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Black Box: Yamaha RS7000 Groovebox (2001)

4. März 2022

Yamaha Master Groovebox

Vorwort der Redaktion

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Zum Abschluss unserer Rückblicke auf die Yamaha Grooveboxen der 90er stellen wir euch heute das Topmodell Yamaha RS7000 vor. Tatsächlich hat sich in den vergangenen zwei Jahren der Preis für dieses Modell drastisch erhöht und liegt derzeit bei über 600,- Euro.

Warum das so ist, kann vielleicht der folgende Testbericht aus dem Jahr 2001 besser beleuchten.

Yamaha RS700 die Groove Workstation

Nicht viele Hersteller haben sich bisher an einer All-in-one-Lösung für die Dance-orientierte Musikproduktion versucht. Klar, es gibt den Korg Triton, der ist aber zu sperrig und außerdem eigentlich eher ein Instrument für Komponisten oder Alleinunterhalter, jedenfalls kein Gerät für treibende Beats.

Akai hat mit dem MPC-2000 zwar auch einen Trumpf für den samplefreudigen Produzenten im Ärmel, jedoch bietet das Gerät keine eigene Klangerzeugung und Timing-Festigkeit war noch nie eine Tatsache, die man mit MIDI verband.

Yamaha hat die Marktlücke erkannt und mit dem RS7000 ein ‚Music Production Studio’ entwickelt, das eine interne Klangerzeugung mit einer Sampling-Funktion sowie einem leistungsstarken Sequencer und einer Effektsektion verbindet. Ob die Ehe glückte, wird der folgende Test zeigen.

Der Herr der Regler – wir finden uns zurecht

Nach dem Auspacken des Gerätes zeigt sich zunächst ein sehr aufgeräumtes Bild – eigentlich hatte ich erwartet, dass mich die schiere Anzahl der Funktionen erschlagen würde. Doch schon nach einer halben Stunde zeigte sich, dass Yamaha mit Hilfe des von dem 01V bekannten fantastischen Displays, den dieses steuernden Endlosreglern darunter und dem übersichtlichen Gesamt-Layout tatsächlich Herr der Regler wurde. Der RS7000 zwar kein Leichtgewicht, bleibt aber dennoch handlich und prädestiniert sich somit für Live-Performances, ohne eine absolute Studiotauglichkeit in Abrede stellen zu wollen.

Aber lassen wir unsere Augen erst mal über das Äußere streifen. Rechts neben den obligatorischen Sequencer-Pads befinden sich noch zwei ihrer anschlagsdynamischen Brüder, denen natürlich zunächst eine Note zugewiesen werden muss. Darüber findet die gesamte Verwaltungssektion vom MIDI- bis zum SCSI-Setup übersichtlich Platz. Gute Idee: Neben den entsprechenden Knöpfen (die ein wenig klapperig wirken) sind Punkte zu finden, die die Anzahl von Untermenüs widerspiegeln.

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Besonders bei Live-Performances wird man zudem das große LED-Display des RS7000 schnell ins Herz schließen. Dieses zeigt je nach Vorliebe die aktuelle Taktnummer bzw. den BPM-Wert und bei Parameterveränderungen einen kurzen Augenblick lang den gewählten Wert. Mehr als das Transportfeld des Sequencers überrascht die Sektion mit professionellen Master-Effekten über dem Display, wo vornehmlich DJ-typische Effekte wie Isolation oder Slice, aber auch ein professioneller Mulitband-Kompressor Platz finden. Marketing-Managern traut man besser nicht über den Weg, aber der von Yamaha scheint Recht zu behalten, wenn er der RS7000 „komplette Kontrolle über eine Produktion, vom Anfang bis zum Ende“ bescheinigt

Wem die auf der mitgelieferten 8 MB-SmartMedia-Karte gespeicherten Samples nicht ausreichen, kann jederzeit seine eigenen Kreationen entweder über den schon in der Standardausstattung vorhandenen SCSI-Port und externe Hardware wie ein CD-ROM- oder MO-Laufwerk importieren (unterstützte Formate: WAV, AIFF, YAMAHA A3000/4000/5000, YAMAHA SU700, AKAI S1000/3000) oder aber sich eine Audioquelle suchen und das Signal sampeln. Der Analogeingang ist mit einem 20-Bit-Wandler ausgestattet, so dass hier keine allzu großen Abstriche gemacht werden müssen. 4 MB Samplespeicher sind gleich mit von der Partie und können mit handelsüblichen SIMMs auf bis zu 64 MB ausgebaut werden.

Bleibt nur noch die umfangreichste Sektion unerwähnt: die von jeder Groovebox bekannten Parametersteuerungen für alles von Hüllkurven über LFOs bis hin zum mit Vorsicht zu genießenden, non-destruktiven Beat Stretch-Regler, mit dem der Sequencer die Spuren dehnt oder staucht. Natürlich können auch MIDI-Controller zugewiesen werden – ein echter Vorteil, wenn der RS7000 in ein bestehendes Setup integriert werden soll.

Der Sequencer zeigt sich flexibel bei der Nahrungsaufnahme. Jeder der 16 möglichen Tracks kann wahlweise den internen Sampler, externe MIDI-Hardware oder den internen Tongenerator triggern.

Drin – Sampeln ist jetzt einfach

Wir alle müssen umdenken. Während ‚anständige’ Musiker gerne stundenlang an der perfekten Synchronisation eines Samples arbeiten, ist spätestens seit Propellerheads ReCycle ein neues Zeitalter angebrochen. Dort werden nämlich die Audiospuren anhand von Amplitudenausschlägen und einem Zeitraster in kleine Häppchen, sog. ‚Slices’, zerlegt, die dann mit relativ geringem Aufwand und ohne die bekannten Pitch-Probleme auf einen MIDI-Beat gelegt werden können. Genau dieses Konzept verfolgt auch der RS7000.

SCSI Anschluss für Sounds und Samples

Das vielleicht bemerkenswerteste Novum der RS7000 ist die anscheinend völlige Gleichbehandlung von Audio- und MIDI-Daten auf professionellem Niveau (wenn auch die Flexibilität von ReCycle natürlich nicht ganz erreicht wird). Das vom geneigten Musiker importierte Sample – man kann sogar die internen Sounds oder ganze Patterns resampeln – wird nach wenigen Einstellungen durch den ISS (‚Integrated Sampling Sequencer’) gejagt und automatisch in die oben erwähnten Slices zerschnitten, nur um sodann eine korrespondierende MIDI-Sequenz herbeizuzaubern. Mit anderen Worten: Das Timing eines Samples wird aufgebrochen und liegt endlich in unserer Hand.

Optionales Board – u. a. mit digitalen Ein- und Ausgängen

Die inneren Werte der RS7000

Das zweite Herz des RS7000 ist der hauseigene 62-stimmige AWM2-Tongenerator, der aus einem ROM mit über 1000 Voices und 60 Drum Kits gefüttert wird. Er bietet sechs verschiedene, teilweise sehr phatt-resonante Filtertypen (24 dB / 18 dB /12 dB Lowpass, Hipass, Bandpass, Bandsperre), die natürlich auch per Hüllkurve bearbeitet werden können. Die Niederfrequenzoszillatoren können zum Songtempo vielfältig synchronisiert werden; zusätzlich bietet eine benutzerdefinierte Schwingung tiefe Eingriffsmöglichkeiten, um in dieser Geräteklasse einzigartige Effekt-/BPM-Synchronisationen zu erreichen.

An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass bis auf die wirklich tollen Drumkits die Qualität der Sounds durchwachsen ist. Zwar ist sie Lichtjahre von der grottigen RM1X entfernt; manche Sounds sind aber leider immer noch ähnlich käsig und dünn. Aber dafür gibt es ja Effekte, um genau zu sein, 11 verschiedene Reverbs, 22 Delay-/Chorusvariationen sowie ungezählte Spielereien wie Harmonize oder Octaver. Und im Gegensatz zu Akais MPC-Reihe sind diese kostenlos, klingen wirklich ordentlich, teilweise sogar absolut professionell und bilden in Verbindung mit dem Sampler eine breite Basis für innovative Remixes

Darüber hinaus besitzt jede einzelne Spur ihren eigenen 2-Band-EQ; zusätzlich kann mit dem vom 01V recycelten 4-Band-Master-EQ noch einmal der ganze Mix ausbalanciert werden.

Fünf sog. Scenes erlauben es zudem, unterschiedliche Effekt- und Filtersetups eines einzigen Patterns zu festzuhalten; zudem werden beim Speichern eines Patterns dessen Stimmen als integraler Bestandteil betrachtet, so dass man nach dem Laden auch genau dasselbe Pattern vor sich hat.

Bei den tollen RS7000-Fotos möchten wir uns herzlich bei Alex Haberkorn bedanken

Der Loop-Remixer

Leser „grisi“ schrieb uns zum LoopRemixer:

„Also das ‚dice‘ nach dem ’slice‘. Loops zerschnippeln ist ja nichts Neues mehr, aber die entstandenen Schnipsel neu in der Reihenfolge zu sortieren habe ich so noch nicht gesehen. Das re-mixen kann nach verschiedenen Styles (D’n’B, 2Step, House u.a.) erfolgen, jeder Style in mehreren Varianten, jede Variante wiederum mit Optionen. Eine ge’slice’te Loop remixen damit sie D’n’B mäßig rrrrrollllt ? Bitteschön. Ein House-loop mit ganz neuem Groove ? Voilà… Ok, man muß experimentieren um etwas ’sinnvolles‘ zu bekommen. Man merkt aber schnell ob es in die richtige Richtung geht oder nicht, auch weil es ultraschnell bedienbar ist. Dabei können geniale Kreationen entstehen die so abgefahren sind daß man das Ergebnis mit keinem Sequencer der Welt auch nur ansatzweise programmieren könnte.“

Der Yamaha RS7000 on YouTube

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Fazit

Bewertung aus 2001:
Die Yamaha RS7000 Groovebox ist ein tolles, relativ preiswertes Arbeitspferd und geht mit der innovativen Integration von Sampling und der internen Klangerzeugung einen Schritt in die richtige Richtung. Neben einigen Kleinigkeiten wie der wenig Vertrauen erweckenden Hartplastikhülle oder einem an der Geräterückseite schlecht zugänglichen Kopfhörerausgang ist Letztere der größte Kritikpunkt.

Wer zur Klangerzeugung ohnehin auf externe MIDI-Hardware zurückgreifen kann, ist mit dem fantastischen Sequencer und der einfachen Bedienung auf der Gewinnerseite, ansonsten hilft nur Probehören und selbst entscheiden, ob die Sounds gefallen.

Plus

  • innovative Integration von Sampling und MIDI
  • hervorragende Benutzeroberfläche und toller Sequencer
  • SCSI + SmartMedia gleich mit dabei
  • umfangreiche, gut klingende Effekte & Multiband-Kompressor
  • Master- und Track-EQ
  • sehr gutes Handbuch

Minus

  • bis auf die Drumsets dünne Sounds
  • Verarbeitung könnte robuster sein
  • Kopfhörerausgang auf der Rückseite
  • Digitalanschlüsse nur mit Erweiterungsboard (AIEB2)
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    lunatic AHU

    Ein schönes Stück Hardware aus der Pre-Miniaturwahn-Ära. Super Sequenzer, build like a tank und sehr durchsetzungsfähige Drumsounds. Einzig die Synthsounds waren teilweise auch damals schon etwas fad.
    Danke für die memories

  2. Profilbild
    Garfield Modular

    Hallo Dominik,

    Wow! Was ein schönes Teil das ist! Der sieht ja einfach nur Super aus, und die hier obige Sound Samples sind ja auch super. Schade das ich vor einige Jahren her das meiste meine alte SCSI Zeug weggetan habe :-(

    Das einzige das mir ein bisschen fehlt (oder habe ich das übersehen?)… was war der Preis damals für das Gerät? Das wäre noch mal interessant zu wissen.

    Herzlichen Dank für das interessante Artikel! :-) Viele Grüße und genieße das Wochenende mit Musik machen oder halt hören, Garfield.

      • Profilbild
        Garfield Modular

        Hi Lunatic,

        Super, danke dir!

        Hast du ein Spreadsheet oder Database wo du das alles bei hältst? :-)

        Viele Grüße, Garfield.

        • Profilbild
          lunatic AHU

          Da war nur ein Griff ins analoge Zeitschriftenfach nötig.:)

          Wer einigermaßen vernünftig produzieren wollte konnte das, ohne großen finanziellen Aufwand. Auch ohne B.

  3. Profilbild
    chardt

    Pluspunkt: „Toller Sequenzer“ – nur schade, dass man über den Sequenzer so rein gar nichts erfährt außer „16 Tracks“ :(

    • Profilbild
      Eisenberg

      Taktlänge frei wählbar, spuren in Patterns heißen „Phrasen“, und können frei hin und her kopiert werden (reine Mididaten). Pattern Sets (16 Phrasen) liegen auf den schwarzen Buchstabentasten und können damit angewählt werden. Chains sind möglich, die können in Songs umgewandelt werden.
      Ein Track kann die interne Klangerzeugung ansteuern und/oder Midi out A und oder Midi out B.
      Man kann in einem 16tel-Raster pro Track beliebig Steps anwählen, und die stufenlos nach vorne oder hinten schieben, transponieren oder gate und Velocity ändern.
      Kurzum: Ein echt geiles Teil.

      • Profilbild
        Killnoizer

        …und sogar die „grottige RM 1 X “ kann pattern bis zu 256 Takten realisieren, bei einer Auflösung von 480 steps pro Takt . Und davon 16 Stück pro Patch/Bank … whatever, Yamaha geht da kurios mit der Bezeichnung um .
        Ich bin mit den Sounds sehr zufrieden, auch bei der RM1 . Und die Effekte sind ziemlich gut , besonders Modulation und Overdrive.

  4. Profilbild
    Viertelnote AHU

    nicht vergessen sollte man den QY700.
    Er bietet zwar keine Echtzeiteingriffe und ist mehr eine Midi-Zentrale.
    Dafür hat er ein großes helles Display und ist meiner Meinung nach am besten zu
    beherrschen. Die Sounds sind zwar schon überholt, aber ein Super Hardwaresequencer.
    Ich habe den seit 1998 und er werkelt immer noch brav als Zentrale.

    netter Gruß

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