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CURiOS iOS Musikmagazin #13: iOS Apps und Desktop Musikproduktion verbinden

Die Systemvoraussetzungen sind dabei recht bescheiden. Die reine MIDI-Version Midimux läuft ab iOS 5 und macOS 10.6 oder Win 7 und studiomux iOS 7 und macOS 10.6 oder Win 7. Die App läuft sogar noch auf einem alten iPad 2. Auch musicIO gibt es als reine MIDI- und als Audio/MIDI-Komboversion.

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Studiomux

Zum Betrieb der Verbindungen müssen die Server-Softwares und VST/AU-Plug-ins von den Entwicklerseiten heruntergeladen und installiert werden. Nachdem die Server-Programme gestartet sind, können mehrere iPads über die VST/AU-Plug-ins in die DAW eingebunden werden.

Leider wird die Windows-Version des musicIO Servers seit 1. Juni 2016 bis auf Weiteres nicht mehr gepflegt. Nur die macOS-Version wird noch aktiv weiterentwickelt. Windows-Nutzer sollten hier also auf eher auf studiomux/midimux setzen.

Drittanbieterlösungen mit kabelgebunden mit CCK/ Lightning-USB-Adapter, Hardware

iConnectivity

Wem die ganzen Softwarelösungen nicht zusagen, der kann auch auf Hardware zurückgreifen.

icm2p-front

iConnectMIDI2+

Mit dem Serien iConnectAudio4+/ ~2+ und iConnectMIDI4+/ ~2+ haben die Kanadier eine Alleinstellungstechnologie für macOS und Windows auf dem Markt. Keine andere Hardware verbindet iTouch und Desktop so konsequent wie die iConnectivity Produkte.
Man verbindet einfach den iTouch und den Desktop per USB mit der iConnect~Hardware und hat dann je nach Gerät bis zu 64 MIDI-Ports und 16 Kanäle für digitale Audiostreams bei 48 kHz (12 Kanäle bei  96 kHz) zur Verfügung. Das gibt es sowohl für die MIDI+ als auch für die Audio+ Serie. Ausnahme ist das MIDI1+. Es ist ein reines 1×1 MIDI-Interface. Die MIO-Serie bedient ausschließlich, aber nicht minder flexibel MIDI-Anwendungen.
Die MIDI+-Serie muss für Audioanwendungen in macOS über die Aggregate Devices eingebunden werden, während die Audio+-Serie über eigene Audioein- und Ausgänge verfügt.

iOS Apps für Musiker

iConnectAudio2+

Das Plus-Serie ist jedoch nicht gerade einsteigerfreundlich. Das Design der Konfigurationssoftware könnte erheblich besser sein und verbessert kaum das Verständnis für die enormen hardwareseitigen Standalone-Routing-Möglichkeiten für Audio und MIDI. Die Geräte wurde hier bei Amazona gründlich getestet.
Das Manko hier ist jedoch, dass die Plus-Geräte die kompletten Audioausgang des iPad übernehmen.

App-Organisation auf dem iPad


Background Audio, AUM/ Audiobus, AudioUnit V3

Wir haben jetzt ausgiebig darüber gesprochen, wie die Daten zwischen iPads und Desktops hin und her geschaufelt werden können. Doch gibt es gibt sehr viel Apps, die alle schön sind und die man gerne gleichzeitig benutzen und zusammenbringen will.

Die älteste Möglichkeit ist Background Audio und wurde von Apple mit iOS4 (2010) zusammen mit „Multitasking‟ eingeführt. Dabei können bis zu sieben Apps parallel laufen. Einfaches Drücken auf den Home-Button beenden sie nicht. Über ein Doppelklicken des Home-Buttons oder mit Vier-Finger-Wischen nach oben (wenn der Multi-Gesten-Modus aktiviert ist) gelangt man in den „Cover-Flow-Modus‟ (sieht aus wie bei der iTunes-Musikbibliothek), in dem sich zwischen den Apps umschalten lässt. Ein Wegwischen der App nach oben beendet die App endgültig.

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Die Apps mit aktivierten Hintergrunddiensten, wie eben Background Audio (und MIDI), bleiben auch dann aktiv, wenn sie nicht auf dem Bildschirm sind und beanspruchen dann natürlich auch Rechen- und Batterieleistung, abgesehen davon, dass das Ganze auch recht schnell unübersichtlich wird.

Abhilfe schaffen hier „Hosting-Apps‟ wie Audiobus von Audiobus und AUM von Kymatica.
Diese bieten übersichtliche Slots pro Kanalzug für mehrfache Klangerzeuger/ Audioeingänge, mehrfache Effekte und Audioausgänge. In diese Slots können dann die passenden Apps eingefügt werden.
Der Vorteil dieser Apps ist, dass man seine „Sets‟ abspeichern kann und nicht jedes Mal wieder neu  zusammenstellen und verbinden muss, wie bei dem losen Patchwork-Stil von Background-Audio.

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Audiobus

Mit Audiobus* (iOS6, 2013) wurde das Musizieren mit iOS revolutioniert. Kurze Zeit später zog Apple mit IAA* für iOS7 nach. Seitdem fanden beide Protokolle regen Anklang, wobei es jedoch in letzter Zeit etwas still um Audiobus geworden ist.

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AUM

Doch dauerte es immerhin noch bis 2016, bis Kymatica mit AUM herauskam und Audiobus in fast jeder Beziehung in den Schatten stellte. Wo Audiobus „nur‟ Apps hostet, bietet AUM Features wie AudioUnit v3-Unterstützung, internes MIDI-Routing, MIDI-Fernsteuerung, Audio-Mix-Busse, Send-Kanalzüge und so viele Audiokanäle, wie das iPad verkraften kann und alles mit Verzögerungskompensation (PDC*). AUM ist zwar auf IAA und AUv3 Apps zugeschnitten, doch lassen sich über Audiobus auch Apps integrieren, die nur Audiobus-kompatibel sind.
Audiobus bietet trotz Multikanalzügen (IAP*) und PDC nicht annähernd die Mischpult-Integration von AUM. Doch mal sehen, was Audiobus v3 bringt.

Eine dritte Host App, die in diesem Zusammenhang unbedingt zu nennen ist, ist ModStep von AppBC, die schon mit dem zuvor Erwähnten Studiomux iOS-Geschichte schrieben. Modstep ist eine Hosting-App und MIDI-Clip-Sequencer im Ableton Live-Stil, der mit integriertem Sampler, einfachem Synthesizer und umfangreichem MIDI-Controller daherkommt.

iOS Apps für Musiker

ModStep

ModStep ist die umfassende Performance-Steuerzentrale für Gig- und Produktionsbedürfnisse. Außerdem beinhaltet sie schon die Studiomux-Technologie, was den Anbindungsaufwand an die Desktop-DAW erheblich verschlankt und natürlich ist Link auch mit dabei.

Aber egal, ob Audiobus oder IAA, bei Protokollen haben den gleichen Nachteil. Die Apps lassen sich nämlich nur einmal instanziieren. Der einzige und sinnlose Umweg ist, wenn es getrennte Versionen für iPhone und iPad gibt, beide installiert zu haben.
Dem half Apple dann mit AudioUnit v3 (AUv3) ab. AUv3-kompatible Apps lassen sich, genau wie die „echten‟ AudioUnit-Plug-ins instanziieren, bis der Rechenpower ausgeht.

iOS DAWs

Der nächste Schritt sind dann die großen DAWs wie Cubasis 2, GarageBand, Auria, Music Studio, Korg Gadget, Beatmaker und FL Mobile Studio. Bei den letzten Zwei ist gerade einiges am Rollen.
Doch generell muss aber festgestellt werden, dass die Produktionsumgebungen der iOS-DAW zwar mittlerweile kompetent sind, aber bis auf den direkten Import der Projektdaten in die entsprechenden Desktop-DAWs sieht es mit der Desktop-Integration gegenüber andern Apps eher mager aus.
Barfuß oder Lackschuh. Entweder man hat die zugehörige Desktop-DAW oder man schaut ins Leere bzw. auf die Aufgabe, die Audio- und MIDI-Spuren einzeln zu exportieren. Denn die wenigsten DAWs (z.B. Korg Gadget) lassen sich als (IAA) Plug-In in eine andere Hosting-App laden.
Allein Ableton, die sich in letzter Zeit sehr um die iOS-Musikkultur bemühen, haben in diesem Herbst ein Entwickler-Kit zur Verfügung gestellt, mit der Apps ihre Daten als Live-kompatible Projekte exportieren können. Das dürfte wohl auch Korg Gadget zu verdanken sein, das schon seit Version 1.1 (Nov. 2014) auf  den Projektexport für Live setzte.

DAW-Remote Apps

Für die Fernsteuerung spezifischer DAWs wie GarageBand/Logic, Cubase sowie eine ganze Reihe von Audiointerfaces und Mischkonsolen gibt es inzwischen eigene Remote-Apps von den Herstellern selbst. Dabei sind u.a. Logic remote, Cubase IC, VST Connect, Focusrite, Apogee, RME, Line6, Mackie. Eine ausgiebige Vorstellungen würde hier zu weit führen. Die Hersteller Homepage ist aber meistens eine gute Anlaufstelle.

Noch zwei kleine Tipps zum Schluss.

Die rote Leiste

Bis alle Apps als AUv3 angeboten werden, kommt man um das Umschalten zwischen Apps über die iOS-Oberfläche kaum herum. Die Transportleiste von IAA oder Audiobus ist zwar ein großer Fortschritt, aber nicht alle IAA-kompatiblen unterstützen sie auch.
Als kleine Abhilfe kann man direkt in die hintergrundaktive App (hier AUM) zurückkehren, indem man auf in deren rote Leistenanzeige tippt. Das erspart einem wenigstens, nach der App suchen zu müssen.

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iMazing – iOS Backup und mehr



Manchmal benötigt man Backup-Optionen z.B. für Synth-Presets etc., die jenseits der Fähigkeiten von iTunes- und iCloud-Backup liegen. Eine Möglichkeit ist natürlich Jailbreaken. Es gibt aber auch Programme, mit denen sich das erledigen lässt, ohne die Garantie zu gefährden.
iMazing ist dabei das Beste, das mir zum Thema untergekommen ist. Es ist mit € 39.99 zwar nicht billig, dafür wird es aber regelmäßig gepflegt und ermöglicht den vollen Zugriff auf das iOS-Dateisystem. Umsicht ist also angeraten.

iOS Apps für Musiker

iOS im Griff – iMazing

Damit sind wir am Ende unserer iOS-Desktop-Tour de Force. Bis zum nächsten Update.

Forum
  1. Profilbild
    dflt  

    wow, danke! inter-device-audio ist bisher tatsächlich an mir vorbeigegangen… wäre ja ein grund, doch mal auf el capitan oder sierra zu aktualisieren.

  2. Profilbild
    mdesign  

    beim kauf einer synth-app letzte woche musste ich per dialogbox bestätigen, auf mein rücktrittsrecht zu verzichten. so steht es nun auch in den AGBs: nur, wenn die app nicht geladen wird, kann binnen 14 tagen zurückgegeben werden.

    also kein EU-recht mehr, sondern höchstens kulanz.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      mdesign, danke für den Hinweis, das ist mir so entgangen.
      (in sieben Jahren habe ich nur eine einzge App storniert).
      Greetz,
      Markus

  3. Profilbild
    vaikl  

    Das einzig wirklich Negative an den iDocks sind die irrational auftretenden Unterbrechungen und Cracks beim Audio-Stream bei einer Reihe von ausgelieferten Docks, anscheinend „begünstigt“ durch eine instabile Stromzufuhr. Mein iPad mini 2 läuft aber weitgehenst stabil, wenn ich es voll geladen ins Dock stecke, passt perfekt zusammen und muss sich in Sachen Audioqualität nicht vor anderen Focusrite-Interfaces dieser Preisklasse verstecken. Außerdem ist das Konzept mit dem USB-A-Hub für MIDI-Geräte und der vollen Ladbarkeit der iPads für das Geld von anderen Herstellern bislang nicht erreicht. Ich würd’s mir nochmal kaufen, wenn mein „Neues“ die o.g. Macken nicht hat.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      vaikl, ok, ich muss zugeben, nach der über 45%igen Preisreduzierung auf derzeit €125 kann man mit dem Focusrite iTrack Dock nicht viel falsch machen. – Außer man kauft es für ein großes iPRO.
      :)

  4. Profilbild
    digital-synthologie  AHU

    Ich hab zwar ein iPad, würde es abe nie zum Musikmachen verwenden. Touchoberflächen haben für mich nur Nachteile. Man kann sie nicht intuitiv bedienen, weil das mechanische Feedback fehlt. Ein bisschen verrutscht und schon ist einen andere Funktion ausgelöst. Wenn schon keine echten Knöpfe, dann lieber eine Maus.

    Der Pencil funktioniert übrigens auch am kleinen iPad Pro. Er ist bedeutend besser als die anderen Gummispitzenstifte. Und er reagiert auf Druckstärken. Beim Malen dicker aufdrücken macht den Strich dicker. Wäre vielleicht was für Aftertouch.

  5. Profilbild
    CloudSounds  

    Klasse Workshop zum Jahresausklang! Erst einmal danke dafür.

    Obwohl ich mich hauptsächlich auf dem iPad musikalisch bewege, habe ich noch ein paar echt gute Hinweise mitnehmen können. iMazing war absolut neu für mich. Ich war immer noch auf dem Stand, dass Apple den Zugriff auf das Datei-System mit iOS 9(?) komplett abgeklemmt hätte.

    IDA ist auch noch ein klasse Ansatz, den ich wohl nur kurz im Kopf abgespeichert und rasch wieder vergessen hatte. Also: 2017 mal testen.

    In Sachen Rückgabe von Apps hatte ich in der Vergangenheit nen regen Mailwechsel mit dem Apple- Support. Nachdem ich in gut fünf Jahren erstmalig eine App retourniert hatte, bekam ich ebenfalls die Dialogbox, welche mdesign beschrieben hat. Lt. Apple verwendet der App-Store angeblich einen Algorithmus, welcher diesen Dialog bei Leuten bringt, welche das Rückgaberecht exzessiv nutzen. Bei einer Rückgabe bei über 1.000 Apps, scheint der ja wohl nur bedingt zu funktionieren. Exzessiv ist für mich auf jeden Fall anders… Nach ein paar Wochen war der Dialog dann übrigens verschwunden.

    Guten Rutsch und ich freu mich auf kommende CURiOS-Beiträge im neuen Jahr!

  6. Profilbild
    CT Blaze

    Schöne Zusammenfassung, gerade wenn man im Dezember ein iPad angeschaft hat ;) DANKE
    Ich möchte noch einen Controller und Mini-Synth erwähnen, der sehr schon zwischen MIDI via Bluetooth, USB-MIDI, DIN-MIDI, CV und bridgen kann: dr Roland A-01 bzw. A-01K. Durch den aktuellen Preisverfall wirklich attraktiv geworden und macht seine Sache gut…

  7. Profilbild
    gaffer  AHU

    Gratuliere, Markus! Nicht der erste Artikel, der mich sehr beeindruckt. Löse gerade mein iPad 2 durch ein großes Pro ab und will da noch mal voll einsteigen. Da kommen mir ausführliche Übersichten sehr gelegen. Gute Arbeit

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