Test: Fred‘s Lab Buzzzy! 1.21, polyphoner Synthesizer

5. Februar 2020

Preiswerter polyphoner Digitalsynthesizer

Fred's Lab Buzzy!

Fred’s Lab Buzzy!

Fred‘s Lab Buzzzy! ist ein Projekt von Frédéric Meslin, der in der Vergangenheit u. a. für Arturia gearbeitet hat, dort als Entwicklungsleiter des MiniBrute 2. Inzwischen wohnt der sympathische Entwickler in Bonn und so war es natürlich klar, dass man sich mal treffen sollte, um über den kleinen polyphonen Synthesizer zu sprechen.

Frédéric Meslin hatte bereits eine erfolgreiche KickStarter-Kampange und so kam nun auch dieses Gerät so gut an, dass es auch tatsächlich umgesetzt werden konnte. Was ist nun Fred‘s Lab Buzzzy! genau?

Die Synthesizer Hardware

Das Ganze läuft zunächst auf einem STM-Prozessor mit integriertem DSP und trumpft mit einer Latenz von unterhalb von 0,5 ms auf. Neben dem USB-Eingang, der sowohl MIDI-Daten überträgt, als auch zur Stromversorgung dient, besitzt der Fred‘s Lab Buzzzy! auch noch einen DIN-MIDI-Eingang, allerdings kein Out oder Thru. Es ist aber über USB sehr wohl möglich, Sysex-Dumps zu senden und zu empfangen. Ebenso werden alle Controller-Bewegungen als MIDI-CC ausgegeben, so dass man erstens Automationen aufnehmen kann und Fred‘s Lab Buzzzy! auch als kleinen MIDI-Controller nutzen kann. Welcher Parameter welchen MIDI-CC versteht, kann man dem englischen PDF entnehmen, das ausführlich auf alle Funktionen eingeht; am Ende gibt es sogar noch die Schaltpläne und eine Liste der genutzten Bauteile (BOM).

Das Gerät selber besteht aus einem geleimten Holzgehäuse mit einer Frontplatte aus Aluminium, vier verschraubte Gummifüße sorgen für einen sicheren Stand, was bei diesem geringen Gewicht (Buzzzy! wiegt nicht mal 300 g) erstaunlich ist. Die Maße von 5,5 x 15 x 6,5 cm qualifizieren den Fred‘s Lab Buzzzy! tatsächlich als „Pocket Synth“ – obwohl ein direkte Batteriebetrieb nicht vorgesehen ist, kann man natürlich eine Power-Bank über den USB-Anschluss nutzen.

Als Audioausgang gibt es ein Stereopärchen in 6,3 mm Klinkenbuchsenausführung und noch einen 3,5 mm Kopfhörerausgang. Fred‘s Lab Buzzzy! nutzt 256-faches Software-Oversampling für die Pulse- und die Wave-Engine und bietet eine Audioauflösung von 48 kHz bei 24 Bit, bei einer gemessenen SNR von 100 dB.

Die komplette Bedienung geschieht über acht Micro-Buttons und vier Potentiometer zum Einstellen der Werte. Zurzeit gibt es noch kein Abholen der Parameter, wenn man von einem Part auf den nächsten geht, das könnte aber in Zukunft noch als Option kommen.

Die Grundfunktionen des Fred’s Lab Buzzzy!

Fred‘s Lab Buzzzy! ist ein 16-fach polyphoner digitaler Synthesizer, der 4-fach multitimbral ist. Es können also vier Sounds unabhängig voneinander eingestellt und über verschiedene MIDI-Kanäle angesprochen werden. Jeder Part besitzt dabei eine kleine Effektsektion, die entweder aus Reverb oder aus Delay bestehen kann. Da hier zudem moduliert werden kann, ergeben sich auch Chorus- und Flanger-artige Klänge.

Jeder der vier Parts kann eine von vier Engines – oder sagen wir besser Oszillatormodellen – beherbergen. Die Engines sind: Pulse, FM, Wave und Noise. Bei einem so kleinen Synthesizer war kaum zu erwarten, dass man jedes Oszillatormodell in feinen Details verstellen kann. Es gibt allerdings eine Shift-Funktion, mit der verschiedene Variationen innerhalb der Oszillatormodelle abgerufen werden können; das werden wir später noch genau beleuchten.

Neben dem Oszillator gibt es eben noch eine AD-Hüllkurve (für Perkussives), die aber auch wahlweise als AHD-Hüllkurve genutzt werden kann. Ebenso optional ist die Nutzung der MIDI-Velocity zur Lautstärkeregelung des Parts. Es gibt übrigens keine Gesamtlautstärke, jeder Part muss einzeln über den LEVEL- und den PAN-Regler eingestellt werden.

Ein Arpeggiator darf natürlich nicht fehlen und so ist auch einer an Bord des Fred‘s Lab Buzzzy!. Er läuft entweder von sich aus oder synchronisiert sofort zu einer MIDI-Clock, wenn diese über USB- oder DIN-MIDI empfangen wird. Auch der Arpeggiator ist sehr einfach gehalten. Er kann acht verschiedene Notenwerte einnehmen: 1/1, ½, 1/8 punktiert, ¼, ¼ Triole, 1/8, 1/8 Triole und 1/16. Über Gate length stellt man eben die Haltezeit einer Note ein.

Unter der Option Pattern verbergen sich allerdings keine verschiedenen Up/Down-Einstellungen, sondern lediglich ein Note-Repeat. Steht dieser beispielsweise auf 2, so wird die erste Note des Arpeggios einfach zweimal gespielt und dann die zweite auch zweimal etc. Hier ist also insgesamt nicht viel Spannendes zu erwarten. In Kombination mit den Delay-Effekten lassen sich dennoch interessante Ergebnisse erzielen. Trotzdem hätte ich mir hier eine detailliertere Arpeggio-Sektion gewünscht.

Fred's Lab Buzzy!

Die Platine des Fred’s Lab Buzzy!

Abgespeichert wird über die Bank-Buttons. Man kann nur vier Setups im Fred‘s Lab Buzzzy! speichern. Ein Setup enthält dabei die Einstellungen für alle vier Parts. Archiviert werden können die Setups über Sysex-Dumps.

Die Effekte und das Filter

Kommen wir zu den Effekten. Bis jetzt war ja noch nicht von einem Filter die Rede. Dieses „verbirgt“ sich in der Effektsektion und kann als resonanzfähiger LP, BP und HP mit einer Flanke von 24 dB/Oktave aufwarten. Hier kommt eine der größten Einschränkungen in der Bedienung des Fred‘s Lab Buzzzy! zum Tragen: Ist das Filter aktiviert, kann man weder die Reverb- noch die Delay Parameter editieren. Dazu muss man zunächst das Filter ausschalten.

Obacht – das heißt nicht, dass Filter und Hall-Effekte nicht gleichzeitig aktiv sein können! Es heißt einfach, dass die Editierung des Filters Vorrang hat. Zusätzlich dazu gibt es noch einen LFO, der synchron zum Arpeggiator läuft. Hält man den Filter-Button und bewegt das Poti von der 12-Uhr-Position nach links, so gibt es langsame LFO-Schwingungen, dreht man es nach rechts, so gibt es schnellere. Die Position bestimmt auch gleichzeitig die Amplitude des LFOs – bei so einem Minisynth muss man einfach Kompromisse eingehen.

Alles kann per MID-CC Automatisiert werden

Alles kann per MID-CC Automatisiert werden

Reverb und Delay des Fred‘s Lab Buzzzy! bieten teilweise das Gleiche, es gibt nur verschiedenen Algorithmen für beide Anwendungszwecke. Die Delay-Zeit kann man so kurz einstellen, dass Kammfiltereffekte genutzt werden können. Beim Reverb sollte man keine beeindruckenden Hallräume erwarten, er ist eher dafür geeignet, dem Sound etwas Ambience zu geben. Erhöht man nämlich die Reverb-Zeit, so kommen lediglich die einzelnen Echo-Komponenten zum Vorschein. Die eigentliche Länge wird über Depth eingestellt.

  • Der Space FX bietet drei Programme: Fort, Reservoir und Abyss.
  • Der Delay-FX bietet die Programme: Mono, Ping-Pong und ChorusFlanger.
  • Eine zusätzlich Einschränkung ist, dass pro Part immer nur einer dieser Raum-Effekte aktiv sein kann.

Die Oszillatormodelle des Synthesizers

Vier verschiedene gibt es davon. Das wohl einfachste ist Pulse – eine einfache Pulsschwingung, die über den Wave-Regler in 16 verschiedenen Variationen aufgerufen werden kann.

Hier die Variationen der FM-Oszillatormodells.

Die Variationen des Wave-Oszillatormodells.

Und schließlich das Noise-Oszillatormodell.

Die Sounds des Fred‘s Lab Buzzzy! decken schon eine ordentliche Bandbreite ab und klingen aufgrund von Anti-Aliasing auch eben nicht nach 8 Bit Sounds. Sie tönen klar und sauber aus den Boxen. Ausnahme ist hier die Noise-Sektion, die erinnert mich doch schon eher an 80er Jump‘n‘Run. Das liegt vor allem am Bandpassfilter, das dem Rauschen eine spielbare Tonhöhe verleiht. Auch bei den FM-Sounds kann man an der einen oder anderen Stelle Aliasing heraushören.

Bei den Variationen finden sich statische Waves, z. B. „Pulse with 25.00% PW ratio“ oder modulierende, z. B. „Square with slow 87.50% PWM“, bei der eine Pulsbreitenmodulation zu hören ist. Leider kann man diese Modulation in keiner Weise ändern. Allerdings finde ich auch, dass die meisten Use-Cases mit dem gebotenen abzudecken sind.

Bedienung des Desktop Synths

Wie man anhand der recht umfänglichen Ausstattung sehen kann, wird man mit den Potis und Mini-Buttons kaum umhinkommen, Parameter mit Kombinationen von Button-Betätigung und Poti-Bewegung zu verstellen. Hinweise auf diese Kombinationen sind auf der Frontplatte des Fred‘s Lab Buzzzy! aufgedruckt, jedoch nicht immer unbedingt explizit vermerkt. Möchte man etwas am Arpeggio verstellen, muss man dabei den ARP-Button gedrückt halten. Die Funktionen in der grauen Leiste unterhalb der Potis sind dann über den optisch damit verbundenen Button erreichbar.

Die genaue Liste der Oszillator-Variationen der Effekt-Engines sind allerdings nicht vermerkt – die wird man aber sehr wahrscheinlich sowieso per Gehör einstellen. Die Unterteilung in die vier Oszillatormodelle finde ich ausreichend, um schnell zum gewünschten Timbre zu gelangen. Ich fand die Doppelbelegungen anfangs etwas mühselig, nach einiger Zeit am Gerät gehen sie jedoch schnell von der Hand, da sie allesamt auch logisch nachvollziehbar sind.

Wirklich unpraktisch finde ich jedoch die Einschränkung, dass die FX nicht editiert werden können, wenn das Filter aktiv ist – das ist dem Entwickler auch bewusst und es wird schon nach einer besseren Lösung gesucht. Überhaupt ist Frédéric Meslin dankbar für Anregungen, Ideen und konstruktive Kritiken um den Buzzzy! weiter zu verbessern. Das Update geschieht über eine einfache Upload-Software und da alles digital ist, kann (im Rahmen der Möglichkeiten der CPU) noch einiges passieren.

Apropos CPU: Der Fred‘s Lab Buzzzy! ist zwar nominell insgesamt 16-stimmig, wenn aber Effekte auf vielen Parts walten, kann es schon mal sein, dass eine Stimme abgezwackt werden muss, da die Rechenpower eben für die FX (hier ist besonders Abyss sehr anspruchsvoll) genutzt werden muss. Im Betrieb sind mir aber keine gravierenden Noten-Drops aufgefallen – man muss sich halt der Limitationen bewusst sein und entsprechend agieren. Ganze Lieder nur mit dem Buzzzy!? Das geht durchaus und macht, gerade wegen der Limitationen, sogar Spaß. Vor allem darf man nicht vergessen: Man kann jeden der vier Parts über einen eigenen MIDI-Kanal komplett fernsteuern, so dass hier bewährte Tricks wie Waveform-Switching zum Einsatz kommen können. So kann aus einer Voice eine komplette Rhythmusspur werden, indem man Noise und Wave-Oszillatoren abwechselt.

Die Klangbeispiele wurden alle direkt ohne weitere Nachbearbeitung in den Rechner aufgenommen. Der Sound ist also Buzzzy! pur.

Fazit

Das hat mir am meisten am Fred‘s Lab Buzzzy! Spaß gemacht: zu sehen, wohin man mit begrenzten Mitteln kommen kann. Ich möchte sagen, Fred‘s Lab Buzzzy! ist kein Spielzeug und kein Gimmick. Man kann damit wirklich komplette Tracks machen. Der Gesamtklang ist dabei ziemlich klar und digital nüchtern, durch Kombinationen von Filter, FX und Parameterfahrten ist aber eine klangliche Tiefe gegeben, die den Fred‘s Lab Buzzzy! für lange Zeit interessant machen. Für den Preis von 239,- Euro bekommt man eine Menge Synthesizer, an dem man lange seine Freude haben wird.

Plus

  • 4-fach multitimbral
  • 16 Stimmen werden dynamisch verteilt
  • deckt trotz Einschränkungen eine breite Klangpalette ab
  • komplett MIDI-CC-steuerbar
  • Oszillatormodelle on-the-fly umstellbar
  • auch als MIDI-Controller nutzbar
  • niedrige Latenz (< 0.5ms)

Minus

  • Delay und Reverb nur bei deaktiviertem Filter verstellbar
  • einige Doppelbelegungen
  • Abyss-Reverb verbraucht viel CPU
  • teilweise Aliasing bei der FM-Engine

Preis

  • 239,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Maximilian  

    Wäre vielleicht noch gut zu erwähnen, dass es sich (richtig) um einen digitalen polyphonen Synthesizer handelt, der aber (das fehlte) lofi/chiptune sounds erzeugt.

    Ich hatte von der Headline und Einleitung des Artikels eher etwas in Richtung Micromonsta oder Skulpt erwartet.

    Der Reverb hört sich übrigens gut an, das passt zum Konzept.

  2. Profilbild
    Numitron  AHU

    Sehr schön, erinnert mich stark an sidchip und fmchips. Multitimbrale synths sind leider sehr selten geworden.

  3. Profilbild
    teletom

    Ich habe den Buzzzy! aus dem Kickstarter-Projekt und kann nur bestätigen das der echt Spass macht. Die Klangbeispiele sind aber nicht ganz repräsentativ, der Buzzzy! kann auch sehr edel klingen (da fehlen Beispiele). Ich ziehe den Hut, derartige LoFi-Sounds habe ich mit dem Buzzzy! noch gar nicht hinbekommen :-)

    @Maximilian: Mit Micromonsta und Skulpt geht auch sehr viel in Richtung LoFi/Chiptunes (ich hab‘ alle drei) …

    Via externem Controller lassen sich die FX auch bei eingeschaltetem Filter steuern (geht nur am Buzzzy! selbst nicht). Leider lässt sich (mit der aktuellen Firmware) Midi-Clock nicht konfigurieren (intern/extern). Das läuft z.Zt. nur automatisch, bei externer Clock wird diese verwendet. In der Praxis ist auch die Patchspeicherung unpraktisch, es gibt nur Multis. Man kann also keinen einzelnen Sound auswählen, immer nur als Multi.

    Ich war schon in Kontakt mit Fred, mal schauen was da noch an Firmwareupdates kommt …

    Ein netter, kleiner Synth mit einem anderen Konzept und einem tollen Sound!

    Gruß
    Thomas

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