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Test: Gretsch G6131-MY Malcolm Young, E-Gitarre

5. Februar 2019

For those about to rock!

Gretsch G6131-MY Malcolm Young

Gretsch G6131-MY Malcolm Young

Er galt als einer der besten Rhythmusgitarristen aller Zeiten und gilt es für viele bis heute noch: Malcolm Young von AC/DC. Obwohl er stets mehr oder weniger im Schatten seines überpopulären Bruders Angus stand, wurden aus vielen seiner Riffs absolute Dauerbrenner und Charterfolge, darüber muss man an dieser Stelle nicht viel schreiben. Wir kümmern uns jetzt und hier einzig und allein um die Signature-Gitarre von Malcolm Young, deren Markteinführung der Künstler ja leider nicht mehr miterleben durfte. Aber Malcolm wäre sicher stolz auf das, was ihm Gretsch mit der G6131-MY Malcolm Young  gebaut hätte. Doch bevor ich zu viel vorwegnehme: Steigen wir ein in den Test!

Gretsch G6131-MY Malcolm Young

Gretsch G6131-MY Malcolm Young – Facts & Features

Zunächst einmal muss man sagen, dass es die Malcolm Young Signature in zwei Varianten gibt. Einmal ein Modell aus dem Gretsch US-Customshop für den läppischen Kurs von 10.000,- US-Dollar und ein weiteres aus japanischer Serienfertigung, das uns zum Test angeliefert wurde und Gegenstand dieses Reviews ist. „Made in Japan“ klingt ja erst einmal nicht so teuer, doch auch hier lässt sich der Hersteller den guten Namen bezahlen und verlangt fast 3000,- Euro für die Gretsch G6131-MY Malcolm Young – so lautet die korrekte Bezeichnung des Serieninstruments. Dafür erhält man einen gekammerten Mahagonikorpus mit aufgeleimter Ahorndecke, der exakt nach der Vorlage des Originals designt wurde, also inklusive der fehlenden Pickups und den Metallstopfen, welche die Löcher der ebenfalls entnommenen Potis verschließen. Von der Elektronik übrig geblieben ist lediglich ein einsamer TV Jones PowerTron am Steg, der über ein Tone-Poti und gleich zwei Volume-Potis gesteuert wird. Denn neben dem Volume-Poti an der zu erwartenden Position direkt neben dem Tone-Pegler gibt es noch ein weiteres Poti, das sich um die Gesamtlautstärke kümmert und im unteren Cutaway sitzt. Doppelt gemoppelt hält besser – und eines von den beiden ist bestimmt gut zu erreichen.

Puren Vintage-Charme versprüht schon der erste Blick auf die Decke. Verantwortlich dafür ist neben der täuschend abgenutzt wirkenden Mattlackierung vor allem die Hardware in Form der „Space Control“ Brücke und deren Saitenreitern verantwortlich. Von Saitenreitern zu sprechen, wäre in diesem Fall nicht ganz korrekt, denn hier werden die Saiten über Metallrollen zu den Mechaniken geführt. Zuerst aber werden die Drähte natürlich verankert, hier in einem wunderschön verspielt gestalteten Tailpiece, das aber etwas irreführend die Bezeichnung „Gretsch ’60s Jet Vibrato“ trägt. Das gute Stück besitzt zwar so etwas eine Aufnahme für einen Vibratohebel, lässt sich aber kein Stück bewegen. Zudem befindet sich im Lieferumfang bzw. im Koffer der Gitarre kein „Jammerhaken“, den man hier etwa einsetzen könnte und überhaupt: Wurde Malcolm Young jemals dabei ertappt, einen Vibratohebel benutzt zu haben?

Am anderen Ende der Drähte sorgt ein Satz Schaller Mechaniken für einen im wahrsten Sinne des Wortes „reibungslosen“ Ablauf. Sie stammen zweifellos aus dem obersten Regal, was sich während des Testzeitraums durch ein präzises Stimmen und ein einwandfreies Halten der Stimmung zeigte.

Gretsch G6131-MY Malcolm Young

Wunderschöne bzw. charmante und hochwertige Hardware auf der Decke

Der Blick auf die Rückseite zeigt nichts Spektakuläres, alles wurde sauber mit einem schwarzen Satinlack überzogen. Erfreulich ist, dass die beiden Abdeckungen für die spärliche Elektronik der Gitarre versenkt eingesetzt wurden – hier klemmt oder hakelt in der Praxis also rein gar nichts. In Zeiten des Wahns von Hightech-Halsübergängen à la Ibanez Wizard wirkt der Hals-Korpus-Übergang der Gretsch Malcolm Young wie ein Relikt aus grauer Vorzeit und garantiert eine Herausforderung für Leute, die gerne und oft zum Solieren jenseits des 15. Bundes unterwegs sind. Doch auch hier gilt das Gleiche wie bei der Sache mit dem Vibrato: Wurde Malcolm Young jemals dabei ertappt, ein Gitarrensolo zu spielen? Dennoch ist das Solieren auch bei der Gretsch G6131-MY Malcolm Young möglich, mit etwas Übung ist auch der letzte Bund, Nummer 22, gut zu erreichen. OK, das ist vielleicht nicht ganz korrekt, denn eigentlich müsste es ja Bund Nummer 23 heißen, da wir nur kurz unter dem 43 mm breiten Sattel tatsächlich noch einen Nullbund finden!

Gretsch G6131-MY Malcolm Young Nullbund

Der Nullbund – so oft sieht man ihn nicht mehr

Die Qualität der Bundierung entspricht den Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse vollkommen. Alle Drähte sind sauber in ein Griffbrett aus Ebenholz eingesetzt, an ihren Kanten und Oberflächen sauber abgerichtet und werden von einem weißen Binding eingekleidet, welches bereits an den Rändern der Decke seinen Ursprung findet. Der Griffbrettradius von 12″ zeigt sich als recht modern und mit einer Mensur von 625 mm orientiert sich unsere Gretsch ganz offensichtlich an den Gitarren aus dem Gibson-Lager.

Das Halsprofil, vom Hersteller als „Standard U“ bezeichnet, zeigt sich als recht schmal und eher zierlich. Zusammen mit dem Satinlack bietet sich ein Spielgefühl, das kaum natürlicher sein könnte. Das liegt darüber hinaus auch an der guten Werkseinstellung, mit der unser Testinstrument ausgeliefert wurde – Saitenlage, Oktavreinheit, all das war absolut sauber justiert und bedurfte keinerlei Korrektur. Sollte man für diesen Preis ja eigentlich auch erwarten können. Was man jedoch konkret in der Praxis erwarten kann, das besprechen bzw. hören wir nun.

Gretsch G6131-MY Malcolm Young – Sound & Praxis

Wer es bis hier hin durchgehalten hat und sich immer noch kopfschüttelnd fragt, wie man für eine Gitarre mit dieser zerstückelten Optik so viel Geld ausgeben kann, der wird schon nach wenigen Augenblicken im Umgang mit „Malcolms Sahnestück“ eines Besseren belehrt. Um es schlicht auf den Punkt zu bringen: Hier stimmt einfach alles! Angefangen vom kräftigen und resonanten Grundsound, was aufgrund der Semihollow-Konstruktion nicht weiter verwunderlich ist, über die fantastische Bespielbarkeit des Halses bis hin zum Sound des Pickups erwartet den Spieler purer Rock ’n‘ Roll und noch eine Menge mehr!

Ihre Stärken spielt die G6131-MY Malcolm Young natürlich im Overdrive-Bereich aus, nichts anderes hätte sich der Künstler wohl gewünscht und auf diesem Terrain gibt es nur wenige Sounds, die der „übrig gebliebene“ Gretsch Filtertron-Pickup nicht bedienen könnte. Er besticht durch ein sehr transparentes Klangbild und bleibt auch dann heiß und knackig, wenn man eines der beiden Volume-Potis zurückregelt – das ermöglicht eine sehr gute und quicklebendige Interaktion mit dem angeschlossenen Amp! Zudem geht er sehr sparsam mit Nebengeräuschen um und sein Klang ist auch durchaus brauchbar für den einen oder anderen Cleansound. Ganz einfach deshalb, weil er Charakter besitzt, so wie die gesamte Gitarre ihren ganz eigenen Charme versprüht.

Doch jetzt genug der Lobhudelei, obwohl sie in diesem Falle komplett berechtigt ist. Hören wir rein in den Sound der Gretsch G6131-MY Malcolm Young, für die Klangbeispiele habe ich wie immer meinen kleinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion V-30-Box herangezogen. Aufgenommen wurde mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio ohne weitere Effekte.

Fangen wir im ersten Beispiel doch ruhig mal mit einem Cleansound an. Durch das ausgeglichene Frequenzbild des Filtertron-Pickups halten sich die sonst bei Humbuckern üblichen Mitten hier stark zurück:

So, jetzt aber rüber in den Bereich, für den die G6131-MY gemacht wurde – das Zerren! Zunächst ein Riff mit überwiegend lange ausklingenden Sequenzen, direkt danach ein weiteres in einem mehr akzentuierten Stil:

Das Gleiche nun mit zwei Licks. Zunächst eine etwas langsamer gespielte Phrase, in der man das kräftige Sustain der Gitarre wahrnimmt und als Spieler regelrecht darauf „reiten“ kann. Danach folgen im fünften Beispiel ein paar rhythmisch gespielte Licks, die das ebenso fantastische Attack der Grundkonstruktion hervorheben.

Fazit

Ich habe es ja am Anfang schon erwähnt und tue es jetzt auch nach Abschluss des Tests noch einmal: Malcolm Young wäre verdammt stolz auf das gewesen, was Gretsch mit der G6131-MY Malcolm Young auf die Beine bzw. die Bühnen dieser Welt gestellt hat! Die Gitarre ist auf höchstem Niveau gebaut und versprüht einen Vintage-Charme, der nicht nur AC/DC Fans schwach werden lässt. Unbedingt antesten!

Plus

  • Klang
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Qualität Hardware
  • originalgetreue Optik
  • Exotenstatus

Minus

  • Malcolm konnte es nicht mehr miterleben ...

Preis

  • Ladenpreis: 2.944,- Euro
Klangbeispiele