Test: DSI Mopho Keyboard

28. Juli 2010

DSI Mopho Keyboard

Als Access Music zur Jahrtausendwende den dreioktavigen Virus Indigo herausbrachte, wurde dieser vom Hersteller als der „Roadster unter den Synthesizern“ beworben. So gesehen hat Dave Smith mit dem Mopho Keyboard jetzt einen zweieinhalb Oktaven kurzen, vollanalogen monophonen Hot-Rod aus der Garage gefahren …

Der Hot-Rod unter den Synthesizern

Der Hot-Rod unter den Synthesizern

Der Sportwagenvergleich ist gar nicht so abwegig, denn von solchen kleinen Synthesizern mit zwei bis drei Oktaven geht schon ein besonderer Reiz aus. So ähneln die Proportionen den kultigen Monosynths der späten siebziger und frühen achtziger Jahre wie dem Sequential Circuits Pro-One, der gewissermaßen auch der Urahn unseres Testgeräts ist. Gleichzeitig strahlen diese kleinen Musikinstrumente für viele mehr Spaß aus als die gravitätischen Dickschiffe mit fünf und mehr Oktaven. Dave Smith unterstreicht das bei seinem Neuen auch noch durch die knallige Lackierung in Signalorange, die sicher Geschmackssache ist, dem Mopho aber eine fast punkige Attitüde angedeihen lässt.

Das Mopho Keyboard dürfte auch diejenigen ansprechen, die den originalen Desktop-Mopho zwar klanglich interessant finden, aber keine Lust auf die stark menülastige Bedienung haben. Da wir die Desktop-Version schon ausführlich besprochen haben, wird sich dieser Test in erster Linie den Besonderheiten des Keyboards widmen. Soviel sei schon mal gesagt: Durch das Hinzufügen von Bedienelementen in nennenswerter Zahl gibt es über genügend Besonderheiten zu berichten, die das Mopho Keyboard zu einem eigenständigen Instrument machen.

U Sexy Mopho

Die hochglänzende Oberfläche fühlt sich sehr nach Autolack an und ist auf ein massives Metallgehäuse aufgetragen, das von zwei rotbraun gebeizten Holzseitenteilen eingefasst wird. Von dem schicken Lack hat man beim Bedienen leider nicht viel, weil das gesamte Panel oberhalb der Tastatur mit einer Kunststoff-Folie überzogen ist, die alle Beschriftungen trägt.

Wurden die DSI-Synthesizer oft für ihre wackeligen Potis kritisiert, so machen die des Mopho Keyboard endlich einen soliden Eindruck. Sie sind zwar nicht mit dem Gehäuse verschraubt, haben aber trotzdem kaum Spiel und laufen gleichmäßig mit perfektem Widerstand. Die relativ kleinen Gummi-Potikappen weichen vom Vintage-Schema des großen Bruders Prophet ’08 ab, dafür wird man mit verschwitzten Fingern im Eifer des Gefechts kaum den Halt verlieren. Eine Skala um die Potis herum fehlt leider. Auch wenn alle Werte im Display angezeigt werden, wäre eine Orientierungshilfe ganz nett gewesen.

2_Potis Makro DSCF6353 edit.JPG

Die meisten grundlegenden Parameter werden unmittelbar mit den 14 Potis eingestellt. Daneben gibt es noch ganze zehn gerasterte Endlosregler, die vor allem für Auswahlen wie Modulationsquellen und -Ziele zur Verfügung stehen. Die Endlosregler haben leider eine etwas nervige Macke: Sie rasten nicht immer zielgenau ein, sondern man kann sie auch zwischen zwei Rasterpunkten stehen lassen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    Endlich mal richtiges gelb, das fand ich schon beim Q schade gelb(-lich). Ich mag keine lichs. Schöner Synth.

  2. Profilbild
    filterfunk  

    Wir fahren dezente, schwarze Autos, tragen schwarze Klamotten, und auch das iPhone muss – wer hätte es gedacht – schwarz sein. Und jetzt soll das brachiale MOPHO-Gerät, dass sich definitiv von der Masse abhebt, auch „dezent “ sein….?
    Pffffffffffff.
    Ich wollte, mein Tetra hätte eine Farbe, die so durchsetzungsfähig ist, wie dieser Sound!
    Wieso müssen Synths entweder klassisch – wie ein Schaltschrank aus den 50er – und/oder grau/weis/schwarz sein??
    Mein Favorit: Die „mean green machine“ – Version des Microwave 1.
    Ich sag nur: Nieder mit dem uniformen, unkreativen & langweiligen Einheitsbrei – Super gemacht, Dave!

  3. Profilbild
    Zorro

    Also, ich weiß nicht.
    Die Soundbeispiele finde ich total unsexy.
    Mehr kann der nicht?

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Doch, der kann noch viel mehr. Hast Du Dir die Soundbeispiele vom Mopho Desktop und von den Dave-Smith-Videos schon angehört? Auch im Prophet’08-Test sind nochmal völlig andere Sachen zu hören, allerdings halt polyphon.

      Ich glaube, der Grund-Charakter von Filter und Oszillatoren kommt auch bei den Soundbeispielen zu diesem Test rüber. Mit 4 LFOs, 3 Hüllkurven und vor allem dem Sequenzer kannst Du aber viel mehr machen als mit den meisten anderen analogen und VAs. Der Rest ist Geschmackssache.

  4. Profilbild
    75631

    Ich steh auch total auf die Farbe, finde nur schade, dass um die Potis rum die grauen Streifen sind.
    Hat jemand eine Ahnung, wie sich das mit dem Editor bei der Koppelung mit dem TETRA verhält? Nimmt man dann noch immer den Mopho-editor oder den vom TETRA? Und kann ich über das Keyboard auch meine Combs ansteuern? Rein theoretisch müsste ich ja dann auch die drei Bänke des Mopho & die vier des TETRA nutzen können, richtig?!?

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