Test: HK Audio L5 112 FA, Fullrange Aktivboxen

Seitlich sind zwei große Griffschalen eingelassen, mit denen sich die Box recht angenehm transportieren lässt. Auf der Unterseite hat HK einen Duo Tilt Stativ-Flansch verbaut. Er neigt die Box, je nachdem, welcher Flansch verwendet wird, mit 3° oder 7° nach unten auf die Ohren der Zuhörer. So geht weniger Schallenergie im Raum zwischen Auditorium und der Decke verloren.

3° und 7° Neigung

3° und 7° Neigung

Die Front ist durch ein stabiles Metallgitter geschützt, das mit Akustikschaum unterlegt ist. Ein Mittenfalz gibt dem Gitter zusätzliche Stabilität.

Die Gehäuseoberfläche ist wie üblich mit schwarzem Strukturlack versiegelt, drei M8 Flugpunkte erlauben das Anbringen des optionalen Neigebügels und Anschlagspunkten.

Die Elektronik

Der Amp-/Elektronikblock ist versenkt auf der Rückseite verbaut und bietet einiges an Features.

Da fallen zunächst die beiden Eingänge auf, die durch Combo-Buchsen sowohl XLR- als auch Klinkenkabeln den Anschluss erlauben. Ein Gainpoti pro Kanal dient der Lautstärkenanpassung. In der 12 Uhr-Stellung sind 0 dB erreicht, sehr hilfreich ist die Mittenrasterung in dieser Stellung. Die maximale Verstärkung bei Rechtsanschlag beträgt +6 dB. Input A ist durch einen kleinen, versenkten Schalter auf Mikrofonpegel umzuschalten, da aber keine Phantomspeisung vorhanden ist, finden hier  nur dynamische Mikrofone die passende Verbindung.

Beide Eingänge haben eine separaten Thru-Output zum Weiterschleifen des anliegenden Signals, ein weiterer Ausgang, der Mix Out, führt beide Signalstränge zusammen nach außen.

Die Elektronik/Amp Einheit

Die Elektronik/Amp Einheit

Eingriffe in die Systemelektronik erlaubt die Box dem Benutzer nur an zwei Stellen, der Output Gain ist von +4 dB auf einen L5 Systempegel zu schalten, falls weitere Komponenten der Serie verwendet werden und ein EQ-Schalter bietet die Optionen „Small Venue“ und „High Power“.

Abgerundet wird das Anschlussfeld mit einer Kaltgerätebuchse für den Stromanschluss und dem Powerschalter, eine zweifarbige LED  zeigt „Signal“ in grün und „Limit“ in rot an.

Oben und unten an der Einheit sorgen Lüftungswaben für die notwendige Frischluftzufuhr, der Lüfter sitzt im Inneren verbaut.

Der Class-D Amp der HK Audio L5 112 FA liefert 1000Watt an 4 Ohm, eine Angabe, auf welches Messverfahren sich diese Angabe bezieht, verschweigt leider die Bedienungsanleitung. 650 Watt der Bi-Amping Endstufe kriegt der 12″ Woofer ab, für den Hochtöner verbleiben also 350 Watt, da dieser allerdings auf 16 Ohm ausgelegt ist, wird er näherungsweise 100 Watt ziehen. Getrennt werden die Speaker bei 1650 Hz.

In der Elektronik sind die üblichen Protections integriert, um das Material zu schützen.

Verarbeitung

„Made in Germany“ steht auf der Box und genau so sieht es auch aus. Die Holzarbeiten sind akkurat ausgeführt, die Lackierung ist sauber, alle Bohrungen und Fräsungen sitzen exakt. Genau so erwarte ich das von einem Produkt aus deutschen Landen.

Das soll nicht heißen, dass in anderen Weltregionen nicht auch handwerklich gut gearbeitet wird, aber wenn sich die Firma hier eine Blöße geben würde, wäre ich schon etwas enttäuscht gewesen. Aber wie gesagt/geschrieben, alles in bester Ordnung.

Praxis

Für den Praxistest wird der Lautsprecher zuerst auf ein Stativ gehievt. Das geht zwar zur Not alleine, deutlich leichter tut man sich dabei aber zu zweit, auch weil man sich bei dem Duo-Tilt Flansch sonst gerne mal im Loch vertut.

Der Duo-Tilt Flansch

Der Duo-Tilt Flansch

Zuerst probiere ich nun die beiden Eingänge aus, indem ich an Input 1 ein Mikrofon anschließe und Input B mit einem CD-Player bespiele. Das funktioniert soweit, allzu große Lautstärken lassen sich mit dem Mikro nicht erzielen, da es in Ermangelung einer Klangregelung recht früh koppelt, aber um mal kurz und schmerzlos eine Ansage mit etwas Musikeinspielung zu machen, reicht es aus. Von einem Einsatz für musikalische Zwecke würde ich jedoch abraten, da sind die Einstellmöglichkeiten dann doch zu reduziert, mehr als laut/leise geht halt nicht.

Also mache ich mich an die Hauptaufgabe, der Verwendung als PA-Box. Ich möchte voraus schicken, dass ich mit der Sound-Philosophie von HK Audio im Mid Price-Sektor noch nie so ganz glücklich war, zu bedeckt empfand ich den Hochtonbereich, zu muffelig die tiefen Mitten.

Umso verwunderter nehme ich die L5 112 FA wahr. Spritzig die Höhen, vielleicht einen Tick zu hart, typisch für einen Lautsprecher mit 1″ Hochtöner, aber eine schöne Ortung ist möglich. Auch der Tiefmittenbereich gefällt mir recht gut, meine schon fast obligatorische Absenkung bei 250 und 315 Hz unterbleibt hier. Schön auch die Bässe, für einen 12″ geht die Box ordentlich tief runter und macht hier ein ordentliches Fundament.

Im Großen und Ganzen bietet die HK Audio L5 112 FA ein recht ausgewogenes Klangbild, mal hören, was davon bei gesteigerter Lautstärke übrig bleibt. Ich erhöhe also langsam den Pegel, brav geht die Box mit, ohne den Grundsound entscheidend zu verändern. Die Höhen werden nun etwas zu aufdringlich, was sich aber leicht am Master-EQ korrigieren lässt. Die Kiste kann richtig laut, ein Paar davon dürfte für Anwendungen ohne Kickdrum und Bass auf der PA locker für Locations bis 200 Zuhörern ausreichen.

Aber es gibt ja auch Kneipengigs und dafür sollte die „Small Venue“ Einstellung prädestiniert sein. Also flugs den Wahlschalter umgelegt und erneut gehorcht. Hier wird nun eine Bassanhebung zugeschaltet, um den Bassabfall bei geringer Lautstärke auszugleichen. Korrespondierend dazu findet eine leichte Absenkung im Bereich von 2-5 kHz statt. Der verstärkte Tieftonbereich verliert an Präzision und wirkt nun etwas schwammig. In wie weit diese Vorgabe also Sinn macht, sollte je Einsatz getestet werden, eine durchgehend gültige Empfehlung möchte ich dafür nicht abgeben.

Zwei wichtige Punkte für eine gute Klangverteilung sollten hier noch erwähnt werden: Wie schon geschrieben kann die Linear 5 durch ihre Neigung das Publikum besser erreichen, da weniger Energie über die Köpfe hinweg in den Himmel geblasen wird.

Quelle: Bedienungsanleitung

Quelle: Bedienungsanleitung

Deshalb haben die Entwickler der Box auch nicht ein übliches 60° Horn verpasst, sondern es bei 55° belassen, was natürlich zu einer besseren Bündelung führt. Die Winkelung entfällt allerdings, wenn das Top auf einem Bass platziert wird. Aber auch dafür haben die HK-Leute eine Lösung. Als Zubehör ist die Tilt Unit erhältlich, eine extrem kurze Stativstange, die den Winkel wieder ermöglicht.

Auch noch nicht erwähnt habe ich die Vorzüge der asymmetrischen horizontalen Abstrahlung. Während in den hinteren Bereich des Raumes das Horn mit 60° bündelt, macht es im Nearfill-Bereich vor der Bühne auf 90° auf. Dadurch werden die Zuhörer in der Mitte direkt vor der Bühne besser erreicht, die Schallenergie wird gezielter eingesetzt.

Abstrahlverhalten des asymmetrischen Horns

Abstrahlverhalten des asymmetrischen Horns

Solche Konstruktionen sind im hochpreisigen Segment, wie bei meinen KS CPD 12, schon etwas länger verbaut, so langsam scheint diese Technik aber auch in mittleren Preisgefilden Einzug zu halten.

Fazit

HK Audio liefert mit der Linear 5 112 FA ein Produkt ab, das gute Verarbeitung und gelungene Features mit einem modernen Sound verbindet. Die Box kann richtig laut und dürfte daher auch Stand Alone auch für Anwender interessant sein, die es ganz gern mal etwas krachen lassen. Für all Diejenigen, die einen guten aktiven PA-Lautsprecher in der Klasse um die 1000.- suchen, kann ich nur empfehlen, die L5 122 FA zum Test mit einzuladen.

Plus

  • ausgewogener Klang
  • hohe Lautstärke
  • asymmetrisches Horn und Duo Tilt
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung

Minus

  • kein MuFu-Gehäuse (wer's braucht)
  • MDF evtl. etwas kritisch

Preis

  • UVP: 1049,- Euro
  • Straßenpreis: 899,- Euro
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