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Test: Doepfer A-174-4 3D-Joystick, Eurorack-Modul

30. Januar 2021

Joystick Controller fürs Eurorack

Eurorack-Kabelschubser aufgepasst! Zum Test kommt heute das Doepfer Modul mit der charmanten Bezeichnung A-174-4 3D Joystick. Es handelt sich um ein Eurorack-Gerät für manuelle Handbewegungen, um Ereignisse bei angeschlossenen Modulen hervorzurufen. Oh, das klang sehr trocken! Ich formuliere es anders: „Lege Hand an und lass deiner Kreativität freien Lauf!“ Nee, zu doppeldeutig. „Nimm den Joystick in die Hand und spiele mit …“ Ok, wir lassen das. Ich glaube, man weiß, um was es geht. Die Firma Doepfer umschreibt es so: Das Modul A-174-4 erzeugt mehrere analoge Steuerspannungen und ein Gate-Signal mit Hilfe eines rückstellenden Kreuzpotentiometers.

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Lieferumfang mit Wow-Effekt

Ein etwas größeres, nüchternes Kartönchen beherbergt das Modul nebst Anschlusskabel und Schrauben. Nachdem ich das Polsterpapier herausgenommen hatte, traute ich meinen Augen wirklich nicht so ganz. Der Joystick ist riesig! Das wirkte gar nicht so auf dem Produktfoto. Ein lautes Lachen und „Was ist das?“ konnte ich mir wirklich nicht verkneifen. Hier wird geklotzt!

Doepfer_A-174-4_vintage

Das Modul gibt es in der etwas günstigeren silbernen Alu-Version und in der schwarzen Vintage-Version.

Abmessungen und daraus resultierende Konsequenzen

In Maßeinheiten lautet das folgendermaßen: Der Joystick ragt von der Frontplatte gemessen ganze 7 cm nach oben. Im Rack selbst benötigt man mindestens eine Tiefe von 5 cm. Da aber auch noch gelötete Kabel am Gerät nach hinten führen, würde ich 5,3 cm empfehlen. Also, unbedingt ausmessen, ob im Rack auch die notwendige Tiefe vorliegt. Einige am Markt befindliche Kunststoff-Racks fallen zumindest in der untersten Rack-Reihe heraus. Auch alle Cases mit Deckel sind aus dem Spiel. Selbst Doepfer hat einen Hinweis dafür auf der Seite, weil diese Cases und deren Deckel nicht passen. Es handelt sich um die folgenden Modellnummern: A-100P6, A-100P9, A-100PMS6, A-100PMS9 und A-100PMS12.

Doch damit nicht genug des Klotzens. Auch bei der Platzwahl im Rack sollte man achtgeben, dass der Bewegungsradius des Joysticks nicht benachbarte Module und deren Potikappen oder Bedienelemente beschädigt. Ich habe jetzt schon Angst beim Einbau!

Doepfer A174 in Moog Case

Funktioniert gerade so in einem 60 TE Moog Case

Der 3D-Joystick

Die Montage hat in einem Intellijel-7U-Case gut funktioniert. Das Modul ragt sehr dominant hervor. Der Joystick als solches ist aus hartem Plastik und nicht gummiert. Dort, wo der Stab im Modul verschwindet, befindet sich ein bewegliches, konzentrisches Schutzgummi, das das Innere vor Staub und Schmutz schützt. Der Joystick ist mit internen Rückspringfedern versehen, die man laut Doepfer auch entfernen kann, um Positionen festzuhalten. Aufgrund der geringen Reibung des Hebels kann allerdings nicht garantiert werden, dass die Position beibehalten wird. So rät es Doepfer selbst auf der Produktseite. Außerdem erlischt die Garantie bei diesem Umbau. Um diese Modifikation zu tätigen, muss mindestens eine Ebene des Boards entfernt werden, um an die Schrauben des in sich geschlossenen Joystick-Gehäuses zu kommen.

Doepfer A-174-4 3D Joystick

Gesamteindruck des Doepfer Joystick fürs Eurorack

Das Modul ist, typisch Doepfer, sehr massiv und langlebig gebaut und gefertigt. Gute Analogtechnik mit einem kleinen Arduino typischen extra kleinen Mainboard, das auf der Rückseite noch zusätzlich darauf montiert ist. Eine USB-Buchse normaler Größe befindet sich ebenfalls noch auf der Platine. Anscheinend ist hier auch eine Update-Funktion integriert. Ob das so ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Jede Ausgangsbuchse, elf an der Zahl, und der Joystick sitzt fest verschraubt auf dem Alupanel.

Die fünf ganz dünnen der insgesamt elf Kabel, die aus dem Joystick zum Mainboard führen, konnten jedoch nicht innerhalb der Panelbreite oder durch die Board-Ebenen verlegt werden. Somit ragen diese fünf etwas über die Breite des Panels. Wer seine Module öfter ein- oder ausbaut, sollte hier etwas aufpassen, dass man nicht an benachbarten Modulen hängenbleibt und ein Kabel aus Versehen abreißt. Diese sind zwar per Hand gut verlötet, ich würde aber trotzdem darauf achten. Jeder Ausgang ist mit einer LED versehen, die teilweise auch zweifarbig ausgelegt ist, um negative oder positive Spannungen darzustellen.

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Funktionsweise Doepfer A-174-4

Der Joystick bietet einige Funktionen. Neben links, rechts, oben und unten besteht die Möglichkeit, diesen gegen und im Uhrzeigersinn bis 21 Uhr oder 3 Uhr zu drehen. Auch die Drehfunktion federt übrigens zurück! Außerdem hat er noch einen Knopf auf der Oberseite, um ein Gate-Signal auszulösen. Ich bezeichne das mal als 6-Achsen-Joystick + Gate-Funktion. Ich stelle mir jetzt schon vor, Sounds damit abzufeuern, während ich andere Spannungen ganz woanders weiterleite.

Die Ausgangsspannungen X und Y werden in der üblichen Weise durch die X- und Y-Position des Joystick-Hebels definiert. Die dritte Steuerspannung (Z) wird aus der Drehung des Joystick-Bedienknopfs abgeleitet. Soweit ganz simpel. Als weiteres Feature werden vier zusätzliche Steuerspannungen erzeugt, die den vier Quadranten des kartesischen Koordinatensystems zugeordnet sind und aus den Werten von X und Y mit Hilfe eines speziellen Algorithmus abgeleitet werden. Detaillierter heißt das: Für jede Joystick-Funktion stehen das positive Signal (X, Y, Z) und das invertierte Signal (-X, -Y, -Z) zur Verfügung. Die Spannungen des Joysticks liegen im Bereich -5 V…+5 V. Zu jeden Steuerspannungsausgang kann noch etwas zu den drei kleinen Potis (Offset-Regler OX, OY, OZ) addiert werden, so dass die Steuerausgänge für X, Y und Z dann im rein positiven Bereich liegen (0 V…10 V anstatt -5 V…+5 V).

Das ist u. a. zur Steuerung von VCAs sinnvoll, da diese eine rein positive Steuerspannung benötigen. Steht der betreffende Offset-Regler auf Linksanschlag, so wird kein Offset addiert und es werden die „reinen“ Spannungen X, -X, Y, -Y, Z und -Z ohne Offset ausgegeben (-5 V…+5 V für die nicht invertierten Ausgänge, +5  V…-5  V für die invertierten Ausgänge). Wird der betreffende Offset-Regler im Uhrzeigersinn gedreht, so werden je nach Reglerstellung bis zu +5 V bei Rechtsanschlag zu der betreffenden Spannung addiert. Die Offset-Spannungen werden auch auf die invertierten Ausgänge addiert. So entsteht beispielsweise aus einem Spannungsbereich +5 V…-5 V bei maximalem Offset der neue Bereich +10 V…0 V. Diese Spannungen werden an den 6 Buchsen „X+OX“, „-X+OX“, „Y+OY“, „-Y+OY“, „Z+OZ“ und „-Z+OZ“ ausgegeben. Jeder Ausgang ist mit einer LED versehen, die die aktuell anliegende Spannung anzeigt. Ergänzend noch: Es gibt keine Aufnahmefunktion der Bewegungsabläufe. Das Modul ist rein konzeptionell für die direkte Klang- oder Funktionsgestaltung gedacht.

Doepfer 3D Joystick Modul

In der Praxis

Ja, so ist es in der Theorie, in der Praxis aber schnell verstanden. Hier muss man einfach probieren und experimentieren. Dafür ist dieses Modul gebaut worden. Der Joystick vermittelt ein gutes haptisches Gefühl, alles läuft weich und auch die abgegebenen Werte nebst optischer LED Kontrolle arbeiten perfekt. Der kleine Gate-Knopf ist für mich eine tolle zusätzliche Funktion, die mir das Gefühl gibt, mich an einem Weltraum-Shooter-Automaten in einer Retro-Spielhalle zu befinden. Rundum gelungen. Der dazu gehörige Gate-Ausgang sollte allerdings mit einem Winkelkabel benutzt werden, denn mit einem normalen Patch-Kabel stößt der Joystick sofort an den Stecker und bewegt sich nicht weiter. Alle anderen Buchsen kann man mit ganz normalen Patch-Kabeln verwenden. Was ich gern gesehen hätte, wäre ein kleiner Knopf gewesen, der alle momentanen Spannungen einfriert und somit den gesamten Patch hält. Der Joystick springt wieder in die Ursprungsposition und bei erneutem Drücken des Knopfes gibt es einen Reset. Das hätte die abgegebenen Werte solange gehalten, bis sie wieder auf null springen.

Mitbewerber

Nach kurzer Recherche auf modulargrid.net konnte ich keinen anderen Controller (Joystick) dieser Größe bei anderen Herstellern finden. Die meisten nutzen einen Stab, der ähnlich lang sein kann, jedoch nicht diese Funktionsmöglichkeiten besitzt. Wer jedoch noch etwas Größeres kennt – bitte in die Kommentare schreiben!

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Fazit

Bleibt nur zu sagen: Großartig!

Plus

  • massiv gebaut
  • Preis-Leistung sehr gut

Minus

  • passt nur in tiefe Racks
  • keine Hold-Funktion

Preis

  • 173.- Euro
  • 189.- Euro (Vintage-Edition - schwarz)
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Forum
  1. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Wer nicht aufpaßt, schießt damit wahrscheinlich auch ICBMs ab.

    Oder steuert Miniatur-U-Boote auf der Suche nach dem Flugzeugwrack von Amelia Earhart, irgendwo im Pazifik.

    • Profilbild
      KrauTronicA  RED

      Ich stelle mir das auch interessant vor, das Ding in ein transportables case einzubauen und es so als Handgepäck zusammen mit weiteren interessanten Modulen (z.B. Mutable Instruments Braids mit den kryptischen LED-Anzeigen) mit ins Flugzeug zu nehmen (es zu versuchen).
      Vielleicht sollte Dieter Doepfer deshalb einen entsprechenden Warnhinweis belegen: „Bitte planen sie für Bahn- und Flugreisen beim Transport im Handgepäck die Zeit möglicher intensiver Befragungen durch die Sicherheitsorgane ein“.

  2. Profilbild
    a.jungkunst  AHU

    Meine erste Joystick-Erfahrung hatte ich in den 80ern mit einem EMS Synthesizer. Seitdem gibt es ein wesentliches k.o.-Kriterium für mich: Wenn der Joystick nicht dort stehenbleibt, wo ich ihn hingeführt habe, kann ich ihn nicht gebrauchen. Das trifft auch für die Tatsache zu, dass ich ihn unter Verlust der Garantie irreversibel modifizieren muss, indem ich ihn, wie in diesem Fall, um die Rückholfeder erleichtern muss, um das gewünschte Verhalten zu erzielen.
    Mein persönlicher Traum-Eurorack-Joystick ist der Planar² von Intellijel Designs, der zwar ungefähr doppelt so viel kostet, aber über einen entsprechend erheblichen Leistungsumfang verfügt.
    Und natürlich im X/Y-Bereich da stehen bleibt, wo ich ihn hingeführt habe.
    Drei Sterne sind für mich im Fall A-174-4 deutlich zuviel des Guten.
    Über das Design und die Einbauvorgaben möchte ich nicht diskutieren.

  3. Profilbild
    Florian Anwander  RED

    Meine Gratulation zu den Einsatzbeispielen im Video. Das zeigt, dass man damit Live bei einem Electronica-Set sicher prima was anfangen kann, wenn man das Setup einigermaßen vorbereitet. Gut gemacht.

  4. Profilbild
    KrauTronicA  RED

    Hallo [P]-HEAD,
    in Anspielung auf die Passagen in der Einleitung und Deines etwas spezielleren (hier mittlerweile verkürzten) Künstlernamens wäre eine – nennen wir es mal naturnahe – Ausführung gerade für Dein Modular Live-Setup ja der Blickfang ;-). Vielleicht hätte auch der Keyboarder von Rammstein Interesse, um deren Bühnenshow um ein weiteres prickelndes Element zu bereichern.
    Die Bewegung in z-Richtung wäre intuitiv ersichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar. Ein denkbarer weiterer Spezialeffekt im Falle allzu ekstase-gepeitschter Modulationen würde gemäß geltenden VDE-Vorschriften allerdings unverhältnismäßig hohen Aufwand erfordern. Denn merke:
    Beim Betrieb elektrischer Anlagen in feuchten und nassen Umgebungen sind die entsprechenden IP-Normen strikt einzuhalten!

    PS.:
    Ich hoffe, die Regeln von Forumsbeiträgen mit dieser potentiellen Gratwanderung noch eingehalten zu haben und bitte darum, erstere im Falle möglicher Antworten ebenfalls höflichst zu beachten ;-).

    • Profilbild
      [P]-HEAD  AHU

      Deinen Kommetar gestern schon gelesen, und heute erst verstanden. Jetzt weiß ich auch was Du damit meinst. Habe echt lange gebraucht! :-) Ja, eine gute Idee. Warum bin ich da nicht drauf gekommen. Die Gratwanderung ist Dir, glaube ich, geglückt.

  5. Profilbild
    eikendrup  

    Ich habe mir einen baugleichen Joystick, ohne Taster, besorgt und muß bestätigen, dass er bei entfernen der Rückholfedern nicht mehr zu gebrauchen ist. Ein eindeutiger Minuspunkt!
    Zum Glück lassen sich die Federn problemlos wieder einsetzen.

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