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Interview: Andreas Rieke alias And.Ypsilon, Teil 2


Auf der Suche nach dem passenden Groove

Pressefoto FV

And.Ypsilon (hier ganz rechts im Bild) ist ein Bastler, Tüftler, musikalischer Philosoph, Informatiker, Komponist und Produzent. Ein begnadeter Beatprogrammierer, der das passende Tempo eines Songs bis auf vier Nachkommastellen genau definiert und der mit seinen Grooves seit 25 Jahren die deutschsprachige Hiphop- und Popmusik prägt. Willkommen zum zweiten Teil unseres Interviews mit dem Synthesizer-Spezialisten der Fantastischen Vier.

(Den ersten Teil des Interviews gibt’s HIER)

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Ich würde gerne mit Dir ein bisschen über Instrumente sprechen. Welche elektronischen Instrumente waren und sind Deiner Meinung nach prägend für die elektronische Musik?

And.Ypsilon:
Oh… 808, zum Beispiel. Ich selbst hatte keine, denn ich wusste nicht einmal, dass es eine gab. Das waren andere Zeiten, das war Prä-Internet. Und ich war nicht Teil einer Musiker-Community. Die komischen Läden hier in Stuttgart hatten diese Maschinen nicht, sondern nur Drum Machines, die sich eher an Keyboarder adressierten und versuchten, wie ein echtes Schlagzeug zu klingen. Ich kannte zwar den Sound der Boom Basses, also die typische 808 Bassdrum, die ab einem gewissen Zeitpunkt im Hiphop stilbildend geworden ist. Aber ich wusste erstmal nicht, wo das herkommt. Ich wusste nur, dass das geil ist und habe versucht, den Sound zu sampeln. Ich hatte zuerst ein selbst gebautes Sample Modul mit einer Samplingzeit von maximal 0,2 Sekunden. Das war mein allererster Sampler, aber der war so schlecht und hat für Boom Basses nicht gereicht. Später hatte ich den S-10 Sampler, der das schon besser hinkriegte.
Lustig ist ja, dass Kraftwerk schon in Prä-808 Zeiten diese Ästhetik von Snare Sounds hatten. Die haben ihre eigenen Elektronik Drums gebaut, die zwar ähnlich aber nicht identisch mit der 808 sind. Die Sounds von Kraftwerk sind noch krasser und eigentlich besser. Die Kraftwerk Snare war für mich der Inbegriff der elektronischen Definition einer Snare. Es gibt fast keine Akustik Snare, die so kurz ist.

Doch zurück zu Deiner Frage …
Es gibt natürlich ganz vieles, z.B. die Sampling Technologie als solche. Als ich mit Musik angefangen hatte, war mir klar, dass Sampling das nächste, große Ding war. Die Möglichkeit, beliebige Klänge zu samplen, transponieren und sequenzieren zu können. Was auch immer du willst, egal ob elektronisch oder natürlich. Totale Sound-Universalität! Natürlich mit Einschränkung, nicht alles klingt gut. Aber trotzdem. Für mich war das offensichtlich: Das ist die Macht!

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Und danach? Gab es in den letzten 20 Jahren irgendein Instrument oder eine Software, von der du sagen kannst: Das hat uns so richtig gekickt? Es gibt Leute, die sagen das über Ableton Live.

And.Ypsilon:
Zweifellos richtig, ist aber nicht ganz meine Baustelle. Ich bin mit Logic einfach gut versorgt. Live hat für manche Sachen einen super schnellen Workflow, aber für manche Dinge, die etwas mit den Arrangierebenen zu tun haben, da ist Live unterbelichtet im Vergleich zu Logic. Das ist mir zu einfach, und ich kann das alles auch mit Logic machen. Zu frühen Zeiten von Live habe ich es gerne zum Time Stretchen verwendet. Das konnte Logic damals noch nicht, kann’s jetzt aber sehr gut, besser als Live, wie ich finde. Nicht ganz so schnell, nicht ganz so einfach, dafür in höherer Qualität.

Andi nachdenklich

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  1. Profilbild
    Kyotonic AHU

    Ja ja der Groove und die Quincy Jones Methode. :) Jeder der kreativ Musik macht, macht oft die gleichen Entdeckungen.
    Damals gab es für PC ein EMS Midi-Interface das ständig im Milisekundenbereich rumzickte.
    Bei 8 Rhythmusspuren hat es dann gegroovet!
    Ein Kumpel hat es händisch mit Audiospuren gemacht und nie quantisiert. Er war klassischer Perkussionist und hatte es einfach drauf. Zum Thema Modular und Mikrotiming. Ich stelle mir mehrere LFO’s vor die Timingsignale auf mehreren Spuren sync/async verschieben können. Gerne auch als VST3 Plug-in. Geht das nicht auch so schon? Ich dachte immer mit ein paar LFO’s/Attenuatoren/Delays etc. die Trigger und Clocksignale zu bearbeiten wäre das machbar? Das alles in einem Modul/VST wäre natürlich schon geil! Dann kann es wieder jeder……. Evolution ist schon kacke!

  2. Profilbild
    Marius Seifferth AHU

    Das Warten hat sich gelohnt! Der zweite Teil ist noch packender als der Erste! Die Philosophien zum modularem Sounddesign und vor allem über den Groove, finde ich sehr interessant. Solcherlei Input ist für mich auch immer sehr erfrischend und oft versuche ich dann auch etwas davon in meine eigene Produktionsweise einzubringen. Schade dass ich derzeit eine musikalische Zwangspause einlegen muss :D und ebenfalls schade, dass dieses Interview tatsächlich schon zuende ist. Ich hätte auch noch einen 3. und 4. Teil lesen können :)

  3. Profilbild
    Steinklopfer

    Groove in Millisekunden nach hinten und vorne verschieben? Das mache ich per Midiclock. Innerclock Sync Shift ermöglicht das Shiften der Clock in eine entsprechende Richtung. Absolut genial. Eins meiner wichtigsten Studiotools.

  4. Profilbild
    pmm AHU

    Die beiden Teile bilden zusammen eines der interessantesten Interviews, das ich seit langem gelesen habe. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

    Was mir nebst musikalischen und technischen Einblicken immer besonders gefällt ist der respektvolle Umgang, wie hier z. B. mit den Bandmitgliedern und deren Fähigkeiten.

    Bin da ganz bei Marius und hätte mich über zumindest noch einen Teil sehr gefreut.

  5. Profilbild
    tomk •••

    Schließe mich an und würde auch gern noch weiter Geschichten aus Andis Nähkästchen hören!!!
    Man gestatte mir dennoch eine kleine Anmerkung: Looking for the perfect Beat, sowie das legendäre Album „Planet Rock“ wurde von Arthur Baker produziert, ein Weißer. Soweit mein Wissen reicht war Africa Bambaataa einer der ersten der HipHop Jam´s in NY veranstaltete. Zeitzeuge dürfte hier der Film Wild Style sein.

  6. Profilbild
    changeling AHU

    Wenn jemand Trash Metal schreibt kringeln sich mir immer die Fußnägel. Ist es so schwer zu verstehen, dass es Thrash Metal heißt? Es heißt ja auch nicht Hip Pop, sondern Hip Hop!

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