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23. März 2019

Test Erica Techno System – und wie es zum Samplepack wurde

Vorwort der Redaktion:

Bevor jemand auf die Idee kommt und nach der Lektüre dieses Leserbeitrags diesen als „Schleichwerbung“ kommentiert, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass uns Marco zum einen um Erlaubnis gebeten hat und wir zum anderen auch Leserbeiträge wie diesen sehr gerne unterstützen. Wir haben also überhaupt nichts dagegen, wenn Leser ihre eigenen Produkte (Sounds, Musik etc.) bei uns aktiv vorstellen. Auch das verstehen wir unter einer lebendigen Community.

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Eure AMAZONA.de-Redaktion


Kürzlich hatte ich das Vergnügen, ein Techno System zwecks Test neben meine heimische MPC stellen zu dürfen. Und wenn so eine Kiste schonmal zu Gast ist, sample ich sie in der Regel auch gleich ab. Sicher ist sicher. Deswegen folgt meinem kleinen Testbericht eine Kurzanleitung, wie der Drumsynth zum Samplepack wurde.

Teil 1: Der Test „Erica Techno System“

Enthalten sind sieben Drum Module, in meiner Version gab es noch kein Sample Modul. Die Hauptrolle dürften wohl Bass Drum und Bassline einnehmen, welche auch die meisten Eingriffsmöglichkeiten bieten. Bassline besteht aus einem Oszillator mit den drei Wellenformen Rechteck, Sägezahn und Dreieck, einem Suboszillator, einem resonanten Multifilter, sowie Envelope Reglern für Cutoff und Lautstärke, wobei beide auf vordefinierten Decay-Zeiten basieren. Der Klang ist eher ruppig und grob, für Techno also genau die richtige Grundlage.
Wie auch die Bassline besitzt die BASS DRUM etliche Regler, um den Klang zu definieren. PITCH, TUNE und TUNE DEPTH spielen hierbei die Hauptrolle. Schwerpunkt sind eher Minimal, Trap und dergleichen, dank Distortion Modul sind aber auch verzerrte Kicks für Gabber und Frenchcore kein Problem. Wirklich knallige oder spitze Kicks für Dubstep oder Psytrance sind nicht drin.
Mit der Snare lassen sich etliche Musikstile abdecken, denn ihr Klang reicht von kernigen Rimshots über klassische 808-Snares zu klatschenden Noise-Teppichen. Bei den restlichen Modulen sind die Möglichkeiten übersichtlicher, denn bei Toms, Hi-hats, Clap und Cymbals lassen sich nur jeweils Tonhöhe und Decay variieren. Vor allem bei den schwer nach 909 klingenden Toms würden ich mir einen größeren Wirkungsbereich wünschen als nur leichte Tonhöhenmodulationen.

Die Tools des Erica Techno System

Um den Klang der Drums weiter zu bearbeiten, stehen ein Distortion und ein Multieffekt zur Verfügung. Ersteres bietet drei verschiedene Arten der Verzerrung und kann die Drums nach Strich und Faden vermöbeln. Die Kontrolle über die Patterns übernimmt der Drum Sequencer, das mit Abstand Feature-reichste Modul des ganzen Systems. Enthalten sind 16 Drumspuren und ein CV-Track für das Bassline Modul, sogar inklusive Skalen. Accent und Wahrscheinlichkeit pro Step, Shuffle und Rhythmus pro Spur, verschiedene Abspielrichtungen, sowie weitere Features bergen einen riesigen Spielraum zum kreativen Erstellen von Patterns.

Fazit

Das Techno System ist einzigartig in seiner Art und sowohl akustisch als auch optisch ein Augenschmaus. Der Sequenzer macht Spaß und die Effekte bieten großen Mehrwert. An sich eine runde Sache, wäre da nicht der Preis. Für die über 4.000 Euro erhält man salopp gesagt zehn Drums und einen Bass. Es gibt keine Drum-Oszillatoren oder Rauschen, der Klang ist also vordefiniert und relativ eingeschränkt. Meine Einschätzung daher: Eher was für Liebhaber, die schon alles andere haben.

Teil 2: Das Samplepack

Den Preis des Techno System mal beiseite, bleibt immer noch ein ziemlich fetter Grundsound, der es allemal wert ist, für die Nachwelt konserviert zu werden. Dabei werden die Sounds nicht einfach nur abgefeuert und in der DAW aufgenommen, sondern es Bedarf einiger Vorbereitungen, damit am Ende ein homogenes Drumkit entsteht. Je besser die Sounds abgemischt sind, desto weniger Aufwand hat man später beim Erstellen von Patches für verschiedene Sampler-Formate. Aber eins nach dem anderen…

 

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Recording

Drums nehme ich meist über meine alte MPC 2500 auf, mit einer DAW ist das Prinzip aber identisch: Sounds am Techno System einstellen und die Lautstärken vorab grob mischen. Dabei fange ich immer mit der Kick an. Also Aufnahme scharf schalten, Bassdrum anspielen und so aussteuern, dass die Aufnahme maximal laut ausfällt, ohne zu clippen. Dann folgen die restlichen Sounds. Bei vielen Drumsynths sind die Hats laut oder bissig, während die Toms untergehen. Hier ist es hilfreich, ein Pattern zu programmieren, in dem alle Drums wenigstens ein Mal vorkommen. Dann lässt sich leicht feststellen, ob die Lautstärken homogen ausfallen. Effekte abschalten ist natürlich Pflicht, zumindest Delays und Reverbs. Ist alles justiert, aktiviere ich die Aufnahme, spiele alle Drums nacheinander an und achte darauf, dass sich keine überschneiden. Diese Schritte wiederhole ich für alle aufzunehmenden Kits.

 

Schneiden, legen, föhnen

Danach lade ich die Aufnahmen in meine DAW, wo ich sie normalisiere und Varianten mit diversen Effekten erzeuge, beispielsweise Kompressor, Bitcrusher oder Distortion. Die letzteren funktionieren vor allem mit weichen Drums à la 808 wunderbar. Mein genereller Plug-in-Tipp: Drumtools oder Magnetic II von Nomadfactory. Damit lassen sich Drums mit Tapesättigung versehen und richtig präsent nach vorne bringen. Ein weiterer Tipp: Der kostenlose Ozone Imager. Mit aktivierter Stereoize Funktion bei halber Intensität lassen sich Sounds – Kicks und basslastige Drums mal ausgenommen – super verbreitern. Ein nachgeschalteter Limiter mit Threshold -4 dB und Ceiling -0,4 dB vermeidet Clipping und pusht das Volumen nochmal etwas. Danach werden die Aufnahmen in einen temporären Ordner exportiert, immer noch ein Drumkit pro Sample.

Slicen mit Alternative

Das Slicen erledige ich mit dem AudioFinder Tool, dessen interner Editor erkennt die Transienten meist einwandfrei und erzeugt auf Knopfdruck ein Sample pro Slice. Die entstandenen Einzelsamples könnten jetzt schon in diverse Drumsampler wandern, doch ich bevorzuge das Trimmen und eine letzte Kontrolle. Ersteres lasse ich automatisch vom Magix Convrt Tool erledigen, eine kostenlose Dreingabe zu Sound Forge. Das Teil ist klasse! Nicht zuletzt, weil sich beliebige viele Ordner importieren, mit Effekten versehen und anschließend wieder in gleichnamige Unterordner eingeteilt exportieren lassen. So nutze ich dort die Autotrim- und Fadeout-Funktionen, um sauber geschnittene und nicht knacksende Samples zu erhalten. Je nach Art der Drums füge ich abschließend noch den Typ im Dateinamen hinzu, also Kick, Snare etc.
Für AudioFinder und Convrt gibt es sicherlich Alternativen, eine der populärsten dürfte wohl Reaper sein. Dort lassen sich die Drums auch schneiden, faden und per Macros korrekt benannt exportieren. Allerdings bin ich kein Reaper-User, daher kann ich keine Erfahrungen dazu beisteuern, freue mich aber über User-Kommentare und Tipps dazu.

 

Ab in den Drumsampler

Ab hier startet die eher müßige Arbeit: Das Importieren der Samples in diverse Plug-ins. Ich supporte meist Maschine, MPC, Battery, Geist, Ableton Drumrack und das freie SFZ-Format und helfe mir wo es möglich ist mit Templates aus. In MPC, Maschine und Battery lassen sich Kits prima vorbereiten, sprich Pad-Farben konfigurieren und Effekte laden, bevor die Samples importiert werden. Im Drumrack ähnlich, hier muss einfach das gewünschte Simpler-Preset als Standard gespeichert werden, damit alle Pads des Drumracks entsprechend vorbereitet sind. Die Kits für Geist sind am aufwendigsten und setzen ein Developer Tool voraus, damit die Pfade zu den Samples relativ und nicht absolut gespeichert werden. Ohne dieses Tool funktionieren Kits nur auf dem Rechner, auf dem sie erstellt wurden. Leider ist das Tool nicht öffentlich und muss von FXpansion (bzw. ROLI) direkt bezogen werden. Die SFZ-Kits wiederum sind einfach, hierbei bediene ich mich einer Vorlage, in der nur Samplenamen per Texteditor ausgetauscht werden müssen. Ein Beispiel findet ihr auf der Seite www.zampler.de ganz unten.

Für Drumsampler mit Pattern-Sequenzer importiere ich noch MIDI-Dateien mit vorbereiteten Patterns oder kreiere sie in den Samplern selbst. Denn nichts zeigt die Stärken von Drumkits besser als ein Beispiel-Groove. Ein weiterer Vorteil: Beim Bauen von Patterns mit den Drums zeigen sich eventuelle Schwächen sehr schnell und man kann nochmal nachbessern.

Demo-Song und Upload

Und Vorteil zwei: Sind in den Kits schon Patterns enthalten, müssen diese am Ende nur in eine Reihenfolge gebracht werden und schon hat man einen Demo-Song am Start. Diesen mache ich per Limiter schön laut und exportiere davon ein MP3. Danach packe ich alle Versionen der Drumkits in einen Ordner, dazu den Demo-Song und einen Link zu meinem Shop. Empfehlen kann ich Sellfy, doch auch Gumroad ist ein bekannter Vertreter mit moderaten Preisen. Zum Anlegen eines Produkts brauche ich natürlich noch ein Cover, Screenshots und eine Beschreibung. Da dies aber den Rahmen sprengen würde, verzichte ich an dieser Stelle auf eine Anleitung dazu, beantworte eventuelle Unklarheiten aber gerne. Überhaupt: Wenn ihr Fragen, Anregungen oder Wünsche für weitere Packs habt, bitte her damit, ich freue mich über jeden Austausch.

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Fazit
Das Techno System Pack findet ihr in meinem Shop unter http://drumdepot.marcoscherer.de, wo aktuell auch ein kostenloses Vermona DRM1 Pack auf euren Download wartet. Viel Spaß mit den Drums! ツ
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Schöner Bericht. Das System würde ich auch gerne testen.

    Ja 4000 Euro sind schon einen Ansage. Viel Erfolg beim Verkauf deiner Kits.

    • Profilbild
      MarcoScherer

      Danke! Die Kiste hat zweifellos Spaß gemacht und sieht doch auch ziemlich geil aus. Muss man einfach einschalten und anfassen. Wenn ich mich das nächste Mal frage, ob ich jetzt ein Auto kaufen soll oder ein Techno System, aber noch ein Auto haben, dann schlag ich zu ;-)

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