verstimmt und langweilig. Manchmal sample ich ihn auch in Absynth und layere das zwecks höherer Polyphonie mit dem Original. So kann man extrem dichte, fette, orchestrale Texturen erzeugen, die durch die leichten internen Verstimmungen sehr schön schweben.

    Hier kann man ihn als Flächensynth hören:

    http://www.amazon.de/Unstar-Neven-Dayvid/dp/B000066FQH

    Auf den Stücken "Hava Yollari" und "Hinterland".
  • Benutzerbild von moogulator
    moogulator, 19.10.2009 - 21:21 Uhr:
    Na, als Flächensynth ist der Jp4 nicht gemacht, aber wer Synthpop oder DAF mag oder Clubsound macht, der wird ihn lieben. Ich hab deshalb den Jp4 UND den Promars (gemodded allerdings, 2 Subs und VCO2 einstellbar).
    Muss man lieb haben. Der LFO ist gut, die Hüllkurven sensationell. Und das sag ich nicht oft.
  • Benutzerbild von Dreitagebart
    Dreitagebart, 03.10.2009 - 17:34 Uhr:
    Klasse-Bericht und aussagekräftige Soundbeispiele, Respekt ! Mir allerdings hat der Jupi 4 nie so recht gefallen wollen, ich hatte den damals auch, habe ihn dann aber gegen den JX-8P eingetauscht (ok ok ok ich weiß "Äpfel und Birnen). Für macht der JX einfach bessere Analog-Flächen und Bläser, ich habe ihn heute noch im Studio.
    • Benutzerbild von t.bloderer
      Bloderer, 03.10.2009 - 22:43 Uhr:
      ... ja, das ist sicher. Der JX-8P hat schöne, "zuverlässige" Flächen / Leadsounds - und auch die angenehme analoge Dichte & Wärme, nebenbei noch MIDI und 6 stabile Stimmen (mit jeweils 2 DCOs). Hier kommt der Jupiter-4 nicht mit. Für sehr "knackige" Sounds und Effektklänge hat er hingegen ein ungeahntes Potenzial.

      Interessanterweise hat er mich von Anfang an sehr an den ARP-2600 erinnert, betreffend seiner "trockenen" (aber reizvollen) Bässe, seiner scharfkantigen Hüllkurven und einfach seines Charakters wegen. Dafür muss man aber (fast) alle Presets übergehen, direkt zur eigenen Sounderstellung wechseln und auch dort einiges an Zeit & Geduld investieren. Dann hat man Chancen, die "andere" Seite des Jupiter-4 kennen zu lernen.

      Dennoch sind die Erfahrungen vieler (ehemaliger) Jupiter-4 Besitzer wie deine: Sie haben den "Zugang" zum Instrument nicht gefunden. Zu einem Teil könnte es - neben den "nicht so unmittelbar abrufbaren, überzeugenden Analogsounds" - mit der schwachen Interface-Situation zu tun haben. Die unkomplizierte Integration des Instruments im Studio bzw. seine Koppelung mit Sequenzern etc. würde für viele eine wichtige Hürde nehmen. So aber ist erstmal eine CV/Gate Modifikation oder ein MIDI Kit nötig, was den meisten Usern in Anbetracht des "nicht so unmittelbar abrufbaren, überzeugenden Analogsounds" eben auch nicht ganz lohnend erscheint. Damit dreht sich die Sache ein wenig im Kreis und schon steht der Jupiter-4 (in vielen Fällen) wieder auf der Verkaufsliste.

      Die Gebrauchtmarkt-Preise - wie in einem weiteren Kommentar eines Lesers anbei erwähnt - übersteigen inzwischen vielfach die Schmerzgrenze von Jupiter-4 Interessenten. So dürfte der Synthesizer auch noch in Zukunft für Kontroversen, Diskussionen und "geteilte Lager" sorgen. Doch das ist ganz OK, immerhin hat es der Jupiter-4 in den letzten Jahren geschafft, musikalisch die eine oder andere Lorbeere zu erhalten - womit er sein Image etwas aufbessern konnte.
  • Benutzerbild von Alex_KIDD
    Alex_KIDD, 06.06.2009 - 20:54 Uhr:
    Ich habe den JP4 auch mal gehabt, habe ihn aber schnell
    wieder verkauft.

    Die Tastatur ist ziemlich übel, sie ist schwergängig und sehr träge (gut ich spiele nur normale Synthesizertasten)

    Die Faszination bei den 4 Stimmen, nun gut der JP4 eiert eigentlich immer, aber einen speziellen charakter kann ich ihm
    nicht zusprechen. Der Ensemble klingt nicht schlecht als
    Stereoeffekt, aber im Juno-6 klingt der Chorus breiter

    Aber ich denke für Pads ist er auch nicht unbedingt geeignet.

    Im Effektbereich ist er natürlich sehr interessant, LFO
    und so weiter.

    1.000 Euro sind wohl die Standartpreise derzeit, für mich
    unverständlich.
    Kult hin oder her, ich finde die Preise unverschämt (klar kann man sagen, kauf oder kauf eben nicht)
    Aber ist so ein "Habenwollen" noch normal?
    Gut, ich denke jeder der Liebhaber ist, wird ein Kribbeln in den Fingern haben, wenn ein Liebling mal bei ebay oder so
    auftaucht.
    Aber zb. 5.500 Taler für einen JP8 ohne Midi, wo ist da die Relation?
    Software scheint mir keine Lösung zu sein, die Preise werden immer toller und leider manche Verkäufer unehrlicher dazu.

    Gut, ich schweife ab vom Thema:-)

    JP4
    + LFO sehr flexibel
    + sehr gute Verarbeitung der Potis und Fader
    + Klang

    -Tastatur

  • dblo, 09.01.2008 - 18:31 Uhr:
    hm bin selber schuld das ich mir einen durch die lappen gehen lassen habe, ende letzten jahres...
    sorry das ich keine produkt kommentare abgebe, wuerde nur bitten sich bei mir zu melden wenn ihr mir einen jupiter 4 vermitteln koennt.. gerne mit midi aber auch einfach.
    dblonde@gmx.net

    vielen dank
  • DBLO, 15.12.2007 - 21:54 Uhr:
    hallo
    kann mir jemand einen jupi4 vermitteln? wäre suuuuper interssiert!!!
    • Peter Grandl, 07.02.2008 - 14:27 Uhr:
      Guck mal: ;-)

      http://cgi.ebay.de/Roland-Jupiter-4-Vintage-Analog-Synthesizer_
      W0QQitemZ270210046758QQihZ017QQcategoryZ7797QQssPage
      NameZWDVWQQrdZ1QQcmdZViewItem
    • MichaelButtmann, 22.02.2008 - 16:27 Uhr:
      Ich habe noch einen JP4 rumstehen, den ich vor 24 Jahren gebraucht (800DM) erworben habe und einige Jahre in einer Band eingesetzt haben. Das Instrument ist in Ordnung (Orginalzustand, nicht modifiziert), sieht aber natürlich gebraucht aus.
      MBU

  • Dirk Krause, 07.12.2007 - 11:17 Uhr:
    hallo peter, ich muss dir leider recht geben. da ich mich von meinem jupiter4 mit dieter kampfhofer midi getrennt habe, es aber sofort bitter bereute.
    musste ich feststellen, dass die angebote bei ebay in der regel bei knapp 400 endeten. ich habe jetzt wieder einen ;-) dirk
  • David Wohnlich, 24.11.2007 - 23:28 Uhr:
    ich war einer der ersten Käufer des J4 (gelernt auf AKS, Minimoog D und Eigenbauten). Ich teile Theos Schwärmerei für dieses Instrument. Einiges habe ich (Berufsmusiker, Komponist, Instrumentenbauer) nicht mehr so gut hinbekommen wie mit dem J4. Zum Beispiel: Halb offener Sägezahn, kurzes Antippen eines doppelt verminderten Septakkords so tief wie möglich (c es ges a). Dann, bei zeitlich entsprechend temperiertem Glissando, eine Taste in der obersten Oktave anschlagen und halten: Was da geschieht, ist einfach - nun, ich benutze das Wort nicht, da meine generation gelernt hat, es nur in der Bedeutung \\
  • Benutzerbild von Peter
    Peter Grandl, 31.07.2007 - 07:57 Uhr:
    Hallo Dirk, der aktuelle Durchschnittspreis beträgt zwischen 300 und 500,-- Euro. Wer heute für einen Jupiter 4 700,-- Euro bezahlt ist selbst Schuld. Wir berücksichtigen sehr wohl "Billigangebote" von Unwissenden und lassen diese NICHT in die SynTacheles-Liste einfliesen. Meißt wird uns vorgeworfen, die Liste sei teurer als die aktuellen Preise. Wir schicken Dir gerne ein Mail, wennn wir wieder mal einen Jupiter 4 für unter 300,-- Euro sehen. (Was übrigens vor ca. 10 Tagen auf eBay der Fall war).
    Grüße, Peter
  • dirk krause, 30.07.2007 - 11:51 Uhr:
    Das solltet Ihr auch mal in eurer synthacheles- sonderangebotsliste beherzigen! Nur weil mal jemand keinen plan hat und zu günstig ein gerät verkauft wird das sofort in eure berechnung mit einbezogen. Vor kurzem hat ein bekannter von mir einer Schule für 700 Euro einen EMS AKS abgekauft. Die hatten keine ahnungund haben das teil bei ebay zum Sofort-Kaufen eingestellt. Das ist weder markttypisch noch irgendwie für den gebrauchtkauf eines EMS relevant. es handelt sich hier mittlerweile um raritäten die immer wertvoller werden. das sollten alle beteiligten, bei aller schnäppchen macherei mal berherzigen.dirk
  • dirk krause, 30.07.2007 - 11:50 Uhr:
    Ihr solltet allerdings aufhoeren den leuten zu suggerieren, dass die alten synthies nichts mehr wert und fuer nen appel und nen ei zu haben sind! Einen JP4 für 250,- euro ist lächerlich! Davon nehme ich sofort 3 Stück. Ein preis von 500,- bis 700,- euro ist mittlerweile eher realistisch.
  • dirk krause, 30.07.2007 - 11:47 Uhr:
    Der artikel gefaellt mir wirklich sehr gut, da der JP 4 wirklich ein toller synth ist und hier mal entsprechend gewürdigt wird.

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