Interview: Andreas Rieke alias And.Ypsilon, Teil 2

F4 Unplugged

Amazona.de:
Wie habt Ihr mit den Fantas eure ersten Platten aufgenommen?

And.Ypsilon:
Unsere CDs haben wir ja von Anfang an digital aufgenommen. Bei Klaus Scharff im Basement gab’s zwei Adam Recorder: 12 Spur Geräte, die auf Video Hi8 Bänder aufzeichnen. Wir hatten zwei Stück davon, also 24 digitale Spuren, die mit dem Sequencer synchronisiert waren. Meistens spielte der Sequencer einen Großteil der Musik live in den Mix, während auf der Maschine Vocals und Scratches gelandet sind. Es war einfach nicht genug Platz auf der Maschine für alles. Nur ganz zeitkritische Sachen habe ich auf die Maschine aufgenommen, aber eher ungern, weil es ein bisschen anders klang. Der nächste Schritt war der Akai DS-16 Harddisk Recorder. Davon hatten wir im Basement auch zwei Stück, hatten also 32 Spuren. Und als ich mein eigenes Studio hier baute, hatte ich auch zwei DS-16. Das Outboard war weiterhin analog mit analogen Mischern, Kompressoren etc. Es war von Start weg digitales Recording, aber der Rest war immer analog. 1998, während der Produktion der 499 Platte, bin ich auf Pro Tools MX-24 umgestiegen mit Logic als Host Software. Das war für mich einfach sehr praktisch. Ich konnte Logic behalten, hatte aber plötzlich 64 perfekt funktionierende Spuren. Pro Tools hatte damals eine geniale Technologie mit den eigenen DSP Karten und Wandlern. Der Computer ist nur noch dazu da, die Daten von der Harddisk zu holen und der Digidesign Audio Engine zu übergeben. Ab da war das ganze Audioprocessing nur Pro Tools. Das war damals klanglich ein absolut relevanter Unterschied zu Logic oder Cubase.
Ich habe jahrelang mit Pro Tools gearbeitet und meine Produktionsmaschine immer mitgeschleppt, egal wo wir uns zum Musikmachen trafen. Ein Laptop mit Logic war für mich lange Zeit keine Option, weil ich viel Rechenpower für die Plug-ins brauche. Es hat eine Zeit gedauert, bis die DSP-Power von Pro Tools von CPUs eines Laptops eingeholt wurde. Ab 2010 war genug Power im Laptop da, dass man das ernsthaft machen kann. Logic hat mit der 32 Bit Floating Point Engine einen relevanten Soundschritt getan.

Amazona.de:
Wie sah und sieht dein Setup auf der Bühne heute aus?

And.Ypsilon:
Ein kleiner MacMini mit Logic drauf. 1999 war ich noch unterwegs mit MIDI-Sequencer und dem Akai S5000 Sampler. Das war das letzte Ding. Danach gab’s bandmäßig eine mehrjährige Konzertpause. Ab 2003 hatte ich Pro Tools auf der Bühne, eigentlich Logic mit Pro Tools, wie ich es damals auch im Studio einsetzte, und heute ist es eben Logic.

Amazona.de:
Einen MPC hattest du nie?

And.Ypsilon:
Nee. Das ging an mir vorbei. Der MPC wäre zweifellos eine Maschine für mich gewesen. Das ging aus irgendwelchen Gründen an mir vorbei. Ein MIDI-Sampler ist von den Möglichkeiten her schon nochmals mächtiger als ein MPC. Ein MPC hat eine relativ festgelegte Struktur, wie man damit arbeitet. Man kann super mit Loop Samples arbeiten, dafür ist es gebaut. Und das kann’s auch. Aber mit dem Sampler kann man halt auch noch “normale” Instrumente erzeugen, Strings zum Beispiel. Früher hatte ich zwei S1000. Das ist multitimbral genug, um einfach einen kompletten Song draus zu machen. Und einige Synthesizer hatte ich ja auch: einen Prophet-600, der mir 1992 zugelaufen war und für einige Songs sehr wichtig war. Solche Stücke wie Krieger oder Ein Tag am Meer profitieren ganz extrem von dem Prophet-600.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ja ja der Groove und die Quincy Jones Methode. :) Jeder der kreativ Musik macht, macht oft die gleichen Entdeckungen.
    Damals gab es für PC ein EMS Midi-Interface das ständig im Milisekundenbereich rumzickte.
    Bei 8 Rhythmusspuren hat es dann gegroovet!
    Ein Kumpel hat es händisch mit Audiospuren gemacht und nie quantisiert. Er war klassischer Perkussionist und hatte es einfach drauf. Zum Thema Modular und Mikrotiming. Ich stelle mir mehrere LFO’s vor die Timingsignale auf mehreren Spuren sync/async verschieben können. Gerne auch als VST3 Plug-in. Geht das nicht auch so schon? Ich dachte immer mit ein paar LFO’s/Attenuatoren/Delays etc. die Trigger und Clocksignale zu bearbeiten wäre das machbar? Das alles in einem Modul/VST wäre natürlich schon geil! Dann kann es wieder jeder……. Evolution ist schon kacke!

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    AMAZONA Archiv

    Das Warten hat sich gelohnt! Der zweite Teil ist noch packender als der Erste! Die Philosophien zum modularem Sounddesign und vor allem über den Groove, finde ich sehr interessant. Solcherlei Input ist für mich auch immer sehr erfrischend und oft versuche ich dann auch etwas davon in meine eigene Produktionsweise einzubringen. Schade dass ich derzeit eine musikalische Zwangspause einlegen muss :D und ebenfalls schade, dass dieses Interview tatsächlich schon zuende ist. Ich hätte auch noch einen 3. und 4. Teil lesen können :)

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    Steinklopfer  

    Groove in Millisekunden nach hinten und vorne verschieben? Das mache ich per Midiclock. Innerclock Sync Shift ermöglicht das Shiften der Clock in eine entsprechende Richtung. Absolut genial. Eins meiner wichtigsten Studiotools.

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    AMAZONA Archiv

    Die beiden Teile bilden zusammen eines der interessantesten Interviews, das ich seit langem gelesen habe. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

    Was mir nebst musikalischen und technischen Einblicken immer besonders gefällt ist der respektvolle Umgang, wie hier z. B. mit den Bandmitgliedern und deren Fähigkeiten.

    Bin da ganz bei Marius und hätte mich über zumindest noch einen Teil sehr gefreut.

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    tomk  AHU

    Schließe mich an und würde auch gern noch weiter Geschichten aus Andis Nähkästchen hören!!!
    Man gestatte mir dennoch eine kleine Anmerkung: Looking for the perfect Beat, sowie das legendäre Album „Planet Rock“ wurde von Arthur Baker produziert, ein Weißer. Soweit mein Wissen reicht war Africa Bambaataa einer der ersten der HipHop Jam´s in NY veranstaltete. Zeitzeuge dürfte hier der Film Wild Style sein.

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    changeling  AHU

    Wenn jemand Trash Metal schreibt kringeln sich mir immer die Fußnägel. Ist es so schwer zu verstehen, dass es Thrash Metal heißt? Es heißt ja auch nicht Hip Pop, sondern Hip Hop!

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