Amazing Readers Music: Manfred Wasshuber alias Photonic

21. Februar 2021

Elfmaliger OSC Winner

Vorwort zur Serie über die Musik unserer Leser

Stammleser wissen es bereits, seit einigen Wochen stellen wir nun wieder regelmäßig die Musik unserer Leser vor. Lief das bisher unter dem Namen ALBUM RELEASE, wollen wir aber durch den neuen Serientitel „AMAZING Readers Music“ noch mal deutlich klarmachen, dass es sich um Musik von Lesern handelt.

Manfred Wasshuber in seinem natürlichem Habitat

Manfred Wasshuber alias Photonic

Wir widmen uns heute einem Komponisten, der uns vor allem durch seine regelmäßigen Trophäen beim  KVR Wettbewerb „One-Synth-Challenge“ aufgefallen ist. Doch erst mal eine kleine musikalische Kostprobe:

Der folgende Track wurde von Manfred für die Challenge ausschließlich mit dem Freeware-Synthesizer PG-8X erstellt:

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Peter:
Hallo Manfred, bei unserem Kontakt hat mir vor allem dein Engagement bei einem Community-Projekt gefallen. Dabei müssen Musikthemen mit nur einem Freeware-Plugin vertont werden. Magst du unseren Lesern kurz erzählen, um was es sich dabei genau handelt.

Manfred:
Gerne! Es ist ein Wettbewerb, den ich vor mittlerweile 12 Jahren im Forum der wohl recht bekannten Seite KVR gefunden habe. Er nennt sich OSC – One Synth Challenge. Die Idee dahinter ist, wie du schon gesagt hast, einen kompletten Track nur mit Hilfe eines Freeware-Synths zu produzieren. Alle Töne, also auch die Drums, müssen mit diesem Synth erstellt werden. Als Effekte sind ebenfalls nur Freeware-Plugins erlaubt, ausgenommen jene, die Bestandteil der DAW sind. Den EQ, Kompressor oder Hall der DAW kann man also verwenden. Sind jedoch im Synth eigene Effekte enthalten, dürfen diese sehr wohl verwendet werden. Das wären so die wichtigsten Regeln. Genaueres erfährt man auf der OSC-Seite.

Am Ersten jedes Monats wird bekanntgegeben, welcher Synth von den OSC-Administratoren ausgewählt wurde. Nun haben wir ein Monat Zeit, den Synth kennenzulernen, Sounds zu basteln, einen Track zu komponieren, zu mischen und noch vor Ablauf des Monats auf unsere eigene Soundcloud-Seite hochzuladen. Diese Vorgaben, nur einen Klangerzeuger zu verwenden und das auch noch in einem vorgegebenen Zeitrahmen, empfinde ich als besonders reizvoll. Darum habe ich bald angefangen, bei der OSC mitzumachen. Und seien wir uns ehrlich: Wie oft laden und testen wir einen Synth und kommen viel zu schnell, oft schon nur nach Durchsicht der Presets, zu dem Ergebnis, dass er nicht viel kann. Aber was der Synth wirklich kann, sieht man erst, wenn man sich intensiver damit auseinander setzt. Und meist steckt mehr drinnen, als man Anfangs vermutete.

Manfreds Cockpit

Peter:
Bei jeder Challenge wird auch ein Sieger gekürt. Hattest du da schon mal Erfolg?

Manfred:
Ja, durchaus. Bisher konnte ich den Wettbewerb schon elf Mal gewinnen. Ich habe wohl das Glück, dass meine Musik den anderen Teilnehmern gefällt. Denn der Sieger wird nicht von einer Jury, sondern von allen Teilnehmern gemeinsam gewählt. Auch sonst sind meine Platzierungen nicht schlecht. Ich war relativ oft unter den Top 5.

Peter:
Elf Mal! Wow, Gratulation. Unter welchen Gesichtspunkten geschieht das Voting?

Manfred:
Nachdem die Teilnehmer ihren Track auf die eigene Soundcloud-Seite gestellt haben, schreiben sie im Forum einen Post, in dem der Link zum Track und eine kurze Aufzählung der verwendeten DAW, der Effekte und eventuell ein paar Worte zum Track enthalten sind. So wissen die Betreiber, wer mitgemacht hat und jeder kann sich den Track schon mal anhören. Die ersten 14 Tage des Folgemonats haben wir dann Zeit, die Tracks der Mitbewerber mit 1 bis 5 Punkten zu bewerten. Dies erfolgt auf einer eigenen Seite im Netz, wo man die Tracks nur einfach in die jeweilige Punktekategorie schiebt, bis alle Tracks einer Punktzahl zugeordnet sind. Das geht ganz einfach!

Wie jeder einzelne Track zu bewerten ist, ist nicht vorgegeben. Ein paar wenige gehen nur nach ihrem persönlichen Geschmack vor und vergeben generell sehr geringe Punktezahlen. Die meisten jedoch bewerten nach Kriterien wie Kreativität, Sounddesign, Mix und vor allem musikalischen Inhalt. Viele bemühen sich, dies wirklich objektiv zu tun, also ungeachtet der eigenen Vorlieben. Das ist nicht immer leicht. Denn auch ich höre immer viele Tracks von Genres, die ich normalerweise nie höre. So fehlt mir der Vergleich, ob bestimmte Techniken so passen oder eher nicht. Doch mit etwas Erfahrung hört man gleich, ob sich da jemand bemüht hat oder nur mal schnell in zwei, drei Stunden was zusammengebastelt hat. Am Ende des Votings bekommen wir eine Tabelle verlinkt, wo zu sehen ist, wer wem wie viele Punkte vergeben hat. Diese Offenlegung bringt vielleicht etwas mehr Ehrlichkeit ins Voting.

„Coming Home To Asgard“, eingespielt mit mit Odin2 (Wave Warden)

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Peter:
Trotz aller Einschränkungen klingen deine Kompositionen dabei sehr aufwendig, fast orchestral, während viele Siegertracks bei OSC eher in die Richtung EDM gehen. Wieso glaubst du, dass du mit deiner Musik dort solche Erfolge feierst. Scheint ja nicht gerade ein Forum für Filmmusikfreunde zu sein.

Manfred:
Es ist wohl die zuvor erwähnte Offenheit gegenüber der Arbeit der anderen Teilnehmer. Es ist aber auch wahrscheinlich kein Nachteil für meine Musik, dass sie etwas anders ist und so Abwechslung in den OSC bringt. Meine Musik ist meist eine von wenigen pro Monat, die mehr melodiebetont und harmonisch strukturierter ist. Oft werde ich gefragt, ob ich bestimmte Spiele gespielt habe, meine Musik erinnere sie daran. Da muss ich passen, ich habe nie viel am PC gespielt. Vielleicht ist es ein nostalgischer Aspekt, der mir Vorteile verschafft? Ja, wird wohl so sein, denn bei vielen meiner Tracks fühlen sich die Leute an die guten alten 80er erinnert!
Das ist das Schöne am OSC. Egal welche Musikrichtung man macht und einschickt, solange es gut produziert ist, hat jeder eine Chance auf einen der vorderen Ränge. Es schaffen auch immer wieder völlige Neueinsteiger Spitzenplätze.

Peter:
Erzähl uns doch mal was zu deinem musikalischen Werdegang.

Manfred:
Der begann mit einer falschen Platte zu Weihnachten, als ich 15 Jahre alt war! Das war 1980. Was ich damals wollte, weiß ich nicht mehr. Bekommen habe ich „Equinoxe“ von Jean-Michel Jarre. Die Enttäuschung hielt aber bloß so lange, bis ich die Platte hörte. Da hat es in meinen Kopf einen Schalter umgelegt. Mehr als die Musik selbst interessierte mich sofort, womit man solche Klänge erzeugt. Ab da las ich Musikmagazine und besuchte Musikgeschäfte.

Mein erstes Instrument war dann eine einfache Orgel von GEM, die Sprinter49B. Nichts Aufregendes, aber um mal die ersten Akkorde zu lernen und einfache Melodien nachzuspielen, reichte es. Das Spielen brachte ich mir selbst bei. Dann kam der Korg M500 MicroPreset, der war mehr eine Solostimmenerweiterung zur Orgel als ein echter Synth. Mein erster richtiger Synth war der MS20, gebraucht gekauft. Damit erlernte ich das Grundwissen des Sounddesigns. Bei meinem ersten richtigen Polysynth mussten meine Eltern etwas drauflegen, denn ich wollte gleich den DX7. Jetzt ging es richtig los und ich begann mit anderen Musikern zu jammen. Nach dem Abitur spielte ich gleich in Bands (Pop-Rock-Funk-Jazz). Wir spielten nur unsere eigenen Kompositionen.
Dann kam der Prophet VS, der aber nach ein paar Jahren dem Korg 01/W weichen musste. Dieser bot mehr Standard-Sounds (Klavier, E-Pianos, Streicher, Bläser etc.) für die Band. Als Drumcomputer verwendete ich daheim meistens den Yamaha RX11.

Man sieht, ich war von Anfang an nicht der typische Synth-Nerd, der daheim im Keller an seinen Sounds schraubte. Obwohl JMJ mein Interesse an der Musik weckte, war das Spielen in der Band wichtiger für mich. Parallel zur Bandarbeit hatte ich mit einem Freund aus der Nachbarschaft ein recht gut ausgestattetes Homestudio. Er hatte neben einen 18-Kanal Mixer, eine Fostex B16 Bandmaschine, einen MonoPoly, einen Poly-61 und den Poly-800. Zusammen mit den ersten einfachen MIDI-Sequencern von Steinberg und Cakewalk konnten wir schon einiges anfangen. Wir machten Demos für meine und andere Bands, Sprachaufnahmen für CD-Präsentationen und sogar mal eine Zuspielung für ein Theaterstück.

1998 zog ich dann aus Wien weg und kaufte mit meiner Frau ein Haus in Niederösterreich. Da war dann Schluss mit Band und Studio und ich konzentrierte mich voll auf meine zweite Leidenschaft – die Astrofotografie. Erst 2008 weckte ein Arbeitskollege das Interesse an der Musik neu. Er zeigte mir, dass nun alles im Computer möglich ist, noch dazu oft als Freeware. Da kam, als Geburtstagsgeschenk für meine Frau gedacht, ein Yamaha S90ES ins Haus und dann ging die Entdeckungsreise im Reich der DAWs und Plugins los. Und die geht bis heute weiter!

Peter:
Hört man sich deine Kompositionen an, decken sie ein ziemlich breites Spektrum ab. Wenn du nur drei Künstler nennen dürftest, die dich maßgeblich beeinflusst haben, welche wären das?

Manfred:
Wer meine Musik bereits gehört hat, kennt zumindest eine Antwort: Vangelis! Nach JMJ kam gleich Vangelis auf meinen Plattenteller. Seine Sounds, seine Art zu komponieren, habe ich zum Teil in meine musikalische DNA aufgenommen. Ohne ihn kopieren zu wollen, gehen meine Sachen öfters in diese Richtung. Als zweiten würde ich Isao Tomita nennen. Als dritten wohl Mike Lindup von Level42.

Peter:
Und warum? Was genau hat dich an den Genannten so inspiriert?

Manfred:
Bei Vangelis war es die Art, wie er mit den CS-80 umging. Es klang so organisch, ja fast akustisch, so expressiv war sein Spiel. Die wichtigste Platte von ihm ist für mich Antarctica. Da hört man, welche Stimmungen der Weite, Ruhe aber auch Mächtigkeit man mit den richtigen Sounds erreichen kann.

Bei Tomita war ich fasziniert, wie gut er mit den Synths ein Orchester imitieren konnte. Natürlich ebenso seine meisterhafte Umsetzung von klassischer Musik in einem neuen Gewand. Und Mike Lindup hat einfach das Keyboard so gespielt, wie ich es in meinen Bands immer wollte, jedoch so nie umsetzten konnte. Aber er gab mir viele Ideen und Inspirationen.

Hier mal ein Beispiel, das nicht aus einer OSC-Challenge stammt. Eingespielt mit Reaper und 26 Instanzen von U-He Zebra.

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Peter:
Früher hattest du noch Hardware-Klangerzeuger, heute passiert alles nur noch am Rechner. Weinst du der alten Technik nicht ein wenig hinterher?

Manfred:
Eigentlich nicht. Bis auf den MS-20 hatte ich keinen Synth mit vielen Knöpfen und Schaltern. DX-7, Prophet VS und ganz extrem der 01/W waren nicht so bequem zu bedienen. Sie stammten alle aus der Zeit, wo man zuerst einen Parameter suchen und auswählen musste, um ihn dann mit nur einem Regler einzustellen. Da ist die Bedienung eines Plugins mit der Maus viel schneller und bequemer. Wenn ich an den MS-20 oder MonoPoly denke, ist das eine andere Sache. Hier ist der direkte Zugriff, sogar parallel an unterschiedlichen Reglern, schon ein Vorteil gegenüber der Maus. Wer mit Minimoog und Prophet-5 aufwuchs, würde der Hardware auch eher nachweinen.

Ein weiterer großer Vorteil der Plugins ist, sie in praktisch unbegrenzter Anzahl in einer Produktion verwenden zu können. Nur mit Hardware ist das Komponieren und Arrangieren viel schwerer. Da muss sehr früh, sehr genau festgelegt sein, wann wo welcher Sound verwendet wird. Mit Plugins bin ich viel flexibler. Ich will gar nicht daran denken, wie hart das vor den DAWs war, wo noch alles auf Band eingespielt wurde. Hut ab vor der Leistung dieser Leute in diesen Zeiten. Viele von uns, mich eingeschlossen, hätten das wohl nicht so hinbekommen. Diese Antwort gilt aber nur für die Arbeit im Studio. Live wüsste ich nicht, ob ich da mit Laptop und Software auftreten wollte. Da wäre Hardware wieder attraktiver.

Peter:
Wie sieht dein aktuelles Setup aus und welches sind die Plugins, auf die du am liebsten zugreifst?

Manfred:
Als Keyboard verwende ich immer noch mein S90ES. Die internen Sounds verwende ich nur abseits des OSC. Mein PC ist schon einige Jahre alt und läuft immer noch unter Win7/64 Bit. Denn für mein altes Tascam UL144 Audiointerface gibt es keine Treiber für Win10. Die DAW ist seit Jahren Reaper. Da ist vor allem toll, dass man in einem Projekt 32 Bit und 64 Bit Plugins ohne Aufwand gleichzeitig verwenden kann. Angefangen habe ich mit Cubase 5 Essential, das mir aber bald zu eingeschränkt war. Meine Monitore sind immer noch meinen alten passiven Tannoy System2. Die waren nicht billig, aber sie funktionieren immer noch super. Aber meist spiele ich des häuslichen Friedens wegen (sonst singen die Hunde mit) mit Kopfhörern. Da verwende ich von AKG den K601 und einen von mir umgebauten K1000.

Ein weiterer Blick auf Manfreds Studio

Da wir beim OSC nur Freeware oder DAW-interen FX verwenden dürfen, nehme ich meist den EQ und Kompressor von Reaper. Mein derzeitiger Freeware Lieblingshall ist der Dragonfly. Mein Lieblings-Delay ist seit Langem das NastyDLA von Variety Of Sound. Neben dem OSC nehme ich regelmäßig an einem Mixing-Wettbewerb teil. Auch dort recht erfolgreich. Hier dürfen wir alles verwenden. Da nehme ich z. B. als Hall gerne den Verberate2 von Arcon Digital und als Kompressor den Presswerk von U-he. Beim Lieblingssynth wird es schwer. Kommerziell ist es wohl Zebra von U-he. Den habe ich schon wiederholt eingesetzt. Er ist nicht sehr neu, bietet aber eine sehr breite Klangpalette. Vor allem seine Physical-Modeling-Sounds mit dem Combfilter gefallen mir.

Mein liebster Freeware-Synth war lange Zeit Synth1 – alt, aber immer noch unglaublich vielseitig und mit tollem Sound. Aber vor wenigen Monaten hatten wir den Odin2 von The Wave Warden im Wettbewerb. Der hat es mir echt angetan. Ähnlich aufgebaut wie Diva, also mit einer Auswahl an unterschiedlichen VCOs und Filtern. Damit habe ich die besten Streicher von allen bisher verwendeten Synths hinbekommen! Ein unglaublich vielseitiger Synth, ebenfalls mit Combfilter ausgestattet.

Peter:
Wenn du dir heute aber ohne Einschränkung im Laden einen Synthesizer mitnehmen dürftest, für welchen würdest du dich entscheiden?

Manfred:
Obwohl ich nicht wirklich vorhabe, mir einen zuzulegen, denkt man natürlich automatisch darüber nach, wenn man eine Vorstellung im Netz liest. Dieser Synth müsste natürlich einige Voraussetzungen erfüllen, damit er meiner Spielweise und meinen Soundvorstellungen entgegen kommt.

Für die OSC Challenge komponiert und mit 19 Instanzen des U-He Podolski eingespielt

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Bei jedem Synth, Hardware oder Plugin, möchte ich immer ein Instrument bauen, das ich expressiv mit beiden Händen spielen kann. Er müsste also polyphon sein, Velocity und Aftertouch haben. Soundmäßig stehe ich nicht so auf Wavetables, das schließt schon einige aus. FM hatte ich mit dem DX-7 zur Genüge, also wäre ein vielseitiger Synth mit subtraktiver Synthese wohl meine Wahl. Ohne Einschränkung fallen mir da der Schmidt Synthesizer und der gute, alte CS-80 ein. Aber da kommt ja vielleicht noch ein Behringer Klon! Vielleicht lege ich mir wirklich in den nächsten Jahren noch mal etwas zu, um die gerade aufkommende MPE ausnutzen zu können. Es gibt ja schon Controller und auch einige Synths damit. Aber da warte ich noch etwas ab.

Peter:
Beruflich warst du lange bei AKG, aber dann war eines Tages Schluss?

Manfred:
Ja, leider. Der Harman-Konzern, zu dem AKG schon seit Längerem gehörte, hatte beschlossen, die Stammhäuser der Brands in Europa zu schließen und in einer neuen Zentrale zusammenzuführen. Damit wurde unser Standort in Wien komplett dicht gemacht. Ich war dort 28 Jahre in der Qualitätssicherung. Es war eine gute Zeit. Mir hat es immer gefallen, mein Hobby derart mit dem Job zu verbinden.

Peter:
Nach AKG bist du in ein komplett anderes Metier gewechselt und hast aus einem Hobby deine neue Berufung gemacht, richtig?

Manfred:
Richtig. Wie schon erwähnt, bin ich auch Hobby-Astronom, genauer gesagt Astrofotograf. Und so wusste ich, dass es in Wien eine Firma RUAG gibt, die für die Raumfahrt arbeitet und zuliefert. Tatsächlich war dort eine Stelle frei und die haben sogar einen weiteren Standort in der Nähe meines Wohnortes. Dort bauen wir Isolationen für Satelliten und Raumsonden. So konnte ich wieder Beruf und Hobby vereinen.

Eine von Manfreds Astro-Fotografien

Peter:
Man kennt dich auch unter dem Künstlernamen Photonic. Was hat es damit auf sich?

Manfred:
Photonik ist ein bereits vorhandener Begriff in der Physik und Elektronik. Er steht für Optoelektronik, also das Verarbeiten von Informationen mittels Licht. Für mich ist Photonic eine Verschmelzung meiner beiden Hobbys. Als Astrofotograf sammle ich Photonen und meine Musik ist Electronic. Ich dachte, das passt!

Peter:
Hast du jemals geplant, mit deiner Musik deinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Manfred:
Nein. Höchstens in jungen Jahren, als es mit den Bands losging. Da träumt wohl jeder kurz davon. Aber da wir nur unsere eigenen Sachen spielen wollten und nicht auf Kommerzmusik für Bälle und dergleichen wechseln wollten war klar, dass das wohl ein Hobby bleibt.

Auch jetzt, alleine im Studio, will ich, dass mir Musik Spaß macht. Wenn es zum Job wird, dann wird aus Leidenschaft Stress. Und jeder sollte was im Leben haben, das er nur aus reiner Freude macht!

Peter:
Wir bedanken uns für dieses nette Interview und wünschen dir weiterhin viel Spaß beim Komponieren und Musizieren.

Forum
  1. Profilbild
    Full Bucket  

    Klasse Interview und sehr schön, hier mehr über Manfred und auch die KVR OSC zu hören! Photonic ist eine nicht wegzudenkende Größe, legt regelmäßig super Kompositionen hin und steht im Forum mit Rat und Tat zur Seite. Danke aus Hessisch Uganda! :-)

  2. Profilbild
    lightman  AHU

    Interessantes Interview. Da ich recht unorganisiert und chaotisch bin, fasziniert es mich immer wieder, so offenbar organisierte Menschen kennenzulernen. Von der OSC-Challenge habe ich auch schon gelesen, wußte nicht, daß dabei nur Software zum Einsatz kommt, das wäre doch auch mal was für Hardwaresynths.

    Den Schlußsatz „jeder sollte was im Leben haben, das er nur aus reiner Freude macht“ kann ich nur voll unterstreichen.

  3. Profilbild
    Ghostwalker  

    Das sind für mich hochqualitative Stücke die der Herr aus der Freeware zaubert, die gefallen mir richtig gut. Wenn man ein Gespür für Musik hat brauch man nicht viel Equipment, um gute Tracks zu produzieren.

  4. Profilbild
    janschneider  

    Das ist ja mal eine Überraschung, den Photonic kenne ich auch noch von den paar Malen, wo ich beim OSC mitgemacht habe (längst nicht so erfolgreich, da ich ureigentlich absolut kein Synthmusiker und Sounddesigner bin und generell elektronische Musik nicht so meins ist. Aber es ist eine interessante Herausforderung, bei der man viel lernen kann).
    Seine Stücke waren immer eine willkommene Abwechslung zu den oft vorherrschenden EDM-Sachen.

  5. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Ich komme musikalisch aus völlig anderen Gefilden (zeitgen. Jazz/ zeitgen. Klassik), aber ich bin nach dem Hören von „What A Haircut“ erstaunt, dass Popmusik mehr sein kann als lediglich konventionelles Gedudel … Es ist zwar keine Komposition / Musik, die meinen Ansprüchen genügen würde, dennoch übersteigt die Qualität die vieler Pop-Produktionen. Respekt.

  6. Profilbild
    Eighty/Twenty

    > „[…] da wir nur unsere eigenen Sachen spielen wollten und nicht auf Kommerzmusik […] wechseln wollten war klar, dass das wohl ein Hobby bleibt.“

    Denkwürdiger Satz.

    • Profilbild
      volcarock  

      Das ist doch nur eine Anspielung auf Gala/Top 40/Cover-Bands,
      Der Grossteil der Bandmusiker die ich persönlich kenne verdienen damit ihren Unterhalt.

      Er kann sich offensichtlich nicht vorstellen
      mit seiner eigenen Musik den Unterhalt zu bestreiten.

      • Profilbild
        Photonic

        Ja, genau so war es gemeint. Bei uns in Österreich meinen Musiker mit einer Kommerzband eine Coverband für Feste und Bälle. Sowas wollten wir damals nicht machen. Und neue Bands wurden in Österreich in den 80er und 90er gar nicht gefördert. Erst später gegen 2000 wurde so getan, als ob jetzt plötzlich Bands und Sänger gibt, die man vermarkten kann. Das war natürlich Unsinn. Es gab immer gute Leute, aber die bekamen so gut wie nie eine Chance. Und ohne den Druck, unbedingt erfolgreich werden zu müssen, und uns deswegen vielleicht stilistisch verbiegen und anuzupassen zu müssen, haben wir nur das gespielt, was uns wirklich Spaß machte.
        Und so mache ich auch noch heute Musik!

  7. Profilbild
    Jazzdog

    Schönes Interview. Morgens mit Tass Kaffee in der Hand. Dazu die atmosphärische Musik. Super :)

  8. Profilbild
    0gravity  

    Schönes und interessantes Interview.
    Nicht dass es für mich noch eines Beweises bedurft hätte, aber Photonic zeigt im Rahmen der OSC eindrucksvoll, dass nicht die Technik, sondern das Können und die Kreativität dessen der sie bedient für das Endergebnis ausschlaggebend ist.
    „Coming Home To Asgard“ kann es imho mit jedem Hollywood Blockbuster Soundtrack aufnehmen.

  9. Profilbild
    Rockingricky

    Ja, auch ich bin seit langem ein Photonic-Fan. Und nicht nur wegen seines kompositorischen Talentes, sondern auch seine Sounddesign-Fähigkeiten (was er aus einer Handvoll Bits und Bytes herausholt ist unglaublich, aber das hört ihr ja selbst …) und – on the Top – sein Mixing/Mastering lassen mich jedesmal vor Neid erblassen.
    Hier eines meiner Lieblingsstücke …
    https://www.youtube.com/watch?v=Ibyeju5ADdw

    … erstellt mit Nabla, einem VST Plugin von

    https://www.amazona.de/members/fullbucket/

    dessen „Geschöpfe“ bereits des Öfteren Kandidaten im OSC waren.

    Danke euch für das Interview!

  10. Profilbild
    herzschrittmacher  

    Yes, der Synth1…zusammen mit Snyapse Audios Orion-DAW in Vers. 1 mein Einstieg in das Mucke machen, damals (seufz) während der Oberstufe. Kein Plan, nen aus ausgemusterten Teilen zusammengebauten PC, Onboardsound und Reloop-Djkopfhörer, aber das PlugIn hat einfach magisch geklungen…

    Gelungenes Interview, schöner Background…

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