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Praxistest: Beyerdynamic DT-1990

20. September 2023

Professional Gear oder doch nur ein teures Hobby

Wer sich auf die Suche nach den ersten bezahlbaren hochwertigen Studio Kopfhörern zum Mixen und Mastern macht, kommt an den Beyerdynamic DT-1990 in der 250 Ohm Variante wohl nicht vorbei.

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Beworben wird der Ohrumschließende halboffenen Kopfhörer für den High-End Studiobereich und ist mit seinem 5-40,000 Hz Übertragunsbereich und Tesla-Neodym-Treiber rein technisch schon mal in der richtigen Liga.

Mit 495,- € hat dieser Kopfhörer nicht wirklich viele Konkurrenten, die dann auch noch ihr Produkt als „Mixing und Mastering“ Kopfhörer bewerben. Man erkennt, dass Beyerdynamic ihre Kund*innen kennt und erweitert mit ihrem teuersten Studio Kopfhörer ihre Palette preislich angemessen.
Ist damit anzunehmen, dass Beyerdynamic hier primär ein Hobby bis Semi-Professionelles  Publikum bedient oder ist dieser Kopfhörer auch für professionelle Anwender*innen? Gerade da die Kopfhörer, die viele Mixing und Mastering Profis nutzen eher ab 4 stellig und weit aufwärts anfangen und von „Nieschen“ Marken wie Audeze, Olle etc. kommen.

Zu mir:

mein Name ist Adrian Zadi, ich bin professioneller Mixing und Mastering Engineer, Produzent für Pop bis Elektro und natürlich auch Musiker im Herzen. Meine Anwendung für den Kopfhörer findet in Studios mit diversen Interfaces als auch unterwegs statt. Die Anwendung Palette liegt dabei von Mastering bis Beats basteln.

Zum Produkt:

Er kommt in einem edlen schwarzen Case und ist mit 2 Mini-XLR Kabel Varianten ausgestattet. Man kann wählen zwischen einem gestreckten oder einem Spiral Kabel. Lang genug für jeglichen Einsatz sind beide mit 3 und 5 Metern definitiv.

Das erste was beim Öffnen auffällt ist die schwarz matte Edelstahl Tönung und die weichen Ohrpolster. Auch diese sind in zweifacher Ausführung vorhanden. Allerdings nicht als Ersatz, wie ich anfangs vermutete, sondern diese sollen laut Hersteller verschiedene Klang Charakteristiken haben – analytisch oder balanciert.

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Das erste Aufsetzen fühlt sich sehr angenehm an, nichts drückt oder presst zu sehr an den Ohren und er ist dazu mit seinen 370 Gramm sehr leicht.
Der erste Eindruck wird von der Verarbeitung, Packaging und Tragegefühl definitiv dem Preis gerecht und könnte meinem Eindruck nach sogar in einer höherpreisigen Kategorie stattfinden.

Damit aber weiter zum wesentlichen. Wie is’n jetzt der Sound??

Dieser Kopfhörer klingt sehr analytisch, aber auch etwas hart, was Transienten und Impuls Verhalten gut tut. Dabei ist er aber nicht so flat oder ausgewogen wie ich es gerne hätte. 7kHz hat eine merkwürdige Nase und der Low End Bereich ist eher dünn. Dieser scheint sich von Signal Quelle zu Quelle sich zu verändern, obgleich alle genug Spannung aufweisen, um 250 Ohm ordentlich zu betreiben.

Hört man sich das Low End, allerdings mit einen High Cut man alleine an, ist er wunderbar präzise ausgewogen und geht erstaunlich tief! Allzu ausgewogen Flat klingt der Kopfhörer für mich nicht. Einzeln Betrachtet sind die Frequenzbereiche sehr genau und chirurgisch betrachtbar. Im Gesamtgefüge vom Spektrum wirkt es für mich nicht kohärent. Irgendwie fehlt mir der Glue und die etwas Musikalität…Kann aber auch genau richtig sein, wer das fürs Mixen mag.

Die verschiedenen Ohrpads haben mir nicht den Unterschied geboten, den ich erwartet hätte. Ein subtiler Unterschied, der definitiv zur dargestellten Frequenz Kurve im Handbuch passte, war erkennbar. Man sollte aber kein „WOW“ Erlebnis erwarten.

Auch unterwegs mal einfach ans MacBook angeschlossen tut er seinen Job und fällt mir immer wieder durch seinen Tragekomfort auf. Selten habe ich den Kopfhörer abgenommen und war danach erleichtert, nichts mehr auf den Ohren zu haben. Auch zu warm werdende Ohren war nie ein Problem.

Erwähnenswert ist definitiv, dass der DT-1990 bei mir definitiv etwas „Einklang“ Zeit gebraucht. Anfangs war er übertrieben höhenlastig. Das selbe Phänomen schilderten und bestätigten viele Käufer*innen in ihren Berichten. Auch das Bass und 7kHz Verhalten empfunden viele ähnlich. Somit scheint es eine grundsätzliche Klangeigenschaft des Kopfhörers zu sein. Es ist definitiv ein Sound an den man sich, wie bei jedem neuen Ausgabe Medium, gewöhnen muss und mit dem wohl Wenige direkt warm wurden.

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Fazit
Er passt zum Anwendungsfall für den Beyerdynamic ihn konzipiert hat und ist dafür definitiv anwendbar.
Hat man erstmal den Klangcharakter mit wenig Bass, empfindlichen Höhen und etwas "harten" Mitten Verstanden und sich durch seine Referenz und Lieblings Tracks an den Sound gewöhnt, ist es eine prima Referenz, die in dem Preis Segment seines Gleichen sucht.

Meines Erachtens, hätte ein wenig "Schönklang" und Bassvolumen dem Kopfhörer auch in Anbetracht der durch den Preis adressierten Kundschaft gut getan.
Abhilfe schafft da Produkte wie Goodhertz's CanOpener.

Wer einen präzise und gut klingenden Kopfhörer zum produzieren sucht, wäre meiner Meinung nach mit dem DT 1990 falsch beraten. Für meine Ohren ist er alles andere als "wohlklingend". Kurz gesagt, der Kopfhörer verschönt nichts und klingt eher "trocken" oder langweilig. Also nichts, um seine fetten Beats, die man um 4 Uhr Nachts angetrunken noch gebaut hat zu ballern.

Für Anwender*innen, die ein chirurgisches Werkzeug zum analytischen Hören suchen, werden aber hier fündig.
"High End" ist meiner Ansicht nach bei diesem Produkt hier allerdings übertrieben.

Für alle Einsteiger ins Mastering Game ist dieser Kopfhörer definitiv eine Option und mit der Preis Leistung unschlagbar.

Plus

  • + Impulsverhalten
  • + weitreichende Frequenzdarstellung
  • + hoher Tragekomfort
  • + sehr gute Verarbeitung
  • + top Zubehör

Minus

  • unausgewogen im Bassbereich
  • Einklangzeit
  • 7kHz Nase
  • Ohrpad Auswahl haben nur einen geringen Effekt
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Forum
  1. Profilbild
    bluebell AHU

    Wenn ein Kopfhörer im Bassbereich untertreibt, ist er nichts fürs Mastering. Klingt ein Track dort gut, ist er bei vielen Konsumenten mulmig bis dröhnend untenrum. Das will man auf gar keinen Fall.

      • Profilbild
        bluebell AHU

        @figgelz Ja. Unbedingt mit Lautsprechern mastern. Kopfhörer sind nett als Lupe, wenn man Knackser oder andere Störgeräusche finden will.

        Ich hab den AKG K812, und auch mit dem höre ich es nicht, wenn ich im Bass zu großzügig war.

        • Profilbild
          pytrel

          @bluebell Ich weiss was du meinst und vertraue eher meinen Monitoren mit sub
          aber wenn ich mal im hotel beruflich unterwegs war habe ich ziemlich gute und wiederholbare Resultate mit meinem 1770pro erreicht. Ich hatte auch den 1990. Den habe ich irgendwann verkauft denn für das gelegentliche „Lupe“ Gefühl reicht mir der 1770 und ist sogar finde ich besser als Referenz als der 1990. Er ist bisschen weniger räumlich aber dafür finde ich zuverlässiger um die Gesamtbalance zu beurteilen als der 1990. Räumliche Effekte über Kopfhörer
          einzustellen finde ich eine weit Größere Katastrophe als Bass einschätzen.
          Es ist jedoch tatsächlich gefährlich mit Kopfhörern den bass zu beurteilen denn
          über Lautsprecher stellt man immer schnell fest „zu viel“ oder „zu wenig“ bass
          denn man spürt es schließlich auch mit dem Körper im Raum.
          Über Kopfhörer reicht es wenn man ein bisschen länger hört und man kann sich an erstaunlich viele Fehler gewönnen.

          Ich weiss was du meinst

  2. Profilbild
    Karsten Döring

    Ich hab den DT-1990 Pro auch schon einige Monate im Einsatz (als nächtlichen Ersatz für meine Adam-Abhöre) und war beim ersten Test eigentlich vom Bass überrascht, dafür daß es kein geschlossener Kopfhörer ist. Ich stimme zwar der Aussage zu, daß der DT nichts für fette Beats angetrunken, nachts um 4 Uhr ist, aber da ich auf ihm produzieren will, ist er genau richtig. Wenn ich dann auf meine anderen Kopfhörer (Phonon SMB09 / Focal Spirit) wechsle, kommt genau der Effekt dann zum tragen, da diese den Bass deutlicher zeigen und er korrekter weise dann NICHT zu dick aufträgt sondern genau da schiebt, wo er soll. Für mich ist der DT1990 Pro definitiv DIE Kaufempfehlung. Nur unterwegs ist er meiner Meinung nach nicht das geeignete Werkzeug. Da sollte es dann doch die geschlossene Variante (DT-1770 PRO) sein.

  3. Profilbild
    La Ra

    Musste mich erst einmal an den DT-1990 pro gewöhnen.

    Zum Hören von Musik war er für mich schon immer schön, zum Produzieren nur bedingt.

    Wie so viele Kopfhörer ist er mir im Bassbereich etwas zu „verlogen“
    und täuscht auch vieles im oberen Frequenzspektrum weg.
    Das Produzieren mit dem Beyerdynamik macht schon Freude,
    man hat nur hinterher über Freifeld wieder manches zu korrigieren.
    Er soll (laut Hersteller) auch fürˋs Mastering geeignet sein. Hierfür wechsel ich dann lieber zwischen Freifeld und dem Sennheiser HD 600, ca. 180 € günstiger und eine gute klangliche/Frequenz betreffende Neutralität.

    Sehr wichtig bei beiden ist mir auch, dass man das Kabel abnehmen und wechseln kann.

    Es geht natürlich nichts über gute Monitore, doch trotzdem möchte ich auf beide Kopfhörer nicht verzichten –
    nicht zu unterschätzen ist auch der Aspekt, das viele Musikhörer heutzutage über Headphones oder In Earˋs Musik konsumieren, da ist es schon mal ganz interessant, wie die Produktion auf verschiedenen Kopfhörern klingt.

    Jeder hat bestimmt einen anderen Liebling auf den Ohren sitzen.
    Es ist, wie Eingangs schon erwähnt, eben auch eine Sache der Gewohnheit 😉

    • Profilbild
      pytrel

      @La Ra Für mastering bzw lineares hören fand ich den 1990 immer viel besser wenn ich das MORPHIT Korrektur plugin von ToneBoosters benutz habe. Damit habe ich ein bisschen den (meiner Meinung nach) übertriebenen
      höheren Bereich korrigiert. Also das Preset „ 1990 pro „Balanced“ gewählt und „Morph“ (was in etwa WET bedeutet) im Plugin auf ca 20% statt 100%. Das hat den oberen Bereich schön gezähmt.
      Mich hat das „Fröhliche“ High End eher abgelenkt und angestrengt. Meiner meinung nach kann man mit dem 1990 ab werk kaum zuverlässige Höhen einstellen.

  4. Profilbild
    Adrian Zadi

    Signal Quelle = Gerät, dass den Kopfhörer „bestromt“ (der Kopfhörerverstärker deines Interfaces zB.)
    Genau, ich spreche vom Bassverhalten des Kopfhörers. Im Prinzip hast du es richtig verstanden, soweit ich es erkenne.

    • Profilbild
      Adrian Zadi

      @Adrian Zadi Schöner Vergleich! Stimme dir dazu. Also benutzt habe ich ihn bereits bei einer großen Audient Konolse, RME, UA bis Focusrite Interfaces, um ein paar zu nennen.

      Mit dem betreiben von 250 Ohm haben tatsächlich wohl mehr Interfaces Probleme als ich auch vorher annahm. Allerdings haben die DT770 mit dem gleichen Widerstand damit nicht so das Problem.

  5. Profilbild
    harrymudd AHU

    Hat zwar direkt mit diesem ‚Test‘ nix zu tun, aber wenn einfache Fakten wie offen oder halboffen schon durcheinander gebracht werden, entstehen bei mir Zweifel…

    • Profilbild
      Adrian Zadi

      @harrymudd Ist mir leider auch erst nach der Veröffentlichung aufgefallen, und konnte es dann nicht mehr ändern… oder zumindest habe ich nirgendwo die Option gefunden, wo ich es nachbearbeiten konnte.
      Habe das auf einer längeren Zug Fahrt geschrieben und hab mich da einfach vertippt. Es ist selbstverständlich ein offener Kopfhörer.

      Allerdings kann man solche Anmerkungen auch gerne etwas netter formulieren. Wie gesagt, ist mir klar. Habe mich verschrieben. Mea culpa, sorry

  6. Profilbild
    50Hz

    Hatte den Dt1990 mal probegehört. Details sind da, Impulse auch, aber dieser gleißende Klang ging für mich gar nicht. Ein Dt770 Pro hat zwar einen Hifi-Sound, aber doch deutlich ausgewogener. Zum finden von Audioartefakten sicherlich geeignet…
    Und klar, Gefallen ist dann nochmal was anderes.

  7. Profilbild
    Stinsh

    Jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich so einen DT-1XX0 Pro zu kaufen, kann ich nur raten einen A/B-Test gegen den jeweiligen günstigeren Zwilling DT-XX0 zu machen.

    Ich bin ein Fan von Beyerdynamic und durfte den DT-1770 Pro als einer der Ersten testen – gekauft habe ich ihn mir nicht. Die klanglichen Unterschiede sind marginal und eher Geschmackssache.

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