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Test: East West Quantum Leap Voices Of Passion

31. Dezember 2007

World Vocals von EastWest

EastWest Quantum Leap hat eine neue Reihe von Klangbibliotheken auf den Markt gebracht, deren Gemeinsamkeit in einem neuen GUI besteht, der sogenannten PLAY Engine.

Damit löst sich der Hersteller von den bisherigen Kompakt- und Intakt-Schnittstellen, die von deren Erzeuger Native Instruments sowieso nicht mehr gepflegt werden. Mit ihrer eigenen PLAY Engine macht sich EWQL nun auch in dieser Hinsicht autark, was letztendlich dem Anwender zugute kommt.

EWQL plant auch, die für einen Großteil ihrer bisherigen Produkte verwendeten Oberflächen durch die PLAY Engine abzulösen, damit auch diese Produkte bzw. deren Standalone-Applikationen an einem nicht all zu fernen Tage in die UB- und 64-bit-Welt übernommen werden können. Wenn es soweit ist, bekommt dieser Anbieter einen ganz tollen verbalen Fleißkärtchen-Award von mir, weil diese Art von Produktpflege leider immer noch nicht selbstverständlich ist.

Ein weiterer Vorteil dieser PLAY Engine liegt in der Tatsache begründet, dass, im Gegensatz zu den bisherigen Schnittstellen, die fest an die entsprechende Bibliothek gebunden sind, mehrere Bibliotheken des selben Herstellers in einer Instanz verwendet werden können und das sowohl im HOST als auch in der Verwendung als Standalone-Applikation.

Die Registrierung läuft nun übrigens über einen iLok-Key, der NICHT im Lieferumfang enthalten ist.

Die PLAY Engine

Wenn ich schon soviel zur PLAY Engine schreibe, will ich auch gleich, bevor es an das eigentliche Thema geht, auf ein paar Besonderheiten dieser Oberfläche hinweisen, die gegenüber den durchaus brauchbaren KOMPAKT- und INTAKT-Schnittstellen neu sind.

Die von mir aufgeführten Besonderheiten beziehen sich jetzt auf die Oberfläche des Voices Of Passion-Pakets, da sich das GUI jeweils dem gewählten Sound bzw. der dazugehörigen Klangbibliothek anpasst. Somit ist auch das starre Erscheinungsbild der Vorgänger-GUIs, abgesehen von der spezifischen Namens- und Farbgebung, aus den Angeln gehoben.

Als erstes wäre der Round Robin Reset-Button zu erwähnen. Round Robin ist ein Effekt, bei dem bei gleicher gespielter Note intern z.B. drei gleichartige Samples A, B und C abwechselnd gespielt werden, um eine saubere Wiedergabe des Klanges zu gewährleisten und den berüchtigten Stotter-oder auch Machine Gun-Effekt zu vermeiden.

Hat man nun beispielsweise den gewünschten Klang (intern 3 Samples) in der Reihenfolge A-B-C-A-B abgespielt und möchte das Sample beim nächsten Mal unbedingt wieder bei A beginnend abspielen, lässt sich dieses über eben diesen Button oder einem entsprechen MIDI-Befehl auf A zurücksetzen.

Das nächste sind die Stereo Double Controls. Zunächst lässt sich damit bei Globaleinstellung Stereo der rechte oder linke Kanal selektieren. In den beiden Positionen wurde bei der Aufnahme mit verschiedenen Mikrophonen gearbeitet (für die Puristen: zur Verwendung kamen ein ELAM 251 und ein RCA 44 Ribbon). Möchte man den selektierten Kanal nun wieder auf beiden Kanälen hören, lässt sich dieses durch einen weiteren Button aktivieren und über einen Regler von 0 – 100 % im Stereobild spreizen.

Artificial Double Tracking (ADT) simuliert die Aufnahme zwei sehr ähnlicher Spuren, in diesem Fall also Gesangparts, die dann gemeinsam wiedergegeben werden, aber so, dass die Aufnahme nur einmal auf zwei Spuren stattgefunden haben. Da diese Sache eine Entwicklung der Abbey Road-Studios zu Zeiten der Beatles war und die PLAY Engine nun einmal digital arbeitet, haben die Programmierer bei EWQL diesen Magnetbandeffekt natürlich nach bestem Wissen und Gewissen emuliert. Ein On/Off-Button und einige Regler geben dem Anwender nun die Möglichkeit, ein wenig mit dieser emulierten Technik zu experimentieren.

Des Weiteren gibt es noch eine grafische Anzeige der Hüllkurve, wie sie nicht bei allen PLAY Engines in dieser Form vorhanden ist.

In der Effektsektion kommt unter anderem auch ein Faltungshall zum Einsatz, dessen einzelne Samples wirklich gut klingen. Hier ist es aber leider so, dass der Einsatz des Faltungshalls die Anzahl der verwendbaren Stimmen durch seinen CPU-Hunger zumindest auf meinem Rechner drastisch reduziert. Bleibt die Option, entweder einzelne Spuren sofort als Audio aufzunehmen oder doch lieber den externen Hall der DAW zu verwenden.

Getestet wurde das Paket auf meinem P IV Rechner mit 3,4 GHz und 2 GB RAM, als HOST kam Steinbergs Cubase 4.1 zum Einsatz (ja, bei mir läuft es gut!).

Der Faltungshall verlangte meinem „betagten“ Rechner nun doch schon Einiges ab, so dass ich bei mehrstimmigem Spiel nicht umhin kam, diesen, wie es auch das Manual empfiehlt, abzuschalten und ein qualitativ ähnliches Plug In, wie es sich bestimmt in vielen Umgebungen befindet, zur weiteren Bearbeitung zu benutzen. Es gibt (fast) immer einen Workaround! Bei einstimmigen Linien klappte es allerdings problemlos und darauf läuft es zum großen Teil bei den Voices Of Passion hinaus, denke ich.

Nachtrag am 06.12.2007: Mit Einsatz der Play-Engine v1.0.035 ist die Performance bei Verwendung des Faltungshalls wesentlich besser geworden. Ein Lob an die Mannschaft von EastWest!

Ein Rechner der neueren Generation steckt das besser weg, aber keine Angst, jetzt kommt kein Donate-Aufruf!

Die Voices Of Passion

Nun aber zu unseren digitalisierten Vokalistinnen, denn nichts Anderes stellt dieses Sammlung dar. Grob gesagt erwartet Sie eine große Auswahl an Solostimmen, die meistens tonal spielbar sind, darüber hinaus gibt es Phrasen und Worte, die ebenfalls zumeist melodisch einsetzbar sind.

Die Stimme AMERICA (nicht zu verwechseln mit der Voice Of America) lässt sich mit der Bandbreite Enya bis Lisa Gerrard (z.B. im Gladiator-Soundtrack) am ehesten beschreiben.

BULGARIA klingt westlich bis ethnisch, INDIA kommt mit Phrasen im Raga-Stil.

SYRIA stellt typische Gesangsarten des Mittleren Ostens vor und last but not least verwöhnt uns WALES mit unverwechselbarem keltischem Stil.

Die einzelnen Instrumente sind jeweils als Master oder Elements ladbar. Master bedeutet in diesem Fall, dass alle Artikulationen geladen werden und der Anwender über den Gebrauch von Keyswitches sich die jeweilige Artikulation aussucht, die bei jedem Instrument in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden sind. Die einzelnen Artikulationen lassen sich einzeln über die Articulation Control ent- und auch wieder zurückladen.

Als Element laden Sie einzelne Artikulationen ohne die Möglichkeit, Keyswitches zu verwenden. Bei den Artikulationen ist es z.B. bei unserer walisischen Sängerin so, dass auch bestimmte Worte als Gesang angeboten werden, also nicht nur die übliche aah-, ooh- und mmh-Offerten (welche natürlich auch an Bord sind, aber es geht weit über dieses Angebot hinaus, was die „Sängerinnen“ zu leisten vermögen).

Eine Besonderheit bietet sich noch, wenn Sie Legato verwenden, denn hier hat EWQL richtig gute Übergänge ermöglicht. die mal langsamer, mal schneller je nach Artikulation vonstatten gehen.

Wie sind die Instrumente nun zu integrieren? Unsere Amerikanerin ist unabhängig von den Artikulationen im Rahmen der belegten Noten spielbar, es gibt hier keine Riffs oder Melodien, die dürfen Sie selber bauen.

Die bulgarische Konkurrenz wartet zuzüglich mit gesungen Phrasen auf, die Sie aber auch tonartgebunden wählen und spielen können.

Unsere syrische Sängerin lässt es zu, die gesungenen Phrasen über den Keyswitch tonartgebunden zu spielen.

Indisch geht es nur über die Phrasen, die nur bedingt in einen musikalischen Kontext zu bringen sind. Allerdings wurde hier die Option geschaffen, mittels des Modulation Wheels den Startpunkt der Phrase zu bestimmen.

Bei unserer walisischen Sangeskünstlerin wird es noch flexibler.

Zuerst einmal haben die Programme mit unterschiedlichen Artikulationen, darüber hinaus können aus 44 Wörtern (oder deren Legato-Pendant) wählen und diese melodisch spielen oder mit beidhändiger Vorgehensweise (oder gewieftem MIDI-Programming) eigene Phrasen bauen.

Systemvoraussetzungen

PC (gefordert)

  • XP SP2 oder Vista, P4 mit 2,5 GHz oder höher, DVD-Laufwerk, iLok-Key, 8 GB Speicherplatz, Internetanschluss (ggf. auf einem anderen Rechner)
  • empfohlen wird ein Core Duo oder besser mit mind. 2 GB RAM, Audiokarte mit ASIO-Treibern

Mac (gefordert)

  • OS 10.4 oder höher, G4 mit 1 GHz oder höher, DVD-Laufwerk, iLok-Key, 8 GB Speicherplatz, Internetanschluss (ggf. auf einem anderen Rechner)
  • empfohlen wird ein Core Duo oder besser mit mind. 2 GB RAM, Audiokarte mit ASIO-Treibern

Fazit

Klanglich gibt es an East West Quantum Leap Voices Of Passion nichts auszusetzen! In der bekannt herausragenden Qualität, die EWQL bisher immer geboten hat, geht es auch bei Voices Of Passion weiter. Hier herrscht Klasse in Masse, denn nicht weniger als 8 GB Material bei 44.1 KHz/24 bit gilt es auf die Festplatte zu bannen und nicht eines der von mir gehörten Instrumente bzw. deren Artikulation erscheint mir überflüssig oder auch nur leicht missraten, im Gegenteil, es wird ein großartiges Tool an Sangeskünsten für den Bereich Filmmusik, New Age, Ambient und Games geboten, das sich aber sicherlich von dem einen oder anderen Musikschaffenden auch in anderen Bereichen jedweder Vertonungskunst verwenden lässt. Auch die Bandbreite des Vorhandenen zeigt deutlich das große Spektrum der Verwendbarkeit auf, so dass ich es neben den Studiobetrieben auch all jenen ambitionierten Musikerzeugern empfehlen kann, die gerne mit stimmlichen Untermalungen arbeiten. Auch das Herumspielen mit den oben erwähnten Faktoren Stereo Double Controls und Artificial Double Tracking führt zu erstaunlichen, von subtil bis harsch zu bezeichnenden klanglichen Ergebnissen, so dass sich Voices Of Passion nicht einfach nur als Sample Player darstellt, sondern darüber hinaus wünschenswerte Eingriffe bis hin zu recht experimentellen Klangbildern möglich sind. Wer also seinen eigenen Ethno-Soundtrack bauen möchte, wird hier zumindest stimmlich bestens bedient!

Direkte Konkurrenz zu diesem Produkt ist nach meinen Kenntnisstand nicht unbedingt am Markt, in die Richtung gehende Produkte gibt es noch mit den Vocaloids von Yamaha, obwohl da eine ganz andere Technik zu Grunde liegt. So steht Voices Of Passion wirklich ganz allein mit seiner Klangpalette parat!

Plus

  • Preis-/Leistungsverhältnis, auch wenn es rein vom Preis nicht gerade günstig erscheint
  • breites Spektrum des Gebotenen/große Auswahl an Möglichkeiten
  • interessante Einspielungen an Artikulationen und Phrasen für flexiblen Einsatz

Minus

  • das allgemeine Schriftbild der GUI könnte bei einigen Buttons etwas deutlicher ausfallen
  • Faltungshall ist zumindest auf nicht ganz neuen Rechnern recht leistungshungrig

Preis

  • 410 €
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    „Klanglich gibt es nichts auszusetzen!“
    Naja …

    Das erste Beispiel hier hört sich so krass nach MIDI-Chor an, daß ich geradezu entsetzt bin, sowas im Jahre 2008 noch in einem relativ neuen Plugin vorzufinden.

    Der Anstoß hört sich mehr nach einer Flöte als nach menschlicher Stimme an.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Lieber Heinz,
    um ein Missverständnis aufzulösen und damit gleich Ihr Gehör zu loben, der Chor in Beispiel 1 ist ein Fairlight-Sample, welches als Bestandteil eines Absynth 4-Pads als Fläche zur Solisten-Stimme eingespielt wird. Da es hier um SOLO-Stimmen geht, habe ich mit diesem Beispiel-Murphy nicht gerechnet. Mea Culpa, aber nun ist es hoffentlich aufgelöst.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    ich hab mir bereits mehrere Demos im Netz angehört und es klingt da schon richtig gut. Nur technisch hab ichs jetzt irgendwie noch nicht ganz geblickt :-). Ist das ganze nun ein Sample-Player mit einer Batterie an Multisamples qualitativ alà Spectrasonics Symphony of Voices die sich dann BPM-anpassend spielen lassen also somit von Chillout bis D’nB einsetzbar? Hat jemand vielleicht schon Erfahrung mit der Verwendung in FL Studio 8 – Läuft dieser Player da schon einwandfrei?

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      AMAZONA Archiv

      kurzer Nachtrag für FL Studio 8 User. – Es gibt momentan noch einen Bug bei der Benutzung unter diesem Host, dieser soll aber beim nächsten Update behoben sein – lt. Support soll dieses Update aber bald erscheinen

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