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Test: AVP Synth ADS-7, Analoger Drum Synthesizer

11. Januar 2019

Überzeugend einfach

AVP Synth ADS-7

AVP Synth ADS-7

Mit Drum Machines verhält es sich mittlerweile so wie mit monophonen Analogsynthesizern: Kaum wird ein neues Gerät angekündigt, fragt man sich reflexartig: „Noch eines? Wie viele Grooveboxen braucht der Mensch?“ Und so speist sich die gegenwärtige Produktvielfalt mittlerweile aus immer spezielleren Nischenbedürfnissen und der Nachfrage nach bestimmten ästhetischen Vorlieben, die vor allem von einem stetig anwachsenden Retrokatalog heimgesucht werden. Nicht anders verhält es sich im Fall der ADS-7, dem analogen Drum Synthesizer der Firma AVP Synthesizers, kurz: AVP Synth.

Das Moskauer Zwei-Mann-Unternehmen entwickelt seit mehr als 20 Jahren Audioequipment verschiedenster Art und zählt unter anderem Jean-Michel Jarre, Karl Bartos und Orbital zu seinen Kunden. In jüngster Vergangenheit veröffentlichten AVP Synth handgefertigte Instrumente wie die Drum Synthesizer ABD-5, MAD-5 sowie dessen Neuauflage MAD-5 mk2, den monophonen Bass-Synthesizer MBS-100, das duale Analogfilter und Phaser POLYRHYTHM sowie den Multieffektprozessor COSMWAVE FX. Im Rahmen dieses mit dem Markenkern „Sowjet-Sound“ geschmückten Repertoires tritt der ADS-7 als bisher größter und umfangreichster Drum Synthesizer des russischen Herstellers in Erscheinung.

Die Hardware des AVP Synth ADS-7

Geliefert wird der ADS-7 samt passendem Netzteil mit einer ausgedruckten 8-seitigen Anleitung. Mit seinen dreieinhalb Kilo, einem Bedienfeld, das so groß ist, wie ein 13-Zoll-Laptop und einer Höhe von 14 Zentimetern macht der ADS-7 einen gewaltigen Eindruck. Nicht nur äußerlich erscheint dieser Drum Synthesizer wie ein Panzer, auch die Verarbeitungsqualität wird Militärstandards gerecht. Die Potentiometer sind allesamt mit dem Stahlgehäuse verschraubt und haben einen angenehmen Drehwiderstand. Ebenso robust verarbeitet sind sämtliche Druck- und Trigger-Taster sowie Kippschalter. Erwähnt sei allerdings, dass die Drehregler recht nah beieinanderstehen. So beträgt der horizontale Abstand der Potikappen zueinander am oberen, schmaleren Ende nur einen Zentimeter. Wer also beherzt zugreifen möchte, sollte darauf achten, nicht unabsichtlich die Einstellungen benachbarter Parameter zu ändern.

Wiederum sehr entgegen kommt einem während der Bedienung die um etwa 20 Grad geneigte Bedienoberfläche. Sie gliedert sich in zwei Teile. Die oberen zwei Drittel werden von den einzelnen Drum-Modulen nebst Gesamtlautstärkeregler abgedeckt, während im unteren Drittel der Sequencer-Bereich angeordnet ist.

Auf der Rückseite befinden sich neben dem Eingang für das Netzteil und dem Geräteschalter jeweils im Klinkenformat ein Stereoausgangspaar sowie sieben Stereoeinzelausgänge für die jeweiligen Drum-Module. Darüber hinaus gibt es noch sieben individuelle Trigger-Eingänge und einen Trigger-Ausgang im Miniklinkenformat. Abgerundet wird das Ganze durch MIDI-Ein- und Ausgänge.

Die Rückseite des ADS-7

Die Drum-Module des AVP Synth ADS-7

Der Bereich für die Klangerzeugung, die auf diskreten analogen Schaltungen basiert, ist in sechs Segmente unterteilt: Jeweils einem Modul für Bass-Drum, HiHats, Clap sowie drei sogenannte Generatoren. Letztere sind identische Drum-Module, die für verschiedene Zwecke genutzt werden können – dazu später mehr. Allen Modulen gemeinsam ist ein individueller Lautstärkeregler sowie ein Trigger-Taster samt LED, durch den sich die jeweiligen Sounds vom Sequencer unabhängig wiedergeben lassen. Zudem verfügen sämtliche Module, mit Ausnahme der Bass-Drum, über einen Panoramaregler mit Hilfe dessen man die jeweiligen Sounds im Stereofeld arrangieren kann.

Ein Überblick über die Drum-Module des ADS-7

Beginnen wir zunächst ganz unten. Das Bass-Drum-Modul verfügt über sechs spezifische Parameter, mit denen sich zwei Klangkomponenten steuern lassen: der Grundton und der Klick. Am Grundton ändern lassen sich die Tonhöhe, die Ausschwingdauer, die Sweep-Intensität (Tonhöhenabfall) sowie die Lautstärke. Für den Klick können hingegen die Lautstärke und die Klangfarbe (von dunkel bis hell) bestimmt werden.

Für das Klangbeispiel befinden sich zunächst alle Parameter in der mittleren Position. Dann werden nacheinander die Tonhöhe, die Ausschwingdauer, der Sweep und die Lautstärke des Grundtons variiert. Abschließend ertönt nur noch der Klick, dessen Tonfärbung geändert wird.

Schnell wird klar, dass man hier alles geboten bekommt, was das Herz begehrt, wenn es um die klangliche Gestaltung von Bass-Drums geht. Von weich bis hart, kurz bis lang, tief bis hoch ist alles dabei und vor allem durchsetzungsfähig.

Mit dem HiHat-Modul lassen sich zwei Klänge generieren: eine offene sowie eine geschlossene HiHat (Open Hat und Closed Hat), die jeweils durch eine individuelle Sequencer-Spur getriggert werden können, obgleich in diesem Bereich nur ein gemeinsamer Trigger-Taster untergebracht ist. Die Lautstärke und Panoramaposition für beide HiHats lassen sich gesondert einstellen. Klanglich können HiHats aus zwei Komponenten bestehen: einem Rauschen und einem stimmbaren metallischen Ton. Die Balance zwischen Rauschsignal und metallischem Klanganteil kann für beide HiHats separat eingestellt werden. Die Stimmung des metallischen Tons wird jedoch geteilt. Für die Bearbeitung des Rauschsignal beider HiHats stehen hingegen jeweils ein Hochpassfilter sowie ein Decay-Parameter zur Verfügung. Ferner lässt sich für die geöffnete HiHat noch eine Choking-Option aktivieren, die bewirkt, dass die Ausschwingdauer bei schnell aufeinanderfolgenden Notenereignissen abgeschnitten wird, was sich natürlich nur bei erhöhten Decay-Einstellungen bemerkbar macht.

In den Klangbeispielen für beide HiHats wird zunächst die Balance zwischen Rauschsignal und metallischem Ton variiert. Anschließend wird die Tonhöhe des metallischen Klanganteils geändert, dann die Filterfrequenz und schließlich die Ausschwingdauer.

Beide HiHats klingen selbstverständlich identisch, erlauben aber aufgrund der individuellen Parameter ein flexibles Zusammenspiel. Die Klangcharakteristik reicht von streng synthetisch bis zu einem Hauch von akustischen HiHats, was sich dem Charakter der metallischen Klangkomponente verdankt. Denkbar sind hier auch zweckentfremdete HiHats, die eher die Funktion einer Snare übernehmen.

Das Clap-Modul wartet mit vier Klangparametern auf. Mit ihnen lassen sich die Filterfrequenz, die Ausschwingdauer, die Attack-Phase des Claps und der Anteil eines Rauschsignals steuern. Im Klangbeispiel wird sämtliche Parameter der Reihe nach variiert:

Unzweifelhaft lassen sich hier äußerst schnittige Claps erstellen. Verschiebt man die Balance zwischen Clap- und Rauschanteil in Richtung Rauschsignal, dann kann man dieses Modul jedoch auch für weiche Snare-Sounds nutzen. Variiert man hingegen die Attack-Phase des Claps, lässt sich der Eindruck der Räumlichkeit verändern, weshalb der entsprechende Parameter den Namen „Space“ trägt.

Schließlich folgen die drei unspezifisch benannten Generator-Module (GEN1, GEN2, GEN3). Wie bereits eingangs erwähnt, ist ihr Funktionsumfang identisch. Während alle bis hierhin beschriebenen Drum-Module über zwei Klangkomponenten verfügen, stehen für die Generator-Module jeweils drei klangliche Komponenten zur Auswahl, weshalb es sich bei ihnen auch um die umfangreichsten Module des ADS-7 handelt.

AVP Synth ADS-7

Bei der ersten Komponente handelt es sich um einen Rauschgenerator samt Bandpass- und Tiefpassfilter. Als Parameter stehen hier Lautstärke und Ausschwingdauer zur Verfügung sowie Filterwahl, Filterresonanz, Filterfrequenz und Sweep. Letzterer Parameter bestimmt hier, wie schnell oder langsam die Filterfrequenz durch eine absteigende Hüllkurve moduliert wird. Im Klangbeispiel werden zunächst das Tiefpass-, dann das Bandpassfilter ausgewählt. Für beide erfolgen Resonanzeinstellungen bei 0, 5 und 100 Prozent. Anschließend werden der Sweep und die Decay-Phase variiert.

Die zweite klangliche Komponente des Generator-Moduls ist ein Tongenerator, der mit den gleichen Parametern aufwartet wie derjenige des Bass-Drum-Moduls: Tonhöhe, Ausschwingdauer, Sweep und Lautstärke. Der Unterschied zum Bass-Drum-Tongenerator besteht hier im Frequenzspektrum. So wird hier ein viel Höheres abgedeckt. Im Klangbeispiel werden nacheinander Tonhöhe, Decay-Phase und Sweep variiert:

Als dritte Komponente ist schließlich ein Klickgenerator verbaut, der uns ebenfalls bereits im Bass-Drum-Modul begegnet ist und zwar erneut mit Reglern für Lautstärke und Klangfarbe.

Das Konzept des Generator-Moduls wird deutlich: Es handelt sich um ein Klangmodul, das Klangerzeuger und Parameter aus verschiedenen Einzelmodulen aufgreift und – wie im Fall des Filters – erweitert. So ist ein Generator-Modul flexibel einsetzbar. Es taugt für Snares, 70er Jahre Disco-Synth-Toms, eher Simmons-artige Toms, Claves, Shaker, Hybridformen all dessen und vieles mehr. Umso besser ist es, dass einem davon gleich drei Module geboten werden. Einzig der Überblick über die verschiedenen Parameter ist etwas unübersichtlich geraten, da sie nahtlos nebeneinander stehen. Vertikale Trennstriche, die die einzelnen Klangkomponentenbereiche visuell voneinander abgrenzen würden, kämen vor allem neuen Nutzern sehr entgegen. Allerdings müsste man dafür das Gehäuse etwas verbreitern.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    lightman  AHU

    Das Gerät hat Charme und sieht wertig aus, positiv sind auch die Trigger-Eingänge und Einzelausgänge für jeden Sound.

    Der Klang ist hart am Eisen, sehr klassisch. Die Kick hat für meinen Geschmack einen etwas zu weichen Ansatz, da kann man aber gut mit externen Effekten usw. nachhelfen.

    Bei den Hihats mag ich den Schnarr, den resonanten Ping (wohl der Anschlagsound) finde ich aber anstrengend für die Ohren, geht mir nicht gut rein. War das für die Soundbeispiele gewollt oder klingt das immer so, wenn man ihn reindreht?

    Claps gefallen mir gut, scheppert schön.

    GEN1 bis 3 lassen viele Möglichkeiten für Drums und Perc zu, auch die mag ich.

    Der Sequenzer ist schon sehr basic. Da es im Test nicht genannt wurde, gehe ich mal davon aus, daß er kein Shuffle kann, was schade ist. Klassisch ist ja gut und schön, aber ein guter Sequenzer ist ein guter Sequenzer ist ein guter Sequenzer, wenn ich mal so sagen darf… gerade bei einem auf Live und Performance ausgelegten Drummie wie dem ADS-7 scheint es fast widersinnig, den Sequenzer so simpel zu gestalten. Natürlich kann man auf externes Sequencing zurückgreifen, aber das bedeutet schon wieder ein zusätzliches Trumm auf der Bühne oder im Studio. Für 770 Euro erwarte ich mir hier mehr.

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    m4ximumpow3r  

    Also mich erinnert der vom Klang her etwas an meinen Vermona DRM1 MKIII. Sind die Einzelausgänge tatsächlich in Stereo ausgeführt oder ist das im Sinne von symmetrisch zu verstehen?

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      Mike Hiegemann  RED

      Bei den Einzelausgängen handelt es sich um Stereoausgänge, damit man die einzelnen Sounds auch weiterhin im Stereopanorama positionieren kann.

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    Marco Korda  

    Das ist wirklich schade. Das Teil sieht klasse und sehr wertig aus. Die Klangoptionen sind immens. Gerede die Generatoren finde ich total klasse – klingen auch ausgezeichnet. Die HiHat, besonders die Closed finde ich nicht so toll, da kleckert es seltsam mit und die Klangfarbe ist etwas streng. Die BD finde ich auch etwas schwachbrüstig, jedenfalls werden EBM und Industrial ohne Effekte schwer zu realisieren sein.

    Wie meine Vorkommentatoren bereits bemängelten, ist der Knackpunkt der wenig flexible Sequenzer. Unter den Umständen behalte ich meine Acidlab Drumatix – die klingt top, der Sequencer ist vielfach besser als dieser hier und genauso einfach zu bedienen. Obendrein billiger. Wenn die noch die Generatoren hätte….

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    penishead  AHU

    Obwohl ich die Maske ziehe vor dem Entwickler-Team, ist es in Anbetracht der starken Mitbewerber wie Analog Rhythm oder anderen vielseitig nutzbaren „Drumcomputern“ ein Produkt, welches nur vereinzelt seinen Abnehmer finden wird. Die Optik spricht mich auch überhaupt nicht an.

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    Vincent  RED

    WOW! Wahnsinns Kiste, gerade für diesen Preis. Würde ich soundtechnisch ner DRM vorziehen. Danke für den feinen Test!

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    Son of MooG  AHU

    Ich sehe den ADS-7 primär als Drum-Synth, der zusätzlich noch etwas MIDI und Sequencer hat. Da sehe ich dessen Einschränkungen nicht so eng, der Sound ist jedenfalls unique…

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      Mike Hiegemann  RED

      Ich denke, das ist genau die Haltung, die man in diesem Fall einnehmen sollte. Für alles andere gibt es Alternativen.

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    falconi  RED

    Ich auch. Und auch der mam ADX1, die ja mit der Vermona DRM eng verwandt ist.

    Ich denke, die Erbauer der ADS-7 haben sich beide Geräte SEHR genau angeschaut,;) in meinen Ohren klingt die ADS-7 wirklich zum Verwechseln ähnlich, Kick und Clap erscheinen mir aber deutlich besser bzw. fehlen ja der ADX1 sogar ganz.
    Vielleicht das derzeit interessanteste Gerät dieser Art, zudem mit Sequencer, wenn auch ein wenig rudimentär…

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    lightman  AHU

    Ich finde es trotzdem schade, daß der Sequenzer der ADS-7 so simpel gehalten ist. Denkt nur mal, was man da mit Parameter Locking, unterschiedlichen Steps per Spur und diversen Quantisierungsmodi so alles anstellen könnte! Warum ist vieles davon bei einer Reihe von deutlich günstigeren Geräten (z. B. Volca-Serie) möglich, bei einem hochwertigen Teil aber nicht?

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      Mike Hiegemann  RED

      Dazu müsste man die gesamte analoge Schaltung unter digitale Kontrolle bringen und noch Software entwickeln. Danach wäre der Preis wahrscheinlich doppelt so hoch. Volcas sind im Übrigen auch Massenware von einem Hersteller, der über völlig andere Produktionskapazitäten verfügt. Kann man gar nicht vergleichen. Wer überdies den ausgefuchstesten Sequenzer mit allen möglichen Annehmlichkeiten sucht, der ist beim ADS-7 an der falschen Adresse. Er wird daher ja auch als analoger Drum Synthesizer, nicht als multifunktionale Groovebox bezeichnet. Will sagen: Hier wird nichts versprochen, das dann nicht eingehalten wird. Der ADS-7 ist in erster Linie ein Synthesizermodul.

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        lightman  AHU

        Schon klar, daß zwischen Korg und AVP Welten liegen. Ich vergleiche auch nicht Produktionskapazitäten oder Jahresumsätze, sondern Konzepte, was durchaus gültig ist. Hier haben die russischen Entwickler meines Erachtens die Chance vertan, aus einem guten Produkt wie dem ADS-7 mit einem zeitgemäßen Sequenzer ein perkussives Schwergewicht zu machen, das dem schier endlosen Strom an 606/808/909-angelehnten Drummies das Fürchten hätte lehren können.

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