18. Mai 2020

Behringer Crave Inside !

Der Crave war für mich ein No-Brainer und ich hatte erstmal augenscheinlich nichts an dem Gerät auszusetzen. Auch wenn das Konzept den Moog Mother 32 als Vorbild hat – ich finde den Crave mit dem CEM VCO ziemlich cool – und dafür kostet er fast nicht.

Aber, es kam anders: Ich hatte mir 2 Craves besorgt – einer davon war ein Wackelkandidat. Das störte mich und darum wollte ich einfach mal der Sache auf den Grund gehen. Der Crave ist ja recht einfach verschraubt – darum habe ich die Unterplatte abgeschraubt, ein Seitenteil etwas gelockert und die Ursache schnell gefunden – die 4 gewinkelten Halterungen unter der Platte kann man leicht etwas eindrücken oder mit einer dünnen Zange leicht wieder nach oben drücken. Kein Problem – kein Wackeln mehr … aber was war das auf der Platine:

Das sind Reste von der Fertigung, bzw. ist die Säuberung in der Produktion einfach nicht gelungen. Ich habe kurzerhand den 2. Crave aufgeschraubt, und siehe da, das gleiche Ergebnis – obwohl beide Geräte eine unterschiedliche Revision haben (Rev. C und D) – kam mir die Rev. D fast noch dreckiger vor.

Der Ausbau der ganzen Platine war dann schon etwas knifflig, aber zu guter Letzt ging es, wenn die Potentiometer und die Switches richtige Stellung haben. Nur keine Hast – Ungünstig ist es, wenn die Platine zu schräg nach links rausragt, dann verhakt sich gern die PCB mit dem Gehäuse und dann muss man mit etwas Feingefühl (etwas Drücken und Ziehen) sie wieder lockern. Zum Ausbau gehört also etwas Geschick. Aber eigentlich geht die Platine gleichmässig nach oben raus.

Dann das Ergebnis der Oberseite – zum Glück war diese sauber und ich war etwas beruhigter:

Wichtig ist noch der Stand der kleinen Power-LED. Der geht ziemlich schnell verloren, wenn man nicht aufpasst. Meiner lag noch auf dem Hof, wo ich die Säuberung durchgeführt hab – zum Glück wieder gefunden.

Mit einer (nicht für die Zähne zu verwendende) Zahnbürste, einem breiten feinen Pinsel, Isopropanol (99,9%) und Nitril-Handschuhe ging der Dreck ab, was man aber im Freien machen sollte.

Und das ist das Ergebnis:

Beim Einbau sollte geschaut werden, dass sich der DIP-Schalter nicht nach hinten verbiegt, wenn man die Platine leicht schräg an der Rückseite einsetzt.

Auch hier gilt wieder Feingeschick und Ruhe bewahren – möglichst keine Gewalt – normalerweise geht die Platine einfach gerade rein. Es hilft, wenn man versucht, die Switches möglichst in der Mittelstellung zu parken.

Ich könnte nun davon getrost mein Frühstück drauf essen oder einfach nur damit Musik machen :)

Behringer sollte aber zukünftig vllt. schauen, ob sie mit dem Konzept billig aber innen dreckig (sieht ja keiner) gut fahren. Denn ich als Synth-Liebhaber möchte die Geräte auch noch in 20 Jahren am Leben erhalten – sonst braucht es bald wieder neue Klons..

Fazit
Mit etwas handwerklichem Geschick kann man es selber säubern. Generell ist es aber schlecht, dass Behringer die Craves so dem Kunden überlässt. Ich bin für meinen Teil nun mit den beiden gesäuberten Kandidaten zufrieden.

Plus

  • Der Schmand geht mit Isopropanol, Nitrilhandschuhe, eine Zahnbürste und einem breiten Pinsel gut ab.

Minus

  • Der ganze Schmand ab Werk.
Forum
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    Healfix  

    Manchmal will man lieber gar nicht wissen, wie es innen drin aussieht,
    Ich hatte mal einen Tom Scholz Rockman modifiziert (externes Netzteil) und nach dem Aufschrauben eine tote Kakerlake gefunden. Es gibt auch Stories von halbgerauchten Joints in Synths…

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      TobyB  RED

      Ich hab mal gebraucht eine Korg M1 als Ersatzspender gekauft, CDEF waren von einer Zigarette angebrannt. Im Inneren fand ich nach dem öffnen eine tote luftgetrocknete Maus, an der Weissblechschirmung der Platine muss wohl jemand verblutet sein. Highlight war ein abgebrochener Joystick.

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        amyristom  AHU

        Wie kommt eine Maus in einen Synthesizer wie eine M1?!? Spinnen, Ameisen und weiteres Kleinvieh ok, aber wo quetscht sich da eine Maus rein?

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          TobyB  RED

          Wenn ich das wüsste, Ekliger war das Blut. Ich denke mal die wurde bei der Reparatur mit eingebaut. Jedenfalls ist das meine Vermutung, da innen Mäusekot war.

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          TobyB  RED

          :-D tatsächlich kenn ich Deadmau5 schon was länger, damals haben wir im Studium Fruity Loops 1.0 Alpha/Beta getestet.

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    amyristom  AHU

    Was jetzt aus dem Artikel nicht hervorgeht: ist das jetzt nur optisch unschöner Dreck oder potentiell für die Platine / Bauteile gefährlicher Dreck, der z.B. Korrosion auslöst?

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      rio  

      Flussmittelrückstände sind potentiell schlecht für die Lötstellen auf Dauer… Die Platine wird es überleben. Der klebrige Schmand zieht halt auch staub usw. an.

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      TobyB  RED

      Dreck ist immer schlecht, entweder erzeugt er eine thermische Last und vorzeitige Alterung oder Korrosion, was auch zu vorzeitigem Altern führt. Das führt zu erhöhten Ausfallraten und Ableben. Müsste eigentlich in der Qualitätsicherrung bemängelt und abgestellt werden. Aber das ist bei dem Preis kaum realisierbar.

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      wolftarkin  AHU

      Kommt immer auf das Flussmittel an. Bei einem Gerät aus der Fabrik kann man es natürlich schlecht wissen.
      Wenn ich selbst löte, achte ich immer auf Lötzinn mit der Bezeichnung „no clean“, da kann man sich das Saubermachen sparen. Ich bin faul. ;-)
      Schärfere Flussmittel können im wahrsten Sinne ätzend sein.

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        TobyB  RED

        Hallo Wolf,

        wir reden ja hier über Weichlot, da sollte Kollophonium reichen und Isopropanol reichen. Hartlot ist schon richtig eklig, würde ich nur mit Nitrilhandschuhen ran. Mit Kollophpnium sollte man auch aufpassen, ich hab mir da ne schöne Kontaktallergie abgeholt, deswegen Löte ich nicht mehr.

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      S_Hennig  

      Bzgl. Dreck kann ich aus eigener leidvoller Erfahrung beitragen, dass der übelste Dreck, der mir bisher untergekommen ist (außer lebenden und sehr verärgerten Spinnen in Tastaturen) Rauch, vor allem Rauch von einem Wohnungsbrand ist.
      Der setzt sich nämlich überall ab und bleibt über Jahre und Jahrzehnte korrosiv. Ich habe hier einen Yamaha S-80, der mir zu einem (vermeintlich) guten Preis mit den Worten „der Vorbesitzer war sehr starker Raucher“ von einem Händler (!) angedreht wurde.
      Jetzt fällt nach 2-3 Jahren eine Funktion nach der anderen aus und ich habe beim Öffnen rauchgeschwärzte Platinen mit echtem Lochfraß im Kupfer gefunden.
      Das Zeug läßt sich ausserdem auch nur äußerst widerwillig entfernen.
      Also, wenn’s bei Euch gebrannt hat, und der Synthi trotztem noch funktioniert, bloß nicht denken „Glück gehabt“, das ist trotzdem ein Versicherungsschaden.
      Aber ein paar Reste von säurefreiem Flussmittel… Pillepalle.

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        rio  

        Leute, hier wird mit Wohnungsbrand und toten Ratten verglichen … Denkt dran, dass Gerät ist neu x__O

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          S_Hennig  

          Ja, und der Rückstand auf der Platine mit 99%er Wahrscheinlichkeit harmloses säurefreies Flussmittel. Warum sollte Behringer das entfernen? Es ist nicht sichtbar und hat keinen Einfluss auf die Haltbarkeit. Das sind keine Idioten, die fertigen nicht zum ersten Mal was elektronisches. Die wollen auch keine Rückläufer haben.

          Man beachte auch, was der Grund für die „Untersuchung“ war: ein Wackeln des Gehäuses. Kein WackelKONTAKT, sondern der Crave hat nicht flach gestanden. Hat meiner auch, nervt mich auch, wird behoben. Danke dafür.

          Kein Danke für die Ausführungen zu einer Platine, die keine Probleme hat und hier ohne jeden Grund die Leute nervös macht.

          Es gibt aber (und das wollte ich mit meinem Post kommunizieren) auch Dreck auf Platinen, der unbedingt entfernt werden muss und da auch gar nicht hin gehört.

          Aber der Crave ist elektronisch i.O. und gereinigt oder ungereinigt für die nächsten Jahrzehnte tauglich. Und wenn’s nach dem Aussehen geht, dann bitte auf keinen Fall in einen Fernseher oder andere Konsumelektronik schauen. Ein Qualitätsmerkmal ist das auf jeden Fall nicht.

          Wer gern im innern seiner Geräte putzt, bitte sehr, ich bin mir sicher, dass es auch jemanden gibt, der hört, wie der Klang dadurch „transparenter“ wird, aber ich habe mit meiner Zeit besseres zu tun, z.B. den Crave zu spielen.

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            rio  

            der 2. crave hatte aber tatsächlich eine fehlerhafte Verbindung unterm MOD Dest Switch… (was sicher eine Ausnahme ist).

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            rio  

            Welcher Hersteller liefert denn bitte sowas noch ab? Sowas ist mir bisher (seit Jahrzehnten) nicht in die Hände gekommen…

            Und natürlich ist es jedem freigestellt zu tun und zu lassen was er will. Weder Panik noch sonstwas. Ich hab die Kiste lediglich aufgemacht und gesäubert. Der Klang hat sich dadurch nicht geändert.

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    Emmbot  AHU

    Danke für den Einblick. Ich finde solche Themen immer Recht interessant und finde es gut, dass rio hier auch gleich die Lösung im Gepäck hat. Super

    Das Ereignis sieht wirklich schniecke aus. Viel Spaß noch mit dem Gerät. Jetzt hätte ich fast „der“ geschrieben.

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    s.tubenrocker  

    Gut geschrieben und auch beschrieben, wie man den „Dreck“ lösen kann. Hätte mich nicht einfach so getraut mit Flüssigkeiten dabei zu gehen.
    Klar ist es ein günstiges Gerät, aber „sauber“ verarbeitet sollte es schon sein finde.
    Evtl. für ein Zehner mehr und zum Schluss wird nochmal durch gefeudelt ;-)

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      rio  

      Bei dem Preis war’s mir egal und zum Glück betrifft es nur die Unterseite. Im Bericht hatte ich noch vergessen zur Erwähnen, dass der 2. crave sogar noch einen Kurzschluss am OSC Mod Dest Schalter hatte. Lötzinn war über zwei Pins. Der Schalter hatte für die Frequenz keine Wirkung. Naja halt auch noch gefixt…

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    Maxi  

    Wenn man so etwas gebraucht kauft, würde man denken: Oh, da ist beim letzten Live-Gig in der Dorfdisco bestimmt ein Glas Bier umgekippt. Neu sollte das nicht so aussehen. Positiv, dass man die Kisten überhaupt noch aufschrauben kann, sie also nicht zugeklebt werden.

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    xmario  

    lol was für ein sorry komischer bericht. jede „2te“ printplatte sieht so aus, egal von welchem elektronik hersteller..

    wäre schön gewesen wenn die 2 printplatten verglichen worden wären was die untersch. revisionen angeht. dann hätte der artikel zumindest für mich wirklich nen sinn ergeben.

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      rio  

      Ja bei behringer sieht sogar Jede so aus.

      Und nein, das ist nicht in Ordnung, was da abgeliefert wird. Auf der Rev. D ist der VCO3320 separiert worden (siehe erstes Bild) – warum auch immer und nein, behringer veröffentlicht keine schematics ;) Warum sollten sie auch…

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          rio  

          Hast du dazu eine Quelle? Ja die Antwort bezog sich auch mehr auf den Crave.

          Grüße Rio.

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            Green Dino  AHU

            Das ist nur was ich in diversen Foren und auf einigen Blogs gelesen habe.
            Allerdings hatten einige User dann aus Interesse in ihre Behringer Synths reingeschaut und teilweise auch Bilder von Platinen gepostet, da war es tatsächlich immer der Crave.

            Auch über eine Googlesuche kann ich keine verschmutzte Platinen anderer B Synths finden.

            Die TD3 z.B. dürften wegen den Mods z.B. schon einige User geöffnet haben.

            An die Geschichte mit den Lötkügelchen kann ich mich allerdings auch noch erinnern.

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          Larifari  AHU

          Es gab bereits beim Release des Model Ds ähnliche Berichte. Ich meine hier auf Amazona war auch jemand der umherziehende Lötkugeln in seinem Gerät gefunden hat.

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    Dave the Butcher  AHU

    Man darf sich einfach nicht wundern, der Preis kommt nicht von ungefähr, QC kostet Zeit und Geld, das nicht zurück kommt. Nicht dass andere Hersteller nicht auch dort und da schludern, aber bei dem Preis kann man nicht ordentlich kontrollieren.

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    Filterpad  AHU

    Solche Berichte finden meiner Meinung nach auf Amazona zuwenig Anerkennung. Die Pflege und Instandhaltung von Equipment ist eines, neben dem Musikmachen, wichtigsten Elemente um Langlebigkeit und somit auch Spaß am Instrument zu gewährleisten.

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