Guitar Video-Workshop: Der Sound von Jimmy Page

29. September 2020

Guitar Heroes - how to play like the greats!

jimmy-page-led-zeppelin

In der zweiten Folge dieser Workshop-Serie geht es um den britischen Gitarristen Jimmy Page, der vor allem durch sein Wirken in der Band „Led Zeppelin“ bekannt geworden ist.

Der geniale Gitarren-Sound von Jimmy Page

James Patrick „Jimmy“ Page wurde am 04. Januar 1944 in Heston / England geboren. Sein Interesse für die Musik und das Gitarrenspiel begann nach einem Umzug seiner Eltern in die Londoner Vorstadt im Jahre 1952 – der Vormieter hinterließ eine akustische Gitarre und Jimmy wurde neugierig. Nach einiger Zeit kaufte ihm sein Vater seine erste „richtige“ Gitarre – die erste E-Gitarre finanzierte sich der junge Jimmy Page auf Wunsch seiner Eltern selbst. Neben seiner Begeisterung für die Musik interessierte sich Page auch für Malerei und besuchte schließlich mit 17 Jahren eine Kunsthochschule. Zu dieser Zeit arbeitete Jimmy Page schon als Studiomusiker für Bands / Künstler wie The Who, The Rolling Stones, Joe Cocker, Donovan und anderen. Als Page immer mehr Angebote als Studiomusiker erhielt, musste er sich zwischen Musik und Malerei entscheiden – daraufhin verließ er die Kunsthochschule und konzentrierte sich vollends auf die Musik.

Der Sound von Yardbirds bis zu Led Zeppelin

Jimmy Page stieg 1966 – zunächst als Bassist – in die Band „Yardbirds“ ein. Einige Zeit später übernahm der bisherige Rhythmusgitarrist den Bass und Page wechselte zur Gitarre. Kurioserweise spielte er dann zusammen mit Jeck Beck (ja DEM Jeff Beck) in der Band und bildete somit evtl. eine der ersten „Twin Guitar“ Bands. Das konnte natürlich nicht lange gutgehen – Jeff Beck verließ die Band und Page übernahm alleine das Gitarrenruder. Nach einigen Umbesetzungen und zwischenzeitlicher Bandauflösung, gründete Jimmy Page im Sommer 1968 mit neuen Musikern „The New Yardbirds“. Aus dieser Band wurde schließlich im folgenden Herbst „Led Zeppelin“ – in der klassischen Besetzung Jimmy Page (Gitarre), Robert Plant (Gesang), John Paul Jones (Bass) und John Bonham (Schlagzeug).

Bei Led Zeppelin hatte Jimmy Page die erfolgreichste Zeit seiner Karriere. Als Gitarrist war er maßgeblich am Songwriting beteiligt und schuf den einen oder anderen Klassiker der Rockgeschichte – z. B. „Whole Lotta Love“, „Immigrant Song“, „Kashmir“ und natürlich „Stairway to Heaven“. Pages Gitarrensolo bei letztgenanntem Stück wurde vom amerikanischen Gitarrenmagazin „Guitar World“ im Jahre 2009 zum besten Gitarrensolo aller Zeiten gewählt – Page selbst rangiert laut „Rolling Stone“ auf Platz 3 der besten Rockgitarristen aller Zeiten. Led Zeppelin haben bis heute mehr als 300 Millionen Platten verkauft und gelten als somit als eine der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Doch genug der Superlative – das Ende der Band im Jahre 1980 war tragisch. Schlagzeuger John Bonham verstarb recht plötzlich und die Band löste sich auf. In den folgenden Jahren gab es immer mal diverse „Reunions“ – die spektakulärste dürfte die am 10. Dezember 2007 in London gewesen sein. Dort spielte Led Zeppelin in Originalbesetzung – am Schlagzeug saß Jason Bonham, John Bonham‘ s Sohn. Die Tickets für dieses Konzert wurden verlost, da sich ca. 20 Millionen Menschen für eine Karte beworben hatten – Wahnsinn!

Gitarre Workshop - Wie klinge ich wie Jimmy Page?

Jimmy Page: Seine E-Gitarren

Doch kurz zurück zu Jimmy Pages Post-Led Zeppelin Karriere nach 1980. Nach der Auflösung der Band realisierte Page diverse Soloprojekte und arbeitete mit verschiedenen Künstlern zusammen, u. a. David Coverdale, Paul Rodgers, Jeff Beck und auch wieder mit dem Ex-Led Zeppelin Kollegen Robert Plant. Mit ihm produzierte er z. B. 1994 für die populäre MTV-Unplugged Reihe ein Konzert mit Neuinterpretationen von Led Zeppelin Songs. Danach spielten sie einige Platten ein und gingen auch gemeinsam auf Tour.

Dass auch heute noch mit Jimmy Page zu rechnen ist, bewies er im Jahr 2019: dort gab er anlässlich seines 75. Geburtstages bekannt, dass er sich eine Led Zeppelin Reunion vorstellen kann – notfalls auch ohne Sänger Robert Plant.

Wie spiele ich wie Jimmy Page? Die Licks …

Wie immer bei dieser Workshopreihe, präsentiere ich Dir drei typische „Licks im Stile von“ – dieses Mal eben im Stil von Jimmy Page. Bei „Licks“ denkt man natürlich sofort an den Bereich Sologitarre – es wäre allerdings falsch, Jimmy Pages Gitarrenspiel nur auf seine Soli zu reduzieren, denn seine Riffs und sein Songwriting sind mindestens genauso interessant. Deshalb gibt es in diesem Workshop ein komplettes (!!!) Solo und zwei coole Riffs von Jimmy Page.

Grundsätzlich ist Jimmy Pages Gitarrenstil sehr vom Blues beeinflusst – das hört man sowohl in seinen Soli als auch in seinen Riffs. Obwohl man ihm eine gewisse „Sloppiness“ (Unsauberkeit – Ungenauigkeit) in seinem Spiel nachsagt, verfügt er über eine sehr gute Spieltechnik und kann auch virtuos spielen, wenn er will. Vor allem seine Pentatonik-Läufe und „Repeating-Pattern“ sind legendär.

Doch jetzt zu den Licks!

Whole lotta love – der Lick nachgespielt

Bei diesem „Lick“ handelt es sich um das Gitarrensolo aus dem Song „Whole lotta love“. Es ist nur sechs Takte lang, steht aber exemplarisch für Jimmy Pages Spielweise und ist längst ein Klassiker der Rockgitarre.

Nach einem donnernden Drumfill von John Bonham beginnt das Solo, welches über Kicks von Bass und Schlagzeug gespielt wird. In Takt 1 steigt Page mit einem klassischen

Blues-/Rocklick ein – im Kontrast dazu folgt im zweiten Takt eine recht flinke, mit Slides und Pull-offs gespielte Linie, die wie eine Art „Antwort“ auf die zuerst gespielte Phrase wirkt. Hier kann man gut den starken Blues-Einfluss in Jimmy Pages Spiel erkennen. Im dritten und vierten Takt führt Page die in Takt 1 gespielte Phrase weiter – diesmal mit mehr Dramatik durch Vibrato und weite Bendings. Nach einem weiteren klassischen Blueslick im fünften Takt, endet das Solo in Takt 6 mit einem sehr präzise gespielten Bending-Lick. Dabei variiert Page die Tonhöhe des Bendings schrittweise nach oben – gar nicht so einfach!

Workshop_Jimmy_Page_Whole_lotta_love

Das Gitarrenriff 

Hierbei handelt es sich um das Gitarrenriff von „Heartbreaker“. Das Stück befindet sich auf dem Album „Led Zeppelin II“, welches im Oktober 1969 veröffentlicht wurde und Platz 1 der US Charts erreichte. Das Riff basiert auf der A-moll Bluespentatonik und klingt richtig „böse“. Wichtig ist das leichte Bending auf dem Ton G (3. Bund tief E-Saite). Page variiert da immer leicht zwischen 1/4 und 1/2-Ton – ich habe es hier als 1/4-Ton Bending notiert.

Workshop_Jimmy_Page_Heartbreaker

 

LICK 3

Als letztes folgt das Riff zu „Kashmir“ (Album: „Physical Graffiti“/1975). Dazu müssen wir die Gitarre umstimmen – die beiden e-Saiten sowie die h-Saite, werden einen Ganzton tiefer gestimmt. Dadurch entsteht folgende Stimmung: D – A – d – g – a – d1 (DADGAD).

Diese Stimmung wird als „modal“ bezeichnet und ist in den 60er Jahren durch den britischen Folk-Gitarristen Davey Graham entwickelt worden. Der offene und sonore Klang dieses Tunings trägt entscheidend zum mysteriösen und geheimnisvoll klingenden Charakter von „Kashmir“ bei – ebenso die Verwendung der sog. „Polymetrik“: Während sich Gitarre, Streicher, Bass und Gesang im Dreier-Takt bewegen, spielt das Schlagzeug einen ganz normalen 4/4-Beat.

Workshop_Jimmy_Page_Kashmir

Led Zeppelin und Jimmy Page – SOUND

Da ich Jimmy Pages Equipment schon beim Workshop zum Solo von „Stairway to heaven“ vorgestellt habe, gibt es nachfolgend einen Auszug daraus mit ein paar Ergänzungen.

Denkt man an Jimmy Page, stellt man sich zumeist einen langhaarigen Typen mit sehr tiefhängender Gibson Les Paul vor einer Wand von Marshall-Stacks vor. Damit liegt man auch nicht ganz falsch, denn dieses Besteck hat er auch sehr oft, vor allem live, eingesetzt. Dabei reden wir von einer 1959er Gibson Les Paul Standard im „Cherry Sunburst“- Finish und diversen Marshall SLP Amps.

Bei Konzerten verwendete Page außerdem ein weiteres, mit ihm stark assoziiertes Instrument: eine doppelhalsige Gibson EDS-1275. Diese, grob an eine Gibson SG erinnernde Gitarre, hatte einen 12- und einen 6-saitigen Hals und wurde vom Gibson Custom Shop als Sonderanfertigung hergestellt. Neben den genannten Instrumenten setzt(e) Jimmy Page auch gerne das Modell 3021 der Firma Danelectro ein – zumeist mit einem speziellen „modalen“ Tuning.

Beim Thema Akustikgitarre(n) lässt sich Page auch nicht auf ein Instrument festnageln. Obwohl er hauptsächlich eine 1971er Martin D-28 benutzt(e), spielte er im Laufe seiner Karriere Instrumente von z. B. Gibson, Harmony und Gretsch.

Ähnlich sieht es bei seinen favorisierten Gitarrenamps aus – neben den bereits erwähnten Modellen von Marshall und Supro, spielt(e) er Amps u. a. von Fender, Vox, Hiwatt und Orange. Die Anzahl der von Jimmy Page über die Jahre verwendeten Effekte ist geradezu übersichtlich. Zentraler und bis heute noch immer benutzter Bestandteil ist dabei das Maestro Echoplex EP-3. Daneben benutzt(e) er diverse Booster und Verzerrer (u. a. Sola Sound Tonebender, Univox Uni-Drive, Boss SD-1), Modulationseffekte (z. B. MXR Phase 90, Eventide Harmonizer, Boss CE-2 Chorus) und eher ungewöhnlichere Effekte, wie z. B. ein Theremin oder ein Gizmotron. Wie so oft, würde eine vollständige Auflistung des Equipments den Rahmen dieses Workshops sprengen – aber für einen guten Einblick reicht es allemal.

Fazit

Jimmy Page gehört zur Generation von Gitarristen, die das moderne Rockgitarrenspiel entscheidend mitgeprägt haben. Bemerkenswert ist, dass sich sein Einfluss nicht nur auf den Bereich Sologitarre bezieht, sondern mindestens genauso auf das Thema Riffs, Songwriting und Arrangement. Gerade bei Led Zeppelin hat Page zeitlose Riffs und Songs geschrieben – dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man sieht und hört, wie viele Bands offensichtlich von ihnen beeinflusst sind. Man darf gespannt sein, was es von Jimmy Page in der Zukunft noch zu hören gibt.

Forum
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    gaffer  AHU

    Diese Wahl gefällt mir deutlich besser als Malmsteen. Da wird auch deutlich weniger Ablehnung kommen. Bin jetzt nicht der Riesen Zep Fan, aber bei dem „It might get loud“ Film mit Jack White und The Edge spielte er seine Elder Statesmen Rolle sehr sympathisch. Passt aber eigentlich, Plant gefällt mir alt auch deutlich besser. Schöne Beispiele, Thorsten.

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      Stephan Güte  RED

      Page klingt gegen Yngwie wie ein Dinosaurier aus der Zeit, in der alle Gitarristen mit ihren tot gedudelten Moll-Penta-Biertheken-Licks identisch klangen. Hätte es YM nicht gegeben, wäre die Geschichte der Rockgitarre anders abgelaufen, glaubs mir ;)

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        Fredi  

        Hallo Stephan,

        das mit den Bierthekenlicks ist schon nicht komplett falsch analysiert.
        Aber ich habe in vielen Jahrzehnten meiner Gitarrenbegeisterung Yngwie Malmsteen praktisch nicht wahrgenommen. Das war für mich immer ein Speedkünstler, aber Musik ist halt kein Hundertmeterlauf. Gleiches gilt auch für Typen, die schon länger im Geschäft waren wie z.B. Al DiMeola. Natürlich wäre ohne sie die „Geschichte der E-Gitarre anders abgelaufen“, aber ihr Beitrag dazu war – meiner Meinung nach – überschaubar.
        Dagegen ist Jimmy Page eine Legende; vielleicht liegt das auch daran, dass seine Mitmusiker (insbesondere John Bonham) hervorragend waren und das musikalische Gesamtpaket der Band gestimmt hat.
        Ich habe Led Zeppelin und z.B. Satriani (als Vertreter der Virtuosen) live erlebt. Und ich würde im Zweifelsfall jederzeit das Zep-Konzert nehmen…

        Gruß
        Fredi

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          Stephan Güte  RED

          Bitte bloß nicht den Satriani als Virtuosen bezeichnen …! Er gehört wiederum zu der Garde, die sich ein nettes Playback zurecht basteln, um dann drüber rum zu dudeln, fand ich immer schon schrecklich öde. Und für Zeppelin bin ich wohl zu jung, räusper ;)

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            Fredi  

            Hallo Stephan,

            naja, jetzt verzetteln wir uns vermutlich in einer Geschmacksdiskussion!
            Joe Satriani gilt eher als technischer Gitarrist mit virtuosen Soloelementen (in der englischen Wikipedia steht zumindest dazu „Satriani is considered a highly technical guitarist, and has been referred to as a top guitar virtuoso“).
            Ob die Arrangements jetzt anspruchsvoll sind oder nicht, das lässt sich gerne verhandeln; ich habe zwei Platten (!!) von ihm, die kann man schon anhören.
            Und dass Du zu jung für Zep bist, da kannst Du nix für, Du Armer ;-)

            Gruß
            Fredi

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        Armin Bauer  RED 1

        Hi Stephan,
        darf ich das so interpretieren „Ohne YM hätte Rockmusik heute noch eine gewisse Relevanz“? Polemik aus.
        Nein, es gibt ja Gott sei Dank verschiedene Geschmäcker, für mich hat allein dieses Kashmir Lick mehr Musikalität als alle 10 Mio von YM jemals gespielte Noten zusammen.
        Grüße Armin

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          Stephan Güte  RED

          Das darfst Du gerne so empfinden, Armin! Ich schlafe da eher ein, wenn ich Zeppelin hören muss … Gruß nach Monnem :)

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            Armin Bauer  RED 1

            Hi Stephan,
            du weisst ja, ich mein´s nicht bös. Ist ja schön, dass im weiten Universum der Musik für jeden was dabei ist.

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