AHU-Interview Stephan M. aka M-Sound

30. November 2015

Über die AMAZONA.de-AHU-Aktion stellen wir euch nach dem Motto „10 Fragen – 10 Antworten“ regelmäßig unsere treuesten Leser vor.

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Heute sprechen wir mit Stephan M. Hier geht’s direkt zu seinem AMAZONA-Profil.

Stephan M. alias M-Sound

Stephan M. alias M-Sound

Amazona.de:
Erzähl uns doch zunächst etwas über dich.

Stephan:
Ich bin Jahrgang 1975 und wurde in Soltau geboren, das liegt mitten in der Lüneburger Heide. Da ich von Geburt an fast blind bin, zogen meine Eltern mit mir von Münster nach Hannover, damit ich im dortigen Landesbildungszentrum für Blinde beschult werden konnte. Durch den Umzug ersparten mir meine Eltern eine Unterbringung im Internat. Im Jahre 1989 wechselte ich allerdings nach Marburg und lebte dann schon im Internat, da die Blindenstudienanstalt das einzige Spezialgymnasium für Blinde vor der Wende in Deutschland war. Nach meinem Abitur in Marburg begann ich zunächst eine Ausbildung zum Diplomverwaltungswirt, dies missfiel mir allerdings und ich sattelte auf Informatik um. Seit Ende der 90er Jahre bin ich selbständig und war zunächst im Bereich blindentechnischer Hilfsmittel tätig. In dieser Zeit reiste ich quer durch Deutschland und habe aufgrund der ungünstigen Marktentwicklung diesen Bereich trotz guter Referenzen schließlich verlassen. Aktuell biete ich Computerdienstleistungen in unserer Region an und bin quasi selbständig geblieben. Im Jahre 1998 erfüllte ich mir ein lang ersehntes Ziel und legte die Prüfung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst der Klasse 1 ab. Dadurch ist es mir möglich, ohne Internet und Telefon Direktverbindungen in die ganze Welt aufzubauen. Allerdings hat sich auch der Amateurfunk in den letzten Jahren stark verändert, so dass ich dieses Hobby zu Gunsten der Musik inzwischen zurückgestellt habe. Aufgrund meiner guten Höreigenschaften ist Musik natürlich ein naheliegendes Hobby, so auch die hochwertige Hi-Fi- und Unterhaltungstechnik, besonders aber die Musikelektronik.

Amazona.de:
Wann hast du angefangen, selbst Musik zu machen?

Stephan:
Wirklich angefangen hat es damit, dass mein Musiklehrer bereits im Grundschulalter der Ansicht war, dass ich Talent haben würde. Somit musste ich auf sämtlichen Weihnachts- und Schulfeiern im Ensemble auftreten, wobei ich zunächst mit Blockflöte, später mit Synthesizer und Schlagzeug mitwirkte. Wir hatten damals eine sehr gute musikalische Früherziehung, so dass uns in Workshops stets akustische Instrumente näher gebracht wurden. Auch wenn ich diese nicht wirklich beherrsche, habe ich sie technisch verstanden und war oftmals der Einzige, der aus ihnen einen brauchbaren Ton entlocken konnte. Mitte der 80er nahm ich einige Jahre Orgel- und Schlagzeugunterricht, aber ich bin leider ein Mensch, der schwer fremdbestimmt lernen kann. Daher habe ich mir dann alles, was ich heute kann, mehr schlecht als recht selbst beigebracht. Sowohl in Hannover, als auch später in Marburg haben mir die wohl gesonnenen Musiklehrer stets Zugang zu den Musikalien verschafft, so dass ich das schuleigene Equipment nutzen durfte. In Hannover war meine erste große Synth-Liebe ein Korg DW-8000, den ich leider nie selbst besitzen durfte. Unser Musiklehrer unternahm damals die Anstrengung, für eine Synthesizer-AG alle Parameter des Instruments in Blindenschrift abzuschreiben, diese habe ich wohl behütet bis heute aufbewahrt. Da in den 90er Jahren das Internet noch nicht so allgegenwärtig war wie heute, konnte ich früher damit dann nicht mehr viel anfangen. Heute haben sie mir im Zusammenhang mit einem Amazona-Artikel und meinem microKORG dazu verholfen, die Instrumente besser zu verstehen. In Marburg hatte ich dann Zugriff auf einen Yamaha DX-21, Roland D-50, Korg MS-20 und MS-50, sowie einen vom Elektroniklabor umgebauten Poly800. Bei diesem wurden mit Hilfe eines sprechenden Panasonic-Taschenrechners die insgesamt sechs Segmentanzeigen abgetastet und Mittels sechs ins Gehäuse eingebauten Tasten konnte man den jeweiligen Wert über einen Lautsprecher abfragen. Das war für mich natürlich eine Sensation und ich glaube, dass die meisten Schüler damit wenig anfangen konnten. Ich weiß nicht mal, ob das Instrument heute noch existiert. Anfänglich besaß ich selbst übrigens keine, oder fast keine Instrumente. Mir stand auch etwas meine Sehbehinderung im Weg, so habe ich nie Lesen von Noten gelernt und alles, was ich mache, kommt aus dem Kopf. Das birgt gewisse Probleme mit sich und mein frühkindlicher Wunsch, Musik studieren zu wollen, wurde somit nie Realität.

Forum
  1. Profilbild
    richard  AHU

    Hallo Stephan, schönes, symphatisches Interview.
    War ja schon fast überfällig, so präsent wie du bei den Erfahrungsberichten bist.

  2. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo Cloudy und Stephan,

    Klasse Interview!

    Das lesen von Noten wird überbewertet ;-) Es gibt etlich Kollegen die das nicht können. Und die machen trotzdem Musik.

  3. Profilbild
    rw1957  

    Ich habe mir ergänzend zu diesem Interview auch Stephan’s YT-Video über „Barrieren bei der Bedienung elektronischer Musikinstrumente“ angeschaut. Respekt, Respekt!

  4. Profilbild
    Viertelnote  AHU

    Hallo Stephan,
    schönes Interview, macht immer Spaß etwas von dir zu lesen.
    Ich kann zwar Noten lesen, aber das ist ein relativ alter Hut, denn Voraussetzung fürs Musikmachen ist die Leidenschaft und die Kreativität. Und Spaß soll das ganze ja auch machen und nur das zählt. Mach weiter so.

    mfG

  5. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Hallo Zusammen, Eure Reaktionen sind ja überwältigend, damit hätte ich echt nicht gerechnet – vielen Dank dafür! – Ich bin da jetzt etwas sprachlos und weiß gar nicht, was ich noch dazu schreiben könnte. Das macht auf jeden Fall Mut und vor Allem Lust, so weiter zu machen. Vielleicht ergibt sich ja auch mal die Möglichkeit, andere Instrumente auch im Hinblick auf Barrierefreiheit zu beschreiben.

    Viele Grüße von Stephan

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