BLACK BOX: Korg DDM-110 und DDM-220, Drumcomputer

Korg DDM-110

SOUND

Aus damaliger Sicht klangen die beiden Drumcomputer vergleichsweise realistisch, eine Bassdrum klingt nicht wie ein tiefer Plopp vieler analoger Vorgänger und besonders Toms und Becken sind deutlich authentischer. Einzig Rimshot und Handclaps sind recht synthetisch und sehr kurz geraten. Die Klangerzeugung folgt dabei nicht dem Prinzip modulierter PCM-Wellenformen, sondern der ganze Klang ist quasi kurz gesampelt. Somit sind keine Filter oder weitere Nachbearbeitungsalgorithmen notwendig. Auch die Polyphonie wurde geschickt begrenzt, so teilen sich zwei Sounds einen Kanal. Beide Toms, Open und Closed Hi-Hat sowie Snare und Rimshot können somit nicht gleichzeitig erklingen, rechnerisch ist der Korg DDM-110 somit 6-stimmig polyphon. Auch war der damalige Preis beider Modelle extrem günstig, für wenige hundert Mark konnte man eine der Maschinen sein Eigen nennen. Allerdings machte eine einzelne DDM-220 nicht viel Sinn, wenn man keine anderen Rhythmusgeräte hatte. In Kombination allerdings sind sie ein klanglich gar nicht so schlechtes Duo. Beachten Sie übrigens, dass auch wenn ich mich hauptsächlich auf den Korg DDM-110 beziehe, die Bedienung und Funktionen ebenso für den DDM-220 gelten.

Soundbeispiel Korg DDM-110

Soundbeispiel Korg DDM-220

 

AUSSTATTUNG & BEDIENUNG

Die Ausstattung und das Bedienkonzept ist überschaubar und die Zielgruppe ist klar auf den Live-Instrumentalisten ausgelegt. Es gibt keine MIDI-Schnittstelle, dafür aber einen DIN Sync Port, der sich insbesondere zur Verbindung beider Instrumente eignet. Aber auch bei anderen Geräten wie dem Roland TB-303 findet man diese Schnittstelle, aber einfach kompatibel  waren die Geräte wohl nicht. 32 Pattern- und 6 Songspeicher sind nicht eben viel, wenn man die Patterns auch zu einem Song zusammenbauen möchte und dazu noch Standard-Rhythmen speichern will. Im Werkszustand gibt es keinen Demo-Song und keine vorprogrammierte oder feste Patterns, wie sie beispielsweise Rolands TR-505 bietet. Allerdings liegt eine Kassette mit Patterns und Songs bei, die man über ein handelsübliches Kassettenlaufwerk einladen kann. Leider habe ich diese nicht besessen und kann daher über den Inhalt nichts schreiben. Sind alle Speicherplätze voll, kann man auf ähnliche Weise die Daten auf eine Kassette sichern. Somit konnte ich mir damals verschiedene Konfigurationen abrufen, was zwar an sich nicht lange dauert, aber im Live-Betrieb doch eine Atempause erfordert. Dabei verlief die Sicherung und auch das Einladen sehr zuverlässig und mit verschiedenen Kassettenrecordern problemlos ab. Wenn man für diese Aufgabe heute einen Digitalrecorder einsetzt, bleiben die damals zum Abbruch führenden Bandstellen aus. Man muss sich das so vorstellen, dass das Gerät ein digitales Audiosignal ausgibt, das nicht überprüft wird. Man erkennt quasi erst dann einen Fehler, wenn man das Programm anschließend versucht zu laden oder direkt nach dem Speichern die Überprüfungsfunktion verwendet, um in einem quasi simulierten Ladevorgang die Konsistenz der Aufnahme zu überprüfen. Kassetten haben allerdings so ihre Tücken, Fehler können durch unsachgemäße Lagerung auftreten oder wenn später ein anderes Laufwerk zum Einladen verwendet wird, kann ein anders eingestellter Azimuth (Tonkopf-Justierung) für nachhaltig böse Überraschungen sorgen.

Klangbeispiele
Forum
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    Viertelnote  AHU

    Die Sounds der beiden Gerät habe ich immer
    zu sehr als pappig empfunden. Den 110er Drums habe ich auch sehr schnell abgestoßen. Aber Nostalgischen Spaß machen die Kisten.

    mfG

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      Stephan Merk  RED

      Weißte, prinzipiell hast Du Recht. Aber wie immer muss man auch hier auf das Einsatzgebiet schauen: Sie klangen besser als sämtliche analogen Orgel-Drums von Farfisa bis Bontempi und No-Name. Korg hatte in den 80er doch immer so günstige Teile rausgehauen, wie sie es heute ja auch machen. Ich hatte mal das – ich meine es hieß PM-5 oder PA-5, das war ein Pedal-Hall für Gitarristen. Mono und sehr einfach, aber ich war damals froh, überhaupt etwas zu haben. Da war man nicht wirklich anspruchsvoll. Auch meinen DDM-110 habe ich geliebt, weil ich brauchte weder Lupe noch andere Hilfsmittel, die LED-Reihenfolge konnte ich mir merken, die LEDs waren super groß und bei Autofahrten war er stets dabei und ich konnte experimentieren.

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        Viertelnote  AHU

        gerade bei einem Handicap ist gerade die Beschriftung der Bedienelemente, bzw. das
        Handling extremst wichtig. Ich stehe nämlich vor einem ähnlichen Problem.

        Das weniger-ist-mehr Prinzip ist nicht immer schlechter. Ich denke bei einer einfachen, aber klaren Struktur liegt das Ergebnis eher auf der Hand.

        Noch was zum DDM: lassen sich die Geräte syncen?

        freundlicher Gruß

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          Stephan Merk  RED

          Ja, lassen die sich über diesen Sync-Port, hatte ich im Artikel ja beschrieben. Da ich aber nicht beide hatte, konnte ich das nie in der Praxis sehen. Dass Weniger oft mehr ist, kann ich auch so bestätigen. Da muss man manchmal Kompromisse setzen, wenn auch vom logischen Gesichtspunkt an der falschen Stelle. Oder man lebt eben mit den Einschränkungen und verzichtet auf Funktionen, weil man sie schlichtweg nicht erreicht. Ich suche mir bei der Entscheidung dann meistens den mittelweg raus.

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            Viertelnote  AHU

            Ich meinte auch das syncen mit anderen Geräten (Boss DR55, Boss DR110) aber das
            ist auch ein anderes Thema. Mit einem Gate Reverb knallen die alten Drummies aber ganz ordentlich. Ich hab da einen Korg DRV 1000 als Geheimwaffe für mich entdeckt.

            mfG

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              Stephan Merk  RED

              Hm, die sagen mir nichts, aber die Boss-Geräte dürften ja MIDI Haben, das fehlt ja dem Korg, damit klappt’s nicht. Hatte damals mal spaßeshalber den TR-505 angeschlossen, keine Reaktion. Ist ja auch logisch, weil eben kein MIDI. Ich hatte im Netz gelesen, die TB-303 hat auch so einen Sync-Port, aber kompatibel war damals anders.

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    Son of MooG  AHU

    Die DDM-110 hat mich viele Jahre begleitet, wohl auch deshalb, weil sie zu den letzten Geräten gehörten, die noch kein MIDI hatten. Hier noch ein paar ergänzende Bemerkungen: Es gab nur eine Sync-Buchse, die per Schiebeschalter als in oder out fungierte. Außerdem gab es einen programmierbaren Trigger-Out, bei dessen Nutzung man aber auf den Clap-Sound verzichten. Auf diese Weise liefen DDM-110 als Master über Sync mit meiner MC-202 und über Trig-Out mit dem Arpeggiator meines Juno-6. Die Taster funktionierten nach einigen Jahren nicht mehr zuverlässig; manchmal kam gar nichts oder ein ganzes Stakkato. Mit dem Erwerb eines Yamaha QY-10 schickte ich die DDM-110 in Rente…

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      Stephan Merk  RED

      Danke Dir für Deine Ergänzungen? Den Schiebeschalter hatte ich noch waage in Erinnerung, aber war mir nicht mehr sicher, daher wollte ich lieber weniger als mehr schreiben. Der befand sich an der linken Seite meine ich. Aber wie Du das beschreibst, hat die Kiste ja richtig experimentelles Potential. Da ist mein Vergleich zu den Folcas ja gar nicht mal so weit her geholt.

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        Son of MooG  AHU

        Noch eine kleine Ergänzung: die letzten Monate, bevor ich die DDM 110 einem Bastler verschenkte, erhielt ich noch eine DDM 220, deren Taster ähnlich schlecht reagierten wie bei der 110 (ist also kein Einzelfall). Den Nachteil der Sync.Buchse konnte ich zum Glück durch die 2 Sync-Out-Buchsen meines MC-202 ausgleichen, aber wer hatte schon diese Kombination ? Die 220 ging übrigens gemeinsam mit der 110 an o.g. Bastler…

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    micromoog  AHU

    In der Teeniezeit in den 80ern hatte ich mal die 110er übers Wochenende leihweise vom örtlichen Musikgeschäft mit nach Hause nehmen dürfen. So richtig tolle Erinnerungen habe ich nicht daran und es kaufte dann kurz darauf eine Alesis HR16 anstatt die kleine Korg.

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      Stephan Merk  RED

      Ich fände schön, wenn bei Vergleichsnennungen auch darauf hingewiesen werden würde, warum das Gerät dann den Vorzug bekam, ob es im selben Preisniveau liegt oder eben nicht und was es mehr bzw. besser konnte. Wer nach Jahren die Kommentare liest, wird ohne aufwendige Recherche die Beweggründe jedenfalls nicht nachvollziehen können. Ich finde das etwas schade, weil gerade die Kommentare doch eine deutliche Bereicherung eines Artikels darstellen und diesen eben lebendiger erscheinen lassen.

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        micromoog  AHU

        War mit der Alesis einer der ersten, muss also so 87 (oder gar 88) gewesen sein.
        Da war die DDM110 schon ein paar Jahre auf dem Markt.
        Die Zeit war schnelllebig, DX7 löste Analoge ab, D50 und Rompler lösten den DX7 ab (sehr vereinfacht ausgedrückt). Zu dem Zeitpunkt als ich die DDM110 bei mir hatte suchte ich definitiv nach einem anderen Sound. Die Alesis HR16 bot seinerzeit eher den Sound den ich suchte, dank des Detunes von +/- 12 Halbtönen und der Möglichkeit Sounds zu layern, hatte die HR16 schon einen ordentlichen Wumms und war auch im Akustikbereich besser aufgestellt.

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          c.hatvani  AHU

          Schöner Bericht. Die zwei Kisten hatte ich auch mal in meinem Besitz – ich fand den Sound von Anfang an grausig :-). An der Bassdrum konnte man herumdoktern wie man wollte (EQ, Verzerrer, Kompressor, etc.), das Ergebnis war immer bescheiden.

          Zu erwähnen wäre noch, daß es mit dem Korg MR-16 ein Soundmodul gab (gleiches Gehäuse wie EX-800), der die Sounds der DDM Maschinen in einem Gerät mit MIDI und Einzelausgängen vereinte.

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    THEXCEE  

    OMG OMG…bedenkt auch was KORG damals in unseren Kreisen ausgelöst hat „DIGITAL DRUMS“ für diesen Preis!! Keine 8000DM für eine LINN!
    Ich war froh, und benutzte den Trig out meines DD110 sehr erfolgreich an meinem Monopoly.

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    harrymudd  AHU

    Auch ich besaß die DDM110 und später auch den Synchronizer KMS30, der dann auch MIDI sync erlaubte.
    Ach ja damals….

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