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Test: Fender American Performer Strat, E-Gitarre

19. Dezember 2018

Flexible US-Strat zum schmalen Kurs

Fender American Performer Strat

Die Fender American Performer Strat

Die Fender American Performer Serie ersetzt ab sofort die American Special Serie, die wichtigsten Ikonen des Herstellers wurden dabei berücksichtigt. Allen voran natürlich die gute alte Strat, die während ihres Daseins schon in so vielen Facetten erschienen ist: Hölzer, Hardware, Elektronik – all das wurde in all den Jahren immer mal wieder modifiziert, angepasst und verbessert. Nun erscheint sie also als erneute Wiedergeburt innerhalb der neuen im Stammwerk in Corona hergestellten Modellreihe. Neben dem allseits bekannten Standardmodell mit den drei neu entwickelten Yosemite-Singlecoils gibt es auch eine Variante mit einem Humbucker am Steg. Und genau diese haben wir für einen Test erhalten, ihr Name: Fender American Performer Stratocaster HSS.

Fender American Performer Stratocaster HSS

Fender American Performer Strat – Facts & Features

Was soll man über die Form und die Konturen der wohl berühmtesten elektrischen Gitarre aller Zeiten noch groß erzählen, ohne dabei ins Schwärmen zu geraten? Viel ist schon geschrieben worden über sie und vieles wird ganz sicher noch folgen, insofern halten wir uns mal brav an die Spezifikationen, die Fender seinem ewigen Dauerbrenner innerhalb der American Performer Serie mit auf den Weg gegeben hat. Zu den wichtigen Dingen zählt ganz klar das Finish, hier stehen drei verschiedene Farben sowie ein Dreiton-Sunburst-Finish zur Auswahl. Die Farbe unseres Testmodells trägt die Bezeichnung „Satin Surf Green“, eine blassgrüne Lackierung mit einer matten Oberfläche, die zwei weiteren erhältlichen Farben sind Aubergine und Schwarz.

Fender American Performer Strat – der Hals

Jedoch werden bei den Modellen in Sunburst und in Aubergine Griffbretter aus Palisander aufgeleimt, unsere Strat verfügt hingegen über einen einteiligen, aus dem vollen gefrästen Ahornhals, dessen Griffbrett mit 22 sauber eingesetzten und abgerichteten Jumbo-Bundstäbchen bestückt ist. Die Halsrückseite besitzt nahezu die gleiche Oberflächenstruktur wie der Korpus – nämlich matt. Das macht die Sache angenehm griffig, hinzu kommt das „Modern C“ Profil der Halsrückseite, das in diesem Fall äußerst flach ausgefallen ist.  All das – und dazu noch die gute Saitenlage ab Werk – verleiht der Fender American Performer Stratocaster HSS direkt „out of the box“ eine sehr gute Bespielbarkeit, die nur wenig Eingewöhnungszeit erfordert. Überhaupt: Kennt hier irgendwer jemanden, der mit einer Strat nicht auf Anhieb zurechtkäme? Gibt es so etwas überhaupt?

Fender American Performer Strat – die Hardware

An der Kopfplatte im 70s-Style finden wir die erste Neuerung innerhalb der American Performer Serie, die verchromten Classic-Gear-Mechaniken mit ihren Flügeln in Form von Knöpfen. So schön das auch anzuschauen ist, die Qualität hinkt der Optik doch spürbar hinterher, denn die Tuner besitzen ein deutliches Spiel auf ihren Achsen, was das Stimmen nicht immer ganz einfach macht. Und Nachstimmen muss man die Gitarre fast regelmäßig, wenn man auf die Idee kommt, das Vibratosystem zu benutzen. Hier hat sich rein gar nichts geändert, nach wie vor werden Bewegungen des Hebels mit sofortigen Verstimmungen quittiert.

Ich habe mir während der Testdauer die Mühe gemacht, das System regelmäßig zu benutzen und immer wieder den Schlupf aus den Wicklungen der Saiten zu ziehen. In der Hoffnung, dass das Problem eventuell an zu eng gefeilten bzw. mit Graten versehenen Sattelkerben liegen könnte. Leider ohne Erfolg, Verstimmungen bei Gitarre und Spieler ließen sich anscheinend auch bei der Konstruktion der Fender American Performer Stratocaster HSS nicht ausmerzen. Das ist sehr schade und kostet leider auch Punkte in der Wertung.

Fender American Performer Strat Vibrato

Nach wie vor nichts für schwache Nerven: Fender American Performer Strat Vibrato

Fender American Performer Strat – Elektronik

Die nächste Neuerung innerhalb der neuen American Performer Serie betrifft die Tonabnehmer, allerdings wurden die Humbucker davon wohl ausgenommen. So kommt es, dass bei unserem Testmodell in Hals- und Stegposition zwei der neuen Yosemite-Singlecoils verbaut wurden, der Humbucker am Steg hingegen wird von Fender einfach nur als „Double-Tap-Humbucking“ bezeichnet. Er besitzt trotzdem eine Besonderheit, denn er lässt sich durch das Ziehen des hinteren Tone-Potis in den Singlecoil-Modus versetzen. So hat man zur Not auch (fast) den klassischen Stratsound parat, wenn es drauf ankommt. Das Ziehen des Potis an seinem Knopf gestaltet sich jedoch etwas schwierig, besonders bei schweißiger Hand dürften mehrere Anläufe nötig sein. Besser ist es, mit zwei oder drei Fingern unter den Knopf zu fassen, um ihn sicher anheben zu können.

Die Qualität der drei Regler und des Fünfwegeschalters kann man als ausreichend bezeichnen, hier und da wackelt es zwar schon ein wenig, schalten und drehen funktioniert aber auch so wunderbar. Montiert wurde die gesamte Elektronik wie immer auf einem Pickguard, das in unserem Fall eine leicht vergilbte und damit passende Optik zum matten Korpus versprüht. Bei genauem Betrachten fällt auf, dass die Kanten des Schlagbretts nicht ganz sauber entgratet wurden. Gleiches gilt auch für den Plastikkopf des Fünfwegeschalters, bei dem man die Gussgrate deutlich spüren kann. Aber gut, wenn das der notwendige Sparkurs sein sollte, um die Gitarre nahe der 1000-Euro-Marke zu halten: Damit kann man durchaus leben! Hauptsache die Gitarre klingt und spielt sich gut – und das werden wir jetzt herausfinden.

Fender American Performer Strat body 3

Fender American Performer Strat – in der Praxis

Der griffige und schlanke Ahornhals bietet eine angenehme Bespielbarkeit, trotz der ab Werk relativ hoch eingestellten Saitenlage. Ansonsten aber fühlt sich die Fender American Performer Stratocaster HSS genau so an, wie eine ganz normale Strat eben, inklusive ihrer liebgewonnenen Schwächen, wie etwa dem nicht stimmstabilen Vintage-Vibrato oder den brummenden Singlecoils, wenn man mal zu nah an einer Stromquelle steht oder die Zerrung des angeschlossenen Amps zu hoch ausfällt. Etwas müde bzw. träge wirkt der Grundsound, hier habe ich schon deutlich spritzigere Strats erlebt und das in der gleichen Preisklasse und sogar von Fender selbst. Dementsprechend können auch die Pickups die Kastanien nicht groß aus dem Feuer retten, speziell die beiden Yosemite-Singlecoils wirken etwas dumpf in ihrem Klangbild und in der Auflösung des Klangs.

Überraschend brauchbar hingegen zeigt sich der Humbucker am Steg, der für alles Verzerrte eine solide Basis schafft und sich auch mit Nebengeräuschen zurückhält. Zudem kann man dem etwas müden Sound des mittleren Singlecoils durch Zuschalten des Doppelspulers mehr Durchsetzungskraft im Mittenbereich entlocken – praktisch ist so ein Humbucker am Steg auf jeden Fall. Vor allem dann, wenn man es auch mal richtig krachen lassen möchte, ohne dabei in einem Meer aus Brummen und Artefakten unterzugehen. Doch Vorsicht: Auch hier droht das große Matschen, wenn man es mit dem Overdrive des angeschlossenen Amps übertreibt.

Nun zu den Klangbeispielen, für die ich die Fender American Performer Stratocaster HSS in meinen Orange Micro Dark angeschlossen habe. Der Amp ist verbunden mit einer 1×12″ Celestion-V30-Box, als Mikrofon kam ein AKG C3000 zum Einsatz.

Im ersten Beispiel hören wir den unverzerrten Sound des Front- und mittleren Singlecoils, es fehlt hier insgesamt für meinen Geschmack an Höhen und Brillanzen.

Im nächsten Beispiel jetzt der Singlecoil am Hals mit einem ebenfalls unverzerrten Klang. Ein ähnliches Bild, auch hier fehlt der Kick in den Höhen und mit Dynamik ist auch nicht viel drin.

Deutlich besser hingegen wird es, wenn der Humbucker mit ins Spiel kommt. Im dritten Beispiel hören wir einen weiteren Cleansound, eingespielt mit dem mittleren Singlecoil und dem Humbucker (Schalterstellung 4). Hier wird die Auflösung und die Tiefe des Sounds spürbar angehoben und zugleich durchsetzungsfreudiger.

Nun rüber zu den verzerrten Sounds, zunächst ein Beispiel mit dem Klang des Yosemite-Singlecoils am Hals. Auch im Overdrive lassen sich die Schwächen nicht kaschieren, das Frequenzbild leidet nach wie vor unter Höhenarmut und einer zähen Dynamik.

Feuer frei hingegen für den Humbucker am Steg! Der gute alte Kerl stammt nicht aus der Yosemite-Serie, vielleicht klingt er deshalb so gut? Der Doppelspuler reißt einiges wieder raus, was die Grundkonstruktion als Basis vermissen lässt. Hier zeigen sich das Frequenzbild, das Nebengeräuschverhalten sowie die anliegende Dynamik ist zufriedenstellend.

Fender American Performer Strat body 4

Fazit

Grundsätzlich fühlt und spielt sich die Fender American Performer Strat genau so an, wie man es von einer Strat kennt – und das mit all ihren Vor- und Nachteilen. Positiv zu bewerten ist die gute Bespielbarkeit des Halses sowie der Sound des Humbuckers, der den insgesamt etwas müde wirkenden Klang etwas auf die Sprünge hilft. Dem gegenüber steht (mal wieder) das zickige Vintage-Vibrato und der Sound der beiden Singlecoils, die das typische knackige Klangbild einer Strat nur bedingt rüberbringen.

 

Plus

  • gute Verarbeitung
  • griffiger Ahornhals
  • Sound des Humbuckers

Minus

  • insgesamt müder Sound
  • bekannte Schwächen beim Vibrato

Preis

  • Ladenpreis: 1.069,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Claudia

    Man müsste die Preise für Einsteigergitarren auf 2500 Euro erhöhen,dann müste eigentlich die Qualität eigentlich stimmen.

    Grüsse:

    Axxismusica

  2. Profilbild
    Stephan Güte  RED

    Man könnte sich aber auch eine Strat von Fender aus China holen, da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nämlich ….

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      AMAZONA Archiv

      Oder man guckt sich bei der Konkurrenz in der Preisrange um.

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      dr noetigenfallz  

      Ich habe ne Mexiko-Strat von Fender, die finde ich super. Eigentlich haben viele Fender-Gitarren ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Wahrscheinlich ist das Problem, dass Sie ständig versuchen, das Rad neu zu erfinden. Ständig muss ne neue Serie rauskommen, mit angeblich noch besseren Tonabnehmern oder sonstigem Schnick-Schnack. Irgendwann geht´s dann eben nach hinten los.

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      ctrotzkowski  

      :-) seien wir doch mal ehrlich – hätte auf der Gitarre nicht „Fender“ drangestanden, sondern sowas wie „Lotusblüten-Gitarren-Manufaktur“, hätte es bei dem schalen Sound „inklusive ihrer liebgewonnenen Schwächen“ ein „ungenügend“ gegeben. Entscheidend ist ja hinterher das hörbare Ergebnis.
      Bei den großen Kistenschubsern bekommt man m.E. heutzutage immerhin schon für 1/5 des Preises bessere Instrumente mit dynamischerem Sound (Ihr testet ja zum Glück auch immer einmal wieder welche), nur halt ohne die vielbesungene „Legende“ im Namen….

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