Test: Behringer U-Phoria UMC202HD, UMC404HD Audionterface

24. Mai 2019

Zwei Interfaces für kleine Anwendungen

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Behringer U-Phoria UMC202HD, UMC404HD, USB-Audionterfaces

Es gibt aktuell unzählige Audiointerfaces am Markt, die alle irgendwie das Equipment mit dem Computer verbinden sollen. Hier gravierende Unterschiede festzustellen, fällt nicht immer leicht, zumal heutige D/A-Wandler und Mic-Preamps auch im Einstiegssegment gut klingen können. Behringer mischt als Hersteller ebenfalls mit und trägt entsprechend zur Sättigung des Marktes bei. Die beiden Vertreter Behringer U-Phoria UMC202HD und UMC404HD haben wir uns stellvertretend für die überarbeiteten Modelle angeschaut. Der Zusatz HD deutet auf die neuen hochauflösenden Digitalwandler hin, die jetzt mit 192 statt 96 kHz abtasten können und audiophile Qualitäten versprechen. Daneben gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten: So wurden laut Behringer die überaus günstigen Audiointerfaces in Deutschland entwickelt und zeichnen sich durch extrem niedrige Latenzen aus. Produziert werden sie natürlich in China, anders wäre dieser Preis auch nicht zu machen.

U-Phoria UMC202HD und UMC404HD im Überblick

Sicher verpackt erreichen mich beide Modelle, die sich in Ergonomie und Haptik sehr ähnlich sind. Ein ausführliches Handbuch hat man sich gespart, neben dem USB-Kabel liegt eine Kurzanleitung nebst Aufkleber des Herstellers bei. Immerhin lässt sich ein umfangreiches Paket an Treibern und Software auch ohne Registrierung von der Behringer Website laden. Das Archiv enthält unter anderem Audacity, Podcasting-Tools, VST-Player und weitere Software-Instrumente und -Effekte.

behringer umc 202 hd

Die Gehäuse beider Modelle lassen den günstigen Preis von unter 100,- Euro nicht vermuten und sind ziemlich solide. Die wertigen Kunststoffregler wackeln nicht und laufen mit gutem Widerstand, auch die Drucktasten rasten sauber ein. Rutschsicher liegen die Audiointerfaces auf je vier Gummifüßen auf, Spaltmaße und Fertigungstoleranzen kann ich nicht erkennen. Während das UMC202HD aus einem einteiligen Gehäuse besteht und rückseitig verschraubt ist, wurde das UMC404HD aus zwei Gehäuseschalen gefertigt und zusätzlich auf Ober- und Unterseite verschraubt. Das UMC202HD ist rund 17 cm breit, rund 12 cm tief und knapp 5 cm hoch, das UMC404HD ist mit etwa 30 cm entsprechend breiter.

Rück- und Vorderseite bestehen aus Kunststoff, eine Folie schützt die glänzende Vorderseite. Der silbrige Rahmen lässt die Interfaces schick und modern aussehen. Die Buchsen sind allesamt solide und teilweise mit dem Gehäuse verschraubt, auch die Drucktasten arbeiten zuverlässig. Was mich lediglich stört, ist der Umstand, dass man die 48 V Phantomspeisung global auf der Rückseite für alle Eingänge aktiviert. Das ist besonders beim UMC404HD unpraktisch, wenn man gleichzeitig nicht nur Studiomikrofone betreiben will. Mit der rückseitigen Kensington-Buchse teilen sie sich eine weitere Gemeinsamkeit.

behringer umc 404 hd

Durch meine Beeinträchtigung der Sehfähigkeit ergibt sich für mich ein kleiner Kritikpunkt: die nicht sehr hellen LEDs in Verbindung mit der glänzenden Frontplatte. Schon bei Tageslicht kann ich diese bei entsprechenden Reflexionen nicht gut erkennen. Bei der Phantomspeisung ist dies weniger ein Problem, die Stellung des rückseitigen Schalters lässt sich auch so ertasten. Blickt man nicht direkt auf die Vorderseite, nimmt die Helligkeit zusätzlich ab, normalsichtige Anwender wird das jedoch kaum stören.

Der Klang der UMC202HD und UMC404HD

Beide Audiointerfaces verwenden dieselben Wandler und MIDAS-Design Mic-Preamps, das gilt übrigens für alle Modelle der U-Phoria-Serie mit dem Zusatz HD. Beim Abhören meiner bekannten Musikstücke in hoher Auflösung zeigt sich, dass es mir persönlich etwas an Lebendigkeit fehlt. plätschert die Musik distanziert vor sich hin und klingt zwar natürlich, aber hier ist noch Luft nach oben. Die Audiointerfaces U/Phoria UMC202HD und UMC404HD klingen zwar keineswegs schlecht, aber der Zusatz audiophil hat mich etwas mehr erwarten lassen.

behringer umc 404 hd

Dafür überzeugen mich die Mic-Preamps umso mehr mit einer guten Verstärkungsleistung und sehr geringem Eigenrauschen, daran klingt auch mein etwas unempfindliches Sennheiser MD 46 richtig gut. Apropos Verstärkung, diese hätte an den Main-Outputs für meinen Geschmack höher ausfallen können, so wirken meine Abhörmonitore im Vergleich zu meinem Interface bei Maximallautstärke etwas leise.

Während die beiden Interfaces am Mac ohnehin automatisch erkannt werden, kann man sie unter Windows ohne installierte Treiber als WDM-Geräte nutzen. Dann allerdings ohne ASIO und bestenfalls mit VASAPI. Das bietet nicht jedes Audiointerface, viele lassen sich treiberlos unter Windows gar nicht einsetzen. Die ASIO-Treiber stellen zusätzliche Einstellmöglichkeiten bereit, die vor allem beim U-Phoria UMC404HD mehr Flexibilität ermöglichen.

Screenshot Behringer Audio-Manager

Die spezifischen Treiber gelten für alle Modelle und sind schnell installiert, anschließend steht ASIO 2.0 zur Verfügung und die Ein- und Ausgänge werden als separate Stereopaare im System angeboten. Das Control Panel erlaubt den schnellen Zugriff auf die globale Auflösung und Puffereinstellung, hier lässt sich auch auf einen Klick das Standardgerät wählen, das alle im System installierten Ausgänge mit einschließt. Blinde Anwender, die einen Screenreader nutzen müssen, können das Panel relativ gut bedienen, auch das ist nicht immer selbstverständlich.

Behringer U-Phoria UMC202HD im Detail

Das kleinere der beiden Interfaces bietet zwar keine Überraschungen, dennoch im Vergleich zu seinen Mitbewerbern ergonomische Vorteile. Das beginnt damit, dass sich die beiden XLR/TRS-Eingangsbuchsen direkt nebeneinander befinden und dicke XLR-Stecker somit nicht die zugehörigen Bedienelemente verdecken. Zwei Tasten für Line- und Instrumentenpegel, ein Pad-Schalter und zugehöriger Gain-Regler befinden sich rechts daneben, Übersteuerungen werden durch eine LED angezeigt. Ein Druckschalter mischt das Ein- und Ausgangssignal, wobei Letzteres etwas abgesenkt wird, Haupt- und Kopfhörerlautstärke werden über je einen Drehregler gesteuert.

Auf Komfort muss man allerdings verzichten, wie die fehlende Möglichkeit zur Summierung des Eingangssignals beim Abhören zeigt. Stellt man das Audiointerface auf die Tischplatte, liegen die Drehregler etwas weit unten, immerhin passt der Abstand zueinander. Lediglich der Regler für die Hauptlautstärke hätte etwas größer ausfallen können.

Behringer U-Phoria UMC202HD Rückseite

Auf der Rückseite gibt es neben dem Schalter für die Phantomspeisung und der USB-Buchse lediglich zwei TRS-Anschlüsse für Abhörmonitore. Das ist minimalistisch, aber reicht vollkommen aus. Wie oben erwähnt scheint der Pegel niedriger zu sein als bei meinem Mackie ONYX Producer 2×2, notfalls muss man den Gain an den Monitoren etwas anheben, dazu ist er schließlich da. Als UMC204HD bekommt man übrigens ein Zwischenmodell mit vier Ausgängen, Cinch- und MIDI-Anschlüssen.

Behringer U-Phoria UMC404HD im Detail

Das größere Modell kommt nicht nur mit vier Ausgängen daher, sondern verfügt über gleich vier Mic-Preamps im MIDAS-Design. Die Bedienung gleicht dem UMC202HD, wurde allerdings etwas aufgewertet. Das Monitoring der Eingänge erfolgt stufenlos über einen Drehregler, ein Schalter fasst die Eingänge als Mono-Mix zusammen, ein Cue-Taster routet die Ausgänge 3 und 4 über den Kopfhörer. Die beiden Drehregler für Hauptlautstärke und Monitoring liegen dicht übereinander, so dass man sie nur seitlich optimal greifen kann. Immerhin stehen sie weit genug heraus, von daher ist es eher Gewöhnungssache als ein wirklicher Nachteil.

 

Behringer U-Phoria UMC404HD Vorderseite

Spannend wird es hingegen auf der Rückseite: Hier gibt es im Vergleich deutlich mehr zu sehen. Dazu zählen vier Effekt-Sends, so dass man die Eingangskanäle jeweils durch einen eigenen Effektweg routen kann. Die Hauptausgänge sind zusätzlich als symmetrische XLR-Buchsen ausgeführt, alle vier Kanäle lassen sich zudem über ungeregelte TRS- und RCA-Buchsen abnehmen, Letzteres dürfte vor allem DJs freuen.

Behringer U-Phoria UMC404HD Rückseite

Zwei MIDI-Buchsen runden das Ganze ab, besonders im Hinblick auf externe Effektprozessoren natürlich ein unumgängliches Feature. Zum Lieferumfang des UMC404HD gehört auch ein schmales Steckernetzteil, das für den Betrieb nur dann erforderlich ist, wenn man die Phantomspeisung verwenden will, dafür reicht die Leistung am USB-Anschluss bei vier Geräten nicht aus. Dann allerdings benötigt es eine Steckerleiste, denn einen Netzschalter hat Behringer nicht vorgesehen. Immerhin lässt sich auf diese Weise das Audiointerface auch ohne Computer dazu verwenden, die Eingänge an verschiedene Ausgangsbuchsen umzuleiten.

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Fazit

Die Audiointerfaces Behringer U-Phoria UMC202HD und UMC404HD bieten schon ziemlich viel Leistung für wenig Geld. Den Zusatz audiophil hätte man sich jedoch sparen können, denn bei hochauflösendem Audiomaterial bieten sie klanglich keine Vorteile.

Das Gegenteil trifft bei den Mic-Preamps zu: Das MIDAS-Design spricht für sich und hier bieten sie eine gute und nahezu rauschfreie Verstärkung des Eingangssignals. Dass man das UMC404HD auch ohne Netzteil betreiben kann, ist ein Plus, auch die Software-Beigaben zum Download können sich sehen lassen. So eignet sich die U-Phoria-Serie sicher nicht nur für Einsteiger und bietet für ein geringes Budget einen guten Gegenwert.

Plus

  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • rauscharme Mic-Preamps im MIDAS-Design
  • unter Windows ohne Treiber einsetzbar
  • U-Phoria UMC404HD auch ohne Netzteil nutzbar

Minus

  • Audioqualität gut, aber nicht audiophil
  • Regler für Hauptlautstärke könnte größer sein

Preis

  • Ladenpreise:
  • U-Phoria UMC202HD: 59,- Euro
  • U-Phoria UMC204HD: 79,- Euro
  • U-Phoria UMC404HD: 99,- Euro
Forum
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    gaffer  AHU

    Die Leute bie Mac&i haben im Test festgestellt, dass die interne Tonausgabe bei neuen Macs den meisten Interfaces bis 200-300€ überlegen ist, aber die Inputs einiges schlechter sind. Da wäre ein Aggregated Device aus Behringer Mike Inputs und Mac Outputs eine richtig gute Lösung, wenn ich deine Ergebnisse hier mal zu Grunde lege. Den Hunni könnte ich mal riskieren.

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    Stephan Merk  RED 1

    Ich halte viel von Heise, aber manche Aussagen in der Tontechnik trotz guter Messwerkzeuge für ziemlich fragwürdig. Richtig ist sicher, dass viele DAC-Chips normaler Güte alle gleich gut klingen. Damit meine ich auch gut, es gibt heute keine schlechten Wandler. Es gibt aber bessere, die beispielsweise individuelle Eingriffsmöglichkeiten bei den Filtern bieten oder symmetrisch aufgebaut sind und hohe Auflösungen unterstützen, die in der Praxis aber kaum relevant sind. Allerdings besteht ein Audio-Interface nicht nur aus dem DAC-Chip, sondern aus Buchsen, Operationsverstärkern und Einstellmöglichkeiten. Ein Mac bietet mir nur eine Mini-Klinkenbuchse, an die ich bestenfalls einen Kopfhörer anschließen kann, aber keine symmetrisch gespeisten Studiomonitore. Die Verstärkung eines Mac reicht kaum aus, um bessere Kopfhörer vernünftig anzutreiben und kein Studiotechniker käme wohl auf die Idee, die fragile Mini-Klinkenbuchse mit schweren Kabeln auszujuckeln. Eingänge, Mic-Preamps, Phantomspeisung, auch das sucht man in einem Mac ebenso vergeblich, wie einen kräftigen Kopfhörerausgang.

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      gaffer  AHU

      Dein erster Satz ist eine Behauptung. Da hätte ich ganz gerne einen Beleg, oder eine Begründung. Ich vermute, die Firma ist diesbezüglich deutlich besser aufgestellt, was Messwerterfassung etc. betrifft, als eine INet Redaktion.

      Miniklinken sind definitiv nicht die erste Wahl für Audio. Grosse Klinken übrigens genauso wenig. Ich habe viele Studios gesehen und selbst auch gehabt. Ein kurzes Miniklinkenkabel in den Mixer, Monitor Controller, Headphone Amp oder was auch immer und die Sache ist erledigt. Für highest Fidelity sind ohnehin andere Geräte angesagt und eine Ausgabe des Ergebnisses erfolgt größtenteils digital, damit sind die physikalischen Ausgänge irrelevant.

      Meine Argumentation zielte auf Projektstudios mit Hardware im 200-300€ Bereich.

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        Stephan Merk  RED 1

        Das ist lediglich meine ganz persönliche Meinung als jahrelanger c’t- und IX-Leser. Fehler in Artikeln gibt es genügend, ein regelmäßiger Blick in die Leserbriefe und zugehörige Richtigstellungen zeigt dies eindrucksvoll. Ein gutes Messgerät sorgt ebenso nicht per se für einen guten Artikel, wie eine Gitarre nicht alleine zum Welthit verhilft.

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    WOK  

    Subjektive Aussagen wie „fehlende Lebendigkeit“ halte ich in einem Test für sehr fragwürdig. Ob der Autor bei einem echten Blindtest diesen Unterschied auch bescheinigen würde? Wenn schon, dann bitte echte Messergebnisse liefern.
    Die Hauptfrage bei Billigangeboten wie Behringer wäre bei mir, wie gut/stabil die Treiber sind, und ob da in Zukunft auch mit Updates zu rechnen ist, oder man sich nach dem nächsten großen Windows-Update wieder etwas neues kaufen darf?

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      Stephan Merk  RED 1

      Ein Test auf dieser Basis ist zunächst immer subjektiv, objektiv kann nur eine Messreihe von verschiedenen exemplaren unterschiedlichen Chargen sein. Als fast blinder Mensch bestimmen Blindtests übrigens meinen Alltag und ich vertraue meinem absoluten Gehör als Messkurven, die ich nicht mal lesen kann.

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        Stephan Merk  RED 1

        Noch eine Anmerkung zur Nachhaltigkeit, das Interface läuft wie beschrieben mit WDM-Treibern, ist also class compliant und wird daher auch in 20 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch laufen. Das sind festgelegte Spezifikationen und reduziert die Nachhaltigkeit allerhöchstens auf ASIO-Treiber. Ob billig oder günstig, jeder Hersteller kauft die Komponenten ein und packt sie in ein Gehäuse. Selbst in teuersten Wandlern stecken gängige DAC-Chips und USB-Controller, so dass das Treiberdesign sicher auch zu anderen kompatibel sein kann. Dies aber in einen Test zu bringen, hielte ich für deutlich unseriöser, als meinem Gehör zu vertrauen.

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    ArvinG  

    Ich habe mir kürzlich das UMC404HD zugelegt und war positiv überrascht. Ich hatte ein Zweitinterface für kleines Besteck gesucht um Stücke, Ideen oder Übungen in guter Qualität festzuhalten (Konzert- oder Akustikgitarre bei mir). Für den Preis kann man da nichts falsch machen. Wie im Fazit schon erwähnt, die MIDAS Preamps sind wirklich gut.

  5. Profilbild
    teofilo  

    Nach der Windows 10 Umstellung wurde das alte Gerät nicht mehr unterstützt. Für Laptop hatte ich mir mal das 202 zugelegt (ohne HD). Also erst mal angestöpselt und ein neues kaufen. Das Behringer ist heute immer noch dran und es gab noch keinen Anlass, der eines anderen Interface bedarf.
    (In meinem Forum wunder ich mich nur über die Probleme, die andere mit anderen Interfacen (;o) haben.)

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