Test: Audient Nero, Monitor-Controller

26. August 2019

Flexibler Monitor-Controller mit vielen Ein- und Ausgängen

audient nero

Audient Nero, Monitor-Controller

Nachdem der Hersteller Audient viele Jahre vor allem im Bereich der großen Konsolen und Mischpulte aktiv war, haben sich die Briten in der näheren Vergangenheit eher den Desktop-Geräten gewidmet. Nach mehreren kleinen bis mittelgroßen Audiointerfaces wie dem iD4, iD14, iD22 und iD44 sowie dem Modeling-Interface Sono folgt nun der Monitor-Controller Nero. Was in diesem steckt und wie er sich im Studioalltag macht, erfahrt ihr im folgenden Test.

Ausstattung des Audient Nero

Einen ganz schönen Klotz muss man da aus der Verpackung holen, wenn man den Nero sein Eigen nennt. Stolze 2,2 kg bringt der mit den Maßen 320 x 180 x 100 mm daherkommende Monitor-Controller auf die Waage. Verarbeitungstechnisch findet man bei Audient selten Kunststoffgehäuse und da macht der Nero glücklicherweise auch keine Ausnahme.

Audient Nero

In einem stabilen rechteckigen Metallgehäuse samt nach vorne geneigter Bedienoberfläche hat Audient seinen ersten Monitor-Controller untergebracht. Der aus zwei miteinander verschraubten Hälften bestehende Controller ist sauber gefertigt, alle Schrauben sind in das Gehäuse eingelassen und auf der Unterseite schützen vier kleine schwarze Gumminoppen vor dem Zerkratzen der Arbeitsfläche. Der erste Eindruck ist somit äußerst positiv, haptisch eine glatte Eins.

Die Bedienoberfläche des Neros ist klar gegliedert, bereits nach den ersten Blicken hat man die Aufteilung verstanden. Links befindet sich die Eingangssektion des Controllers. Mit Hilfe der vier weißen Buttons CUE, ALT, SRC2 und SRC1 wählt man den gewünschten Eingangskanal aus, die Beschriftungen korrespondieren natürlich mit den rückseitigen Anschlüssen. Drei der möglichen Eingangsoptionen (CUE, SRC1, SRC2) bieten rückseitig jeweils ein Stereo-Pärchen Klinkenbuchsen.

Der ALT-Eingang ist da flexibler, bietet er doch je nach einzuspeisendem Signal die Anschlussmöglichkeit für 3,5 mm Klinke, Stereo-Pärchen Cinch, S/PDIF optisch und koaxial. Nur einer dieser vier Möglichkeiten kann simultan genutzt werden. Welcher, entscheidet der Button ALT INPUT. Sollte am S/PDIF-Eingang ein nicht zulässiges Signal anliegen, blinkt die OPT-LED, eine gute optische Kontrolle. Der darüber liegende Drehregler steuert die Eingangsempfindlichkeit des AUX-Eingangs.

Darunter befindet sich die Talkback-Einheit. Der Audient Nero verfügt über ein internes Talkback-Mikrofon, auf Wunsch lässt sich aber auch ein externes Mikrofon anschließen. Dieses kann sogar mit +48 Volt Phantomspeisung versorgt werden. Neben der rückseitigen XLR-Buchse für das Mikrofon befindet sich ein Schalter, der von intern auf extern wechselt, die dritte Stellung aktiviert die Phantomspeisung.

Audient Nero

In der Mitte der Bedienoberfläche befindet sich der knapp 3 cm messende Volume-Regler. Wie auch die restlichen Drehregler des Monitor-Controllers läuft dieser sehr sanft und weich auf seinen Bahnen, ist entgegen der kleineren Regler zusätzlich verschraubt. Auch die hintergrundbeleuchteten Buttons machen allesamt einen guten Eindruck und lassen auf eine lange Lebensdauer hoffen. Dank der Beleuchtung hat man stets auch einen schnellen und guten Überblick, welcher Kanal wohin geroutet ist – sehr gut.

Oberhalb des Volume-Reglers hat Audient dem Nero eine acht stufige LED-Leiste zur Anzeige der anliegenden Pegel spendiert. Darunter die zwei Buttons DIM und CUT. DIM erklärt sich von selbst, CUT ist identisch mit einem Mute-Knopf, d. h. hier wird das komplette Ausgangssignal stummgeschaltet.

audient nero

Der Audient Nero während des Tests

Ausgangssektion und Einsatz des Audient Nero Monitor-Controllers

Rechts davon geht es weiter mit den Ausgängen des Neros. Neben dem Main-Ausgang gibt es die Möglichkeit, über ALT1 und ALT2 zwei weitere Lautsprecher anzuschließen. Zusätzlich bietet der Nero einen Subwoofer-Ausgang, dieser kann durch das Aktivieren des SUB-Buttons zu jedem der drei Ausgänge separat hinzugeschaltet werden. Man kann auch zwischen MAIN, ALT1 und ALT2 hin und her schalten, ohne dass dies den Subwoofer tangiert. Einmal aktiviert, bleibt er so lange zugeschaltet, bis man ihn wieder aus dem Signalpfad herausnimmt.

Audient Nero

Verfügen die meisten Monitor-Controller in der Regel über maximal zwei Kopfhörerausgänge, kann der Audient Nero bis zu vier davon, jeweils mit eigener Lautstärkeregelung, mit Signalen versorgen. Im Test konnte der Nero die unterschiedlichsten Kopfhörer stets mit ausreichender Lautstärke versorgen, dazu ist der Klang verzerrungsfrei und ohne klangliche Verfälschungen.

Sicherlich ein Highlight: Alle vier Kopfhörer können, müssen aber nicht mit dem gleichen Signal versorgt werden. Drückt man den SRC-Button neben den Drehreglern der Kopfhörerausgänge, leuchtet der aktuell aktive Eingangskanal für diesen einen Kopfhörerausgang auf. Wie auch bei der globalen Eingangssektion stehen alle vier Quellen (CUE, ALT, SRC1, SRC2) zur Auswahl. Auch ob das Talkback-Mikrofon aktiv ist, merkt sich der Nero.

audient nero

Normalerweise würden individuelle Einstellungen nach dem Ausschalten des Neros verloren gehen. Durch Drücken von zwei der vier Ausgangs-Buttons lässt sich das aktuelle Setting allerdings speichern, so dass dieses nach dem Aus- und Einschalten wieder automatisch aktiv ist.

Hat man alle angeschlossenen Kopfhörer mit dem gewünschten Signal versorgt, drückt man den zuletzt aktiven SRC-Button und die Anzeigen des Nero springen auf das eigentliche Routing der Ein- und Ausgangssignale zurück. Clever gelöst und spart im besten Fall einen externen Kopfhörerverstärker ein, denn mit vier einzeln ansteuerbaren Kopfhörern kommt man schon recht weit. Das sollte beim Kauf des Neros auf alle Fälle mit berücksichtigt werden. Auch der auf den ersten Blick recht hohe Preis für den Nero relativiert sich hierdurch deutlich.

Zu guter Letzt bietet der  Nero für die Ausgänge noch einen POL- und einen MONO-Button. POL steht in diesem Fall für Polarität, entsprechend schaltet man hiermit die Phase um. Der zweite Button erlaubt das Abhören des Signals in Mono.

audient nero

Kopfhörerausgang 1 hat Audient auf der Vorderseite untergebracht, die anderen 3 liegen auf der Rückseite

Zum Lieferumfang des Nero gehört eine kurze, aber gut geschriebene Bedienungsanleitung in englischer Sprache. Diese verrät ein paar weitere Extras: So lassen sich die Ausgänge des Neros in der Lautstärke trimmen, beispielsweise um unterschiedliche Lautsprecher aufeinander abzustimmen. Hierfür drückt man den Ausgangs-Button länger hinunter, was den Nero in den Setup-Mode versetzt.

Ebenso ist es möglich, die Ausgänge hinsichtlich des Subwoofers fest zu konfigurieren, d. h. sofern gewünscht springt der Subwoofer immer mit ALT1 oder ALT2 zusammen an, während er bei den Main-Monitoren ausgeschaltet ist. All das merkt sich der Nero, was im Alltag eine enorme Erleichterung ist.

Das Arbeiten am und mit dem Nero macht viel Spaß. Alles ist geradlinig aufgebaut, leicht verständlich und entsprechend schnell hat man den Monitor-Controller in sein Setup eingebunden. Als direkten Vergleichskandidaten habe ich den Drawmer CMC2 genutzt. Verarbeitungstechnisch ist dieser auf gleichem Niveau. Klanglich konnte ich keine Unterschiede feststellen, beide Monitor-Controller bietet ein klares und druckvolles Klangbild.

Audient Nero

Im Alltag habe ich es beim Nero sehr genossen, die verschiedenen Lautsprecher mit einem einzelnen Knopfdruck umzuschalten. Beim Drawmer – und bei vielen anderen Controllern auch – muss man hierfür immer zweimal drücken. Lautsprecher 1 aus, Lautsprecher 2 an. Es mag zwar nur ein kleines Detail sein, aber daran hatte ich mich während des Tests doch sehr schnell gewöhnt.

Ausblick auf den Markt der Monitor-Controller

Der Nero positioniert sich, trotz seines zunächst recht hoch erscheinenden Preises, klar im oberen Drittel der aktuell erhältlichen Monitor-Controller. Als Alternative sind die Produkte der MC-Serie von Drawmer zu nennen, aber auch der schon lange erhältliche 2Control von SPL. Natürlich gibt es in Form der Big Knobs von Mackie äußerst günstige Alternativen, doch wer den Nero einmal in der Hand bzw. im Studio hatte, wird mir beipflichten, dass das ein ganz anderes Niveau ist. Sowohl hinsichtlich der Verarbeitung als auch der Features.

Fazit

Mit dem Nero setzt Audient seine aktuelle Produktphilosophie gekonnt fort. Der Desktop-Monitor-Controller ist äußerst gut verarbeitet und bietet neben einem sehr guten Klang eine Vielzahl an Funktionen. Die analogen und digitalen Anschlüsse sind zahlreich vorhanden, so dass man jede Art von Eingangsquelle am Nero nutzen kann. Mischpult, Audiointerface, digital optisch und koaxial, Smartphone-, MP3- oder CD-Zuspieler – mit allen wird sich der Nero anfreunden.

Die Routing-Möglichkeiten des Monitor-Controllers sind sehr gut, auch lässt er sich intuitiv bedienen. Ein Highlight sind die vier Kopfhörerausgänge, die separat in der Lautstärke gesteuert werden können und in vielen Fällen einen externen Kopfhörerverstärker überflüssig machen. Alles in allem ein top Gerät.

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Funktionen
  • Vielfalt der Ein- und Ausgänge

Minus

  • -

Preis

  • 429,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Moonbooter  

    Externe Spannungsversorgung, kein Phono Eingang, etwas kryptische Beschriftung, kein Gain Regler für die Eingänge, usw. Also gar kein Minus verstehe ich nicht. „Kling gut“ soll bitte was heissen? Klangneutral?

    • Profilbild
      Ted Raven  AHU

      Kritikpunkte wie „kein Phono Eingang“ (sic) und „kein Gain Regler“ (sic) kann ich nicht nachvollziehen. Beides ist bei Monitor-Controllern doch eher unüblich. Ich könnte im Studio mit beidem nichts anfangen. Ein Monitor-Controller ist ja schließlich kein DJ-Mixer.

      • Profilbild
        Moonbooter  

        Also mein Mackie Big Knob (wohl der erfolgreichste Monitorcontroller aller Zeiten) hat alle diese Features. Und der ist ja auch kein DJ-Mixer.

        • Profilbild
          Ted Raven  AHU

          Und kostet sogar noch deutlich weniger.

          Welche Version des Big Knob hast Du? Bei den aktuellen Modellen sehe ich keinen Phono-Anschluss. Hätter der Studio ein Paar XLR-Ausgänge, wäre er genau der Richtige für mich.

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Möglicherweise liegt hier eine Verwechslung vor.
    Der »Behringer Control2USB« Monitorcontroller verfügt über
    Cinch-Eingänge sowie einen Phono-Vorverstärker für Plattenspieler.
    Ein Mackie Gerät ist mir nicht bekannt.

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