Test: Behringer DJX900USB DJ-Mixer

29. April 2021

Behringer DJX900USB: 4 Kanäle für eine schmale Mark?

Behringer DJX900USB

Behringer DJX900USB

Kurz nachdem es an der Tür geklingelt hat, steht hier also wieder mal ein schönes Paket. Was soll es denn heute sein? Ach ja, genau. Der Behringer DJX900USB. Alles klar. 4 + 1 Mixer mit Effekten und USB-Audiointerface für einen schmalen Preis. Hört sich in der Theorie ja soweit gut an, dann gucken wir uns doch mal an, was dahintersteckt.

Ausgepackt ist das gute Stück aus dem Hause Behringer fix. Neben dem Mixer an sich finden wir neben dem Stromkabel und einem USB-B-Kabel noch die Bedienungsanleitung sowie einen Behringer Sticker (Yeah, Sticker!). Schnell angeschlossen, eingeschaltet und los kann es gehen. Was haben wir denn alles auf der Oberfläche des Mischpults? Gefühlt eine ganze Menge! Dann gehen wir das mal gemeinsam durch.

Behringer DJX900USB Front

Behringer DJX900USB in seiner vollen Pracht

Behringer DJX900USB – ein erster Blick

Ganz links angefangen haben wir eine Mikrofon-Sektion mit einem XLR-Stecker. Tatsächlich ist es „nur“ ein XLR-Anschluss und nicht der mittlerweile verbreitete Kombibuchsen-Anschluss aus XLR und Klinke. Aber gut, dafür haben wir hier neben dem Gain-Poti immerhin einen 3-Band-Equalizer für das Mikrofon. Hierbei wird ja oft nur auf zwei Bänder gesetzt. Dabei ist der dB-Rahmen hier pro Band von -15 dB bis +15 dB gestaffelt und das bei den Frequenzbändern 80 Hz, 2,5 kHz und 12 kHz. Logischerweise gibt es noch ein Button, um das Mikrofon zu aktivieren und ein Poti, das mit „Talk“ für die Talk-Over-Funktion betitelt ist. Darunter finden wir die Kopfhörer-Sektion, bestehend aus einem Switch zur Auswahl zwischen Stereo- oder Split-Modus, Mix-Regler, um das Verhältnis zwischen Cue und Master einzupegeln und selbstverständlich ein Volume-Poti.

BehringerDJX900USB Oberfläche

Abgeschlossen wird diese Sektion durch den Kopfhöreranschluss. Hierbei direkt zu erwähnen: Wir haben nur eine 6,3 mm Klinkenbuchse, also lieber nicht den Adapter verlieren! Mittig finden wir dann vier identische Kanalzüge, bestehend aus einer 10-teiligen LED-Anzeige für die Lautstärke des jeweiligen Kanals von -30 bis +7 dB, Gain-Poti, 3-Band-Equalizer, Cue-Button und einem 4,5 mm Fader.
Der 3-Band-Equalizer ist ein Full-Kill-EQ mit Mittenrasterung, der von Full-Kill bis 6 dB reicht. Die sonst identischen Kanalzüge unterscheiden sich nur durch die Auswahlmöglichkeiten der Input-Switches. So haben wir auf Kanal 1 die Auswahl zwischen Line, CD und USB, auf Kanal 2 zwischen Phono und CD und auf Kanal 3 & Kanal 4 die Optionen Phono oder Line.

Wir sehen also sofort, dass wir durch drei vorhandene Phono-Kanäle auch drei Plattenspieler anschließen können und dass wir, wie uns Kanal 1 stolz präsentiert, ein USB-Interface in dem Behringer DJX900USB verbaut haben. Rechts neben den Kanalzügen folgt dann eine zweigeteilte LED-Anzeige wieder aus je 10 einzelnen LEDs mit dem gleichen Anzeige-Spektrum von -30 bis +7. So gibt der Master-Kanal einem auch Infos über die Stereoaufteilung des ausgehenden Signals. Auch der Master kann gecued werden. Eher veraltet dahingehend ist, dass das Master-Level auch über einen 4,5 mm langen Fader eingepegelt wird. Das kennen wir von älteren Pioneer Modellen wie beispielsweise dem Pioneer DJM-600.
Nicht wirklich praktikabel für größere Systeme, aber ein Blick auf die Rückseite gibt uns gleich noch genügend Kontext für den Behringer DJX900USB. Unter dem Fader finden wir dann noch extra Potis für die Master-Balance und den Booth-Out.

Kommen wir nun zur sehr prominenten und großen Crossfader-Sektion des Mischpults. So haben wir neben dem „contact-free VCA“ Crossfader natürlich Switches zur Zuweisung, um dem Crossfader Kanäle zuzuweisen. Interessant hier anzumerken: Es gibt keinen Thru-Modus. So ist also der Crossfader immer aktiv. Jedoch haben wir hier noch zwei Features, die relativ unüblich sind und dies ist ganz neutral gemeint! Zum einen haben zwei Kill-Equalizer, also je einen pro zugewiesenem Crossfader-Kanal. Dabei können die Bänder durch drei Buttons entweder an- oder ausgeschaltet werden. Zum anderen finden wir zusätzlich in der Crossfader-Sektion zwei jeweils 9-teilige LEDs, die Informationen zum Tempo- und Timing-Unterschied geben sollen. Darauf gehen wir aber noch weiter im Praxisteil ein.

Die Crossfader-Sektion des BehringerDJX900USB.

Die Crossfader-Sektion des Behringer DJX900USB

Abgeschlossen wird die Oberfläche des Behringer DJX900USB auf der rechten Seite durch ein Poti für den „XPQ-Surround“ sowie dazugehörigem On- oder Off-Button. Auch auf diesen gehen wir später ein. Darunter haben wir zwei identisch aufgebaute Display-Sektionen, die dem Anwender Information über das Tempo der laufenden Tracks geben sollen. Das Schlusslicht auf der Oberfläche bietet die Effekt-Sektion an, die via Cue-Button auch ein Vorhören der Effekte möglich macht. Die Effekte werden über ein Endlos-Poti ausgewählt. Dabei gibt einem ein extra Display in Zahlenwerten Informationen zum Effekt an, ein Blick in die Bedienungsanleitung ist dabei unabdinglich, denn wir haben hier eine Vielzahl an Effekten mit Variationen. Auf welchem Kanal der Effekt aktiviert werden soll, lässt sich via Auswahl-Poti auswählen. Dabei können die Effekte nicht nur auf die 4 Kanäle, sondern auch auf den Master oder den Mikrofon-Kanal gelegt werden. Mit dem FX-Select-Poti können auch Parameter des ausgewählten Effekts eingestellt werden und wie weit bekannt gibt es ein Poti zur Einstellung des Levels vom gewünschten Effekt sowie einen klassisch gelb leuchtenden Button, der die Aktivierung besagter Effekte visuell darstellt. Wie ihr jetzt schon merkt, ist auf der Oberfläche einiges los!

Die Rückseite des 4-Kanal DJ-Mixers

Dann lasst uns noch mal im Schnelldurchlauf die Rückseite des Behringer DJX900USB anschauen, denn dort finden wir den bereits erwähnten Kontext des Mixers. Neben einer USB-B-Buchse und dem Stromanschluss finden wir anschlusstechnisch nämlich nur einen Anschluss-Typen: Cinch.

Die Rückseite des BehringerDJX900USB

Die Rückseite des Behringer DJX900USB

Das rot-weiße Wunder ist nicht wie zu vermuten nur für die Inputs des Mixers verantwortlich, sondern auch für Send & Return, Master-, Booth- und Tape-Out zuständig. Direkte Anmerkung: Tape fungiert bei diesem Mixer wie der Record-Out an anderen Mischpulten. Lobenswert ist zudem zu erwähnen, dass passend zu den drei Phono-Anschlüssen auch drei einzelne Erdungen am Behringer DJX900USB zu finden sind. Für uns ein klarer Pluspunkt. Sind wir mal ehrlich, dieses Gefrickel hinter dem Mischpult, um zwei Plattenspier-Erdungen an eine Schraube zu fummeln, muss einfach nicht sein.

Zurück zur Kontext-Einordnung: Sowohl Ein- als auch Ausgänge Cinch und ein Masterfader auf der Oberfläche? Ja, es fällt einem nicht schwer zu sagen, dass dieses Mischpult nicht für die großen Clubs dieser Welt angelegt wurde. Das ist aber ja auch völlig okay und in Verbindung mit den LEDs, die eine Visualisierungshilfe darstellen sollen, um Tracks zu synchronisieren, ist der Behringer DJX900USB ein Mischpult für ambitionierte Einsteiger, denen eventuell schon klar ist, dass ihnen zwei Kanäle schlichtweg nicht reichen werden. Nachdem wir jetzt also die ganzen schönen Knöpfe und Funktionen detailliert angeguckt haben, gehen wir doch lieber mal in die Praxis.

Wie macht sich der Behringer DJX900USB in der Praxis?

Leichter als andere 4-Kanal Mixer, aber dennoch robust und stabil verbaut: So ist der erste Eindruck des Behringer DJX900USB. Mal eben ein paar Inputs angeschlossen und los geht der Spaß. Die Equalizer pro Spur funktionieren nur nicht wirklich als Full-Kill. Es kommt trotz heruntergefahrenen Poti immer noch etwas an Signal durch (Klangbeispiel). Abseits davon fungieren die Full-Kill-Buttons in der Crossfader-Sektion als tatsächliche Full-Kill-Equalizer. Außerdem laufen die Kanalsignale vollends in die Effekt-Sektion, auch wenn der Full-Kill-Equalizer beim Crossfader aktiv ist. Generell lassen sich die gummierten Potis gut greifen und haben einen vernünftigen Widerstand, bei dem nichts wackelt. So soll es doch sein!

Kommen wir zu den Funktionen des Mischpults: Zum ersten XPQ-Surround. Was genau soll das eigentlich sein? Laut Bedienungsanleitung soll die XPQ 3D Surround-Funktion, neben vieler Buchstaben, durch eine Phasenverschiebung das Stereofeld erweitern. Die Intensität davon kann durch das extra Poti eingestellt werden. Jedoch finden wir den Klang alles andere als verbessert. Interessante Idee, aber unserer Meinung nach absolut nicht nötig.

Weiter geht es mit der Crossfader-Sektion bzw. mit den beiden LED-Anzeigen und derer Funktionalität. Die Grundidee ist simpel und effektiv: Der Behringer DJX900USB erkennt die BPM von zwei Tracks an zwei Eingängen separat. Diese BPMs werden auch über die rechts angeordneten Displays angezeigt. Sollte sich das Tempo der Tracks unterscheiden, so signalisiert einem die LED-Anzeige dies. Selbiges gilt für die Time-Offset-Anzeige. Wird also alles angeglichen und angepasst, befinden sich beide LEDs in der Mitte. Sollte das Tempo oder das Timing nicht synchron sein, so zeigt sich dies durch ein Wandern der LEDs auf die eine oder andere Seite. In der Praxis funktioniert das Ganze sehr solide, natürlich steht und fällt hier alles mit der BPM-Erkennung des Mischpultes, aber dort kann der Behringer DJX900USB gut punkten. Zur Not kann man via Beat-Assist das Tempo manuell eintappen und der Button zum Sync-Lock soll die BPM-Range eindämmen, sodass bei einem Song mit Tempowechseln nicht zu viel durcheinander entsteht. Zudem müsst ihr Sync-Lock aktivieren, damit die LED-Hilfen ihre Arbeit tun. Alles in allem funktioniert die BPM-Erkennung gut!

Die Screens des BehringerDJX900USB

Die Screens des Behringer DJX900USB

Hier lässt sich noch anmerken, dass wenn der Mixer die BPM nicht erkennen kann, ein Wert von 160 BPM angezeigt wird. Also wundert euch nicht, wenn bei eurem Downtempo-Set auf einmal eine solche BPM-Zahl zu sehen ist. Jedoch ist dieses Problem bei uns der Praxis nicht einmal aufgetreten.

Die Effekte am DJ-Mixer

Was bleibt dann noch übrig? Richtig – Effekte. Dabei haben wir hier einiges an Effekten. Rund 32 Stück werden in der Bedienungsanleitung aufgelistet, alle in 24 Bit Auflösung. Ja, es lohnt sich, einen Blick reinzuwerfen, damit man nicht nur Informationen bekommt, welcher Effekt sich hinter welcher Zahl verbirgt, sondern auch, welcher Parameter verändert werden kann. Also: Einmal drücken wählt den Effekt aus und nach weiterem Drücken ist die Veränderung des jeweiligen Effekt-Parameters via Poti möglich.

Dann bleibt letztlich noch der Send- and Return-Kanal, wobei der Send durch die FX-Taste aktiviert und die Kanalauswahl über das Source-Poti ausgewählt wird.

Die Effekte sind durchaus verwendbar, jedoch wird man durch die Anzahl an Möglichkeiten ein wenig erschlagen. Toll finden wir, dass man auch Parameter innerhalb eines Effektes verändern und somit einzelne Effekte stärker variieren kann. Wovon wir jedoch nicht wirklich ein Fan sind, sind Endlos-Potis. So kommt einfach kein direktes Gefühl für die einzelnen Effekte auf, sondern man ist verdammt viel mit Schrauben beschäftigt. Bezüglich der USB-Erwähnung im Namen, funktioniert dieses als Plug and Play problemlos und ermöglicht es so auch, direkt Songs vom Rechner abzuspielen. Dies funktioniert in der Praxis wunderbar und ermöglicht einem die Einbindung von allen möglichen Medien durch den PC.

Die Zielgruppe des Behringer DJX900 USB

Die Crossfader-Sektion des BehringerDJX900USB in Aktion.

Die Crossfader-Sektion des Behringer DJX900USB in Aktion

Wie bereits angeschnitten durch die Ausgänge mit Cinch-Buchsen und der LED-Anzeige als visuelle Synchronisationshilfe, ist dieses Mischpult für Anfänger gedacht. Diese Idee ist cool und das sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Dem hinzu kommen weiter positiv zu erwähnende Anschlussmöglichkeiten, ob Plattenspieler, CD-Spieler oder Rechner, alles ist möglich. So kann der Behringer DJX900USB auch als Audiointerface zu Hause zwischen Anlage und PC genutzt werden. Auch der Tape-Ausgang zum einfachen Aufnehmen von Sets ist natürlich ein feines Feature. Wobei eigentlich auch der Booth-Out gereicht hätte, da man zu Hause ja höchstwahrscheinlich eher nur ein Boxen-Paar an das Mischpult anschließt.

Fazit

Der Behringer DJX900USB ist also ein 4+1 Mischpult, das definitiv nach wie vor und nach all den Jahren eine Daseinsberechtigung hat. So ist der Mixer gerade für Anfänger, die eventuell größere Ambitionen haben und mehr Decks verwenden wollen, wie auch für Leute, die neben dem Auflegen einfach ihre gesamte Musik über das USB-Audiointerface abspielen möchten, eine gute Option. Die visuelle Hilfe dank LED-Anzeige funktioniert und hat seinen Charme, die XPQ-Funktion kann man sich dafür gerne sparen. Ach ja, Effekte hat man natürlich reichlich, sodass man sich erst mal schön austoben kann und so herausfinden mag, welcher Effekt wann passt und mit welchem man wie arbeiten möchte. Dahingehend ist es eine tolle Sache, dass man pro Effekt einen weiteren Parameter neben dem Level steuern kann.

Natürlich darf an dieser Stelle der Preis des Behringer DJX900USB nicht unausgesprochen bleiben: Das Gerät bekommt man für 199,- Euro. Ja, richtig gelesen. Dieser Preis ist wirklich ein guter Deal und super fair für ein 4-Kanal-Mischpult mit solidem Klang.

Plus

  • vielseitige Effekte
  • visuelle Synchronisations-Hilfe
  • 3 Phono-Preamps mit eigenen Erdungsschrauben
  • anpassbarer FX-Parameter

Minus

  • XPQ-Surround-Sound
  • Full-Kill funktioniert nur per Tasten, nicht per EQ-Regler

Preis

  • 199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny  

    Ist der Test wirklich neu? Den Mixer gibt es seit 2011. Na gut warum nicht.
    Trotzdem danke, hab den Test gerne gelesen.

    • Profilbild
      Alex

      Hab ich auch gedacht..und verzweifelt das MK2 gesucht. Der Test gehört eher in die Retro Ecke. Aber nett für 2011. Heute ist man bei Mixern mit USB Kanälen ja verwöhnt, damals war der eine Kanal ein Kaufargument.

  2. Profilbild
    Linus  

    Schöner Test-Bericht.

    Zu dem genannten Minus-Punkt: Full-Kill funktioniert nur per Tasten, nicht per EQ-Regler

    Ich habe vor einigen Jahren mit einem Mischpult gearbeitet, welches auch diese Funktion hatte. Wenn man sich etwas damit beschäftigt, kann man interessante Effekte und Spielereien damit machen. Ich hatte an dem Abend ne Menge Spaß.

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