Test: Golden Age Project COMP-3A Jr, Kompressor

18. Januar 2019

Small, but golden

Golden Age Project Comp3A Jr

Golden Age Project Comp-3A Jr

Der Golden Age Project COMP-3A Jr ist ein optischer Kompressor im Mini-Format, der sich anschickt, in die großen Fußstapfen des legendären Urei/Universal Audio LA-3A zu treten. Golden Age Music sollte vielen von euch ein Begriff sein, seit über zehn Jahren bietet das schwedische Unternehmen Kopien von Studio-Klassikern zum Kampfpreis an. Seit Anfang dieses Jahres gibt es mit Golden Age Premier auch eine höherwertige Produktpalette, die sich an Profis wendet und in der viel Handarbeit steckt, die aber dabei preislich sehr attraktiv bleibt. Das GA-47 Mikrofon und den PRE-73 Premier Vorverstärker durften wir bereits für euch testen.

Golden Age Project COMP-3A Jr

Klassiker klein gemacht – der Golden Age Project COMP-3A Jr

Gerade hatte ich die neue 6060 Subminiatur Mikrofon Reihe von DPA bei mir im Studio, die mit 3 mm um knapp 60 % kleiner sind als die schon extrem kleinen Vorgänger. Auch vor Kompressoren scheint der Trend zur Miniaturisierung keinen Halt zu machen. Schließlich wird Raum immer teurer und Technik gleichzeitig immer kompakter. Seit über zwei Jahren gibt es bereits den Golden Age Project COMP-3A (Test hier), nun wurde mit dem Junior Modell das Gehäuse auf mickrige 25 % geschrumpft. Statt eines großen Modells mit 9,5” auf 2 HE können nun also 4 Golden Age Project COMP-3A Jrs den gleichen Platz im Rack belegen. Freundlicherweise schrumpft auch der Preis, was ja bei Miniaturisierungen keine Selbstverständlichkeit ist, von 479,- Euro auf nur noch 349,- Euro. Im Vergleich dazu: Der Straßenpreis des Universal Audio LA-3A lag bei rund 2.000,- Euro. Da könnte man sich zum gleichen Preis 6 Juniors ins Studio holen. Im gleichen Format gibt es übrigens auch den Vorverstärker Golden Age Project PRE-73 Jr. Eine Kombination mit 2 Preamps und 2 Kompressoren im Neve bzw. Urei Stil lässt sich damit preisgünstig auf 1 HE verwirklichen.

Golden Age Project COMP-3A Jr

Eine nette Geste

Der originale LA-3A Audio Leveler war der Solid State (Transistor) Nachfolger des Teletronix LA-2A und wurde 1969 von Brad Plunkett (auf den auch bereits das VOX Wah Wah Pedal zurückgeht und der maßgeblich an der Entwicklung des 1176 beteiligt war) entworfen. Diese neue Version ohne Röhren wurde seinerzeit als großer Fortschritt wahrgenommen, da das Röhrenrauschen eliminiert und die Wartung der Geräte sehr vereinfacht wurde. Daher wurde Ende der sechziger Jahre mit der Markteinführung des LA-3A der röhrenbasierte Vorgänger LA-2A kurzerhand eingestellt. Wer braucht schon Röhren? Heutzutage haben beide Modelle ihren festen Platz in der Hall of Fame der Kompressoren.

Geliefert wird der Golden Age Project COMP-3A Jr in der für Golden Age üblichen Verpackung im Vintage-Stil. Neben dem COMP-3A Jr findet man darin eine zweiseitige englische Anleitung und ein 24 Volt Netzteil, das für den Betrieb des Kompressors notwendig ist. Ins Gerät eingebaute Netzteile sind zwar etwas leichter im Handling für den Anwender, durch ein externes Netzteil werden allerdings ungewollte Einstreuungen zu anderen Geräten verhindert (was in einem Rack sehr ärgerlich sein kann) und es spart natürlich auch Kosten. Ich persönlich würde mir auf der Rückseite eventuell eine kleine Vorrichtung zur Zugentlastung des Stromkabels wünschen.

Der Golden Age Project COMP-3A Jr bringt rund 1,4 kg auf die Waage. Das Gehäuse ist 4,5 cm hoch, 11 cm breit und mit 25,5 cm Länge recht tief. Von Anfang an war der LA-3A wie schon der LA-2A als sehr einfach zu bedienendes Studio-Equipment konzipiert. Zwei Regler – und das war es auch schon (fast). Unter bzw. hinter der Haube gab es noch immer ein paar weitere Einstellungsmöglichkeiten, um zum Beispiel „Attack“ und „Release“ zu beeinflussen. Auch der kleine Golden Age Project COMP-3A Jr hat glücklicherweise trotz seiner Größe einige zusätzliche Features mit an Bord.

Golden Age Project COMP-3A Jr

Alle Bedienelemente finden sich auf der Vorderseite

Auf der Vorderseite befinden sich folgende Bedienelemente: eine 7-stellige LED-Anzeige, die mit dem dazugehörigen Schalter zwischen VU-Meter und Gain-Reduction umgeschaltet werden kann. Diesen Umschalter gibt es auch beim Original – für ein VU-Meter mit Nadel fehlt hier aber aufgrund der kompakten Gehäusegröße einfach der Platz. Daneben gibt es den Regler für das Make-up-Gain (welches bis zu 23 dB Gain zusätzlich liefern kann), ein Highpass-Filter, das das Kompressionsverhalten tiefer Frequenzen unter 250 Hz beeinflusst, einen 3-stufigen TIME-Schalter mit den Positionen A / B / C und einen In/Out-Switch, mit dem das Gerät auch komplett aus der Signalkette genommen werden kann, um zu kontrollieren, was es überhaupt macht. Dann folgt noch das Gain-Reduction-Poti, das die Stärke der Kompression regelt und ein On/Off-Schalter. Schön, dass es das gibt (immer mehr Hersteller sparen sich ja leider einen Netzschalter) und schön, dass er auf der Vorderseite ist.

Kleine Extras des Golden Age Project COMP-3A Jr

Eine kurze Erklärung zu den TIME-Positionen des Golden Age Project COMP-3A Jr. Diese stehen für unterschiedliche Attack- und Release-Zeiten. Position A hat die schnellsten Attack- und Release-Zeiten und entsprechen laut Golden Age jenen des Universal Audio LA-3A. Position B hat eine etwas langsamere Attack-Zeit, die ähnlich zum großen Bruder COMP-3A ist. Position C verlängert die Attack-Zeit noch weiter. Man kann also auf der Vorderseite schon verschiedene Einstellungen vornehmen. Damit aber nicht genug. Wie von Golden Age gewohnt, bereichern sie ihre Nachbauten oft um nützliche Features, die den Funktionsumfang erweitern (so zum Beispiel auch beim GAP Pre-73 Premier). Nimmt man die Metallplatte auf der Gehäuseoberseite ab, finden sich im Inneren zwei Jumper, mit denen die Attack-Werte von Position B und C individuell verändert werden können. Insgesamt stehen uns damit also ganze 5 verschiedene Einstellmöglichkeiten zur Verfügung.

Golden Age Project COMP-3A Jr

2 Ausgänge machen den COMP-3A Jr vielseitig

Auf der Rückseite findet man neben dem Stromanschluss für das Netzteil einen 6,3 mm LINK-Eingang, mit dem man 2 Golden Age Project COMP-3A Jrs für Stereobetrieb miteinander verbinden kann. Dem folgen 2 Ausgänge in XLR und TRS, womit man den Kompressor flexibel in die Studioumgebung einbinden kann, da beide Ausgänge gleichzeitig zur Verfügung stehen. Für den Eingang steht eine XLR/TRS-Kombibuchse zur Verfügung.

Generell kann ich dem Golden Age Project COMP-3A Jr eine sehr gute Verarbeitung attestieren. Ich sehe keinen Grund, irgendetwas zu bemängeln. Nimmt man die Metallplatte auf der Oberseite ab, zeigt sich auch innen alles in sauberster Ordnung – so soll es sein. Der Signalpfad ist komplett analog aufgebaut. Zwar finden sich im Golden Age Project COMP-3A Jr keine 3 Übertrager wie beim Original, aber trotz seiner Größe und dem niedrigen Preis gibt es 2 Übertrager für den Ein- bzw. Ausgang. Statt der klassischen T4 Opto-Zelle des LA-3A und LA-2A kommt ein integrierter Optokoppler zum Einsatz. Laut Bo Medin, dem Entwickler des Golden Age Project COMP-3A Jr, hat der Junior daher ein leicht verändertes Kompressorverhalten im Vergleich zum großen Bruder COMP-3A. Wofür man sich letztendlich entscheidet, ist eine Frage des Geschmacks und des Budgets.

Golden Age Project COMP-3A Jr

Mit diesen Jumpern können die Attack-Zeiten von TIME B und C verlängert werden

Um den Jumper „T-C“ zu erreichen, muss man übrigens auch die Frontplatte etwas lockern. Das ist aber mit drei Schrauben schnell gemacht und recht leicht zu bewerkstelligen. Einen Wunsch hätte ich dann doch noch: Für die Verwendung als Desktop-Gerät wäre es praktisch, wenn dem Golden Age Project COMP-3A Jr aufklebbare Kunststofffüßchen beiliegen würden, damit die Unterfläche nicht zerkratzt.

Der Golden Age Project COMP-3A Jr in der Praxis

Nun aber angemacht das gute Ding. Nach dem Einschalten stellt sich die Frage: Geht er denn überhaupt? Es gibt keine Status LED, die den Betrieb anzeigt und wenn die Aussteuerungsanzeige auf VU steht und kein Eingangssignal ankommt, bleibt es auf der Vorderseite erst mal dunkel. Nach dem ersten Schreck stelle ich fest, dass sich das ändert, wenn man die Aussteuerungsanzeige auf GR stellt, dann leuchtet die LED-Kette farbenfroh auf. Die LED-Kette arbeitet in diesem Modus genau entgegengesetzt zum VU-Meter – während beim VU-Meter mit ansteigender Lautstärke auch die Anzahl der leuchtenden LEDs zunimmt, nimmt die Zahl der LEDs in der Anzeigeoption Gain-Reduction um den jeweils reduzierten dB-Wert ab. Genial einfach. Damit hat man einen recht guten Überblick über die Arbeitsweise des Kompressors. Zu guter Letzt sollte man aber ohnehin seine Ohren entscheiden lassen und sich nicht von LEDs oder VU-Metern (im wahrsten Sinne des Wortes) “blenden” lassen.

Trotz günstigem Preis und wenig Raum befinden sich 2 Transformatoren im COMP-3A Jr

Bevor wir zu den Klangbeispielen kommen, muss ich mich erst mal outen: Ich persönlich bin ein „Wenig-Komprimierer“ und finde Dynamik in der Musik ein wichtiges und erhaltenswertes Gut. Viele moderne Songs sind mir zu plattgedrückt und es reißt mich buchstäblich nicht vom Hocker, wenn leise und laute Passagen ein und dieselbe Lautstärke haben. Vor ein paar Jahren habe ich sogar meinen 1176er Kompressor verkauft, da ich viele Dynamikbearbeitungen lieber per Hand mit der Automation mache oder durch Plugins das Signal im Mix ein wenig komprimiere.

Im Laufe der Testperiode hat es der Golden Age Project COMP-3A Jr allerdings geschafft, mir wieder Lust auf „echte“ Hardware zu machen. Um euch etwas Vergleichsmaterial zwischen analog und virtuell zu geben, mache ein paar Audiobeispiele mit dem bekannten Waves LA-3A Plugin.

Den Anfang macht die E-Gitarre, aufgenommen mit dem Golden Age Premier GA-47 Röhrenmikrofon. Ich gehe für euch die unterschiedlichen TIME-Settings durch und bin vor allem von TIME A sehr angetan. Die Reduktion ist erheblich (die Signalspitzen viel leiser als beim Original), das Material erscheint viel lauter und trotzdem kommt es nicht zu störendem hörbaren Pumpen des Kompressors:

Hier ein Screenshot der unter anderem Hinweise auf das Handling der Transienten und die Attack-Zeiten gibt:

Das Original ist blau gefärbt, darunter die beiden Plugin-Varianten in braun, gefolgt von den 3 Durchläufen mit dem Golden Age Project COMP-3A Jr. TIME A hat ein schnelleres Attack als das Plugin von Waves und es ist nicht möglich, mit dem Plugin einen ähnlich dichten Sound ohne hörbares Pumpen zu erreichen.

Klangbeispiele
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