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Test: Harley Benton AirBorne, Wireless System

12. Januar 2018

Funkstrecke geschrumpft

Harley Benton AirBorne Instrument

Die Miniaturisierung in der Elektronik ist nicht aufzuhalten. Immer kleiner werden die Gerätschaften und dabei meist noch leistungsfähiger. Dies gilt auch für Wireless Systeme. Harley Benton, eine Marke des Musikhauses Thomann, hat mit dem Harley Benton AirBorne Instrument eine komplette Funkstrecke für Instrumente im Angebot, die nicht mehr als etwa 80 Gramm wiegt. Und das gilt für das Gesamtpaket aus Sender und Empfänger! Beide Komponenten sind mit integrierten Lithium-Akkus ausgestattet, sodass man beim Einsatz dieses Systems vollkommen unabhängig von Batterien oder Steckdosen ist.

Zwillinge

Das Mini-Funk-Set besteht aus zwei identischen Bauteilen mit integrierten 6,3 mm Klinkensteckern und sendet im 2,4 GHz Band (WLAN). Zum Transport und zur Aufbewahrung lassen sich beide Teile ganz einfach zusammenstecken. Seitliche Aufdrucke mit Pfeilen und der Bezeichnung „unlock“ auf Receiver und Transmitter sollen sicherstellen, dass die siamesischen Zwillinge ohne Komplikationen vor dem Einsatz auch wieder ordentlich getrennt werden können.

Sender und Empfänger sind bis auf die Vorrichtungen für das sogenannte Klick-System baugleich gestaltet. Um Verwechselungen auszuschließen, sind die Gehäuse mit gut lesbaren Aufdrucken „Receiver“ und „Transmitter“ versehen. Eine kleine, kreisrunde gummierte Fläche am Sender soll beim Einsatz das verwendete Instrument schonen.

Harley Benton AirBorne

Siamesische Zwillinge

Die vergoldeten Klinkenstecker an den Kunststoffgehäusen mit den Abmessungen 73 x 40 x 15 mm (B x H x T) können bis zu 220 Grad verstellt werden. Sie lassen sich bewusst etwas schwergängig bewegen, damit der Sender beispielsweise an einem tragbaren Instrument während der Live-Show nicht unnötig hin und her wackeln kann. Ob dieser leichte Widerstand im Lauf einer ständigen Nutzung erhalten bleibt, ist jetzt noch nicht  abzuschätzen. Auf jeden Fall lassen sich Sender und Empfänger dank ihrer beweglichen Stecker an zahlreichen Instrumenten und Geräten prima ausrichten. Ob Gitarre, Bass, Keyboard, Mischpult, Gitarrenamp oder andere Verbündete, hier werden sich bestimmt Möglichkeiten zum Anschluss bieten. Selbst am Anfang einer Effektkette macht der Empfänger ein gutes Bild und spart obendrein Platz auf dem Effektboard ein.

Ladekabel inklusive

Lieferung mit Doppel-Ladekabel

Duo USB Aufladekabel mitgeliefert

An den Längsseiten finden sich auf einer Seite die Mini-USB-Buchsen zur Aufladung der integrierten 750 mAh Lithium Akkus. Zum Lieferumfang gehört ein Duo-Pin USB-Aufladekabel. Das ist eine clevere Lösung, die es erlaubt, Sender und Empfänger gleichzeitig am Rechner oder einem vorhandenen USB-Ladeadapter aufzuladen.

Als Bedienelemente auf den anderen Längsseiten gibt es jeweils die Ein/Ausschalter und die Kanalwahlschalter, mit denen zwischen vier Kanälen gewählt werden kann. Beim Einschalten leuchtet an jedem Gerät kurzzeitig eine Reihe von vier LEDs, die den Zustand des Akkus signalisiert: vier LEDs = voll geladen; eine LED = Batterie schwach. Mit der „Auto Sleep/Wake Up Funktion“ wird der Energieverbrauch automatische reduziert, was sich positiv auf die Betriebsdauer auswirkt, die der Hersteller mit bis zu sechs Stunden angibt.

Telecaster

Harley Benton AirBorne Instrument an der Fender Tele

Werden die Geräte eingeschaltet, ist zunächst immer der erste Kanal aktiviert. Falls es hier zu Störungen kommen sollte, kann man per Tastendruck auf einen der drei anderen Kanäle ausweichen. An Sender und Empfänger müssen natürlich identische Kanäle eingestellt werden, sie koppeln sich dann automatisch.

Unter normalen Bedingungen bietet das Harley Benton AirBorne Wireless System gut 30 Meter Reichweite, was bei Live-Shows schon für längere „Ausflüge“ reicht. Oder auf großen Bühnen weite Abstände überbrücken hilft. In jedem Fall ist bei mobilen Instrumenten die Bewegungsfreiheit ohne Kabelanschluss eine tolle Angelegenheit.

Les Paul Studio

Harley Benton AirBorne Instrument an der Paula Studio

Die Wandler des digitalen Systems arbeiten mit einer hohen Auflösung von 24 Bit/48 kHz. Bei einer Latenz von weniger als 5 Millisekunden ist mit diesem Set ein weites Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20 kHz möglich. Weswegen auch tieffrequente Instrumente wie 6-saitige Bässe oder sehr tiefe Keyboard-Sounds kein Problem darstellen sollten.

Yamaha

Harley Benton AirBorne Instrument an der Yamaha Elektro-Akustik

Harley Benton AirBorne Instrument in der Praxis

Auf den Fotos ist gut erkennbar, wie sich der Sender an unterschiedlichen Gitarrenformen verhält. Und zwar an einer Tele, der Paula, einer Yamaha Elektro-Akustik und an der Strat. Die optimale Passform für den Sender bietet bei diesem Quartett die Strat, das ist klar ersichtlich. Natürlich funktioniert der Sender auch an den anderen genannten Bauformen, doch er sitzt nicht so gut und fügt sich nicht so harmonisch wie an der Stratocaster ein. Hier kommt dann auch die gummierte Stelle an der Unterseite zum Einsatz.

Bei ordentlichen Bewegungen der anderen Gitarren sitzt der Transmitter dank seines straff sitzenden Klinkensteckers dennoch ordentlich fest und wackelt nicht unkontrolliert an den Zargen.

Fender Strat

Harley Benton AirBorne Instrument an der Fender Strat

Weil der Transmitter gerade an der Strat so gut passt, wird sie auch zum Testobjekt für die klanglichen Belange auserkoren. In Kombination mit einem Blackstar Stereo 40 Verstärker.

Weit, weit weg

Großartige Einstellmöglichkeiten an diesem Wireless System bieten sich hier nicht. Wie sagt Harley Benton so schön: Plug-N-Play. So ist es denn auch. Die Schalter an, Kanäle 1 leuchten als Preset auf und los geht’s.

In puncto Entfernung teste ich den Empfang bzw. die Sendeleistung über verschiedene Räume hinweg bis zu einer „Wegstrecke“ von etwa 20 Metern. Selbst die massiven Wände eines Heizungskellers, der bei einem meiner kurzen „Ausflüge“ zwischen Sender und Empfänger liegt, führt nicht zum Signalabbruch. Bei der „Wanderung“ zwischen Räumen und Wänden gibt es keinerlei Drop-outs oder sonstige Störungen. Auch der kurze Aufenthalt direkt neben dem WLAN-Router hat für das Harley Benton AirBorne Set keine Konsequenzen – alles ist gut. Wenngleich in der knappen, aber anschaulichen Bedienungsanleitung vor einem Betrieb neben dem Router gewarnt wird. Bei Digitalpulten mit integrierten Routern könnte es bei Störungen also sinnvoll sein, auf einen anderen der vier gebotenen Kanäle beim AirBorne System auszuweichen.

Harley Benton AirBorne

Zwei Glückskäfer?

Die Funkstrecke verrichtet ihren Dienst ohne Nebengeräusche oder klangliche Veränderungen und die Ansprache der Gitarre ist direkt und präzise. Mit dem Lautstärkepoti der Gitarre lässt sich ebenfalls prima arbeiten. Crunchige Sounds oder das volle Brett werden zahmer, wenn das Volume-Poti der Strat zugedreht wird. Also Reaktionen, wie man sie bei der Benutzung eines Kabels gewohnt ist.

Von einer Latenz ist ebenfalls nichts zu spüren. Da macht sich bei größerer Entfernung zum Amp schon eher das verzögerte Lautsprechersignal bemerkbar.

Stille, wenn es nötig ist

Liegt kurzzeitig kein Signal an, wird die Mute-Schaltung aktiv, erkennbar an den blinkenden LEDs an Sender und Empfänger. Das System schaltet ohne zeitliche Verzögerung unmittelbar wieder auf Empfang, sobald die Saite nur zart angeschlagen wird.

Nix zu hören

Man möchte ja immer einen Unterschied hören. Also kommt jetzt noch ein gutes Gitarrenkabel von etwa drei Metern Länge zum Einsatz. Am Amp wird jetzt ein cleaner Sound eingestellt, ich nehme knapp einen Meter vor dem Verstärker Platz. Ständig wechsele ich zwischen dem Kabel und dem Harley Benton AirBorne Wireless System. Da war doch ein Unterschied zur hören? Nein, doch nicht. Es ist kein klanglicher Unterschied feststellbar, wenngleich ich meine, dass die clean gespielte Strat mit dem Kabel vielleicht eine kleine Spur offener klingt. Vielleicht sind es aber auch nur die Unterschiede im Anschlag, die in diesem Fall für klangliche Veränderungen sorgen.

Zweitnutzen

Der weite Übertragungsbereich von 20 Hz bis 20 kHz fordert es geradezu heraus. Jetzt kommt das „Instrument“-Set am unsymmetrischen Klinkenausgang eines Mischpultes zum Einsatz. Die Übertragung zur Aktivbox (mit Klinkeneingang) ist auch hier perfekt. Dieses Szenario eröffnet als Zweitnutzen also noch einen weiten Bereich an kreativen Möglichkeiten bei der Beschallung.

Und weil das Harley Benton AirBorne Instrument vier verschiedene Kanäle bietet, können problemlos mehrere Wireless Systeme dieser Art gleichzeitig eingesetzt werden – für Instrumente sowieso. Laut Bedienungsanleitung lassen sich die Sendesignale von mehreren Empfängern empfangen. So ist es Zum Beispiel möglich, zwei Verstärker gleichzeitig anzusteuern, um ein Stereo-Klangbild oder unterschiedliche Sounds zu erzeugen.

Das Harley Benton AirBorne Instrument ist gut verarbeitet und macht einen wertigen Eindruck. Die Benutzung dieser Funkstrecke ist kinderleicht und der Anschaffungspreis beim Musikhaus Thomann ist mit 98,- Euro sensationell günstig.

Fazit

Wer bisher kein Drahtlos-System für Instrumente einsetzt und eine kompakte Lösung ohne komplizierte Bedienung sucht, dem kann ich die 2,4 GHz WLAN-Funkstrecke Harley Benton AirBorne Instrument bestens empfehlen. Die kompakten Sende- und Empfangseinheiten arbeiten mit integrierten Akkus, die bei normaler Nutzung langen Spielspaß von bis zu sechs Stunden bescheren. Spaß bereitet vor allem aber der Anschaffungspreis. Gerade einmal 98,- Euro sind zu berappen und das ist garantiert eine Versuchung wert.

Plus

  • Plug-N-Play Sender und Empfänger
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • neutraler Klang
  • Doppelkabel zum Aufladen

Preis

  • 98,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    herw  

    interessant
    Da ich Keyboardspieler bin, interessiert mich, ob die Sender/Empfänger schmal genug sind, dass man an zwei Audioausgängen und Mischpulteingängen direkt nebeneinander einstecken kann.
    ciao herw

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Die Abmessungen stehen im Text. Bei „normalen“ Abständen der Buchsen müsste das passen. Am Mixer auf jeden Fall.

  2. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    zum Thema Latenz: Ich habe ein digitales Firehawk FX von Line6, im Send/Return davon noch einen Tube Overdrive. Das ist schon 2x A/D/A Wandlung.
    Dann würde z.B. diese Funkstrecke dazu kommen. Das wäre dann 3x Latenz.
    In-Ear-Monitoring, natürlich per Funk, habe ich noch nicht, wäre aber auch schön. Wäre 4x Latenz. Irgendwann muss man das doch merken. Gibt’s da Erfahrungsberichte?

    • Profilbild
      lerxt

      Schall braucht 3ms pro meter, 3m vom lautsprecher entfernt hören die ohren den gespielten sound auf jeden fall 9ms später. Somit bekommt man mit IEM die ersten 5 bis 10 ms geschenkt wenn man seine gitarre mit close micing oder direkt abnimmt und der sound nicht digital bearbeitet wird.

      Den effekt von latency auf spielgefühl kann man selber ausprobieren am rechner. DAW puffertiefe einrichten, sich merken welche latency so entsteht und anspielen über software monitoring.

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Da das ist immer von Fall zu Fall unterschiedlich ist, je nach eingesetzter Hardware und Wandler gibt es hier keine Erfahrungsberichte.

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