Test: Harley Benton HP-42 Signature TT Roasted, E-Gitarre

28. April 2020

Grüne Feinarbeit für einen Top-Preis!

Die Thomann-Marke Harley Benton hat mittlerweile unzählige Modelle am Start und deckt damit quasi alle Stilrichtungen ab. Nun hat auch Henning Pauly alias EytschPi42 sein Signature-Modell bekommen, die Harley Benton HP-42 Signature TT Roasted, das sicherlich eine beeindruckende Optik mitbringt. Auf den ersten Blick scheint das Instrument optisch mit den „Großen“ mithalten zu können, da das Design optisch an die eher preisintensiven Modelle von Ibanez, PRS,oder Tom Anderson etc. erinnert. Schauen wir uns das „Gerät“ nun einmal genauer an, weil wir natürlich wissen wollen, ob die Gitarre auch nach einem zweiten kritischen Blick noch gut dasteht.

Korpus

Der Korpus der HP-42 Signature aus Mahagoni erhielt eine Decke aus geflammtem Ahorn. Die Farbe der Lackierung (Transparent Turquoise) mag nicht jeden Geschmack treffen, sicherlich aber die schön geriegelte Decke. Der Korpus erinnert in der Formgebung an Modelle aus dem Hause Ibanez, da auch die Cutaways recht groß ausfallen und das Spiel in den hohen Lagen begünstigen.

Harley Benton HP-42 Signature TT Back

Die Harley Benton HP-42 Signature TT in der Rückansicht

Auffällig in der Rückansicht ist das große Elektrofach, das für die verbaute Elektrik sicherlich etwas groß ausfällt, aber gleichfalls zu einer Gewichtsreduktion führt, die das Instrument im Bühnenbetrieb etwas rückenfreundlicher macht. Die Gitarre wurde nicht mit einem Vibratosystem ausgestattet. Die Saiten werden folglich durch sechs Hülsen im Korpus aufgezogen, wie man dies z. B. von einer Telecaster kennt.

Harley Benton HP-42 – Hals

Der Hals aus geröstetem kanadischem Ahorn ist mit vier Schrauben mit dem Korpus verschraubt, wobei hier keine „Neckplate“ verwendet wird. Auch das Griffbrett wurde aus geröstetem kanadischem Ahorn gefertigt. Die Orientierungspunkte (Dots) wurden dezentral (Offset), also nicht in der Mitte der Bünde eingelassen. Der Hals besitzt einen sogenannten „Matched Headstock“, was bedeutet, dass die Farbe des Korpus auch Verwendung auf der Oberseite der Kopfplatte findet.
Das Halsprofil erhielt die (für mich neue) Bezeichnung Soft V. Der Griffbrettradius von 350 mm (entspricht knapp 14 Zoll) sorgt für ein leicht zu bewerkstelligendes Stringbending. Die Mensur von 648 mm entspricht dem von einer Fender Strat bzw. Telecaster. Die Sattelbreite von 42 mm fällt minimal schmaler aus, als man es vom Mainstream der Gitarren kennt, die meist 43 mm aufweisen. Dieser eine Millimeter ist nicht zu unterschätzen, da man dies wahrnimmt. Zur Erhöhung der Stimmstabilität wurde die Harley Benton HP-42 Signature TT Roasted mit einem Graphtech-Sattel bestückt. Positiv fällt auch die Verwendung von Edelstahlbünden (Medium Jumbo) auf. Das Material ist härter und langlebiger als das von „herkömmlichem Bunddraht“, eine neue Bundierung ist dann sicherlich erst nach vergleichsweise bedeutend mehr Spielstunden, wenn überhaupt zu erwarten.

Harley Benton HP-42 Signature TT Hals Back

Gerösteter Hals mit Locking-Mechaniken

Die Halsspannung der Harley Benton HP-42 Signature ist erfreulicherweise vollkommen problemlos korpusseitig vornehmbar, wobei hier das von Music Man entwickelte Verfahren zur Verwendung kommt. Somit vermeidet man das optisch eher mäßig aussehende Loch an der Kopfplatte, um an den Trussrod zu gelangen. Gleichfalls muss der Hals auch nicht gelöst werden, um die Halsspannung einzustellen, wie das bei vielen „Vintage“-Instrumenten erforderlich ist.

Die Röstung des Halses sieht sehr ansprechend aus. Schade, dass es notwendig ist, den hässlichen CE-Stempel auf der Kopfplatte zu platzieren, diesem haftet eher das Stigma an, sich nur auf „billigen “ Instrumenten zu finden. Der Einsatz von Locking-Mechaniken ist bei Gitarren ohne Vibratosystem zwar nicht unbedingt erforderlich, trägt aber sicherlich zu einem schnellen Aufziehen der Saiten und einer erhöhten Stimmstabilität bei. Die Verarbeitung ist durchweg gut, insbesondere der Hals fühlt sich „handschmeichelnd“ an, da die Edelstahlbünde perfekt eingesetzt, entgratet und poliert wurden.

Elektrik

Elektrikseitig hat die Harley Benton HP-42 Signature TT Roasted einige interessante Features zu bieten. Der verbaute Roswell HAF-B Alnico-5 Humbucker (Stegtonabnehmer) kann mithilfe des Volume-Reglers, der mit Push-Push-Funktion ausgestattet ist, gesplittet werden. Der Tone-Regler (gleichfalls ein Push-Push-Poti) gestattet bei Bedarf, die Phase zu drehen (also letztlich die beiden Anschlussdrähte des Tonabnehmers zu vertauschen), wodurch typisch hohle und dünne Sounds erreicht werden. Somit können gerade auch in der Mittelstellung des 3-Wege-Schalters (Toggle-Switch), der bekanntermaßen beide Tonabnehmer parallel schaltet, eine Reihe von Pickup-Kombinationen erreicht werden, die man bei den meisten anderen Instrumenten nicht findet. Am Hals wurde ein Roswell P90S Alnico-5 Singlecoil-Tonabnehmer verbaut, der prinzipiell eine gute Wahl für die Halsposition ist und etwas druckvoller als ein „herkömmlicher Singlecoil-Pickup agiert, wie man ihn in einer Strat oder Telecaster findet.

Bei der Auswahl der Potentiometer wurde nachgedacht, denn interessanterweise kommen hier Push-Push-Potis zum Einsatz (die ich gleichfalls jedem Push-Pull-Poti vorziehen würde), denn ist man mit der Fingerkuppe erst unter dem Knopf, um diesen anzuheben, ist es im Live-Einsatz meist auch schon zu spät. Ein Push-Push-Poti ist etwas schneller und komfortabler zu bedienen, auch die Stellung der Poti-Knöpfe ist optisch noch gut zu erkennen.

Die Hardware (Steg, Potiknöpfe, Gurtpins etc) wurde verchromt. Die verbauten Locking-Mechaniken sind gut übersetzt, sprechen direkt an und gestatten gleichfalls einen schnellen Saitenwechsel.

Schauen wir, wie Henning Pauly alias EytschPi42 sein Signature-Modell anspielt, nachdem er seinen Kaffee genossen hat.

Harley Benton HP-42 Signature – Handling

Das erste Probespiel macht bereits Freude, da sich der geröstete Hals mit seinem satinierten Finish wunderbar anfühlt und auch die Werkseinstellung stimmte. Hier gibt es erfreulicherweise nichts zu meckern. Bei preisgünstigen Modellen muss oft bemängelt werden, dass sich diesbezüglich keine Mühe gegeben wird, obwohl die gute Einstellung eines Instruments sicherlich einen potenziellen Käufer in Spiellaune versetzt bzw. umgekehrt einen Käufer vom Kauf abhält, wenn das Instrument eine erschreckend hohe Saitenlage oder/und miserabel gefeilte Sattelkerben besitzt. Die Harley Benton HP-42 ist aufgrund des Mahagonikorpus und der Ahorndecke kein Fliegengewicht, aber mit ca. 3,7 kg noch absolut im Rahmen.

Sound

Ohne Verstärker klingt die Harley Benton HP-42 Signature bereits sehr ansprechend. Der Mahagoni-Korpus und die Ahorndecke produzieren in Verbindung mit dem gerösteten Hals einen warmen Ton. Der Klang ist in den höheren Frequenzen erwartungsgemäß nicht so drahtig wie eine Strat oder Telecaster. Die Gitarre eignet sich für viele Stilrichtungen, wobei sie für die wirklich harte Gangart bewusst nicht angelegt wurde, sie ist also eher ein guter „Allrounder“ als eine Metal-Machine. Das eher geradlinige Design der Gitarre lässt zunächst keine große Klangvielfalt vermuten, aber durch die beiden Push-Push-Potis (die dem Auge eines Betrachters womöglich gar nicht auffallen) lassen sich viele Klangvarianten verwirklichen.

Hören wir uns nun die Harley Benton HP-42 Signature einmal an und beginnen mit dem Hals-Pickup. Ein Pickup vom Typ P90 ist hier sicherlich eine gute Wahl, da er „nicht zu fett und matschig“ ist, eine gewisse Wärme, aber auch den nötigen Druck und Biss liefert:

Das folgende Klangbeispiel beginnt mit dem cleanen Sound des Steg-Pickups. Zunächst hören wir diesen als Humbucker und anschließend gesplittet im Singlecoil-Modus:

In der Mittelstellung des Toggle-Switchs, also der Parallelschaltung beider Tonabnehmer, lassen sich zahlreiche Klänge erzeugen, die durch die Möglichkeiten der zwei Push-Push-Potis entstehen. Hören wir nun Hals-Pickup und Steg-Pickup als Humbucker (beide Potis nicht umgeschaltet bzw. gezogen). Der Klang ist recht gut mit dem Sound einer Telecaster in der Mittelstellung vergleichbar.

Wird die Push-Push-Funktion des Volume-Reglers aktiviert, wird der Steg-Pickup gesplittet. Der Sound wird dann schlanker und liefert weniger Bässe:

Dreht man auch noch die Phase mithilfe des Tone-Reglers (gleichfalls Push-Push), erhält man einen hohlen, nasalen Klang, der für eine Phasendrehung typisch ist.

Kommen wir zu den verzerrten Sounds. Dafür wird der zweite Kanal meines Peavey Classic 20 MH aktiviert. Der Gain-Regler steht auf ca. 12 h, was einen bluesigen Crunch-Sound erzeugt. Wir erhalten gutes Sustain und einen cremigen Ton.

Das finale Klangbeispiel enthält einige rockige bzw. bluesige Phrasen und endet mit einem „leicht abgedrehten“ Lick:

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Harley Benton HP-42 Signature TT Roasted – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Die Harley Benton HP-42 Signature TT Roasted überzeugt durch gute Verarbeitung, einen guten Sound und flexible Klangmöglichkeiten durch die beiden Push-Push-Potis und die Bestückung mit diversen, nicht selbstverständlichen Extras (Edelstahlbünde, Locking-Mechaniken etc.). Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sicherlich gleichermaßen als gut zu bezeichnen. Auch bei genauem Hinsehen ist kein Minuspunkt auszumachen.

Plus

  • Sound
  • Design
  • Edelstahlbünde
  • System zur Halsspannung
  • Push-Pull-Potis

Preis

  • 399,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Eibensang  

    Scheint ja wirklich ein gelungener Kompromiss zwischen attraktivem Preis und guter Qualität zu sein – nur jammerschade (in meinen Augen), dass die schicken lila Pickups der ersten Generation durch diese allerwelts-schwarzen ersetzt wurden. Das macht das Instrument nicht hässlich, aber sein Aussehen belanglos und setzt den Wiedererkennungswert gegen null: als Signature-Modell! In den HP-Farben grün-lila hatte es einzigartig ausgesehen!

    Wer hat sich denn da nicht getraut, es weiter in Henning Paulys prägnanter Farbgebung anzubieten? Dieser Mensch dreht doch super Videos von hohem Unterhaltungswert … Da kriegt er eine Signatur-Gitarre produziert, aber dann darf sie doch nicht zu sehr an den Namensgeber erinnern?

    • Profilbild
      TheTick123

      Also, die erste Fuhre war ja noch mit lila Pickups, so wie er es im Video darstellt. Allerdings waren da schon die Farben nicht so, wie er sie eigentlich haben will. Also weder Pickups noch Korpus, und das sagt er ja auch im Video. Von daher – ejal.

  2. Profilbild
    Willemstrohm  AHU

    Jo, der HP42 macht ’nen guten Job mit seinem YT Channel.
    Die Kombi Humbucker (splitbar) und P90 macht sich immer gut. Aber da schlägt sich meines Erachtens die (noch günstigere) Yamaha Pacifica 311 ebenso ordentlich.

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