Test: Manley Massive Passive (Mix Version), Equalizer

8. Februar 2019

Wer viel bewirkt und wenig spricht

manley massive passive

Manley Massive Passive

Sechs Jahre liegt nun der Todestag des Urvaters von VTL und Manley Labs zurück, der den Manley Massive Passive entwickelte. Dieser wird 2019 sein 21. Produktionsjahr feiern, die Firmengeschichte des Unternehmers reicht bis 1980 zurück. Zu dieser Zeit noch in Südafrika ansässig, entwickelte David Manley unter dem Firmennamen VTL mit seinem Sohn Luke Röhrenvor- und Vollverstärker für den Konsumentenmarkt. 1986 erschloss das Familienunternehmen dank einer Präsentation auf der CES den amerikanischen Markt, woraufhin deren Produktions- und Wohnort nach Chino, Kalifornien verlagert und 1988 Manley als zweites Unternehmen gegründet wurde. Ab 1993 gehen sein Sohn und er firmentechnisch getrennte Wege.

Konzentriert sich Manley neben einer kleinen Auswahl an Hi-Fi-Produkten seither eher auf Produkte für den Pro-Audio-Markt, steht VTL ausschließlich für den Highend-Konsumentenmarkt. David Manley selbst verließ die Firma bereits drei Jahre später und gab die Schirmherrschaft an seine Frau Eve Anna Daurane Manley ab. Manley galt als Exzentriker, der auch in der Industrie kein Blatt vor den Mund nahm. Die generelle Evolution der Entwicklung der Verstärkertechnik bezeichnete er als rückschrittlich und zu sehr von Einsparungen dominiert. Körperliche und psychische Krankheiten zwangen ihn zum vorzeitigen Ruhestand.

Von Preamps, Mikrofonen, Monitoring-Lösungen, Boxenkabinetts über Dynamikprozessoren bis hin zu Equalizer-Produkten deckt Manley Labs heute so ziemlich alles ab, was der anspruchsvolle Produzent und Mastering Engineer von heute an Outboard-Equipment benötigt. Auf traditionelle und bewährte Fertigungstechnik wird hier Wert gelegt – und das lässt man sich auch gut bezahlen.

Besonderheit der Manley Produkte sind deren eigenständig entwickelten und auch gewickelten Transformatoren. Am bekanntesten sowie meist gelobt ist neben deren Kompressor Variable Mu und deren Pultec-Style Equalizer der Manley Massive Passive. Diesen gibt es sowohl in einer Tracking/Mixdown- als auch in einer Mastering-Version mit gerasterten Potis. Im folgenden Test widmen wir uns ersterer und versuchen zu ergründen, weshalb das Gerät sich dieser Popularität erfreut.

Die Schaltungstopologie des Manley Massive Passive

Manley Massive Passive

Die gut bestückten Innereien des Manley Massive Passive

Der Manley Massive Passive ist ein 2x 4-Band Stereo-Röhrenequalizer, dessen Schaltungsdesign, natürlich bis auf die Vor- und Aufholverstärker mit geschalteten Röhren, komplett passiv aufgebaut ist. Sprich: Die Klangregelung an sich erfolgt „Pultec Style“ basierend auf Metallfilmwiderständen, Kondensatoren und den handgewickelten Induktionsspulen.

Bei einem Blick ins Innere zeigt sich: Die Bude ist voll. Genau wie im ansonsten IC-basierten Audio Hammer 2 EQ finden sich auch im Manley Massive Passive der dritten Revision zwei 12AT7 Röhren, hinzu kommen allerdings noch einmal vier 12BH7EH, insgesamt befinden sich also 6 Röhren in dem 3U hohen Gerät. Außerdem finden sich noch fünf Hochpass- und vier Tiefpassfilter pro Kanal mittig positioniert, diese haben eine Flankensteilheit von 18 dB/Okt. und sind so für analoge Hoch- und Tiefpässe recht wirkungsvoll.

Jedes der jeweils vier Equalizer-Bänder lässt sich von einem Glocken- zu einem Shelfing-Band umschalten und die variable Q-Bandbreite reicht von 1,5 bis zu relativ schmalen 3. Jedes Band lässt sich per Schalter zu einem umstellen, mit dem man entweder um 20 dB boosten oder cutten kann, über gerasterte Potis lassen sich pro Kanal und die vier Bänder insgesamt 44 verschiedene Frequenzen anwählen, 11 pro Band.  Von 22 Hz bis 27 kHz lässt sich also auf das Signal ungefähr in ¼-Oktav-Schritten zugreifen.

Durch diese Informationen wird ersichtlich, dass man beim Manley Massive Passive mit überlappenden Frequenzen arbeitet. Das kann zwar schön und natürlich klingen, aber eben häufig auch dazu führen, dass man, schraubt man an einer Frequenz, die jeweilig danebenliegenden noch einmal nachjustieren muss. Dennoch, Natürlichkeit und subtile Wirkung scheinen, jedenfalls was die Klangregelung anbelangt, recht kompromisslos im Vordergrund zu stehen, das wird aus der Schaltungstopologie ersichtlich, die aufwändig parallel symmetrisch gestaltet wurde. Kein einziger integrierter Schaltkreis läuft einem bei Betrachtung der Innereien des Massive Passive über den Weg – hier setzt man auf Altbewährtes.

Aussehen und Haptik des Manley Massive Passive

Manley Massive Passive

Über den Kippschalter nimmt man den Manley Massive Passive in Betrieb

Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme des Gerätes erwachen zunächst die jeweils grün oder rot illuminierten Cut- und Boost-Schriftzüge zum Leben, je nachdem wofür man sich gerade entschieden hat, nach zirka einer halben Minute klickt es kurz und die blauen „In“-Drucktaster zum Aktivieren der Klangregelung leuchten auf. Hier gibt es keinen „Hard Wired“-Bypass: Währenddessen sind zwar die Röhren nicht geschaltet, aber der Eingangs- und der Aufholausgangsverstärker sind aktiv. Eine etwas längere Aufwärmphase würde sich wahrscheinlich empfehlen, aber von diesem Moment an kann man eigentlich loslegen, der Hersteller bittet in der Kurzanleitung den Nutzer, „wenigstens eine halbe Minute zu warten“.

Manley Massive Passive

Die Frontplatte des Manley Massive Passive

Die Frontplatte präsentiert sich in graphit-blau eloxiertem, dunklem und geschliffenen Aluminium, die jeweiligen Bänder sind schwarz hinterlegt. Sämtliche Beschriftungen und Legenden sind in gut lesbarem Weiß gehalten, das Manley Logo thront über dem mittig platzierten Ein/Aus-Schalter.

Darunter befinden sich die Gain-Potis für die Aufholverstärker, unter diesen wird einem pro Kanal die Option offeriert bei 18, 12, 9, 7,5 oder 6 kHz einen HiCut anzuwenden beziehungsweise einen LoCut bei 22, 39, 68, 120 oder 220 Hz zu insertieren. Die jeweiligen Bänder sind wie folgt aufgebaut: Oberhalb, in kleinen Gehäuseausstanzungen platziert, befinden sich pro Band zwei Kippschalter: Der jeweils Linke ist dreischrittig, hier kann man sich zwischen Cut oder Boost oder für die Deaktivierung des jeweiligen Bandes entscheiden. Der Rechte gibt einem die Möglichkeit, sich zwischen einem Glocken- oder Shelving-Band entscheiden zu können. Oberhalb dieses „Kästchens“ befindet sich noch die Breite der Frequenzauswahl des jeweiligen Bandes, so geben dessen Werte darüber Aufschluss, dass Band 1 von 22 Hz bis 1 kHz, Band 2 von 82 Hz bis 3,9 kHz, das dritte Band von 220 Hz bis 10 kHz und das letzte, vierte Band von 560 Hz bis 27 kHz wirken kann.

Manley Massive Passive

Boost/Cut; Shelving oder Bell Einstellung am Band

Darunter befindet sich das große, in der Mixversion des Manley Massive Passive nicht gerasterte Poti, mit dem sich der Wirkungsgrad dessen bis zu 20 dB in die jeweilige Richtung beeinflussen lässt. Zum Justieren der jeweiligen Q-Breite befindet sich darunter ein etwas kleineres mit „Bandwidth“ beschriftetes, dessen Legende neben den angedeuteten schmalen und breiten Glocken auch außen die Shelving-Kurven abbildet.

Wiederum unter diesem befindet sich zuletzt noch das gerasterte, große Poti zur jeweiligen Einstellung der Frequenz. Potis und Kippschalter stammen von Drittanbietern und fühlen sich bis auf die teilweise etwas stark unterschiedlichen Druck- und Drehwiderstände des Testgerätes altbekannt und gut an. An dieser Stelle auf günstiger Umsetzbares und Verkaufbares sowie trotzdem Haltbares zurückzugreifen, empfinde ich im Hinblick auf die tadellose Fertigung der Innereien als sympathisch und als sinnvolle Einsparung. Die Qualität des Aufbaus des Gerätes an sich befindet sich ebenfalls auf hohem Niveau, die einzelnen Bänder sind über Relaismodule mit der Gehäusefront verschraubt, sodass sie im Schadens- oder Wartungsfall abnehmbar und gut zu bearbeiten sind.

Manley Massive Passive

EQ Bänder des Manley Massive Passive

Rückseitig befindet sich neben Kaltgerätekabelanschluss, auswechselbarer Sicherung und den Ein- und Ausgängen zunächst das große und klobige mittig auf der Rückseite aufgebrachte Geräte-extern angebrachte Netzteil.

Links daneben befinden sich noch Anschlussmöglichkeiten für Erdungskabel. Ein- und Ausgangsmöglichkeiten sind symmetrisch und unsymmetrisch sowie via Klinke und XLR vorhanden. Der XLR-Eingang akzeptiert symmetrische und unsymmetrische Verbindungen und arbeitet auf Pro-Level von +4 dB. Die Klinken-Ein- und Ausgänge lassen sich über DIP-Schalter im Inneren auf Semi-Pro- bzw. Hi-Fi-Level von -10 dB umstellen. Auch diese akzeptieren sowohl symmetrische als auch unsymmetrische Signale.

Manley Massive Passive

Manley Massive Passive von hinten mitsamt aller Anschlussmöglichkeiten

Klangbeispiele
Forum
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      Coin  AHU

      Das verstehe ich auch nicht.
      Es gibt ja zum Teil nur Out Beispiele, oder nur In Beispiele.
      Ein Vergleich ist damit nicht möglich.

      • Profilbild
        Vincent  RED

        Hey zusammen,

        entschuldigt – hier hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen und die Reihenfolge der Audiobeispiele durcheinandergebracht.

        Zur Erklärung: Es gibt immer jeweils zwei gleich benannte mit dem Zusatz IN und OUT. IN steht hier für das bearbeitete Signal und bei OUT ist das Gerät nicht in der Signalkette.

        Werde versuchen, die Beispiele nochmal neu hochzuladen, sodass sie in die Reihenfolge schlüssig ist.

        Gruß,
        Vincent

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          Macilias

          Ich würde da zur Unterscheidung eher DRY/WET vorschlagen. Bei IN könnte man auch an das unbearbeitete Signal denken, welches in das Gerät reingeht, und bei OUT entsprechend das bearbeitete, hinter dem Gerät.

  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Die IN-Beispiele können durch das Gerät unbearbeite Beispiele sein, die OUT-Beispiele hingegen Resultate der Bearbeitung. Aber ich bin mir auch nicht sicher ;-) In den ersten beiden Fällen klingen die Beispiele (techno master, hip-hop 2 master) OUT dumpfer, ich nutze einen linear ausgerichteten Kopfhörer, für Techno und Hip-Hop nicht optimal, im Fall der Stimme (vox) hingegen heller. Dies bringt mir ebenfalls nicht viel, um nicht zu sagen: nichts. Es handelt sich halt um einen passiv arbeitenden EQ, und die Beispiele sind sonderbar.

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      Coin  AHU

      Ich würde wetten, die IN Beispiele sind die bearbeiteten.
      Die klingen nämlich heller, weil Höhen angehoben.
      Klingt auch besser, als so dumpf.
      *

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        Vincent  RED

        Hey zusammen,

        entschuldigt – hier hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen und die Reihenfolge der Audiobeispiele durcheinandergebracht.

        Zur Erklärung: Es gibt immer jeweils zwei gleich benannte mit dem Zusatz IN und OUT. IN steht hier für das bearbeitete Signal und bei OUT ist das Gerät nicht in der Signalkette.

        Werde versuchen, die Beispiele nochmal neu hochzuladen, sodass sie in die Reihenfolge schlüssig ist.

        Liebe Grüße,
        Vince

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