Test: ASM Hydrasynth Wavemorphing Synthesizer

12. Februar 2020

Digital is back - der ASM Hydrasynth

Der ASM Hydrasynth ist ein 8-stimmiger Digitalsynthesizer und bietet 3 Oszillatoren pro Stimme. Als Syntheseform kommen Analog-Modeling und Wave-Scan-Synthese zum Einsatz. Dabei kann aus Hunderten Schwingungsformen gewählt werden, zwischen diesen kann nach Herzenslust gemorpht, mutiert und gewarpt werden. Der Hydrasynth ist im Gegensatz zur Ankündigungsstrategie anderer Hersteller als fertiges Produkt vorgestellt worden und das von einem bis dato unbekannten Hersteller – von

Ashun Sound Machines

hatte ich zuvor noch nie gehört. Ein neuer Boutique-Hersteller au …. Indien? Das Logo – hat einen seltsamen 80er Jahre Touch … von den Features her ist der Synth aber mehr als beeindruckend, das waren so meine ersten Gedanken, als der Hydrasynth in der News-Sektion von AMAZONA.de plötzlich angekündigt wurde. Ein daraufhin folgender Besuch auf der ASM Homepage brachte Überraschendes zu Tage, taucht da doch ein bekannter Name als Development Director auf: Glen Darcey

Darcey ist ein erfahrener Product-Developer und zeichnet für einige bekannte Hard- und Software- Instrumente  von Akai und Arturia (MiniBrute, MatrixBrute, MicroFreak und viele VSTs) verantwortlich. Eine weitere Recherche ergibt: Hinter ASM steht Medeli Electronics, ein Produzent von elektronischen Musikinstrumenten aus Hongkong, der 1983 gegründet wurde und heute mit 1000 Mitarbeitern in Zhuhai produziert. Plastikdruckguss, Metallbearbeitung, Holzbearbeitung, Bedruckung, PCB-Bestückung, Montage – alles unter einem Dach vereint. Von den Rohdaten her ein professioneller Background für einen neuen Hersteller am Markt mit einem – so viel sei verraten – sehr ambitionierten ersten Produkt – dem ASM Hydrasynth.

Ein Blick auf den Hydrasynth

Der Hydrasynth ist als Keyboard-Version mit einem neuen inhouse entwickelten 49 Tasten umfassenden Keyboard mit polyphonem Aftertouch und einem Ribbon-Controller über die volle Breite der Tastatur sowie als Desktop-Expander mit 24 anschlags- und druckempfindlichen mehrfarbig hinterleuchteten Pads. Mit diesen kann man den Expander auch ohne angeschlossenes Keyboard spielen. Die Bedienoberfläche und die Anschlüsse sind bei Keyboard und Expander nahezu identisch. Beim Keyboard hat die Filter-Sektion zwei Drehregler mehr und der Arpeggiator weist acht Drehregler auf – vier sind beim Expander vorhanden.

Öffnet man die Verpackung, findet man ein gedrucktes Benutzerhandbuch vor – heutzutage eine Seltenheit – für mich ein klarer Pluspunkt. Weiterhin findet man noch das externe Netzteil und Rack-Winkel in den schwarzen Schaumstoffseitenteilen.

Dann schiebt man den Hydrasynth vorsichtig aus seiner Verpackung: ein schwarzes, gefaltetes Metallgehäuse mit markanten Seitenteilen im Design des Jupiter-8. An Anschlüssen findet man eine Stereoklinke für Headphones, Main-Outs L (Mono) und R, zwei Pedalanschlüsse für Sustain und Expression, ein MIDI-Trio (und kein schaltbarer Out/Thru-Kompromiss – sehr gut!), USB-MIDI (class Compliant – ebenfalls sehr gut!) und die Buchse für das externe Netzteil samt Zugentlastung und einen Kensington-Lock.

Der Hydrasynth von hinten – leider sitzt der Netzschalter sehr weit hinten

Dann fällt der Blick auf die Frontplatte und das sehr aufgeräumte

User-Interface des Hydrasynths

Hier merkt man, dass Leute mit Erfahrung an der Entwicklung beteiligt waren. Alles ist klar strukturiert und übersichtlich, es wurden bewährte Bedienkonzepte „zusammengeführt“.

Die Hydrasynth Bedienoberfläche – übersichtlich und aufgeräumt

Links unten findet man die  Module-Select-Section, quasi ein Signalflussdiagramm mit 26 hinterleuchteten Drucktastern. Die Beleuchtung der Taster signalisiert die Aktivität der einzelnen Sektionen und visualisiert auch das Durchfahren der Hüllkurven und die Frequenz der LFOs.

Die Module-Select-Sektion – Auswahl und Status der Klangbausteine

Durch Druck auf einen der Taster der Module-Select-Sektion werden die Parameter des gewählten Moduls in der Master-Control-Sektion bereitgestellt, wo diese dann in Pages zu je 8 Parametern editiert werden können. All das ist klar strukturiert, mit einem Drehregler und Taster pro Parameter, Parameternamen und -werte werden in Klartext in einem großen OLED-Display angezeigt, mit Druck auf die zwei hinterleuchteten Page-Taster rechts neben dem Display geht es weiter zur nächsten Display-Seite, sofern noch weitere Parameter editierbar sind.

Im Display der links neben der Master-Control-Section befindlichen Main-System-Sektion werden zusätzlich Schwingungsformen, Hüllkurven, Filterverläufe etc. graphisch visualisiert. Wird nichts editiert, springt das Display auf eine Scope-Funtion à la Korg Minilogue um und visualisiert die Schwingungsform, die aus dem Mixer kommt. Für Benutzer, die das als zu ablenkend empfinden (und natürlich schaut man öfter auf das Scope als man eigentlich sollte), lässt sich die Scope-Funktion abschalten.

Über den Voice-Button editiert man den Voice-Mode (Mono, Poly, Unison), Glide, Scale, aber auch global klangformende Parameter wie Dichte (im Unison-Modus), Analog-Feel oder den mit dem aktuellen Betriebssystem erhältlichen „Warm Mode“. Weiterhin gelangt man über Druck auf den gleichnamigen Taster in die Mod-Matrix (32 Routings) und kann über Druck auf die Home-Taste jedem Patch 8 Makros zuweisen, wobei ein Makro bis zu 3 Parameter steuert.

Schwingungsformdarstellung in der Main-Control-Section

In der Main-Section findet man im Wesentlichen die Patch-Verwaltung. Nach Druck auf den Browser-Button kann man über den großen Patch-Knob oder mit den 2 Pfeiltastern Patches auswählen. Der Patch-Knob ist mit einem farbigen LED-Ring umrandet. Im Patch-Menü kann jedem Patch eine Farbe zugewiesen werden. So kann man z. B. Kategorien mit Farben betonen. Wer noch weitere Funktionen à la Super-Knob wie im Yamaha Montage erwartet, wird aber enttäuscht. Mehr als Patch wählen kann das einzige Rasterpoti auf der Bedienoberfläche nicht. Kategorien lassen sich den Patches im Übrigen auch zuweisen, daher gibt es auch Kategoriensuche und Patches lassen sich auch als Favoriten ablegen und aufrufen.

Weiterhin befindet sich in der Main-Section das System-Setup und man kann Patches total initialisieren oder einzelnen Modulen oder einem ganzen Patch per Random-Button-Parameter zuweisen. Und es gibt auch exotische Funktionen wie Random-Patch-Selection.

Generell gilt für die Hinterleuchtung der Tasten ein Farbcode. Orange hinterleuchtete Tasten wählen Dinge aus, weiß hinterleuchtete Tasten setzen Aktionen.

Die CV/Gate-Section bietet zwei Modulationseingänge und sendet Pitch, Gate, Clock und zwei Modulationsquellen.

Die Filter-Control-Section bietet über 3 (Desktop) und 5 (Keyboard) Drehregler direkten Zugriff auf die beiden Filter. Zwischen den beiden Filtern kann per Druckknopf hin- und hergeschaltet werden.

Modul-Select-Section, Filter-Control, Arpeggiator-Control

Die ARP-Sektion bietet über 4 (Desktop) und 8 (Keyboard) Drehregler und 4 Taster direkten Zugriff auf den Arpeggiator des Hydrasynths.

Final finden sich noch die eingangs erwähnten 24 anschlagsdynamischen und druckempfindlichen Pads, mit denen man direkt mit dem Expander alleine auch einmal loslegen kann. Zum Triggern von Arpeggios oder Spielen von Chords, Flächen oder Einzelnoten sind die Pads allemal gut geeignet. Über die Druckempfindlichkeit lassen sich Sounds erstaunlich gut modulieren. Schnelle Läufe sind hingegen schwierig. Die Hintergrundbeleuchtung gibt dabei Auskunft über die Notenwerte und Skalierung. Es stehen 16 Skalen zur Auswahl, die Tonart ist einstellbar und die Notenwerte lassen sich auf den Pads chromatisch, als Oktave bzw. Oktavenreihe, aber auch in einem Fret-Mode wie auf Saiteninstrumenten anordnen. In jedem Fall sind die Pads weit mehr als eine Zugabe und in dieser Form ein eigener auf das Hydrasynth Rack zugeschnittener MIDI-Controller. Die Notenwerte der Pads wie auch die CC-Werte der Drehregler und der Arpeggiator lassen sich auf Wunsch über MIDI ausgeben. Mit der neuesten Software-Version lässt sich der Hydrasynth auch über MPE spielen, ich habe das mit einem Seaboard getestet und das funktioniert erstaunlich gut.

Erschlagen von den bisherigen Möglichkeiten? Dann bitte festhalten, es geht weiter zur

Klangerzeugung im Detail

Die Klangerzeugung bietet 8 Stimmen zu 3 Oszillatoren pro Stimme. Die Klangerzeugung ist komplett digital ausgeführt, zur Auswahl stehen Analog-Modeling (OSC 1-3) und Wave-Scan-Synthesis (OSC 1-2). Für die Oszillatoren 1 und 2 stehen 4 sogenannte Mutants bereit, mit denen die Schwingungsformen weiter bearbeitet werden können. Weiterhin steht Ring-Modulation zur Verfügung. Danach gelangt das Signal in den Mixer und durch die zwei Filter und den Amp. Insgesamt stehen fünf Hüllkurven und fünf LFOs zur Verfügung, wobei ENV/LFO 1 fix den Filtern und ENV/LFO2 fix dem AMP zugewiesen sind. Dann läuft das Ganze durch eine umfangreiche Effektsektion aus Pre-FX, Delay, Reverb und Post-FX. Der gesamte Signalpfad ist wie bereits erwähnt in der Module-Select-Section benutzerfreundlich dargestellt, die hinterleuchteten Knöpfe visualisieren dabei auch, welche Klangbausteine gerade aktiv sind.

Die Oszillatoren des Wavemorphing-Synthesizers

Prinzipiell stehen zwei Klangerzeugungen zur Verfügung. Single-Mode mit einer Auswahl aus 219 Schwingungsformen oder Wave Scan Mode. Hier können 8 aus den 219 Schwingungsformen in einer Schwingungsformliste abgelegt werden. Mittels einer Modulationsquelle (z. B. ein LFO) kann dann durch Änderung des Wavescan-Parameters durch diese Schwingungsformen gemorpht werden.

Die Mutanten

Die vier Mutanten stehen in Paaren für Oszillator 1 und 2 zur Verfügung, wobei ein Mutant auch in den nächsten weitergeleitet werden kann. Es stehen folgende Mutanten zur Verfügung:

  • FM (2 Operatoren), wobei jede der 219 Schwingungsformen als Carrier und Modulator gewählt werden können, als Source sind aber auch Sinus und Dreieck vom Mutanten selbst, andere Mutanten, Ring Mod, Noise und die zwei CV-Inputs möglich.
  • Wavestack: generiert 5 verstimmte Kopien der Schwingungsformen des Oszillators
  • OSC Sync: Traditioneller OSC Synth, aber mit allen 219 Schwingungsformen in jeder Position, jeder der 3 Oszillatoren kann als Quelle herangezogen werden.
  • PWM Orig: Pulsbreitenmodulation klassisch
  • PWM Sqeez: Verschiebt Start- und Endpunkt des Oszillators im Schwingungsformdurchlauf
  • PW-ASM: Teilt die Schwingungsform in 8 Teile und erlaubt das Modifizieren der 8 Teile der Ursprungsschwingungsform zu einer neuen Modulatorschwingungsform, wobei jeder Warp Punkt ein Ziel der Mod-Matrix sein kann.
  • Harmonic: Damit können harmonische Obertöne in der Schwingungsform angehoben und abgesenkt werden.
  • Ring Noise: Noise Types White, Pink & Brown.

Der Mixer

Im Mixer können Level, Pan, Filter Ratio für die zwei Filter, Pan für Ring-Modulator und Noise-Generator, Filter-Ratio für Ring-Modulator und Noise-Generator und das Filter-Routing eingestellt werden. Auch lassen sich einzelne Quellen solo schalten, was im Editierprozess ein nicht zu unterschätzendes Feature darstellt.

Die Filter

Im Hydrasynth verrichten zwei digitale Filter ihren Dienst. Diese können in Serie oder parallel geschaltet werden. Filter 1 bietet 11 Filtermodelle, die sich mit Ausnahme des Vocal-Formant-Filters alle an analoge Vorbilder anlehnen und nach meinem Geschmack sehr gut klingen. Es gibt 12 dB und 24 dB Ladder-Filter in zwei Versionen, wobei bei der unkompensierten Variante erhöhte Resonanz die Bässe ausdünnt und bei der „FAT“-Variante dieser Effekt nicht auftritt. Weiterhin gibt es ein LP-Gate, ein MS20 LP und HP, ein LP, BP und HP mit „boutique modular flavour“ und das erwähnte Vocal-Formant-Filter. Für extra Wärme sorgt ein Drive-Parameter.

Filter 2 simuliert als Ergänzung zu Filter 1 ein klassisches 2-Pol-Filter, mit dem Morph-Parameter kann die Filtercharakteristik stufenlos von HP über LP zu BP bewegt werden.

Die Hüllkurven

Fünf an der Zahl, alle ADSR mit zusätzlichen Delay- und Hold-Abschnitten, also genaugenommen DAHDSR. Die Hüllkurven können zur Clock synchronisiert werden oder frei laufen und sind loopbar. ENV 1 und 2 sind „vorverkabelt“ zu den Filtern und zum AMP. Die Attack-, Decay- und Release-Kurvenabschnitte können logarithmisch, linear oder exponentiell verlaufen. Auch praktisch: Hüllkurven und Modulationszuweisungen können mit Copy/Paste übertragen werden.

Die LFOs

Ebenfalls 5 an der Zahl weisen auch die LFOs einige Besonderheiten auf: Neben stattlichen 11 möglichen Schwingungsformen und Raten von 0,02 bis 150 Hz weisen sie Delay und Fade-in und einen frei definierbaren Startpunkt auf. Der LFO kann im Polymode, Singlemode (retrigger) oder im Freerun betrieben werden. Weiterhin gibt es noch die Möglichkeiten, Schwingungsformen zu glätten oder im speziellen STEP-LFO jeden der acht Steps der Schwingung einzeln zu bearbeiten.

Wie auch bei den Hüllkurven sind LFO 1 und 2 bereits zugewiesen und es lassen sich LFO-Settings und Routings per Copy/Paste übertragen.

Die Pre- and Post-FX

Die Pre- und Post-FX unterscheiden sich nur in ihrer Lage im Signalpfad, einmal vor Delay und Reverb, einmal danach geschaltet. Die FX und Parameter sind identisch, folgende FX stehen zur Verfügung: Bypass, Chorus, Flanger, Rotary, LO-FI, Tremolo, EQ und Kompressor.

Die Makros

Die Homepage wird durch Druck auf den unübersehbaren Home-Button aufgerufen, dort können dem Patch acht Macros zugeordnet werden, um den Klang in der Performance schnell verbiegen und anpassen zu können. Jedes Macro ist einem Drehregler zugeordnet und lässt sich mit 125 vordefinierten Namen benennen. Jedem Macro können bis zu drei Parameter samt Intensität der Parameteränderung zugewiesen werden. Neben den Potis können auch die acht Buttons belegt werden, ihnen können fixe Parameterwerte zugewiesen werden oder sie können den am Knob eingestellten Wert triggern oder auch resetten. So lassen sich Klänge in der Performance von sanft bis drastisch in Echtzeit manipulieren.

Der Arpeggiator

Der Arpeggiator des Hydrasynth ist weit mehr als eine Zugabe. Er ist ein ausgewachsener ARP mit umfangreicher Echtzeitsteuerung, der über die Hüllkurven und LFOs moduliert werden kann und als Gustostückerl die Notenwerte auch über MIDI oder CV/Gate rausschicken kann. Er lässt sich zur internen oder externen Clock synchronisieren. Es gibt fünf grundlegende Octave-Abspielmuster, die in sieben Modes durchlaufen werden. Dabei lassen sich Notenwert, Länge und Swing per Regler einstellen. Weiterhin können Events per Tap getriggert werden, es gibt einen Phrase-Mode und mit Ratchet und Chance lassen sich die Pattern weiter verwursten.

Die Modmatrix

In der Modmatrix zuletzt lassen sich bis zu 32 Modulationsziele und Modulationsquellen verknüpfen. Als Quellen lassen sich die Hüllkurven, LFOs, Aftertouch, Keytrack, Velocity, Wheel, Ribbon (nur Keyboard), Expression-Pedal, CV-Mod-In und MIDI-CC 000-127 wählen. Moduliert werden kann damit der ARP, die Oszillatoren, die vier Mutatoren, der Ring-Modulator, der Mixer, die Filter, die Amp-Section, alle vier FX-Sektionen, die Hüllkurven, die LFOs, die Depth-Parameter der Mod-Matrix selbst, CV-Mod 1 und 2 Outund MIDI-CV 000-127 – das lässt manches Modularsystem alt aussehen.

Wie klingt der Hydrasynth

denn nun eigentlich? Wie aufgrund der Fülle an Möglichkeiten, die in dieses Rack hineingequetscht wurden zu erwarten, kann der Hydrasynth eine breite Palette an Sounds abdecken. Sein Grundcharakter ist eher kühl, digital, kann aber mit dem Analog-Feel-Parameter und dem Warm-Mode auch in wärmere Gefilde gesteuert werden. Dank der Schwingungsformauswahl und der umfangreichen Filtermodelle kann er klassisch analoge, PPG-drahtige, Synclavier FM-artige Klänge, DX7 Pianos und Bässe, knackig Perkussives und animierte Flächen. Der ARP mit der genialen Ratchet-Funktion zaubert sehr lebendige Patterns, mit den Makros lassen sich in Echtzeit Klänge nach Herzenslust verwursten oder für den jeweiligen Klang essentielle Parameter zum Direktzugriff auf die Benutzeroberfläche holen.

Die mit der neuen Firmware-Version 1.3 mitgelieferte Bank mit 128 neuen Sounds bringt Patches mit breitem, offenem und generell wärmerem Sound. Die 32 Speicherplätze für Favorite-Sounds waren jedenfalls schnell gefüllt. Es gibt da schon einige Gänsehaut-Kandidaten. Für die Verwaltung von Patches ist übrigens auf der ASM- Homepage ein Bank-Manager für Windows und MAC downloadbar.

Den Hydrasynth gibt es auch als Keyboard

Zusammengefasst

Wie man am Umfang der Beschreibung der Bedienoberfläche und der Aufzählung der Synthesemöglichkeiten sieht, bekommt man hier extrem viel Synthesizer für sein Geld.

Die Hardware ist wertig. Gut, die hinterleuchteten Buttons könnten einen etwas definierteren Druckpunkt haben und das prominente Rasterpoti zur Programmwahl kann eben nur das und es ist schade, dass es nicht auch zur Parametereingabe verwendet werden kann, gerade weil es hochwertig und präzise ist. Und wenn ich schon am Nörgeln bei sehr hohem Niveau bin, der Netzschalter sitzt aufgrund der abgewinkelten Form des Pultgehäuses dermaßen weit hinten, dass er nur sehr schwer zu erreichen ist, man muss das Rack zum Ausschalten anheben. Freunde von fix verbauten Geräten im Studio werden damit keine Freude haben.

So, das war es jetzt aber mit den Minuspunkten. Das Arbeiten mit dem Hydrasynth ist das reinste Vergnügen. Bewährte Konzepte der Vergangenheit wurden übernommen, weitergedacht und sinnvoll ergänzt. Manches erinnert an den Oberheim Xpander, die geniale Module-Select-Funktion hat man in dieser Form bei Roland schon einmal im Ansatz so gesehen. Aber hier wurde alles noch weitergedacht und optimiert. Wenn mir hier überhaupt noch etwas abgeht, dann wäre es maximal noch ein Sequencer, der auch Parameterwerte aufzeichnen kann. Da aber die Reglerbewegungen als CC über MIDI gesendet werden können, kann das ja eine DAW übernehmen.

Die Macro-Funktion erlaubt gezielt Parametergruppen für Echtzeit-Performance zusammenzufassen, die Anzahl an LFOs und Hüllkurven ist überdurchschnittlich und trotzdem sinnvoll, da die Modulationsmatrix sehr umfangreich ausgefallen ist und nahezu jeder Parameter angesteuert werden kann. Dazu gibt es umfangreiche Verbindungen über MIDI und CV.

Der Grundklang der digitalen Oszillatoren ist gut, die 219 Schwingungsformen stellen eine breite Klangpalette zur Verfügung, darunter auch einige sehr interessante  Schwingungsformen. Die Filtermodelle decken ebenfalls eine breite Palette ab, klingen und verhalten sich authentisch. Mit dem Wavescan-Mode und den umfangreichen Modulationsmöglichkeiten lassen sich sehr lebendige und bewegte Klänge erzeugen, Sounddesigner und Experimentierfreudige kommen hier auf ihre Kosten. Die Mutants sind ein geniales Konzept klassische Synthesefunktionen wie FM, Osc-Sync, PWM und neue erweiterte Varianten davon als Module – wie in einem Modularsystem – nachzuschalten. Da es ja ein rein digitales Instrument ist, kommen da ja vielleicht in Zukunft noch weitere Bausteine dazu, wie auch neue Filtermodelle, mehr Makros, zusätzliche Effekte möglich sind.

Der Hydrasynth on YouTube

Fazit

Der Hydrasynth ist eine Bereicherung für jedes Synthesizr-Setup. ASM Sound Machines legt hier ein erstaunliches Erstlingsprodukt vor. Als Einsteiger-Synth ist er wahrscheinlich zu überladen und trotz der sehr übersichtlichen Bedienoberfläche komplex, aber allen anderen kann ich ein Probespielen und vor allem Probeschrauben nur wärmstens ans Herz legen – obwohl – wärmstens trifft den Hyrasynth dann doch nicht ganz.

Plus

  • Bedienoberfläche
  • Klang
  • Modulationsmöglichkeiten
  • Arpeggiator
  • Effekte
  • Preis (Expander)
  • MIDI Thru, MPE ansteuerbar
  • gedrucktes Handbuch

Minus

  • Netzschalter bei Rack-Einbau nicht zugänglich

Preis

  • Tastaturversion: 1399,- Euro
  • Desktop-Version: 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Henrik Fisch  

    Mit Blick auf das Gehäuse hätte ich ja als Minuspunkt aufgeführt:

    — Netzschalter generell schlecht und bei Rack-Einbau gar nicht zugänglich

    Für mich sieht es so aus, als müsse man das Gehäuse, so es denn auf dem Tisch stünde, immer anheben und irgendwie links darunter greifen, um fummelig an den Netzschalter heran zu kommen.

    EUR 899,00 ist aber echt eine Hausnummer für so ein Gerät.

    • Profilbild
      toneup  RED

      Fummelig trifft es leider sehr gut. Dabei geht die „Stufe“ im gekanteten Gehäuse ja nicht über die volle Breite. Der Schalter könnte also sehr wohl besser zugänglich sein, wenn es denn hinten sein muß. Auf der Bedienoberfläche wäre auch genug Platz. (Stichwort Rackeinbau). So ist der Schalter halt auf der I/O Platine, das ist von der Verarbeitung und vom Kostenfaktor (Stichwort Preisklasse) eben günstiger.

      • Profilbild
        Chromengel  

        Kann es denn so teuer sein, den Ein-/Aus-Schalter direkt unter den Lautstärkenregler zu platzieren? So weit weg vom jetztigen Standort ist das doch gar nicht…..

        • Profilbild
          toneup  RED

          Nein, ich glaube die Erklärung ist simpler, wenn man sich die Rückseite der Keyboardversion ansieht, sieht man, das die Lage aller Anschlüsse zueinander ident ist. Da liegt die Vermutung nahe , das in Keyboard und Rack das selbe I/O Board verbaut ist. Und beim Keyboard ist die Lage auch „klassisch“ , also ergonomisch wie üblich. Produktionstechnisch macht das also Sinn, benutzerfreundlich ist anders.

  2. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Ach wie schön, in den Soundbeispielen hört man viel 80/90er Flair heraus. Gefällt mir. Schade, dass kein StepSequencer und Parameter-Locks (abseits der DAW) drin sind. Aber der Preis ist sehr ordentlich.

    So langsam muss Amazona mal über ein Digital-Synth-Battle nachdenken, z.B. mit Novation Summit/Peak, Modal Argon8, Korg Wavestate unter anderem im Vergleich. :-)))

    • Profilbild
      ryde

      Super Idee! Bitte, bitte Amazona! Mein nächster wird auch digital, auf der Liste stehen derzeit in der Tat Hydrasynth, Argon8 und Wavestate …

      • Profilbild
        Wasserspeier

        Ziehe eine Nummer :-)
        Auch bei mir wird es einer von Hydrasynth, Argon8 oder Wavestate.
        Oder es wird ein Argon8 + Wavestate für zusammen 1450 Euro.
        Das entspricht ungefähr den 1400 Euro des Hydrasynths.

  3. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Das User-Interface erinnert mich z.T. an das Novation SL Mk. III Master-Keyboard, das ich schon sehr gelungen fand. Damit ist die Bedienung eines digitalen Synthesizers sehr übersichtlich; fast wie beim Analogen. Allerdings ist die Keyboard-Version mit 1399,-€ fast doppelt so teuer wie ein Argon8X mit seinen 749,-€, der zudem noch eine 5-Oktaven-Tastatur bietet.

    • Profilbild
      index  

      …der Hydrasynth hat in jedem Punkt mehr Features als der Argon…der Hall im Argon ist auch nicht so gut. Ich finde die Poly-Aftertouch Tastatur und der Ribbon Controller sollten bei so einem Vergleich erwähnt werden…
      Ich bin seit Montag übrigens Besitzer des Argon 8 (kleine Tastatur) , der Hydrasynth wird sich definitiv dazugesellen. Ich bin auch besonders darauf gespannt z.B.die U-He Plugins mit einer PolyAT Tastatur des Hydrasynths zu spielen….

    • Profilbild
      toneup  RED

      Für den Hydrasynth Rack sind 5 HE einzuplanen. Die Rackwinkel sind übrigens mit im Karton und müssen nicht extra gekauft werden. Die von mir im Test kritisierte Bauform mit dem tief liegenden Anschlüssen ermöglicht beim Rackeinbau direkt über dem Hydrasynth das nächste Gerät einzubauen, da die Kabel auch ohne Verwendung von Winkelsteckern nicht über das Gehäuse ragen. Jetzt noch der Ein-Aus Schalter auf die Frontplatte und es wäre perfekt.

      • Profilbild
        Seancool[Music]

        Sehr interessant. Vielen Dank für die Ausführung und die Antwort. Mein Deepmind im Rack hat auch etwas tiefer gelegene Anschlüsse aber leider muss man 1 HE Platz lassen für das nächste Gerät.

  4. Profilbild
    tonvibration  

    Danke für den Test. Schon irgendwie ein cooler Synthi.
    Bei 8 Stimmen digital denke ich immer – hä? hatten da nicht die digitalen der 90er schon mehr voices? Aber naja, nicht dass ich 8-stimmig spielen würde ;) …nur bei überlappenden Pads kann man da schon mal in die Begrenzung kommen. Aber das gesamte Ding, der polyphone Aftertouch zur Flächenmodulation und der Ribbon Controller*…sehr ansprechend :))
    *[für mich wäre es dann schon eher die Keyboardversion]

  5. Profilbild
    hejasa  AHU

    Wirklich interessanter und toll klingender Synth, habe ihn in meine shall buy Liste aufgenommen. Vor allem auch wegen der CV und Gate Ein- und Ausgänge, die ich für mein Eurorack immer begrüße.

  6. Profilbild
    chris  

    Bei ASM muss ich immer an den Aktuellen Software Markt denken.
    Auf dieses Computerspieleheft habe ich jedesmal sehnsüchtig gewartet in den 80ern.
    Das gab es bei uns an der Trinkhalle um die Ecke.

    Aber zum Thema…

    Was genau bewirkt denn die Ratchet Funktion beim Arpeggiator?

    • Profilbild
      toneup  RED

      Hallo, bei mir hieß die Einstiegsdroge „Happy Computer“

      Aber zum Thema …

      die Ratchet Funktion des ASM ermöglicht es einen Arpeggiator Step weiter in Substeps aufzuteilen, und zwar in 1,2, 4 oder 8. Die Lebendigkeit erhöht dabei der Chance Parameter (0-100) der die Möglichkeit einstellt, ob die Substeps beim jeweiligen Durchlauf getriggert werden oder nicht.

      Und darüber hinaus sind folgende Parameter des ARP auch Modulationsziele – Mode, TimeDiv, Swing, Gate, Range, OctMode, Length, Phrase, Ratchet, Chance.

      Diese können von LFO, Envelopes, Aftertouch, Velocity, Wheel, Ribbon, CV, Pedal, MPE und Midi CC moduliert werden.
      Die Möglichkeiten sind also SEHR umfangreich.

      • Profilbild
        chris  

        Danke für die Ratchet Erklärung!
        Gestern habe ich mir die Keyboard Version bestellt.😀

        Jau, Happy Computer,
        hatten die nicht immer Listings zum abtippen in BASIC?

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.