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Test: Olympia Noise Patterning 2, Drum-Sequencer, iOS-APP

10. Oktober 2018

Die Potenzierung des Kreises

Olympia Noise Patterning 2

Olympia Noise Patterning 2

Olympia Noise Patterning 2 ist die neue Version der Drum-Sequencer-App, die 2015 für einiges an Aufsehen sorgte. Einfach, weil Patterning es schaffte selbst komplexeste rhythmische Abfolgen in einem sehr übersichtlichen Interface darzustellen, ohne tiefgreifende Editierfunktionen oder Live-Performances zu vernachlässigen.

Für Besitzer von Patterning 1, hier der Sneak-Peak der neuen Funktion: Aufnahme Funktionen, Taktraster-Offset, flexibles Layer-System, Senden von MIDI-Daten der Einzelspuren.

Olympia Noise Patterning 2

Olympia Noise Patterning 2 ist ein achtspuriger Sequencer für One-Shot Samples mit freier Tempowahl pro Pattern. Jede Spur eines Pattern besteht individuell frei wählbar aus bis zu 64 Schritten. Darüber hinaus kann jede Spur auch ein eigenes Taktmaß haben, das jede Kombination zwischen 1/1 und 16/16 erlaubt. Ebenso kann jedes Pattern innerhalb eines Songs ein anders Drum-Kit haben und das ist erst der Anfang der Möglichkeiten. Aber der Reihe nach.

Pattern

Pattern

Die Noten sind kreisförmig angeordnet. Die Ringe repräsentieren eine Miniansicht der anderen Spuren, während die Steps in den Segmenten durch Einstellen ihrer Anschlagslautstärke aktiviert werden. Die einzelnen Spuren können auch über die Taster am linken Bildschirmrand oder über die Kreise selbst ausgewählt werden. Etwas doppelt gemoppelt, aber ok, kann man machen.

Olympia Noise Patterning 2

Samples

Jeder Spur ist ein Sample zugeordnet, das in der Länge beschnitten werden kann, eine AHD-Hüllkurve sowie ein Fein- und Grob-Tuning, allerdings ohne Tonhöhen- und Längenkorrektur. Zwei zuweisbare Choke-Groups runden die Möglichkeiten ab. Das ist zwar eher rudimentär, aber ausreichend für den Zweck.

Was nun das Sequencing angeht – Luft holen. Jedes Pattern kann seine eigenes Tempo und sein eigenes Taktmaß haben. Ist keines eingestellt, fällt die Clock auf die Songeinstellungen zurück. Abweichungen von der Ableton Link-Clock sind allerdings nicht vorgesehen.

Für das Taktmaß jeder Spur gibt es in Olympia Noise Patterning 2 zwei Einstellungen. „Standard“ weist jedem Schritt zwischen einer ganzen Note und einer punktierten 32tel zu, für jeden Schritt einen Taktes bzw. Loops. Bei „Divide“ wird die Schrittdauer durch ein Taktmaß ersetzt. Die Notenlänge ergibt sich dann aus dem Taktmaß durch die Anzahl der Steps. Zu dem Ganzen kommt noch Auto-Rotate hinzu, das jede Spur nach jedem Taktdurchlauf einzeln um max +/- 64 Steps im Raster vorwärts oder rückwärts rotiert und die Spuren damit permanent gegeneinander verschiebt. Rotationswerte, die größer sind als die Schrittanzahl, erzeugen entsprechend mehr ganze Umdrehungen. Hat z. B. die Spur 16 Steps und wird um 17, 33 oder 49 Steps rotiert, ist es dasselbe wie ein Rotation um +1 Step. Aber damit nicht genug.
Jede Spur lässt sich mit einer Genauigkeit von bis zu einer 1/96tel Note noch gegen das Taktraster verschieben, um den Groove noch exakter anzupassen. Um das Maß voll zu machen, gibt es pro Spur noch fünf Abspielmodi in diverse Richtungen, inklusive Zufall.

Takt-Offset

Takt-Offset

Damit lässt sich mit Olympia Noise Patterning 2 so einigermaßen alles anstellen, was sich rhythmisch mit Rhythmen sinnvoll anstellen lässt und ist dabei noch inspirierend bei der Bedienung und ein Freude beim Zusehen. Damit wäre man eigentlich schon zur Güte bedient, oder? Vielleicht, aber es geht noch weiter.

Für alle, die sich nicht nur in experimentellen Polyrhythmen ergehen wollen, sondern etwas mehr auf Dramaturgie stehen, dürfen sich mit dem Song-Modus bedacht fühlen.
Im Pattern-Fenster gibt es dafür rechts oben die Transportkontrolle. Der „geschwungene Pfeil“ kopiert das aktuelle Pattern in ein neues und springt sofort dahin, was ungemein praktisch für Live-Performances ist. Die beiden Doppelpfeile springen jeweils mit Einmal-Tippen beim nächsten Taktwechsel zum nächsten oder vorherigen, schon vorhandenen Pattern und ein Doppeltippen springt sofort dahin.
Hat man mindestens zwei Pattern am Start, wird am Ende der Liste aus der „Vorspultaste“ ein „+“ und erzeugt ein neues leeres Pattern. Kopierte Pattern in der Liste erhalten den Buchstaben des Originals mit fortlaufendem Index. Neue Pattern erhalten einen neuen Buchstaben.

Olympia Noise Patterning 2

Track-Effekte

Für jede Spur einen Patterns gibt es noch ein Multimode-Filter, Panning und Lautstärke sowie Sendekanäle zu den globalen Effekten Delay und Reverb, inklusive eines einstellbaren Zufallsanteils.

Track-MIDI

Track-MIDI

Neu bei Olympia Noise Patterning 2 ist die umfassende Ausgabe der MIDI-Daten von Einzelspuren eines individuellen Patterns. MIDI-Kanal, Basisnote, Transponierung, Pitchbend und die Länge des MIDI-Gates, also das proportionale Verhältnis zur Step-Länge, werden komplett ausgegeben und sind, wie bei den Effekten, auch mit Zufallsoption versehen.

Pattern Layer

Pattern Layer
Zuletzt auf de Pattern-Seite wären da noch die Layer. Mit diesen lassen sich die meisten Parameter eines Patterns automatisieren. Was nicht explizit aufgeführt wird, kann über die 127 MIDI-Controller bewerkstelligt werden, da MIDI-Learn ja auch noch da ist. Das macht Patterning 2 nicht nur zum umfassenden Drum-Sequencer, sondern auch zum umfassenden MIDI-Controller. Im Gegensatz zur Version 1 sind nun aber nur noch die Layer sichtbar, die auch tatsächlich gebraucht werden.

Olympia Noise Patterning 2

Timeline

Hat man nun seine Pattern-Liste beisammen, lassen sie sich auf der Time-Line zu einem Song arrangieren. Dazu wird das gewünschte Pattern mit „Add Pattern“ hinzugefügt. Die Auswahl lässt sich auch noch im Nachhinein verändern.

Timeline-Raster

Timeline-Raster

Die Pattern rasten auf der eingestellten Gittergröße (max. 1/32tel) ein. Die „Länge“, d. h. die Wiederholungen eines Patterns, werden mit der Geste „Halten-und-Ziehen“ eingestellt. Die Time-Line lässt sich auch mit Zwei-Finger-Ziehen zoomen, wenn der Song mal länger wird.
Im Vergleich zur überbordenden Anpassung der Pattern-Seite auf den Touch-Screen, wirkt der Song-Modus aber ehr altbacken und minimal, auch wenn die Funktionalität gegeben ist. Das ist etwas schade, hier hätte man bestimmt noch direktere Arrangiermöglichkeiten verwirklichen können.

Mixer

Mixer

Hat man nun seinen Song beisammen, lässt er sich im Mixer noch abmischen.

Olympia Noise Patterning 2

Live-Recording

Record
Nun bekommt man beim Beats-Progammieren aber nur soviel Feeling und Groove zusammen und einigen liegt das Einspielen näher. Dafür hat Patterning 2 nun die Record-Seite. Über acht Drum-Pads, die auch per MIDI bespielt werden können, lassen sich die Beats einspielen. Das funktioniert nicht nur für ein Pattern, sondern für den ganzen Song. Dazu ist jedoch ein wenig Vorbereitung nötig.

Zuerst müssen die Pattern auf der Song-Seite erzeugt und in der Time-Line angeordnet werden. Dann noch die beiden Taster „Timeline“ und bei Bedarf „Loop“ aktivieren. Nachdem die Aufnahme scharfgeschaltet ist, kann über den Transport-Taster die Aufnahme gestartet werden. Die Pattern laufen dann bis zum Ende durch oder wiederholen sich im Loop-Modus. Was eingespielt wird, kommt zu dem bisherigen dazu (Merge).

Farbschemata

Farbschemata

Wem das einfarbige Farbschema von Olympia Noise Patterning 2 nicht gefällt, kann nur aus mehreren Dutzend Farb-Presets auswählen.

eingebautes Handbuch

Eingebautes Handbuch

Auch was den Export betrifft, gibt sich Olympia Noise Patterning 2 keine Blöße. Vom Song bis zu einzelnen Pattern, vom Master-Ausgange bis zu den Einzelspuren, als Projekt oder als AIFF-Datei oder als Ableton Live-Set, ob als Loop oder als kontinuierliche Aufnahme mit Effektnachlaufzeit oder als Clip, Patterning 2 bietet vielfältige Anapssungsmöglichkeiten für jeden Einsatz.

Olympia Noise Patterning 2

Export

Fazit

War die Vorgängerversion schon gut, so hat Olympia Noise Patterning 2 diese durch verbesserte Details noch getoppt. Sicher die Neuerungen sind nicht so umfangreich und hätte auch in Version 1 eingebaut werden können, aber leider sind bezahlte Upgrades im App-Store halt nicht möglich und nur über Neukunden rechnen sich Updates auf Dauer halt nicht, was dann zu Situation wie dieser führt. Wie auch immer, das Gebotene ist im Verhältnis zu den Kosten ein No-Brainer. Wer auf iOS irgendwie irgendetwas mit Drums zu tun hat, ist es sich schuldig, Patterning 2 auszuprobieren.

Die auf das Notwendigste reduzierte Sample-Engine bietet sicher noch Platz für Ausbau, wird aber durch den Einsatz als MIDI-Controller deutlich erweitert und die Programmierbarkeit der Pattern ist ein Traum.

Das bedeutet auch, dass Elastic Drums zwar immer noch den Best-Buy behalten darf, muss sich aber von nun an mit Platz 2 zufrieden geben. Meine Damen und Herren – der Nr. 1 Platz in unseren iOS-Charts Drum-Sequencer-Charts geht an Patterning 2.

Plus

  • Spaß
  • Bedienung
  • MIDI-Ausgabe

Minus

  • recht einfache Sample-Engine

Preis

  • 21,99 Euro
Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  

    Die Pattern darstellung als Kreis ist schon ne coole Idee. Da kann man in der Timeline schon anhand der Darstellung erkenn was im nächsten Pattern abgeht.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Genau! Das Kreise und Rhythmen gut zusammengehen hat ja schon Euklid erkannt.

      Der erste Sequenzer im Kreis der mit bekannt ist, war der Future Retro Revolution,
      dann der Genoq Octopus und dann erst wieder viel später der Loopseque auf dem iPad und für alle drei haben wir sogar Tests hier.

      :)

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