Report: TEILE Elektronik, DJ-Effekt-Manufaktur

8. Juni 2017

Mit einem Boss DD-7 hat alles begonnen

Alles begann mit einem Boss DD-7, dem Wunsch nach anderen Funktionen und dem Mut und dem Erfindergeist, genau dies umzusetzen. Was erst als kleines Produkt für den Eigenbedarf gebaut wurde, entwickelte sich aufgrund unerwarteter Nachfrage nun doch zu einem Produkt mit eigener Entwicklung. Keinemusik KD7 wurde zum TEIL1, auch genannt Keinedelay und wir sind quasi mittendrin in dem Report über eine kleine Firma aus Berlin und ein Produkt, das so eigentlich gar nicht geplant war.

Das TEIL1 – Keinedelay

Diese Firma heißt „TEILE“

… und wir fangen vielleicht einfach einmal vorne an. Alles begann 2013 im Haus der Keinemusik Crew in Berlin. Die Jungs sind dafür bekannt, neben dauerhaftem internationalen Tour-Alltag, stetig (und das seit Jahren) für gute Releases zu sorgen. Diese erscheinen auf dem eigenen Label Keinemusik und landen dann mit einer ordentlichen Portion Liebe auf den Plattentellern der Käufer. Tatsächlich ist Keinemusik, wie sie selbst sagen, ein DIY-Betrieb. Keinemusik ist irgendwas, eine Crew, ein Kollektiv, eine Bande von Artists mit einer Idee und Liebe zu dieser. So ist Handmade ein Markenzeichen, wie aber auch bewusst ein Weg der Produktion. Platten werden per Hand verpackt im eigenen Haus, Artworks kommen immer von der einer Person und eigentlich ist jede Platte mit einem eigenen Artwork versehen. Keinemusik, das sind Rampa, Adam Port, &me, David Meyer und Reznik. Das sind nur fünf? Richtig. Monja Gentschow fehlt, denn sie ist zwar Künstlerin, aber keine Musikerin. Sie ist es jedoch, die seit Anfang an die CI und somit Plattencover und alles Visuelle geprägt hat und sie ist Keinemusik Crew Mitglied seit Anfang an. Vieles Releases? Von wegen. Jeder Artist macht ein Release pro Jahr. Klingt alles ein wenig straight, vielleicht erst – ist es aber nicht. Wer die Jungs kennt weiß, sie machen das genau so, weil sie es so wollen und weil es sich für sie so richtig anfühlt.

Drei Männer für ein TEIL!

Und weil die ganze Geschichte sehr interessant ist, habe ich dem Keinemusik und dem TEILE Elektronik Headquarter in Berlin einmal einen Besuch abgestattet und mir das Ganze einmal angesehen.

Ganz gemütlich in Kreuzberg im Hinterhof findet man dort das Hauptquartier, Studios und Produktionsstätte für TEILE. Und ich traf Benjamin Hughes, der gar nicht zur Keinemusik Crew gehört, aber trotzdem voll involviert ist.

Wieso aber kommt nun jemand aus der Crew auf die Idee, ein Delay bauen zu wollen?

Nun, wer mit Platten oder USB-Sticks reist und spielt, gleichzeitig aber nicht auf Effekte verzichten möchte, der hat nur zwei Möglichkeiten: Man fordert einen Pioneer DJM und nutzt die internen Effekte oder man nutzt externe Effektgeräte. Zum Glück haben sich die Jungs für Letzteres entschieden und statten nun neben dem Standard-Mixer von Allen&Heath, dem Xone:92, auch mal die Plätze neben Rotary-Mixern bei ihren Gigs mit externen Effektgeräten aus. So finden sich seit vielen Jahren Effektgeräte von zum Beispiel Eventide oder Boss in den Setups.

Während die Effekte von Eventide wirklich multifunktional einsetzbar sind und auch über eine sehr gute BPM-Erkennung verfügen, ist einer der DJ-Effekt-Geräte-Klassiker, das Boss DD-7, in der Funktion und Haptik nicht so wirklich DJ-tauglich. Es ist nun einmal ein Bodentreter für Gitarren, nicht dafür gedacht, dass man fein an diesem herumschraubt. Klar, es funktioniert, aber es könnte besser sein.

TEILE

Genau aus dem Gedanken entstand 2013 unter der Führung von Rampa das Keinemusik Delay 7 – kurz KD7. Mit an Bord waren dabei neben Rampa, der eigentlich Gregor heißt, noch eben jener Benjamin, der als Produktionsmanager für Koma Elektronik tätig ist, eine Firma, die Eurorack-Module oder Sequencer entwickelt und produziert und der für den analogen Bereich zuständig ist, so wie Felix, der sich um die Entwicklung der digitalen Welt hinter dem Delay gekümmert hat. Wenn er nicht das tut, könnten ihn die Leser des MAKE-Magazins als Schreiberling kennen oder er bastelt an DIY-Synthies.

Klar angelehnt an das Boss DD-7, nicht nur namentlich, denn das KD7 beinhaltet eigentlich das Innenleben eines Boss DD-7, inklusive der Platine, lediglich ein wenig verändert. Hinzugekommen zu den Funktionen des DD-7 ist zum Beispiel ein Tap-Button, um das Tempo selbst und manuell bestimmen zu können. Auch die Mom, also die Momentary-Funktion, fand den Weg in das KD7 und erlaubt einen punktgenauen Einsatz des Delays per Tastendruck. Ohne zu viel zu verraten: geile Funktion! Dazu kommen noch einige andere Funktionen, die eine Menge Spaß bereiten können, mehr dazu im Test des Delays.

Das gesamten Innenleben des DD-7 wurde dann in ein größeres Gehäuse verfrachtet, um auf der einen Seite Platz zu schaffen für die größeren Tasten, wie aber auch Platz zwischen den Potis zu schaffen.

Und während das KD7 als Prototyp noch so aussah …

Da war es noch ein KD-Prototyp …

… wurde es kurze Zeit später zu einem echten KD7. Immer noch aber auf Basis des Boss-Delays.

Oben noch das KD7, unten bereits das Teil1

Nun hätte es dabei bleiben können, so war eigentlich auch der Plan. Ein eigenes Delay als Kleinauflage für den Freundeskreis. Aber wie es in der heutigen digitalen Welt so passiert, reichte ein Post von Rampa mit einem Foto, um diverse Nachfragen zu generieren. Was ist das? Wo kann man das kaufen?
So wurden aus einer handvoll KD7 recht schnell 20 Stück, um die ersten Nachfragen erfolgreich erfüllen zu können. Die Grundlage des KD7 aber, rein schon als Kostenfaktor, wie aber auch der Arbeitsaufwand, um ein DD-7 in ein KD7 umzufunktionieren, zeigten schnell auf, dass die Idee zwar funktioniert, neben viel Arbeit aber keinen Gewinn bringt. Da die Nachfrage zwar klein, aber stetig war, gab es nur eine Lösung. Logischer Schritt also: Die Optimierung der ganzen Geschichte durch eine komplette Eigenproduktion.

Auf Hammond Gehäuse wird vertraut

Dieses Projekt wurde dann 2014 in Angriff genommen. Teile wurden zusammengesucht (kleiner Hinweis: Damit ist die Frage nach dem Namen auch schon beantwortet), ein Platinen-Hersteller ausfindig gemacht und getestet, wieder Teile gesucht, entwickelt, programmiert, Ideen gesammelt und weiter gebastelt bis am Ende im Jahr 2016 tatsächlich ein Delay fertig war, das wie gewünscht funktionierte: Das TEIL1.
Am Ende nun ist das TEIL1, aka das Keinedelay ein Projekt „Handmade in Berlin“. Nebenbei, durch günstigere Produktionskosten konnte man den Preis senken, was, das dürfte positiv überraschen, auch getan wurde, statt konsequent die Marge zu erhöhen.

Um hier nun jedoch dem folgenden Tests nicht vorweg zu nehmen, schweigen wir uns über das TEIL1 und genaue Infos über den Bau an dieser Stelle ein wenig aus und verweisen auf den Test, der direkt im Anschluss veröffentlicht werden wird.

Versprochen aber werden kann: TEIL2 ist bereits in Arbeit und fast ein wenig logisch wird es der zweite gern genutzte DJ-Effekt: ein Reverb … aber nicht nur ein Reverb, eher so ein Reverb mit Tremolo – oder so. Genaues wird noch nicht verraten.

Nachdem das TEIL1 nun schon einige Zeit erworben werden kann, wird bald auch ein Online-Shop verfügbar sein. Bisher war das Teil1 nur per Vorbestellung und Warteliste zu ergattern, die Internetseite erlaubte nur die Eingabe eine E-Mail-Adresse. Bald aber wird eine produzierte Menge vorhanden sein, die es ermöglichen soll, die Aufträge recht schnell zu bearbeiten und das TEIL1 zu Liefern.

Gleichzeitig wird wie gesagt fleißig am TEIL2 gebastelt. Man kann also wirklich gespannt sein, was aus dem Hause TEILE Elektronik noch so kommt in Zukunft.

Arcade-Buttons: Geil!

Forum
  1. Profilbild
    fkdiy  

    Feine Sache! Ich bin ziemlicher Fan von solchen Projekten und wollte mir auch schon selber Effektboxen für mein DJ-Setup im Wohnzimmer (jaja ;) zusammenbauen.
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    Da ich Platten und einen Ecler Mixer ohne interne Effekte benutze, war mein Objekt der Begierde immer ein kleiner Multimode-Stereofilter, evtl. auch Dual-Stereo, da mir das Vermona Filter z. B. als 19″ Einheit bereits zu groß ist.
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    Naja, die Platinen und Bauteile liegen noch unbenutzt rum, wie es oft so ist. Also hier mein Wunsch: Baut doch mal so etwas. Nur um mich persönlich glücklich zu machen versteht sich. ;)

  2. Profilbild
    Tyrell  RED 1

    Hi Bolle, warum muss man den bei den Jungs ein Passwort eingeben um auf die Webseite zu gelangen? Außerdem soll man sich da auf eine Warteliste eintragen. Alles sehr dubios.

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Hi Peter, das hat einen einfachen Grund. Die Entwicklung zeigt ja, es war so nicht geplant.
      Aktuell ist der Webshop und auch die gesamte Möglichkeit des Kaufs über den Webshop in den letzten Zügen, bevor der Shop komplett online geht. Der Grund? Handmade lässt keine große Lagerung der Geräte zu, des Kostenfaktors wegen, aber auch des Zeitfaktors. Unkontrollierte Bestellungen über den Online-Shop wären aktuell nicht zu bewältigen. Da die Nachfrage größer war als erwartet, gab es lange Zeit die Warteliste / gibt es immer noch. Die Vorproduktion aber läuft und demnach kann der Shop dann auch bald „unreglementiert“ online gehen.
      Bis dahin wird es bei Pre-Order per Mail bleiben, dann einem Zugang zum Shop. Das finde ich tatsächlich kein so schlechtes Mittel das Angebot dann zu präsentieren, wenn auch Lagerware da ist. Da die Jungs nicht Vollzeit Teile bauen ist es auch schwierig zu planen = nicht möglich in einem offenen Shop eine Lieferzeit anzugeben.
      Nun bald hoffentlich wird sich das ändern…nach dem Bericht müssen sie ja quasi :)

  3. Profilbild
    glain  

    Ich frage mich oft, warum die großen Firmen nicht mehr in die Richtung oder überhaupt machen.

    Gerade für DJ und Liveperformer. Egal ob Analog oder Digital. Warum haben Roland aus der SP Reihe nie eine EP Reihe gemacht.

    Warum hat Korg keine SoloFilter rausgebracht, am besten Stereo. Vereinzelt gibt es ja was, aber eher selten.

    Hatte schon überlegt in Module zu investieren.

    Und bei kleinen Firmen ist es auch immer schwierig, ich finde großartig was die Firma macht.

    Bin die Tage über die italienische Firma http://www.i-nstruments.com. Die haben einen interessanten Effektprozessor, wie ich ihn mir Wünsche, aber es ist mir zu riskant zu bestellen.

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