Test: Analogue Solutions Mr. Hyde & Dr. Strangelove, Synthblocks

14. Januar 2018

Analogue Solutions goes Synthblocks

Gitarristen sammeln Effektpedale, Synthie-Nerds horten Module. Diese klare Zuordnung stellen Moog und andere mit CV-steuerbaren Pedalen seit einigen Jahren in Frage. Gitarristen nutzen den organischen Sound eines Ladder-Filters, Modular-Nutzer ergänzen ihr System um diverse Bodentreter – sei es für den einen, abgefahrenen Effekt, sei es für mehr Platz im Eurorack. Die zweite Gruppe hat Analogue Solutions mit den hier getesteten Effektboxen im Blick: Synthblocks sind Desktop-Geräte, verzichten auf den gitarrentypischen Bypass-Trittschalter (sowie jeglichen Bypass!) und sind mit Eurorack-kompatiblen Mini-Klinkenanschlüssen ausgestattet. Auf der Rückseite findet man zusätzlich große Klinkenein- und -Ausgänge.

Analogue Solutions (nicht zu verwechseln mit dem Eurorack-Pionier Analog Systems) ist ein britischer Hersteller mit 24 Jahren Markterfahrung, der uns mit Synthesiern wie dem Leipzig und Sequencern wie dem Oberkorn beglückt hat. Nun also Synthblocks, die laut Hersteller miteinander verbunden oder mit Euroracks oder CV-fähigen Synthesizern kombiniert werden sollen. Ein eigener semimodularer Synthesizer dieser Reihe ist angekündigt.. Ferner sollen DAW-Nutzer ihre Digitalsounds durch die analoge Hardware schleifen und klanglich aufpeppen können. Mr. Hyde ist eine analoge Filter-Effektbox mit LFO-Abteilung, Dr. Strangelove ein analoger Ring-Modulator mit LFO und Lofi-Echo.

Der Testaufbau: Synthblocks mit Modular-System

Äußeres und Bedienung

Die kompakten, etwa handtellergroßen Geräte sind auffällig leicht, recht gut verarbeitet und sollten mit ihrem Metallgehäuse auch härtere Live-Einsätze überstehen. Die Messgerät-typischen Potis geben beim Drehen angenehm Widerstand, die Holzseitenteile unterstützen den Retro-Charm. Angetrieben wird mit einem mitgelieferten 12 Volt Netzteil. Die lustigen Namensreferenzen an Literatur bzw. Film werden auf der lackierten Oberfläche mit netten Grafiken untermalt, allerdings tragen die Funktionsbezeichnungen (z. B. „Freaq“ für Cutoff-Frequenz) nicht gerade zu Übersichtlichkeit und intuitiver Bedienung bei. Mit den beschriebenen Ein- und Ausgängen sind beide Geräte strikt mono ausgelegt. Wer Stereobearbeitung will, muss zu anderen und allgemein teureren Lösungen, z. B. von Jomox oder Erica Synths, greifen.

Mr. Hyde in der Praxis

Flugs zuerst den Filterblock ans Modular-System angeschlossen: Die regelbare Vorverstärkung ermöglicht eine eher subtile Sättigung des Signals und wirkt netterweise auch auf den Mini-Klinkeneingang. Leider fallen Nebengeräusche auf, es rauscht wahrnehmbar und der LFO streut ins Audiosignal. Jetzt vermisst man wirklich einen Bypass. Beim Filter handelt es sich um eine 12 dB Variante mit regelbarer Resonanz, umschaltbar zwischen den Typen Peak oder überblendbarem Tiefpass, Kerb- und Hochpass. Ähnlichkeiten mit Oberheim Multimode-Filtern sind allenfalls technischer Natur: Der Klangcharakter ist nicht samtig, sondern eher „britisch mittig“ und leicht „rotzig“. Geschmackssache, ich mag‘s. Gerade mit dem Peak-Filter werden bei aufgedrehter Resonanz schöne Tiefbässe und Bassdrums erzeugt. Das Verhalten ist zuweilen unstetig (z. B. bei der Filter-Überblendung) und ganz besonders bei der „Q-Boost“-Funktion unvorhersehbar. Diese dient der Eigenschwingung des Filters und ist mit einem abrupten Pegelsprung verbunden (der aufgedruckte Begriff „Scream“ sagt alles). Ferner schließt das Filter weder als Tiefpass noch als Hochpass vollständig.

Für die externe Modulation des Filter-Cutoffs stehen zwei CV-Eingänge zur Verfügung. Einer besitzt einen Abschwächer, mit dem man die Klangveränderung begrenzen und stufenlos ein- oder ausblenden kann. Leider lässt sich die Resonanz nicht modulieren. Auf die Cutoff-Frequenz wirkt zusätzlich ein interner, im Pegel regelbarer LFO, dessen Geschwindigkeit zwischen langsam (Filtersweeps, Wobble-Bässe) und schnell umgeschaltet werden kann. In der schnellen Betriebsart kommt es zu Filter-FM-Sounds, die durchaus interessant klingen, irgendwo zwischen Ringmodulation und FM. Schön ist, dass man die Rechteck- und Dreieckschwingungen des LFOs über Buchsen auf externe Ziele im (Modular-) System patchen kann. Eine externe Synchronisation oder Zeitsteuerung des LFO ist nicht möglich. Auch gibt es keinen Envelope Follower, um das Filter nur per Audiosignal dynamisch zu modulieren. Dies wäre für eine Integration noch vorteilhaft gewesen, gerade wenn man kein zusätzliches Modular-Equipment besitzt.

Dr. Strangelove in der Praxis

Für die Ringmodulation werden entweder zwei Audiosignale in Dr. Strangelove eingespeist (Eingangssignal und Trägersignal) oder ein Eingangssignal wird durch den eingebauten Träger-LFO/VCO moduliert. Der LFO lässt sich in Lautstärke und Tiefe regeln (die Schwingungsformen Dreieck und Rechteck werden auch hier auf zwei Buchsen herausgeführt). Allgemein erzeugt eine Ringmodulation tremoloartige oder metallische und unharmonische Sounds. Die Resultate mit Dr. Strangelove gehen eindeutig in die dissonante Richtung. Ich habe zum Vergleich einen Moogerfooger MF-102 herangezogen: Während hier die zwei Eingangssignale zu einem integrierten Sound verschmelzen, bleiben bei Dr. Strangelove die Originalsignale deutlich hörbar – das sollte eigentlich nicht so sein. Zudem ist der Tonhöhenumfang des LFOs eingeschränkt, obertonreiche, „crispe“ Klänge gelingen kaum.

Die Delay-Einheit hat mir deutlich besser gefallen. Ich gebe zu, ich liebe den Vintage-Sound von Bucket Brigade Delays. Das Lofi-Delay im Dr. Strangelove bietet eine Bandbreite von Doppler-Effekten bis hin kurzen Delays und geht bei hohen Feedback-Werten in die Eigenschwingung. Mit kurzen Delay-Zeiten lassen sich schöne metallisch-sphärische Sounds erzeugen. Warum aber heißt die Delay-Time/Rate hier „Half Life“, während das mit „Rate“ bezeichnete Poti offensichtlich das Feedback regelt? Für größere Klangvielfalt bräuchte es mehr CV-Eingänge, etwa für die Steuerung der Delay-Zeit oder der Frequenz des internen VCOs. Dedizierte Ringmodulatoren und Delays bieten da mehr. Klar, dafür hat man hier zwei Effekte in einem Gerät – aber eine regelbare Vorverstärkung des Eingangssignals wie bei Mr. Hyde hätte ich mir doch gewünscht.

Fazit

Das Marktfeld für die Synthblocks ist kein einfaches. Für die Erweiterung (semi-)modularer Synthesizer bieten sich nicht nur zahlreiche Effektpedale und -Boxen (vgl. oben) an, sondern auch Synthesizer mit Audio-Eingängen und CV-Modulation, wie jene von Arturia oder Erebus. Preislich sind Synthblocks vor allem gegenüber „Bodentretern“ mit häufig eingeschränkter CV-Steuerung attraktiv. Wer sich für Analogue Solutions entscheidet, will wohl den speziellen Sound – gerade bei Filtern scheiden sich ja die Geschmacksgeister. Vielleicht ist die analoge Auffrischung einer DAW-Produktion tatsächlich eine bevorzugte Anwendung, denn braucht man hier wirklich ein super-sauberes Moog-Filter, das überdies im Rechner schon recht gut simuliert wird? Ein wenig „Noisiness“ und Eigenleben könnten durchaus fruchtbar sein. Spannend ist zu sehen, ob und wie sich die Synthblocks in Zukunft zu einem integrierten Ganzen fügen.

Plus

  • Mr. Hyde:
  • analoger Sound mit Charakter
  • schneller LFO für Filter-FM
  • Mini-Klinke und grosse Klinke
  • Dr. Strangelove:
  • interessant klingendes Lofi-Delay
  • Mini-Klinke und große Klinke

Minus

  • Mr. Hyde:
  • Nebengeräusche und Einstreuungen
  • "Scream" nur bedingt musikalisch einsetzbar
  • kein Bypass
  • Dr. Strangelove:
  • Ring Modulator mit technischen Schwächen
  • keine Vorverstärkung/Pegelanpassung
  • kein Bypass

Preis

  • je 279 Euro
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Nach diesem Test werde ich mir wohl doch lieber einen Mooger- oder Minifogger Ring-Modulator zulegen. Dass bei einem Gerät mit Namen“Mr.Hyde“ oder „Dr. Strangelove“ Parameter wie „Freaq“, „Fallout“ und „Half Life“ zu finden sind, zeugt von britischem Humor, der nicht Jedermanns Sache ist. Leider entspricht die technische Ausführung nicht ganz meinen Wünschen…

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU 1

    Ist der bleed through, der am Anfang des Drum-Demos zu hören ist, bewußt herbeigeführt worden oder eine Einstreuung in den Signalpfad? Wenn Letzteres der Fall ist, finde ich das überaus störend — da ist ja sogar ein EH Frequency Analyzer noch nebengeräuschfreier.
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    In der Theorie sicherlich lustig, so eine Kombination aus Ringmodulator und Delay, aber ich glaube, in der Praxis wäre man mit zwei EH-Tretern oder dergleichen besser bedient.
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    Spontan eher nicht beeindruckt. Die Produktnamen und die Funktionsbezeichnungen wirken da spektakulärer als das, was am Ende rauskommt — und seit dem Bundesbimbes wissen wir alle, daß es doch genau darauf ankommt.
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    • Profilbild
      Obliquenoir  RED

      Hi, danke für das Feedback, im Vergleich zum Ausgangsdemo ist klanglich alles allein auf die Synthblocks zurückzuführen, es wurde nichts zusätzlich oder extra herbeigeführt, bester Gruss

  3. Profilbild
    Coin  AHU

    Was ist denn das für ein neuer Player ?
    Bei mir spielt es nix ab, sondern läd ewig ohne fertig zu werden.
    Nutze Opera als Browser.

  4. Profilbild
    lightman  AHU

    Gelungene Soundbeispiele, schön schabend-minimal, gefällt mir. Dr_Strange_Drums hab ich mir ein paarmal hintereinander angehört, und Mr_Hyde_Peak_FM ist fast schon Musik für Wale, Bass ganz unten im Keller, sehr fein. Ich mag solche Effekt-/Filterboxen, leichtes Übersprechen oder sowas juckt mich nicht, ein Quantum Dreck ist immer gut. Die Gestaltung finde ich nett, ein bissl albern darf man ja auch mal sein. Preis geht voll in Ordnung meiner Meinung nach.
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    Die Frage ist, ob mich die Dinger weiterbringen, auch wenn ich ihren Sound mag. Meine kleine Geheimwaffe ist nach wie vor das externe Waldorf 2-pole Filter, besonders der Envelope-Follower hats mir angetan, damit sind einige der hier gehörten Sachen auch möglich, wenngleich er keinen Ringmodulator hat. Naja, werd‘ vielleicht demnächst mal einen Termin beim Herrn Doktor Strangelove ausmachen und testen, was er draufhat.

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