BLACK BOX: Korg DDM-110 und DDM-220, Drumcomputer

13. Juni 2015

Digital-Drums für wenig Geld

Aufmachjer DDM-220

In dieser Ausgabe unserer BLACK BOX Reihe (Digitale und analoge Vintage Drumcomputer) stellen wir euch den Korg DDM-110 und Korg DDM-220 vor.

 

HISTORIE

Wir schreiben das Jahr 1984: Die NDW-Zeit war im vollen Gange und auch der Synth-Pop war geboren. Das breite Interesse für Science-Fiction und Heimcomputer wuchs, kleine Armbanduhren mit vielen Funktionen schmückten fast jeden Teenager-Arm und auch die Musikbranche verzeichnete einige Revolutionen. Digitale Synthesizer wurden vor allem durch den Yamaha DX-7 der breiten Masse bekannt und auch die Rhythmusgeräte wurden digital. Während analoge Klopfgeister weniger das Gefühl eines echten Schlagzeugs vermittelten, boten sie doch den Vorteil der Klangmanipulation. Digitale Drumcomputer hingegen waren mit starren und zumeist nicht bearbeitbaren Samples ausgestattet und klangen deutlich realistischer, dafür aber auch immer gleich.

LINN hatte 5 Jahre zuvor erfolgreich mit der LM-1 den ersten programmierbaren Drumcomputer auf Basis digital gespeicherter Schlagzeugklänge eingeführt und legte schließlich 1982 mit der legendären LinnDrum die Blaupause für künftige Drumcomputer-Generationen vor. Mit 3.000 USD Anschaffungspreis war diese allerdings nur dem Profilager vorbehalten. Nach und nach erschienen dann preisgünstigere, digitale Drumcomputer von Sequential (Drumtraks & Tom), Oberheim (DX und DMX), Roland und vor allem Yamaha (RX11 & RX15).

KORGS erste Digitalmodelle kamen 1985 vergleichsweise spät auf den Markt. Die beiden PCM-basierten Rhythmuscomputern nannte Korg DDM-110 Super Drums und DDM-220 Super Percussion. Super ist dabei relativ zu betrachten, gemessen am Preis war dieser Zusatz schon gerechtfertigt, da KORG mit den DDM-Modellen die Wettbewerber preislich deutlich unterbot.

ZWEI MODELLE – ZWEI SCHWERPUNKTE

Wie man das auch heute von Korg kennt (beispielsweise Electribes und Monotrons), gibt es optisch baugleiche Modelle mit unterschiedlichem Innenleben und entsprechend verschiedenen Gehäusefarben. So sehen die beiden Modelle auf den ersten Blick identisch aus, auf den zweiten entdeckt man die unterschiedlichen Sounds. Der dunkelgraue Korg DDM-110 Super Drums ist mit einem klassischen Drum-Kit bestückt, der DDM-220 Super Percussion bietet hingegen lateinamerikanische Instrumente in einem hellgrauen bis weißen Gehäuse. Beide arbeiten mit PCM-Sounds (Pulse Code Modulation) bei 8 Bit Wortbreite und sicher nicht viel mehr als 16 kHz Abtastfrequenz, was die späteren 12-Bit-Maschinen von Roland und Yamaha in der Auflösung unterbietet.

Klangbeispiele
Forum
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    Viertelnote  AHU

    Die Sounds der beiden Gerät habe ich immer
    zu sehr als pappig empfunden. Den 110er Drums habe ich auch sehr schnell abgestoßen. Aber Nostalgischen Spaß machen die Kisten.

    mfG

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      Stephan Merk  RED 1

      Weißte, prinzipiell hast Du Recht. Aber wie immer muss man auch hier auf das Einsatzgebiet schauen: Sie klangen besser als sämtliche analogen Orgel-Drums von Farfisa bis Bontempi und No-Name. Korg hatte in den 80er doch immer so günstige Teile rausgehauen, wie sie es heute ja auch machen. Ich hatte mal das – ich meine es hieß PM-5 oder PA-5, das war ein Pedal-Hall für Gitarristen. Mono und sehr einfach, aber ich war damals froh, überhaupt etwas zu haben. Da war man nicht wirklich anspruchsvoll. Auch meinen DDM-110 habe ich geliebt, weil ich brauchte weder Lupe noch andere Hilfsmittel, die LED-Reihenfolge konnte ich mir merken, die LEDs waren super groß und bei Autofahrten war er stets dabei und ich konnte experimentieren.

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        Viertelnote  AHU

        gerade bei einem Handicap ist gerade die Beschriftung der Bedienelemente, bzw. das
        Handling extremst wichtig. Ich stehe nämlich vor einem ähnlichen Problem.

        Das weniger-ist-mehr Prinzip ist nicht immer schlechter. Ich denke bei einer einfachen, aber klaren Struktur liegt das Ergebnis eher auf der Hand.

        Noch was zum DDM: lassen sich die Geräte syncen?

        freundlicher Gruß

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          Stephan Merk  RED 1

          Ja, lassen die sich über diesen Sync-Port, hatte ich im Artikel ja beschrieben. Da ich aber nicht beide hatte, konnte ich das nie in der Praxis sehen. Dass Weniger oft mehr ist, kann ich auch so bestätigen. Da muss man manchmal Kompromisse setzen, wenn auch vom logischen Gesichtspunkt an der falschen Stelle. Oder man lebt eben mit den Einschränkungen und verzichtet auf Funktionen, weil man sie schlichtweg nicht erreicht. Ich suche mir bei der Entscheidung dann meistens den mittelweg raus.

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            Viertelnote  AHU

            Ich meinte auch das syncen mit anderen Geräten (Boss DR55, Boss DR110) aber das
            ist auch ein anderes Thema. Mit einem Gate Reverb knallen die alten Drummies aber ganz ordentlich. Ich hab da einen Korg DRV 1000 als Geheimwaffe für mich entdeckt.

            mfG

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              Stephan Merk  RED 1

              Hm, die sagen mir nichts, aber die Boss-Geräte dürften ja MIDI Haben, das fehlt ja dem Korg, damit klappt’s nicht. Hatte damals mal spaßeshalber den TR-505 angeschlossen, keine Reaktion. Ist ja auch logisch, weil eben kein MIDI. Ich hatte im Netz gelesen, die TB-303 hat auch so einen Sync-Port, aber kompatibel war damals anders.

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    Son of MooG  AHU

    Die DDM-110 hat mich viele Jahre begleitet, wohl auch deshalb, weil sie zu den letzten Geräten gehörten, die noch kein MIDI hatten. Hier noch ein paar ergänzende Bemerkungen: Es gab nur eine Sync-Buchse, die per Schiebeschalter als in oder out fungierte. Außerdem gab es einen programmierbaren Trigger-Out, bei dessen Nutzung man aber auf den Clap-Sound verzichten. Auf diese Weise liefen DDM-110 als Master über Sync mit meiner MC-202 und über Trig-Out mit dem Arpeggiator meines Juno-6. Die Taster funktionierten nach einigen Jahren nicht mehr zuverlässig; manchmal kam gar nichts oder ein ganzes Stakkato. Mit dem Erwerb eines Yamaha QY-10 schickte ich die DDM-110 in Rente…

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      Stephan Merk  RED 1

      Danke Dir für Deine Ergänzungen? Den Schiebeschalter hatte ich noch waage in Erinnerung, aber war mir nicht mehr sicher, daher wollte ich lieber weniger als mehr schreiben. Der befand sich an der linken Seite meine ich. Aber wie Du das beschreibst, hat die Kiste ja richtig experimentelles Potential. Da ist mein Vergleich zu den Folcas ja gar nicht mal so weit her geholt.

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        Son of MooG  AHU

        Noch eine kleine Ergänzung: die letzten Monate, bevor ich die DDM 110 einem Bastler verschenkte, erhielt ich noch eine DDM 220, deren Taster ähnlich schlecht reagierten wie bei der 110 (ist also kein Einzelfall). Den Nachteil der Sync.Buchse konnte ich zum Glück durch die 2 Sync-Out-Buchsen meines MC-202 ausgleichen, aber wer hatte schon diese Kombination ? Die 220 ging übrigens gemeinsam mit der 110 an o.g. Bastler…

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    micromoog  AHU

    In der Teeniezeit in den 80ern hatte ich mal die 110er übers Wochenende leihweise vom örtlichen Musikgeschäft mit nach Hause nehmen dürfen. So richtig tolle Erinnerungen habe ich nicht daran und es kaufte dann kurz darauf eine Alesis HR16 anstatt die kleine Korg.

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      Stephan Merk  RED 1

      Ich fände schön, wenn bei Vergleichsnennungen auch darauf hingewiesen werden würde, warum das Gerät dann den Vorzug bekam, ob es im selben Preisniveau liegt oder eben nicht und was es mehr bzw. besser konnte. Wer nach Jahren die Kommentare liest, wird ohne aufwendige Recherche die Beweggründe jedenfalls nicht nachvollziehen können. Ich finde das etwas schade, weil gerade die Kommentare doch eine deutliche Bereicherung eines Artikels darstellen und diesen eben lebendiger erscheinen lassen.

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        micromoog  AHU

        War mit der Alesis einer der ersten, muss also so 87 (oder gar 88) gewesen sein.
        Da war die DDM110 schon ein paar Jahre auf dem Markt.
        Die Zeit war schnelllebig, DX7 löste Analoge ab, D50 und Rompler lösten den DX7 ab (sehr vereinfacht ausgedrückt). Zu dem Zeitpunkt als ich die DDM110 bei mir hatte suchte ich definitiv nach einem anderen Sound. Die Alesis HR16 bot seinerzeit eher den Sound den ich suchte, dank des Detunes von +/- 12 Halbtönen und der Möglichkeit Sounds zu layern, hatte die HR16 schon einen ordentlichen Wumms und war auch im Akustikbereich besser aufgestellt.

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          c.hatvani  AHU

          Schöner Bericht. Die zwei Kisten hatte ich auch mal in meinem Besitz – ich fand den Sound von Anfang an grausig :-). An der Bassdrum konnte man herumdoktern wie man wollte (EQ, Verzerrer, Kompressor, etc.), das Ergebnis war immer bescheiden.

          Zu erwähnen wäre noch, daß es mit dem Korg MR-16 ein Soundmodul gab (gleiches Gehäuse wie EX-800), der die Sounds der DDM Maschinen in einem Gerät mit MIDI und Einzelausgängen vereinte.

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    THEXCEE  

    OMG OMG…bedenkt auch was KORG damals in unseren Kreisen ausgelöst hat „DIGITAL DRUMS“ für diesen Preis!! Keine 8000DM für eine LINN!
    Ich war froh, und benutzte den Trig out meines DD110 sehr erfolgreich an meinem Monopoly.

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    harrymudd  

    Auch ich besaß die DDM110 und später auch den Synchronizer KMS30, der dann auch MIDI sync erlaubte.
    Ach ja damals….

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