AMAZONA.de

Test: Gibson ES-LP, E-Gitarre


Keine hohlen Phrasen!

Gibson bedarf an dieser Stelle eigentlich keiner Vorstellung mehr. Insbesondere die allgemein hin „Paula“ genannte Les Paul ist als eine der ersten erfolgreichen Solidbodygitarren und geschichtsträchtiges Gitarrenmodell auch bei Nicht-Gitarristen hinlänglich bekannt. Doch neben der klassischen Paula mit massivem Mahagonibody und Ahorndecke haben es über die Jahre auch immer wieder verschiedenste Modifikationen des altbewährten Rezeptes in die doch sehr Traditionsbewussten Familiendynastie geschafft. So auch die ES-LP: Wie der Name den Gibson Kenner schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um die Semihollow-Legende Gibson ES gefangen im Körper einer klassischen Les Paul. Laut Gibson soll das 2014 erstmals vorgestellte Modell so das Beste beider Gitarrentypen in einem Instrument vereinen. Natürlich wollten wir uns das einmal näher ansehen!

Die Gibson ES-Les Paul

— Die Gibson ES-Les Paul —

Features und Verarbeitung

Die ES-LP entspringt direkt der Memphis-Serie, mit der sich Gibson wieder stärker auf die Merkmale und Eigenschaften des Gibson Lineups besinnen will, die die Firma seit jeher so fest im Blues und Jazz verankert hatten. Dazu hat man sich bei noch einmal mit den Originalen von „damals“ beschäftigt, um herauszufinden, was den Instrumenten damals ihre Magie bescherte. Herausgekommen sind dabei Kombinationen verschiedenster Typen und Bauteile von alten Größen – und natürlich alles im edelsten Vintage-Design. Klar, dass eine der teureren Gibsons wie die ES-LP in einem Formcase mit feinster Kunstlederbespannung außen und reichlich Velours im Inneren geliefert wird!

Besonderheit Semihollowbody

Der Body ist als Semihollow-Konstruktion ausgeführt. Für die Decke die Zarge und den Boden wurde dabei eine dreilagige Kombination aus Ahorn, Pappelholz und noch einmal Ahorn verwendet. Besonders schön ist dies an der geflammten Decke zu erkennen, die durch die „Bourbon Burst“ Lackierung hindurchschimmert und sehr sauber gematcht wurde. Äußerlich wäre die ES-LP kaum von einer gewöhnlichen Les Paul zu unterscheiden, wären da nicht die beiden F-Löcher, die einen Blick in das hohle Innere der Gitarre zulassen würden. Noch deutlicher wird der Unterschied natürlich, wenn man die ES-LP anhebt und das unglaublich geringe Gewicht spürt. Eine ganz neue Erfahrung für Les Paul Spieler! Dies liegt nicht zuletzt an dem Sustainblock, der aus Mahagoni (mit Einsparschnitten zur Gewichtsreduzierung) gefertigt wurde.

Edelste Oberflächen wie man sie bei Gibson erwartet

— Edelste Oberflächen, wie man sie bei Gibson erwartet —

Abgerundet wurde der Body mit einem sauberen Binding in Creme an beiden Kanten der Zarge, welches absolut makellos verarbeitet scheint und an einer echten Paula auch niemals fehlen dürfte. Auch das Griffbrett ist in einem ähnlichen Binding eingefasst, das an den Kanten noch einmal zusätzlich abgerundet wurde, um der Griffhand mehr Komfort bieten zu können. Das Griffbrett selbst besteht aus vergleichsweise hellem Palisander mit einer sehr feinen Maserung und umfasst natürlich 22 Buntstäbchen. Inlays dürfen bei einer Paula natürlich auch nicht fehlen und diese bestehen bei der Memphis-Serie natürlich nicht aus schnödem Plastik, sondern aus bestem Perlmutt.

1 2 3 4 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    harrymudd ••••

    Hallo Tilmann,
    einige Sachen möchte ich gerne an deinem Test ergänzen bzw. anmerken:
    Die Griffbretteinlagen sind nicht aus Perlmutt sondern aus Perloid.
    Der von Gibson verwendete Holzleim ist normaler Tidebond 50, der eigentlich immer verwendet wird.
    In der Elektronik verwendet Gibson für den Halspickup einen kleineren Kondensator für die Höhenblende 15nF statt 22nF – ansonsten ist alles beim Alten.
    Zu den Mechaniken möchte ich anmerken, dass bei Gibson gelegentlich die Sattelkerben unpassend gefertigt sind, so dass die Saiten ein wenig klemmen. Dadurch hakt die Saite und rutscht langsam in Stimmung. Die Gibson Mechaniken sind i. d. R.nicht der Übeltäter.

    Halbakustische Gitarren vom ES Typ sehen innen eigentlich immer ein wenig ‚rough‘ aus.

    Klanbeispiel 6 ist cool – Neil Young lässt grüßen

  2. Profilbild
    tantris

    Es ist klar, dass eine handgefertigte Gitarre Geld kostet. Will man weniger ausgeben, muss man Fabrikware in Kauf nehmen. Es bleibt dann jedem selbst überlassen, über die eventuellen Mängel hinwegzusehen.

    Die fallen oft nicht ins Gewicht. Besonders wenn man mit einer E-Gitarre den Nachbarn beschallt, ist es egal, wenn dabei ein Tuner schnarrt.

    Wenn aber eine Gitarre für ca. 3000 Euro die Stimmung nach halten kann oder Mängel in der Verarbeitung bereits optisch ins Auge auffallen, dann ist das sehr schade. So macht man eine gute Marke kaputt.

    Sollte wirklich die Brücke der Übeltäter sein, wie ein Leser geschrieben hat, dann möge Gibson doch zur Kenntnis nehmen, das es für ca. 50 Euro Brücken gibt, bei denen die Saiten auf Gleitrollen gelagert sind und nicht auch dreieckig gezackten Zwiebelschneidern.

    Abgesehen davon würde ich mir nie eine Gitarre mit einem automatischen Stimmsystem kaufen. Wer eine Gitarre nicht manuell stimmen kann (weil er es nicht hören kann?), der soll dann auch die Umwelt mit seinem Spiel verschonen.

    • Profilbild
      • Profilbild
        tantris

        Stimmt, habe ich im Eifer des Gefechtes übersehen.

        Trotzdem findet man das G-Force System bei vielen Gibson-Gitarren. Wer es nützlich findet, das bleibt jedem selbst überlassen. Aber wozu soll das gut sein, bei insgesamt 6 Saiten ?

        Oder muss ich mich jetzt darauf einstellen, dass Frau Sophie Mutter mit einer aufgepimpten Stradivari auf die Bühne kommt, mit 4 Elektromotoren an der Schnecke ?

  3. Profilbild
    tubeheat

    Gleitrollen sind dafür bekannt Sustain zu killen. Alles was man braucht ist jemand, der es versteht, Sattelkerben und Reiter entsprechend zu feilen, dass die genannten Probleme oder auch frühzeitiges Reissen der Saiten nicht auftritt. Die Mühe macht sich Gibson bei der Fabrikfertigung leider nicht mehr. Ebenso das Abrunden der Bünde, damit keine scharfen Kanten übrigbleiben. Das ist auch bei den teuren Historics so. Alles steht und fällt damit jemanden zu kennen, der weiß, worauf es ankommt. Das ist vielleicht 1h Arbeit und dann paßt es 100%.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Gibson ES-LP

Bewertung: 4 SterneBewertung des Autors
Leserbewertung: 3
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.
NAMM Show 2017 - alle News und Highlights

Hersteller-Report Gibson

Aktion