Test: Digigrid D Desktop Audiointerface

11. März 2019

Audio over IP für jedermann

digigrid d

Digigrid D

Mit einer neuen Reihe an mobilen Audiointerfaces bringt die britische Marke Digigrid deren Linux-basierte Soundgrid-Umgebung mit dem Digigrid D Interface ins Projektstudio. Die kleine, portable Unit Digigrid D bringt zudem 6 analoge Ausgänge und vier analoge Eingänge auf den Tisch, zweimal Line und zwei Mikrofonverstärker mitsamt XLR-Eingängen. Der Hersteller entscheidet sich aufgrund der netzwerkbasierten Systemarchitektur dafür, anstatt von USB oder Firewire das Gerät per Cat 5e oder Cat 6 Ethernet-Kabel mit dem Host-Computer zu verbinden. Der Clou ist hier: Entscheidet man sich für weitere Produkte aus dieser Reihe oder jegliche andere Soundgrid gestützte Hardware, können diese über das Digigrid S Modul, ein Netzwerkverteiler, geriggt werden und miteinander kommunizieren. So kann man sein Setup ohne physische Veränderung permanent rekonfigurieren, wenn man sich danach fühlt. In den Geräten befinden sich dieselben hochwertigen Preamps und Wandler von DiGiCo wie in den Flaggschiff-Produkten der Marke.

Vor allem für Studios mit mehreren Räumen eignet sich dieses System in der Anwendung, so bietet der Hersteller beispielsweise ebenfalls eine kleinere Version des Interfaces mit lediglich einem Kopfhörerausgang und jeweils einem Line- und einem Mikrofoneingang, welches sich beispielsweise gut in einer Vocalbooth unterbringen ließe. Dieses lässt sich dann über das Digigrid S Modul mit der Digigrid D verbinden und mit derselben Clock vom Server versorgen. SoundGrid inside. Audio over IP.

Falls das eigene Setup wächst, kann man beliebig viele Geräte miteinander kombinieren, ebenfalls die Rack-Geräte für native DAWs und den Live-Gebrauch kommunizieren lückenlos mit den kleinen Interfaces. Doch kann das kleine Gerät auch standalone im Projektstudio-Setup überzeugen? Wie gut sind die Grundvoraussetzungen des Systems und der Hardware? Das gilt es herauszufinden.

digigrid d

Einrichtung der Software, Haptik und Verarbeitung des Digigrid D Interfaces

Beim Auspacken des Gerätes kommt einem ein formschöner Kasten im Brotdosenformat entgegen, dessen Multischicht-lila-Lack in der Farbgebung fast etwa an einen Manley Massive Passive erinnert. Ordentlich Gewicht bringt die kleine Box mit ihren 1,7 kg auf die Waage, das trägt zusätzlich noch zum soliden Ersteindruck bei. Bombenfest verschraubt wirken die mit Torx-Schrauben miteinander verbundenen Gehäuseteile. Die Bedienoberfläche kommt in matt-schwarzem Finish daher, sämtliche Beschriftungen und Legenden sind in gut lesbarem Weiß aufgebracht. Sämtliche auf dem Gerät vorhandenen Potentiometerkappen sind gummiert und fühlen sich definitiv überdurchschnittlich wertig an, gerade die beiden großen Drehregler zur Justierung der Abhör- und Kopfhörerlautstärke hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Der Hersteller liefert neben einer Kurzanleitung und einem Cat 6 Kabel das eigene 12 Volt Netzteil mitsamt verschiedenen Steckeraufsätzen für die verschiedenen Stromregionen mit.

Digigrid D

Die Digigrid D von vorne

Nachdem das Gerät ordnungsgemäß verkabelt wurde, beginnt eine kleine Odyssee. Die Installation des Gerätes erfordert die Anmeldung auf der Waves Website, das Herunterladen des Waves Software-Autorisierungscenters, der Waves Soundgrid Studio-Software und auch den Download des Soundgrid Driver Control Panel.

Die Hardware an sich muss zudem noch im Internet registriert und nachträglich über die Soundgrid Software konfiguriert werden. Um dies bewerkstelligen zu können, benötigt man den entsprechenden Namen seines LAN/Ethernet-Ports am Host-Rechner, mit dem man das Gerät verbindet. Dieser ließ sich in meinem Falle des 2017er iMacs lediglich über einige Befehle im Terminal herausfinden.

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Aufgrund fehlender Erfahrung mit der Ethernet-Umgebung tat ich mich mit der Inbetriebnahme des Gerätes etwas schwer, weiß man aber darüber Bescheid, dass der eingebaute Ethernet-Port unter OSX immer als en0 betitelt ist, so sollte dieser Prozess bei Weitem schneller von der Hand gehen. Ich musste dies erst mal über einen Terminalbefehl sowie die Internet-Recherche herausfinden.

Hat man diesen Prozess überstanden, bieten sich einem umfangreiche Möglichkeiten: Einerseits lassen sich hier alle im selben Netzwerk befindlichen Computer mit dem Gerät verbinden, bis zu acht Stück auf einmal, ebenfalls lassen sich hier bis zu acht andere, Soundgrid kompatible, Interfaces miteinander verbinden. Ein Server lässt sich ebenfalls noch mit einbinden. Ob man heute mal Master oder Slave sein möchte sowie die Master-Samplerate lässt sich hier ebenfalls konfigurieren. Hier geht einiges, möchte man sein bestehendes Setup nachhaltigerweise erweitern.

Digigrid D

Die Ein- und Ausgangssituation der Digigrid D

Nach der erfolgreichen Installation aller notwendigen Komponenten wird man durch ein regelrechtes Lichterfeuer belohnt, sämtliche milchglasig-weißen Meter-Informationen am Gerät entpuppen sich auch als eben solche funktionalen Meter. Diese sind nicht nur als Show zu verstehen, mit diesen kann man wirklich etwas anfangen und deren Aufmachung und Lesbarkeit überzeugt. Auch das Drücken der im Gerät untergebrachten Knöpfe bereitet großes Vergnügen, dessen Druckpunkte und die generelle Haptik der Taster strahlen einerseits Robustheit, andererseits aber auch Wertigkeit und einfach guten Geschmack aus. Was das angeht, braucht man sich auch und gerade vor der elitären Konkurrenz à la UAD oder RME bei weitem nicht zu verstecken, im Gegenteil.

Aufbau der Digigrid D Hardware und Nutzung in der Praxis

Gemessen am allgemeinen USB- und Firewire-Interface-Standard bekommt man mit dem Digigrid D in dieser Kategorie exzellente Qualität. Die Mikrofonverstärker stechen für mich in diesem Ressort mit ihren 70 dB an cleanem Gain besonders hervor, sie klingen wirklich hervorragend in sämtlichen Situationen, egal ob dynamisches Mikrofon oder Kondensator mit 48 Volt Phantomspeisung.

Ebenfalls die zwei Line/Hi Z-Inputs sind rauscharm und mit sämtlichem Equipment als normaler Eingang oder in Kombination mit den zwei zusätzlichen Line-Ausgängen als Stereo-Insert zu nutzen.

Digigrid D

Das Digigrid D Interface bei der Arbeit

Mit den stabilen Potis zur Gain-Regelung gelingt einem ein manuelles, perfektes Pegel-Matching. Bringen viele Desktop-Interfaces häufig rauschende Vorverstärker „auf den Tisch“, die mit Vorsicht zu genießen und nur begrenzt einsetzbar sind, so bekommt man hier eine wirklich verlässliche und toll klingende Eingangssituation geboten.

Zusätzlich bekommt man die Möglichkeit, bei den zwei Vorverstärkern die Phase zu tauschen und ebenfalls diese, sämtliche Eingänge mit Direct-Monitoring zu betreiben, sprich sie an der DAW vorbei direkt auf die Abhöre zu routen. Hilfreich, wenn beispielsweise in einer Session, die bereits größer ist und deshalb nicht frei von Latenz zu betreiben ist, Overdubs aufgenommen werden müssen.

Außerdem lassen sich in den Signalweg der Mikrofonvorverstärker LoCuts schalten, die ab 100 Hz per 18 dB/Oktave Filter wirken. Diese sind nützlich, vielseitig einsetzbar und wirkungsvoller als die 80 Hz LoCuts mit weniger Wirkung, die zumeist in solchen Interfaces verbaut werden.

Digigrid D

Das Digigrid D von der Seite

Die Monitoring-Sektion des Interface bringt Hardware-Mono mit sich, was extrem nützlich ist und den wichtigen Mixcheck in Mono zum Kinderspiel macht. Ohne Ploppen im Signal wird aus Stereo True-Mono, immer wann man will. Des Weiteren gibt es noch einen weiteren Button zum Dimmen der Abhöre, hier werden bei Aktivierung 20 dB gepadded. Diese beiden Funktionen wirken sich sowohl auf den Monitor als auch auf den Kopfhörerweg aus.

Für den Monitorweg an sich gibt es noch die Option, diesen per Knopfdruck zu muten, sodass lediglich der Kopfhörerausgang aktiv ist. Praktisch, möchte man seine exakte Abhörlautstärke beibehalten, während man sich in einem Recording befindet. Besagter Kopfhörerverstärker ist übrigens ebenfalls bärenstark und liefert wunderbaren und extrem lauten Sound. Eine gute Idee: Während das Lautstärkemeter der Abhöre immer Aufschluss über die Eingangslautstärke gibt, zeigt das Meter am Kopfhörerausgang die Lautstärke des Kopfhörers an, sodass man sieht, wie laut man diesen fährt und es beim Aufsetzen keine bösen Überraschungen geben kann, diese können bei der schieren Ausgangsleistung, die hier anzuliegen scheint, sicherlich auftreten.

Auch größere Sessions schafft das Digigrid D mit Bravour bei kurzer Pufferzeit, einzig mit meiner UAD-Peripherie scheint es sich noch nicht allzu gut zu vertragen. Je voller die UAD-DSP ausgelastet ist, desto mehr Knackser kommen hier und da aus der Abhöre. Etwas nervig. Auf Rücksprache mit dem Hersteller konnten wir dieses Problem allerdings schnell beheben, der UAD-Treiber stellt sich vorrangig über sämtliche andere angeschlossene Peripherie, glücklicherweise lässt sich aber dessen Bandbreite manuell limitieren, was der Digigrid D auf Anhieb genug Luft zum Atmen gibt. Problem gelöst und Fehler behoben.

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Fazit

Die Digigrid D bietet nicht nur den perfekten Einstieg ins Soundgrid-Environment, in erster Linie bekommt man hier einfach ein sehr vernünftiges Paket, dessen Komponenten durchweg überzeugen und gut nutzbar sind. Angefangen bei Design und Verarbeitung über die Vorverstärker, Wandler und den Abhörweg scheint man es hier mit einer extrem sinnigen Konstruktion zutun zu haben, die dem gemessen an den Möglichkeiten recht teuren Preis gerecht wird.

Wer auf der Suche nach einem kleinen, aber feinen Universalgerät für Mixdown- und Tracking-Situationen ist, sollte hier einen Blick drauf werfen. Erweitern lässt sich dieses System mit weiteren Produkten der Digigrid Familie nach Lust, Laune und Budget. Abseits der Nutzung mit Native DAWS lässt es sich in Kombination mit weiterer Peripherie der Marke dann auch als einfache I/O nutzen.

Wer das Gerät im Vergleich zu anderen Interfaces als zu teuer einschätzt, missversteht es. Hiermit erhält man einen tollen ersten Baustein, dessen Qualität der Preamps und Übertrager auch in zehn Jahren noch überzeugen wird. Sehnt man sich nach mehr Eingängen und Ausgängen und möchte mit seinen Herausforderungen wachsen, so lässt sich das bestehende System damit erweitern. Hat man sich erst mal einige Geräte angeschafft, so lässt sich das Gerät beispielsweise Live als Talkback-I/O verwenden und dann zuhause wieder als Mittelpunkt ins Studio stellen.

Das Gerät sowie dessen Performance und Qualität haben meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Die Audioqualität, die der Preamps, Meter und Signalwege geht deutlich über die von klassischen USB- oder Firewire-Interfaces hinaus und kann mehr als nur mit den Wandlungsqualitäten von RME und Co mithalten. Seine Aufmachung und Platzierung in dieser Riege der Lunchboxinterfaces lässt einen das Gerät schnell unterschätzen.

Einzig toll gewesen wäre ein weiterer, vollwertiger Monitorausgang und damit in Verbindung stehend ein Switcher für die Monitorpaare.

Plus

  • Verarbeitung
  • Preamps
  • Wandler
  • Preis

Minus

  • nur ein Monitorpaar ohne externen Switcher zu betreiben

Preis

  • Ladenpreis: 759,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    bytechop  

    Danke für den Test, die Netzwerktechnik behalte ich mal auf dem Schirm. Konnte das Interface schon mit Windows getestet werden?

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      mikesilence  

      Das gute an der Netzwerktechnologie bzw SoundGrid ist ja, dass jeder Rechner ein Audiointerface im Netzwerk ist, egal ob Windows oder Mac.

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    L. Lammfromm  

    Für mich liest sich dieser Testbericht nicht wie ein Testbericht, sondern wie ein ganz gewöhnlicher Werbetext. Ich mag diesen beschönigenden, einseitig lobhudelnden Stil garnicht. Sorry.
    .
    Beispiel: „Wer das Gerät im Vergleich zu anderen Interfaces als zu teuer einschätzt, missversteht es. Hiermit erhält man einen tollen ersten Baustein, dessen Qualität der Preamps und Übertrager auch in zehn Jahren noch überzeugen wird.“
    .
    Soso. Schön blöd sind da die meisten Kunden, dass die nach Sachen wie Geräuschspannungsabstand und Verzerrungen fragen, welche Samplerate und Bitbreiten die Treiber ermöglichen, ob die Wahl von Samplerate und Bitraten paradoxe Effekte auf den Geräuschspannungsabstand haben (typische Treibermacke übrigens), wie gut die Impulswiedergabe ist, welche BS unterstützt werden und wie lange der Hersteller für Treiberupdates zu sorgen verspricht und ob Interfaces mit ähnlichen Eigenschaften vielleicht günstiger zu haben sind.
    .
    Äh, eine Hardware, die für die Inbetriebnahme im Internet registriert (!!) werden muss. Nein sorry, das geht gar nicht. Wie begründet der Hersteller denn diesen dreisten Schwachsinn??

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    Kutscher  

    Das Waves Soundgrid ist super hat aber seine Tücken.

    Der Studio Treiber ist zunächst kostenlos. Und ist mit einer Roundtrip Latenz von ca 2,9ms (Herstellera gäbe) bis 4ms auch für Inserts Live Inserts geeignet. Gleiche Technologie wie in den Waves Servern. Die Dante DVS braucht dafür mindestens 9ms.

    Aber die kostenlose Soundgrid Studio Lizenz bleibt auf der Version stehen auf der sie erworben wurde. Dies führt langfristig zur Waves Updateplan Kostenfalle.

    Grus Kutscher.

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      gaffer  AHU

      Danke Kutscher. Der Abofallenhinweis ist prima.

      @Lammfromm. Ganz deiner Meinung. Onlineregistrierung als Voraussetzung für den Betrieb ist ganz nahe bei unverschämt.

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        gaffer  AHU

        Ich finde den Test übrigens gut, Vincent, bin im Gegensatz zu Lammfromm eher der Meinung, dass du schlicht begeistert bist. Is ja ok. LAN Audio könnte eine Zukunft haben, dann müsste allerdings eine Firma wie Behringer her, besser mehrere potente zusammen, wie anno dunne bei MIDI, die nicht einfach die Gelegenheit nutzen mit einer proprietären Lösung mir als Kunden ein paar Hunnis mehr aus der Tasche zu ziehen.

        Kritik habe ich allerdings auch. Geh mal davon aus, dass 98% der Leser hier mit dem Thema bisher gar nix zu tun hatten. Unter diesem Aspekt ist der erste Absatz mutig. Ich hätte noch einen mit ein paar Sätzen zu dieser Art der Vernetzung geschrieben. Wer mehr wissen möchte, es gibt einen Artikel dazu ich glaube von Markus. Edit: Sorry, es war Florian, kannst du mir nochmal verzeihen? https://www.amazona.de/audionetzwerke-dante-avb-ravenna/

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          Felix Thoma  RED

          Wir haben derzeit weitere Artikel in der Pipeline, die sich detaillierter mit den Möglichkeiten der Digigrid Interfaces beschäftigen. Bitte noch etwas Geduld.

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            Vincent  RED

            Hallo zusammen,

            Danke für Eure konstruktive Kritik und auch deinen Verweis @gaffer!

            Das ist das erste Ethernet Interface, was ich jemals getestet habe und somit absolutes Neuland für mich, somit war es mir wichtig, etwas praxisnäher, und näher am Nutzer (gemessen am Budget) und der eigentlichen Funktion zu operieren. Leider muss man sich häufig festlegen, auf was man den Fokus legen möchte, so kann man nicht immer allen gerecht werden.

            Begeistert war ich am meisten von den Vorverstärkern, Abhörweg und DACs sowie der generellen Verarbeitung, sowas wird man WIRKLICH in dieser Preisregion selten finden.

            Für den Hinweis mit der Abofalle bin ich ebenfalls dankbar, mehr als nur erwähnenswert!!!

            Liebe Grüße,
            Vince

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    Jörg Hoffmann  RED

    Da ich mich auch aktuell mit DiGiGrid und SoundGrid befasse: Tatsächlich ist es nicht leicht einen umfassenden Test über DiGiGrid Produkte zu verfassen. Denn die erweiterte Funktionalität durch das SoundGrid System „überstrahlt“ oft die Tatsache, dass es sich auch um ein normales AudioInterface handelt. Würde man alle Aspekte des Gerät umfassend behandeln, würde das den Umfang eines Amazona Tests bei Weitem sprengen.
    Ich finde, der Kollege Vincent hat das Gerät mit seinen Facetten sehr gut beschrieben und man hat einen sehr guten Eindruck bekommen, wo die Stärken liegen. Danke schön!

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      Vincent  RED

      Lieber firstofnine,

      ich danke Dir! Ja, hier gibt es einiges, über das man noch referieren könnte, da hast Du mehr als nur recht! Wirklich ein spannendes Thema, mal sehen, was die Zeit hier bringen wird! :)

      Liebe Grüße,
      Vince

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      Jörg Hoffmann  RED

      Ja, ist richtig, aber mittlerweile gibt es schon einige Hersteller, die mit Waves kooperieren – auch größere Namen, wie Apogee, Crest oder Unterstützung für Allen&Heath Mixer.
      Und als Ethernet Layer 2 Protokoll ist es kompatibel mit Standard Gigabit Equipment (Kabel, Switches, etc.), es sei denn, der Hersteller hat irgendwelche Ethernet Spezialitäten eingebaut (Protokollergänzungen, etc.). DiGiGrid hat aber eine Liste kompatibler Gerät auf deren Seite.

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        TobyB  RED

        Hallo FirstofNine,

        die entsprechenden Charts sind mit kompatiblen Netzwerkkabeln und Switchen sind bei Digigrid nicht mehr auffindbar. Als MacUser wäre mir zudem natives AVB lieber und ich würde mich unter Windows auch mit AVB wohler fühlen. Soundgrid ist dann doch recht propietär. Wohingegen AVB unter IEEE 802.1BA fällt. Die HW für AVB ist nicht unbedingt teurer und MAC OS hat AVB on Bord und für Windows gibts auch Treiberlösungen, die dieses sicher Nachrüsten.

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            TobyB  RED

            Hallo Mike,

            danke Dir. Da ist für jeden Geldbeutel was dabei. Ich würde allerdings Managed Switche und Co vorziehen. Unter Umständen kann man sich bei Netzen mit Unmanaged Switchen den Bock schiessen, dass der „Router“ als DHCP/DNS die Pakete verwirft oder bremst. Dann hat man auch nichts gekonnt. Wie dem auch sei, für On the fly ist das nix. Netz Planung und Komponentenauswahl ist hier alles.

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              mikesilence  

              Wenn man nur SoundGrid verwendet ist das Netzwerk auch mit unmanaged Switches einfach einzurichten und stabil. Man darf halt nicht mischen.

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                TobyB  RED

                Hallo Mike,

                für den Anfänger kann das eine frustrierende Angelegenheit werden. Ich musste für AVB mein heimisches LAN umstricken. Der Speedport Router der Telekom war ein Fallstrick. Der zweite Bremsklotz war Apple TV, Telekom Entertain und Netflix. Ich kann daher nur empfehlen auch im SoHo, Heimstudio sich zu entscheiden, entweder Mediastreaming oder aber 2 separate Netze. Und ich mutmasse das dies bei Soundgrid nicht anders sein wird.

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          Jörg Hoffmann  RED

          Hallo TobyB,
          AVB ist in seinen Möglichkeiten weit hinter SoundGrid und auch wenn es „offen“ ist, haben sich dazu bisher noch nicht so viele Hersteller dazu committed (Motu, RME). Das sind sicher nicht mehr als bei SoundGrid. Der Vorteil besteht aber insbesondere darin, auch Projekte und vor allem Plugins plattformübergreifend zu teilen. Ist einfach ein anderes Konzept.

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            Drumfix

            Als wenn es mit Dante, AES67 und AVB nicht schon 3 etablierte Studiostandards geben würde, jetzt auch noch eine eigene, proprietäre Variante von Waves. Und wenn ich DigiGrid so lese, sehe ich AVB ohne das „V“, ohne Masterclock, ohne garantierte Bandbreite und Latenz, dafür eine Wiederauferstehung des Muse Receptor, wobei selbiger wenigstens Plugins mehrerer Hersteller nutzen konnte.

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              mikesilence  

              Abgesehen davon kommt man momentan von AVB kaum auf eines der anderen Formate. SoundGrid gibt es übrigens auch nicht seit kurzen, sondern schon seit knapp 10 Jahren.

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            TobyB  RED

            Hallo firstofnine,

            naja MOTU sitzt im AVB Bus. Presonus auch. Digigrid ist ja auch erstmal nur so ein Ansatz wie AUv3 oder VSTi. Und die Frage ist, was ich als Anwender brauche. Ich bin an und für sich Freund von solchen Geschichten. Ich habe hier immer noch meinen Logic Nodes Cluster, der im „Prinzip“ ja auch nichts anderes macht als Daten und Rechenzeit zu verteilen. Schade das Apple dies abgekündigt hat. Ist eine praktische Sache.

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    bluebell  

    Verstehe ich das richtig, dass sich der Hersteller zwar an Linux bedient, um es im Gerät einzusetzen, aber eine Nutzung im Zusammenspiel mit Linux nicht vorsieht?

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      Vincent  RED

      Hey bluebell,

      also die Digigrid Server laufen intern auf Linux, aber deren Netzwerkprotokoll ist ja keinem System zugewiesen… Soundgrid auf Linux wäre aber sicherlich ne stabile Sache für Live, ansonsten gibt’s halt nur total weniger DAWS auf Linux fürs Studio… Da würden mir jetzt auf Anhieb nur Reaper, Bitwig oder vielleicht noch der Harrisson Mixbus einfallen :)

      LG Vince

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        bluebell  

        Nimmt man die nicht-kommerziellen DAWs hinzu (die man – wenn man Lust hat – auch selber kompilieren kann, was bei Bugreports und anschließenden Tests hilft), sind noch von Bedeutung: Ardour (Basis von Mixbus), Qtractor, LMMS, Rosegarden, MuSE. Die Stabilität ist mittlerweile ok.

        Der Linuxer freut sich besonders über Audio-Interfaces. Wir profitieren bereits von den mobilen Apple-Geräten, die die Hersteller dazu ermutigen, Class Compliant USB-Interfaces herzustellen.

        Ein offenes Protokoll über Ethernet würde sowohl den Nutzern plattformübergreifend als auch den Herstellern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Mit einem kleinen Webserver im Interface können die Hersteller alle Parameter plattformunabhängig zugeifbar machen. Wenn sie sie dann noch per MIDI-CC steuern lassen, ist auch die Automatisierung per DAW gegeben.

        Es wäre so einfach, alles richtig zu machen. Aber Betriebswirte wollen wohl nicht.

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          Vincent  RED

          Lieber bluebell,

          Über dieses Thema wüsste ich gerne mehr. Das wäre absolut genial und so wie du es ausführst wäre das wohl auch toll zu realisieren. Könntest Du vielleicht einmal für mich mutmaßen warum die div. Hersteller an dieser Idee kein Interesse zu haben scheinen? Meinst Du, es liegt generell an der Open Source Geschichte? Please gimme more! :)

          Das Thema Linux interessiert mich im allgemeinen sehr!

          Liebe Grüße,
          Vincent

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            Vincent  RED

            Nutzt Du Linux bereits für die Musikproduktion? Wie hält es sich mit kurzen Latenzzeiten? Versteht sich deine Peripherie mit Linux? Im vollen Funktionsumfang? Treiber? etc? Ganz spannende Sache für mich! :) Gruß!

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              bluebell  

              [Wegen Längenbegrenzung der Kommentare in mehreren Teilen. Hier Teil 1]

              Ja, ich mache meine Songs mit Qtractor auf Linux. Als Interfaces habe ich die Focusrite Scarletts (Solo, 2i2, 2i4). Die sind Class Compliant und haben keine eingebauten Spezialitäten (z.B. interne Mixermatrix oder Effekte), daher laufen die out of the box mit Linux. Der Treiber ist als Standard-Treiber im Linux-Kernel.

              Für Linux gibt es Standard-Kernel und Low-Latency-Kernel in allen großen Distributionen. Einen Tick mehr Performance bekommt man mit Realtime-Kernel, die sich aber immer weniger von den Low-Latency-Kerneln abheben, dafür aber schon mal Probleme mit NVidia-Grafiktreibern machen können.

              Unübersichtlich für einen Neueinsteiger ist, dass es unter Linux noch mehr Sound-Architekturen als unter Windows gibt, und dass es 2 MIDI-Architekturen gibt (jack und ALSA), die man aber mit einer Softwarebrücke verbinden kann.

              Schön ist, dass sich die jack-Architektur (so eine Art Pendant zu ASIO plus Rewire) übers Netzwerk erstrecken kann, mit jack-trip sogar übers Internet. Da gibt es natürlich keine superkleinen Latenzen.

            • Profilbild
              bluebell  

              [Wegen Längenbegrenzung der Kommentare in mehreren Teilen. Hier Teil 2]

              Wer kennt es nicht – die DAW ist schon voll mit Spuren und Plugins, braucht also große Puffer, denn man will nicht alles bouncen, will aber trotzdem noch was mit der Gitarre über einen Software-Gitarrenverstärker einspielen. Schon nerven die Latenzen. Meine Lösung: Interface 1 (mit Direct Monitoring-Fähigkeit) für die DAW mit großem Puffer betreiben, Interface 2 mit eigener jack-Instanz und kleinem Puffer für Guitarix (quasi Guitar Rig in Open Source) nutzen, mit dessen Audio-Ausgang in den Audio-Eingang von Interface 1 gehen, wo man sich das Gitarrensignal per Direct Monitoring latenzfrei dazuholt.

              Ich gehe jetzt nicht darauf ein, wie man Windows-Plugins mit WINE unter Linux nutzt, denn dann kann man auch gleich Windows nehmen. Es gibt Plugins (Effekte und Instrumente) in diversen nativen Linux-Formaten. Das sind LADSPA, DSSI, LV2 und (Linux-) VST.

              Wer Filmmusik macht, wird für Linux nicht die großen Orchesterbibliotheken finden. Auch der Autotune-Sektor kann nicht mit Windows und Mac mithalten. Es gibt natürlich Autotune-Plugins, teilweise auch per MIDI steuerbar. Es soll Leute geben, die Melodyne mit der WINE-API-Emulation am Laufen haben.

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              bluebell  

              [Wegen Längenbegrenzung der Kommentare in mehreren Teilen. Hier Teil 3]

              Ansonsten ist im Prinzip alles da, auch in nicht-kommerziell, also mit Quellcode und dafür ohne Seriennummer, Heimtelefoniererei, Dongle und Beschränkungen. Wenn ich zu Hause zwei Rechner und in meiner Zweitwohnung noch einen hab, muss ich mir keine Gedanken um Lizenzen machen. Das ist sehr entspannend.

              Im nichtkommerziellen Bereich unter Linux halte ich Ardour und Qtractor für die Platzhirsche. Ardour hat ein etwas ausgefeilteres Audiorouting und Plugin-Latency-Compensation, dafür hat Qtractor den besseren MIDI-Editor. Wer vor allem analoge Signale aufnimmt, wird wohl mit Ardour glücklicher sein, wer viel mit MIDI macht (auch mit Software-Instrumenten), wird – wie ich – mit Qtractor besser fahren.

              Bisher hab ich Gitarre noch nicht selber mit Linux aufgenommen, weil ich die Gitarre erst ein paar Wochen hab (bin eigentlich Keyboarder) und die ersten Powerchords lerne. Ein Teil der verzerrten Gitarren in den folgenden Beispielen (teilweise auch vom Sampler) kommen von Freunden als WAV-Files:

              https://www.myownmusic.de/suedwestlicht/play/?songid=437414

              https://www.myownmusic.de/suedwestlicht/play/?songid=395887

              • Profilbild
                Vincent  RED

                Ich danke dir vielmals für die Übersicht!!! Das gibt mir ordentlich Grundlage um mich da mal reinfuchsen. Vielleicht folgt eine Linuxserie aus deinem Kommentar! :)

                Gruß, Vince

  6. Profilbild
    bluebell  

    Und schon hat die Entwicklung meine Aussage überholt, nur Ardour hätte Plugin Latency Compensation. Die Qtractor-Entwicklerversion aus Github hat sie jetzt auch schon, zumindest in Tracks. Hab’s getestet, funktioniert. Die Plugins müssen natürlich ihre Latenz über die vorgesehene Schnittstelle melden, ansonsten muss man ein Fake-Plugin „Artificial latency“ laden, das eine Latenz berichtet, aber keine verursacht.

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