Test: GFI Systems Synesthesia, Modulation Pedal

10. März 2020

Modularer Irrsinn

Das GFI-Systems Specular Tempus gehört zu den stärksten Delay/Reverb-Pedalen des letzten Jahres – eigensinnig, klanglich großartig und mit fantastischen Hall-Kapazitäten. GFI Systems sind seitdem auf meinem Radar und dem Radar vieler anderer Gitarristen erschienen. Neben dem Specular Tempus hat vor allem die Cabzeus Cab Simulation und D.I.-Box für Aufsehen gesorgt, aber was ich persönlich mit viel Spannung erwartet habe, ist das Synesthesia. Aufgestellt als Dual-Modulation-Pedal, hat es einen durchaus einsamen Stand in der Effekt-Landschaft. Vom Prinzip her erinnert das gute Stück an das Epitome von Electro Harmonix, einen EHX-Klassiker, der die Idee, mehrere Modulationen gleichzeitig schalten zu können, vor ein paar Jahren bereits vormachte. Doch das Synesthesia bietet mehr – mehr Sounds, mehr Einstellungsmöglichkeiten. Und da man es mit GFI Systems zu tun hat, darf man vor allem auf eins gespannt sein: den Klang.

GFI Systems Synesthesia – Facts and Features

Dual-Modulation heißt: zwei Modulationseffekte, die gleichzeitig geschaltet werden können. Klingt nett – ist jetzt aber nichts Weltbewegendes. Doch worauf es ankommt, sind die Algorithmen als solche – und von denen stecken 22 Stück drinnen. Bringen wir es auf den Punkt: Das Synesthesia ist nichts Geringeres als das Pendant zum Specular Tempus. Ob es qualitativ mithalten kann, werden wir sehen. Ein Punkt, der aufhorchen lässt, ist das Signal-Routing. Denn während das Epitome beispielsweise einen Schalter hatte, der zwei Routing-Optionen erlaubte, ist bei dem Synesthesia ein vielfaches Routing der beiden Modulationskanäle möglich:

Ob man also jetzt eine Modulation in die andere füttern möchte, die gegenseitige Überkreuzung der LFOs oder im Stereo-Setup unterschiedliche Modulationen an den zwei Ausgängen rausgehen lassen möchte – alles drinnen und über das Options-Menü recht einfach einstellbar. Der Screen erfüllt seinen Zweck allemal und ist gut lesbar und ist trotz der Menge an Features ausreichend – das ist zumindest mein erster Eindruck. Eingangs sollte erwähnt werden: Der Symmlab Editor von GFI Systems ist auch für den Synesthesia erhältlich – was eine vertiefte Auseinandersetzung und ein Basteln der Presets ermöglicht – ohne zusätzliche Parameter, wohlgemerkt.

Zwei Seiten besitzt also der Synesthesia: A/Y und B/X. Mit den jeweiligen X- und Y-Reglern lassen sich die Modulationen für die jeweilige Seite aktivieren und das im Rahmen zweier Betriebsmodi: Preset Mode lässt, wie der Name schon sagt, eine Navigation durch maximal 32 Presets zu, die in vier Banks je drei Pages organisiert sind – ein Preset jeweils pro Fußschalter also. Ideal ist das bei dieser kompakten Bauweise nicht immer: Will man die Bank wechseln, muss man beide Fußschalter drücken, um „umzublättern“. Ein rückwärtiges Durchschalten durch die Banks ist ohne MIDI-Schalter nicht möglich. Auch wenn es sich um einen Schönheitsfehler handelt, kann so was in der Spielpraxis durchaus zum Störfaktor werden, wenn man das gesuchte Preset verfehlt und sich wieder komplett durchschalten muss. Stompbox Mode erfordert ein leichtes Umdenken: Da wird jeder Fußschalter als eigene Stompbox gedacht und erlaubt es, die Algorithmen unabhängig voneinander ein- und auszuschalten. In diesem Mode ist auch ein Momentary-Modus aktiv – hält man den Fußschalter gedrückt, aktiviert sich der Effekt nur, solange man den Fußschalter niederdrückt.

Doch das ist nicht alles: In beiden Modi ist Ramping möglich, will heißen: jeder Regler und der gerade dort aktivierte Parameter kann von der aktuellen Regler-Position zum Endwert hin „sweepen“. Da ging die intuitive Handhabe auch zugunsten der Flexibilität verloren: Im Vorfeld muss der jeweilige Parameter, der für Ramping in Frage kommt, aktiviert werden, indem man dem Regler in der Startposition bringt, ihn dann gedrückt hält und dann dabei hin zum gewünschten Endwert dreht. Knackt man diese Nuss auch, ist es möglich, bis zu drei Parameter gleichzeitig zu rampen. Die Regler selbst bedienen jeweils die drei typischen Modulationsparameter: Speed lässt die Geschwindigkeit des LFOs und Depth die Signaltiefe einstellen und Tweak ist ein spezifischer Parameter für den jeweiligen angewählten Algorithmus.

Tap-Tempo ist ebenfalls möglich – aber auch in diesem Falle entweder durch einen externen Fußschalter oder eben durch die Konfiguration des B/X Schalters, der über die Global-Settings (Y-Regler gedrückt halten und navigieren) als Tap-Schalter aktiviert werden kann. Um das Leben leichter zu machen, birgt der Synesthesia auch Optionen für Tap-Divisions von 4:1 bis 3:4. (über den X-Regler zugänglich), deren Tempo über das kleine LED-Lämpchen zwischen dem Depth- und Speed-Regler angezeigt wird und auch aktiv ist, wenn das Synesthesia beispielsweise ein MIDI-Clock-Signal erhält.

GFI Systems Synesthesia – die Algorithmen

22 Algorithmen stecken im Synesthesia – das ist nicht wenig, gerade aber noch überschaubar, wie ich finde. GFI Systems haben für die Zukunft in Aussicht gestellt, per SymmLab-Editor weitere Algorithmen zur Verfügung zu stellen – 30 Stück sollen es am Ende werden. Nichtsdestotrotz ist die Auswahl recht vollständig und lässt keinerlei Modulationsklasse außen vor – vom weichen, harmonischen Tremolo bis hin zu einem Ring-Modulator und Arpeggiator ist alles drin.

Amplitude für Tremolo, Envelope-Filter für Auto-Wah oder Formant-Effekte, Detune und dynamische Zero-Through-Flanger, Phaser mit weitem Sweep oder eben Pitchshifter-Sounds und Arpeggiatoren: Der Synesthesia hat so ziemlich alles im Repertoire, von modern bis klassisch. Wie eingangs erwähnt, ist speziell durch die Routing-Möglichkeiten die Anzahl an Sounds, die man am Ende rauskriegt, noch mal zusätzlich erhöht. Speziell Mixture lässt es zu, das Wet-Signal beider Modulationen zu vermischen, ohne dass das Dry-Signal gänzlich verschwindet. Erfahrungsgemäß kann der Output vor allem anfangs durchaus chaotisch anmuten, vor allem, wenn mehrere LFOs zum Einsatz kommen. Das kann seinen Reiz haben, lässt sich beim Synesthesia aber am ehesten entschärfen, wenn man sich die Mühe macht und Tap-Tempo aktiviert, das dann für beide Modulationen zumindest ein einheitliches Tempo für die LFOs schaltet. Dass der Synesthesia dann noch einen eigenen FX-Loop besitzt, ist quasi das Sahnehäubchen in Sachen Features und erlaubt es, die Algorithmen noch mal zusätzlich einzufärben. Immenser Umfang also, den GFI Systems hier präsentieren.

GFI System Synesthesia – in der Praxis

Tatsächlich ist die Lernkurve des Pedals angemessen, die Bedienung als solche jedoch nichtsdestotrotz nicht gerade intuitiv. Es dauert, bis man sich zurechtfindet – zwei unterschiedliche Praxis-Modi, unterschiedlich reaktive Modulationen, eine zweite Bedienoberfläche für jeden Regler, Ramping-Möglichkeiten, Tap-Tempo und dazu nach das DSP-Routing. Diese Vollständigkeit und hohe Flexibilität ging zugunsten der Zugänglichkeit flöten, es dauert seine Zeit, ehe man so etwas wie einen routinierten Umgang mit dem Pedal entwickelt. Da kann der Editor Abhilfe verschaffen, vor allem wenn man sich einen Nachmittag hinsetzen und Presets basteln will. Doch ohne externen Fußschalter muss man sich beim Synesthesia live viel bücken. Die eigentliche Frage aber lautet: Was kann das Ganze klanglich? Auf der Ebene haben GFI Systems bislang nie enttäuscht. Schauen wir uns das mal an.

Eingespielt wurden die Beispiele über den Yamaha THR30 II, unterstützt von den Cab-Simulations des Two Notes Cab M. Die Klangqualität und Verarbeitungsqualität sind gemäß dem GFI Systems-Niveau über alle Zweifel erhaben. Es drängt sich der Vergleich mit Strymons Mobius auf, das ähnlich viele Algorithmen für Modulationen in einem Gehäuse vereint. Das heißt konkret: Die üblichen Zusammenspiele von Flanger, Phaser, Tremolo und Konsorten gehen hier ähnlich einfach von der Hand. Der engelhafte Octaver und das sirupige Vibrato sind meine persönlichen zwei Highlights sowie die Sequencer, die mit einer ungeheuren Flexibilität daherkommen. Sämtliche Beispiele sind im Cascade-Routing aufgenommen, das einfach für meinen Geschmack die interessantesten Ergebnisse erzielt. Das Parallel-Routing erzeugt sehr eigensinnige, oft verwaschen klingende Teppiche, die aber dennoch durchaus interessant ausfallen können – doch das bedarf Zeit und das Synesthesia ist mit seinem Umfang vor allem eins: eine zeitintensive Angelegenheit.

Die Strymon Delay Monster sind von allen Seiten unter Beschuss gekommen, doch das Mobius hat in Sachen Modulations-Station dann doch recht unangefochten den ersten Platz verteidigt. Den Titel könnte das Synesthesia dem Mobius streitig machen – einfach weil durch das Dual-Prinzip und das Routing so unglaublich viel möglich ist, dass ich den Preis – bei dem ich beim ersten Mal durchaus schlucken musste – dann doch als gerechtfertigt ansehe. Der unmittelbare Vergleich zeigt: Das Synesthesia klingt mindestens genau so gut wie das Mobius, ist flexibler, aber eben auch sperriger in der Bedienung. Und was auch ein Wermutstropfen ist: Eine bissige Bitcrusher-Engine sucht man beim Synesthesia vergeblich – verwunderlich, bei der ansonsten vorhandenen Vielfalt.

Darüber hinaus haben wir unsere praktischen Erfahrungen mit dem Synesthesia dokumentiert – unsere Gitarrenredaktion (mit maßgeblicher Beteiligung von Malte Hüther) wird in Zukunft euch auf diesem Wege Experimente, Reviews und Demos präsentieren. Das Synesthesia macht den Anfang – wir hatten unsere Freude mit dem Pedal-Video und dem Synesthesia und machten ihn unter anderem mit dem Volca FM bekannt.

Fazit

Sperrige Bedienung, üppiger Preis – damit sind die zwei zentralen Nachteile des Synesthesia schon mal genannt. Meine anfängliche Skepsis hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses überwand ich nach längerer Beschäftigung: Die duale Modulationsschaltung ist eine wahre Freude und es ist wahrlich nicht schwierig, musikalische Ergebnisse zu erzielen. Alles ist möglich mit dem Synesthesia – alles, aber es erfordert eben Zeit, Geduld und Geschick, sich in dem Synesthesia-Rabbithole zurechtzufinden. Ein echter Grower, der klassische Modulation für die Gitarre auf ein neues Level hievt.

Plus

  • variables Routing
  • zahlreiche Features
  • hohe Klangqualität

Minus

  • hoher Preis
  • sperrige Bedienung

Preis

  • 459,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    syntach  

    Wow, das klingt richtig schön „echt“ und auch irgendwie nach guter Technik von früher.

    Wäre toll, wenn es das auch mal als plugin gibt…

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Früher haben wir einfach nur ein Kabel vom Instrument in die Tretmine reingesteckt, ein weiteres aus der Tretmine heraus, und los ging’s. Heute muß ich für ein Effektpedal ein Handbuch lesen und eine USB-Verbindung mit meinem Schlepptopp bereithalten — so sieht Fortschritt für mich nicht aus.

    Aber früher haben wir ja auch einfach nur Würstchen und Koteletts auf den Grill geworfen und gegrillt, ohne erst ein Event daraus zu machen…

    Wäre es eventuell auch möglich, Demos mit den Standardtasten Orgel, E-Piano, Solosynth und Fläche zu produzieren? Tretminen sind schon längst keine exklusive Domäne der Saitenzupfer mehr…

    • Profilbild
      bluebell  

      Ist doch wie früher: Auspacken, verkabeln, einschalten.

      Noch ohne Lizenzierung und Aktivierung nur mit funktioniertender Bankverbindung, Installation von Schnüffelsoftware auf dem Rechner, der Einsendung einer DNA-Probe und der Übertragung der Seele des erstgeborenen Sohnes.

      Alles gut.

      In der Plugin-Version wird es aber nachgeholt, und es werden sich Dumme finden.

  3. Profilbild
    HansLax

    Der Test gibt einen guten Eindruck von dem Pedal, auch wenn sich mittlerweile ein paar Sachen leicht geändert haben und tatsächlich noch mehr Möglichkeiten bereitstehen als hier erklärt werden.

    Inzwischen kam noch ein Update auf die Firmware 2.0 raus, was die Gesamtanzahl der Effekte nun mit + 15 Effekten auf ganze 37 Algorithmen aufstockt (neben der Verbesserung von bestehenden)! Damit ist auch der Wunsch des Testers nach einem Bitcrusher mehr als erfüllt ;)

    Folgende Algorithmen wurden hinzugefügt:
    Horn (Rotary)
    Drum (Rotary)
    Ring Modulator
    Parametric EQ
    Bit Crusher
    Pressed Junk
    Record Antics
    Phono Filters
    Arp Tremolo
    Arp Filter
    Arp Formant
    Arp Flanger
    Arp Phaser
    Arp Ring Modulator
    Arpeggiator

    Die neuen Effekte sind der Wahnsinn! Besonders der „Record Antics“ ist der beste Low-Fi Effekt den ich bisher gefunden habe und die Arp-Geschichten sind der Wahnsinn.

    Klar macht es die Bedienung mit neuen Möglichkeiten nicht unbedingt leichter, aber wer offen für die moderne Technik ist, bekommt hier eine unglaubliche Preis-/Leistungsgranate, die alle bisherigen Pedal-Modulationsversuche hinter sich lässt!

    Vielleicht kann in diesem Test ja noch ein Nachtrag eingefügt werden, um auf die Änderungen seit dem Ursprungstest hinzuweisen.

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