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Test: Ibanez RG6PKAG, E-Gitarre

9. März 2021

Heimspiel für Ibanez

Als in der diesjährigen NAMM Ibanez ihre neue Kollektionen vorstellten, hat sich unsere Redaktion recht zielgerichtet daran gesetzt, die neuen Gitarren ins Haus zu kriegen. Aufgrund der aktuellen Vertriebslage nicht ganz einfach (auch wenn sich an dieser Front allmählich Besserung einstellt – fingers crossed!), aber wir waren erfolgreich. Die RG6PKAG stellt so etwas wie eine Verschmelzung all der Stärken dar, die man an Ibanez schätzt: hohe Flexibilität, Eleganz und Vielseitigkeit im Klang.

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Die Werke in Indonesien, in denen Ibanez seine Premium und Medium Premium Modelle herstellen lässt, genießen einen inzwischen guten Ruf. Das war nicht immer so – speziell vor ein paar Jahren gab es von Werk immer wieder Probleme mit einigen Modellen. Das ist in der langen Geschichte von Ibanez nur ein kleiner, unbedeutender Dip in Sachen Herstellungsstandards. Da hat sich inzwischen ein über weite Teile einheitlicher Standard etabliert. Die vorliegende RG6PKAG arbeitet mit Humbucker und Singlecoils und vereint unseres Erachtens eigentlich alle Stärken, die man von Ibanez gewohnt ist – und mehr.

Ibanez RG6PKAG – E-Gitarre mit Humbucker & Singlecoil

Mahagoni ist nicht gleich Mahagoni – bei afrikanischem Mahagoni jedoch darf man sich normalerweise auf eine gleichmäßige Qualität einstellen. Das Top besteht aus hawaiianischem Koa, dem gut und gerne ein komprimierender Effekt für die Mitten attestiert wird. Ich weiß – die Aussage, dass Korpus- und Top-Holz einen Effekt auf den Sound einer E-Gitarre hat, wird gut und gerne kritisiert. Vor allem, wenn es sich um aktiv arbeitende Humbucker in der Gitarre handelt, die mit erhöhtem Output arbeiten. Aber was das Koa zweifelsohne tut: der RG6PKAG seine natürliche und ansehnliche Optik zu schenken.

Test: Ibanez RG6PKAG, E-Gitarre

Der Hals besteht aus vielen Teilen: Walnuss, Ahorn und Bubinga. Sein Wizard-Premium Typus steht für Grip und eine leichte Verflachung der Halsrückseite, wie bei den meisten RG-Modellen. Auch hier gilt: Wenn gut verarbeitet, ist der Unterschied zwischen einem aus mehreren Stücken zusammengesetzten und einheitlichem Hals quasi nicht spürbar – wenn auch sicher da einige Puristen laut „Mooooment!“ schreien werden. Eine Mensur von 648 mm, 24 Jumbobünde und tropisches Palisander auf dem Griffbrett stehen für gewohnte Dimensionen und Verarbeitungen an genannten Stellen. Pearl-Dots auf dem Griffbrett und Side-Dots auf dem Gitarrenhals unterstützen bei der Spielorientierung.

Ibanez RG Series Hardware – neue Ibanez Gitarren 2021

Praktisch ist die Edge-Tremolo-Bridge. Die goldene Hardware der Brücke arbeitet der wunderschönen Koa-Decke angemessen zu – man schaut sich dieses Schmuckstück schon verdammt gerne an. Wie stimmstabil das Ganze ist, werden wir im Praxistest nachvollziehen, zuerst werden wir jedoch in Sachen Hardware ein bisschen genauer hinsehen. Die Top-Lok III-Sattel sind nicht meins – aber sie bilden eine Einheit mit der Tremolo-Brücke und gewährleisten eine stärkere Stimmstabilität, wenn man Dive Bombs nicht lassen kann.

Test: Ibanez RG6PKAG, E-Gitarre

Die RG6PKAG ist selbstredend nicht die erste Ibanez mit HSS Konfiguration. Allein bei der AZ-Series gab es da einiges. Wenn mit zwei Singlecoils und einem Humbucker gearbeitet wird, hat man es in der Regel mit einem Fünfwegschalter zu tun. Die Coils können jeweils alleine oder zusammen, in Kombination mit dem Humbucker gespielt werden – oder der Humbucker eben alleine.

 

Test: Ibanez RG6PKAG, E-Gitarre

 

Ich gebe ehrlich zu, niemanden zu kennen, der in der eigentlichen Spielpraxis die Flexibilität eines Fünfwegschalters wirklich ausreizt. Vor allem fände ich die Besetzung beider Singlecoils in der zentralen Position intuitiv richtiger – aber das nur am Rande. In der Eifer des Gefechts ist die Schaltung auf die Zwischenpositionen sicher nicht einfach. Der Praxisteil wird zeigen, was die Zwischenpositionen beim Sound wirklich leisten. Doch was haben wir denn da überhaupt für Coils und Humbucker?

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Die EMG SA sind die zwei aktiven (!) Coils – entgegen der vielen Missverständnisse aufgrund der Optik, hier mal die Ansage: Das sind echte Noiseless-Singlecoils. Keine Mini-Humbucker, sondern auf Alnico 5 basierende Coils, den man des Öfteren bei Ibanez Strats antrifft und der hier also doppelt verbaut ist. Beide Singlecoils sind wie gesagt Alnico-basierend, während der Humbucker der vielleicht am häufigsten in Ibanez verbaute Tonabnehmer überhaupt ist: der EMG81, der legendäre Keramik-Humbucker. Auch wenn das hier so ziemlich die typischste Ibanez-Kombination ist: Afrikanisches Mahagoni trifft auf EMG 81, bin ich trotzdem guter Dinge, dass der Sound was hermachen wird. Denn die EMG SA haben einen sehr glockigen cleanen Sound, etwas, womit der EMG 81 stets zu kämpfen hatte: Der klinische Clean-Sound dieser aktiven Humbucker hatte seine Fans, ist aber insgesamt charakterlos. Da ist es durchaus erfreulicher, in der Neck-Position diese scharfkantigen, klareren Singlecoils zu haben. Also – sehen und hören wir uns das mal an.

So klingt die Ibanez RG6PKAG E-Gitarre

Allein von der Haptik gilt: Die Ibanez RG6PKAG ist purer Genuss. Tiefe Saitenlage, tiefer Cut, kerniger Hals, der einen leicht Grip erfordert, dies aber nicht überstrapaziert. Der Hals besteht wie gesagt aus mehreren Teilen und Hölzern, doch dominiert hier ganz klar die geschmeidige Ahorn-Haptik. Kaum ein anderes Holz erlaubt eine geschmeidigere Bespielbarkeit des Halses als Ahorn meines Erachtens.

Die EMG Coils treten wie gewohnt besser an der Neck-Position hervor im Clean Bereich als klassische EMGs oder auch Fisherman Fluence Pickups – Voicing-Optionen hin oder her. Diese Coils erledigen den Job in der Neck-Position einfach besser – sie sind glockiger, transparenter und ermöglichen eine schöne, warme Resonanz. Um Längen besser als meine Erfahrung mit den üblichen EMG-Humbuckern in der Position, die Ibanez gut und gerne in seine Power-Stratocaster verbaut. Die Zwischenposition „twangt“ spürbar mehr und verschiebt die Frequenzmitte nach oben.

In der Mittenposition bedeutet: nur ein Coil, und zwar der Mittlere. Hier kommt der grundsätzliche, sehr mittenbetonte Charakter der RG6PKAG zum Tragen. Die EMG SA sind schon ein Nümmerchen für sich: Sie klingen voluminöser als viele andere Coils, runder und sind eher geerdet als hell. Es bleibt also bei der mittleren bis dunklen Klangfarbe.

In der mittleren Position, mit ordentlich Gain, kommt etwas durch, das für den richtigen Spieler eine Offenbarung darstellen könnte: ein sehr reiner, sehr mittenbetonter Grundklang – der aber auch keinerlei spielerische Fehler erlaubt. Ich selbst sehe mich nicht als sonderlich sauberen Spieler – meine Rückkehr zum regelmäßigen Üben ist erst circa eineinhalb Jahre alt, deshalb empfinde ich die Ibanez RG6PKAG als fast ein bisschen ungnädig.  Aber Tatsache ist: Der Klang ist genau das, was man von einer Powerstrat will: die Brillanz und Klarheit, angeschoben durch ein angemessenes Low End. Trotzdem nicht zu stark – zweifelsohne ist der untere Mittenbereich der Frequenzschwerpunkt dieser Ibanez Stratocaster. Das zweite Klangbeispiel ist übrigens falsch benannt – es handelt sich um den Bridge-Humbucker.

Auch auf der Bridge-Position bringt die Ibanez RG6PKAG also eine glänzende Transparenz zustande, wenn der Humbucker alleine röhren darf. Ibanez hat es geschafft, den EMG81 in eine Holzkombination und einen Korpus zu packen, der dem Humbucker ein Stück weit seinen klinischen Grundklang raubt und warm und mittenbetont röhren lässt. Da soll mal einer sagen, dass Hölzer bei aktiven Humbuckern absolut gar keine Rolle spielen. Das Tremolo verhält sich erwartungsgemäß stimmstabil.

Man muss ein Spieler eines besonderen Kalibers sein, um bei so einen responsiven, feinfühligen Powerstratocaster alles rauszuholen. Dazu zähle ich mich freimütig nicht, aber mit moderatem Gain und auf der Neck-Position lässt mit ordentlich Gefühl in den Finger ein sehr ausdrucksstarker Sound hervorbringen.

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Fazit

Powerstrat hin oder her – die RG6PKAG ist aufgrund ihrer HSS Konstellation besonders vielfältig und kann so ziemlich alles. Das Bottom-End im Frequenzspektrum sorgt dafür, dass die Gitarre in keiner Disziplin schwächelt. Der Charakter des Humbuckers und Coils ist nicht vintage, sondern entspricht dem Zeitgeist, hat aber aufgrund seines mittleren Frequenz-Peaks durchaus einen Charakter, der im traditionellen Rock gut funktioniert: für zeitgemäßen Prog-Rock also die perfekte Gitarre.

Plus

  • sehr klarer, durchdringender Sound
  • Optik
  • stimmstabil
  • viele Soundoptionen durch Fünfwegschalter

Preis

  • 1300,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    Die Klangbeispielesind ja wieder richtig toll…und völlig sinnlos:)
    Seelenloses Herumgegniedel und Effektgepansche sind natürlich bestens geeigent, die Quallitäten einer Gitatte in einem Testbericht darzustellen.
    Manchmal denke ich wirklich, dass früher ™ die Tests ohne Klangbeispiele in den Printmedien besser waren…

    • Profilbild
      uelef  

      Ja, ich gebe dir recht – interessante Gitarrenschnipsel, aber für einen Klangqualitätseindruck wenig aussagekräftig.
      Um den Klang einer Gitarre beurteilen zu können, bräuchte man eigentlich ein standardisiertes Equipment, immer die gleichen Licks und Soli gespielt – und dann am besten andere Gitarren, die man im Vergleich dazu hören kann. Mal so ne Referenz-Strat, -Superstrat und -Paula – das wäre doch was. Da wäre dann ersichtlich, ob Gitarren dünn, leblos oder was immer klingen.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hallo Harrymudd

      Tut mir leid dass du so empfindest. Aber um auf auf Uelefs Kommentar einzugehen:

      Prinzipiell hast du Recht. Es ist ein Problem, über das wir uns in der Redaktion aktuell einige Gedanken machen. Eine Standardisierung der Sounds autorenübergreifend ist aus logistischer Sicht nicht machbar. Dafür kann aber für jeden Autoren jeweils ein einheitliches Equipment zum Einsatz kommen – sowie eine einheitliche Nutzung der gleichen Gitarrenparts, von Test zu Test. Das mindert die Abwechslung, erhöht aber die Vergleichbarkeit.

      Wir sind da dran und haben uns bis Mitte des Jahres da was überlegt.

      Danke für den Input und beste Grüße

      • Profilbild
        uelef  

        Hallo Dimi,
        das sind doch gute Pläne … Man kennt das ja von Kameratests mit Referenzfotos … Und bei Gitarren zum Beispiel bei Strandberg: https://strandbergguitars.com/playground/ … Wobei mir das da schon zu viel ist, mit den ganzen Amps und Einstellungen. Aber so was in abgespeckter Form wäre eine gute Sache.
        Viele Grüße zurück!

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