Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

22. Juli 2020

Der Effektbaukasten, Standalone & Eurorack

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Das Field Kit FX ist ein modulares Effektgerät und stellt drei Effekte als separate Einheiten zur Verfügung. Durch die modulare Struktur des Gerätes und da alle Anschlüsse als MINI-Klinken ausgeführt sind, lassen sich die Effekte flexibel miteinander verschalten und sich das Gerät sowohl als standalone Effekteinheit als auch als Partner fürs Eurorack nutzen. Optional kann eine alternative Frontplatte erworben werden und das Gerät lässt sich so umkonfigurieren, dass es direkt ins Eurorack eingeschraubt werden kann.

Die zur Verfügung stehenden Effekte und Bausteine sind:

  • eine DSP-basierte Effekt-Sektion, die entweder als ein Looper mit Samplerates- und Bitreduktion oder alternativ als Frequenzschieber verwendbar ist
  • ein Digital-Delay
  • ein Federhall. Dieser ist nicht etwa eingebaut, sondern nur mit Hilfe einer optional zu erwerbenden Hall-Spirale realisierbar
  • ein 4-facher Monomixer mit einem VCA pro Kanal (also 4 VCAs)
  • eine Modulationsmatrix mit 4 CV-Eingängen
  • ein Spannungsgenerator, der entweder als Sequencer mit 4 Schritten oder als ADSR-Hüllkurve fungieren kann. Die Hüllkurve ist im Loop-Modus auch als LFO nutzbar

Äußeres des KOMA Elektronik Field Kit FX

Der FieldKit FX weist äußerlich starke Parallelen zu seinem Verwandten dem Field Kit auf und kann diesem auch gut als Partner dienen. Der Test des Field Kit (ohne FX) befindet sich >> hier <<.

Wie sein Vorgänger ist auch das Field Kit FX in einen kleinen Holzkasten eingebaut und wird mit einem Deckel geliefert. Leider lässt sich dieser nicht befestigen- zwei Häkchen oder ähnliches zu diesem Zweck wären schön gewesen. So muss man sich zum Transport mit einem Stückchen Gaffa behelfen oder die Befestigung mit Teilen aus dem Baumarkt nachrüsten.

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Zum Lieferumfang des Field Kit FX gehört ein Steckernetzteil für den Standalone-Betrieb (Gitarreneffekt kompatible 9 V, Center negativ). Außerdem liegt ein sehr umfangreiches, liebevoll gestaltetes, gedrucktes Handbuch bei. Neben der Beschreibung der Funktionsgruppen enthält es 50 Beispiel-Patches, anregend in uninspirierten Momenten und ein guter Startpunkt für eigene Kreationen. Das Handbuch ist wirklich gut, leider ist es nur in englischer Sprache verfügbar.

Aufgrund des geringen Platzes sind die Regler des Field Kit FX nur als Potiachsen ausgeführt. Dadurch ist die Einstellung mancher Parameter etwas fummelig, im Großen und Ganzen lässt sich aber alles komfortabel einstellen und die Potis lassen sich gut drehen. Bei meinem Exemplar scheint einer der Potis etwas am Gehäuse zu schleifen, so dass das Drehen bei diesem etwas schwerer fällt. Davon abgesehen ist die Verarbeitungsqualität gut: Die kleinen Taster geben einen Klicklaut von sich und die Buchsen halten die Kabel fest, ohne dem Benutzer zu viel Kraft beim Einstecken abzuringen.

Die Bedienelemente des Gerätes sind nach Funktionsgruppen angeordnet. Das ist zwar logisch und nachvollziehbar, aber dadurch dass alle Knöpfe in einer Reihe angeordnet sind, kommt es manchmal zu Verwirrungen: Wo gehen die Mixerknöpfe los, wo fängt der Hall an? Eine klarere optische Trennung der Sektionen wäre aber hilfreich, die vorhandenen kurzen Striche sind im Alltag etwas zu dezent. Im Betrieb wird das Gerät ein wenig heiß auf der Unterseite. Man sollte es also nicht unbedingt auf weichem Untergrund liegen lassen (wie ich es gern tue) und dann den Wocheneinkauf erledigen.

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Die Modulationsmatrix des Field Kit FX

Im Field Kit FX gibt es mehr via CV-modulierbare Parameter als CV-Eingänge vorhanden sind. Daher wird via Modulationsmatrix festgelegt, von welchem der 4 CV-Eingänge die jeweiligen Parameter moduliert werden. Das Ganze geht sehr flott mit Hilfe von Tastern vonstatten. Eine 4-Farb-LED neben dem Taster gibt dann Auskunft darüber, welchem CV-Eingang der Parameter zugewiesen ist.

Das System ist sehr übersichtlich und auf diese Weise können auch schnell viele Parameter vom selben CV-Eingang gesteuert werden.

Die Digitalecke der Effekt-Unit mit Looper

Die DSP basierte Effektsektion kann u. a. als Looper mit zusätzlicher Samplerate und Bitreduktion arbeiten. Über einen protzig beleuchteten Taster lässt sich der Looper steuern. Erwartungsgemäß kann er aufnehmen, wiedergeben und Audiosignale zu einer bestehenden Aufnahme hinzufügen. Leider lässt er sich aber nicht synchronisieren oder der Startpunkt triggern. So ist der Nutzen des Loopers im Verbund mit anderen Clock-basierten Instrumenten (wie Drum-Maschinen und Sequencern) begrenzt, was sehr schade ist. Wegen des Loopers würde ich das Field Kit FX daher definitiv nicht kaufen.

Ist nichts aufgenommen, wird das Looper-Eingangssignal trotzdem durch die Bit- und Samplerate-Reduktion geschickt. So können Signale auch ohne Einsatz des Loopers digitale Zerstörung erfahren, für LoFi-Fans schön und brauchbar. Sowohl Samplerate als auch Bit-Tiefe lassen sich bei Bedarf via CV steuern.

Im Folgenden zwei Klangbeispiele mit Drum-Patterns aus einem Casio Kinderkeyboard. In allen Klangbeispielen dieses Tests habe ich, um den Effekten mehr Raum zu geben, bewusst keine besonders aufregenden Klänge als Ausgangsbasis verwendet.

Im ersten Beispiel geht das Signal gleichzeitig in Hall und Delay. Das Delay geht durch die Samplerates und Bit-Reduction. Die Ausgänge aller drei Effekte liegen parallel auf den Mixerkanälen. Die Hüllkurve wird von Pegelspitzen des Eingangssignals getriggert. Bittiefe und Samplerate sowie das Delay-Feedback werden von der Hüllkurve moduliert. Der Hall ist im Bandpassmodus.

Im zweiten Beispiel geht das Signal zuerst in die Samplerate-Reduction (SRR). Diese wird moduliert. SRR geht dann in Delay und in Hall, Delay-Time wird von der Hüllkurve moduliert. Der Rest wie im ersten Beispiel.

Über einen Kippschalter lässt sie die DSP-Effektsektion umschalten und als Frequenzschieber (Frequency Shifter) verwenden. Looper und LoFi-Sektion sind dann deaktiviert.

Die Frequenzen lassen sich via AMOUNT-Regler jeweils 1000 Hz nach unten bzw. oben verschieben. Über CONTROL lässt sich bestimmen, ob nur die unteren, oberen oder untere und obere Seitenbänder zu hören sind. Im letzteren Fall entspricht das klangliche Ergebnis einer Ringmodulation. Sowohl AMOUNT als auch CONTROL sind via CV steuerbar. Hier kann man sich hier schön austoben, wenn man den metallischen Klang von Frequenzschiebern  bzw. Ringmodulatoren mag (ich stehe drauf). Gerade in Kombination mit dem Delay (z. B. im Feedback-Weg) finde ich diese Sektion sehr ergiebig.

Im Folgenden zuerst eine Sprach- und partiell bemühte Gesangsaufnahme, die durch den Frequenzschieber läuft. Beide Parameter werden langsam moduliert. Das zweite Beispiel ist eine Kadenz, gespielt auf einem Casio Kinderkeyboard. Erst trocken, dann kommen der leicht modulierte Frequenzschieber, etwas im Tempo moduliertes Delay und Hall dazu.

Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass der Code der Digitalsektion gut dokumentiert ist. So könnten findige Programmierer alternative Effekte kreieren. Meine Suche nach evtl. existierender alternativer Firmware brachte aber leider keine positiven Ergebnisse.

Evtl. Programmiert ja irgendwann jemand einen Looper, der synchron zum Sequenzer läuft? Oder einen einfachen triggerbaren Sampler? Die Eingangslautstärke der DSP-Effektsektion lässt sich bei Bedarf anpassen. Allerdings ist sie nicht direkt regelbar, sondern lässt sich nur in einem über eine Tastenkombination erreichbaren Modus einstellen.

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Das Delay des Field Kit FX

Das Delay basiert auf dem integrierten Schaltkreis PT2399. Es handelt sich dabei um einen Delay-Chip, der auch gerne in DIY-Schaltungen zum Einsatz kommt. Die damit möglichen Delay-Zeiten sind nicht die allerschnellsten – Karplus-Stron- Synthese ist hier nur bedingt möglich, aber für Choruseffekte z. B. reicht es.

Auch nach unten hin hat das PT2399 seine Grenzen, wenn man „gewöhnliche“ Delays erzeugen möchte: Es gibt einen Bereich, in dem der Chip als gewöhnliches Echo mit LoFi-Charakter arbeitet. Wenn der Chip mit zunehmend langsamer Taktung (also langen Delay-Zeiten) betrieben wird, zerbröselt das Audiosignal mehr und mehr, bis nur noch digitales Zirpen und Krachen übrig bleibt. Man kann den Bereich schaltungstechnisch natürlich so definieren, dass das nie geschieht. KOMA Elektronik haben sich dafür entschieden, hier keinen Riegel vorzuschieben, so dass das Delay ein extremer Krachmacher sein kann.

Die einstellbaren Parameter bieten keine Besonderheiten: Die Eingangslautstärke lässt sich bequem über ein Poti regeln. Ebenfalls via Poti manuell, aber auch via CV modulierbar sind Delay-Zeit und Feedback. Der Potiweg für die Delay-Zeit ist durch den weit einstellbaren Bereich gefühlt etwas kurz. Gerade in den kürzeren Delay-Zeiten wird es dadurch etwas fummelig, die gewünschte Zeit einzustellen.

Hier ein paar Klangbeispiele mit Patterns von einem Casio Kinderkeyboard: Es kommen alle Effekte zum Einsatz, wobei der Fokus hauptsächlich auf den Delays liegt. Zu Beginn ist das erste Pattern kurz trocken zu hören.

Besonders ist die Möglichkeit, bei Bedarf Effekte in den Feedback-Weg einzuschleifen. Kombiniert mit einem nach oben transponierenden Pitchshifter z. B. steigt das Delay dann mit jeder Wiederholung in der Tonhöhe. Mit einem Tiefpassfilter würde das Signal bei jeder Wiederholung dumpfer werden. Um in den Feedback-Weg hineinzukommen, steht eine mit FBACK beschriftete Insert-Buchse zur Verfügung. Da es sich um eine Stereobuchse handelt, benötigt man ein Y-Kabel; ein eher seltenes Exemplar Stereo-Minikline auf zwei Mono-Miniklinken. Zwei getrennte Buchsen für In und Out hätte ich praktikabler gefunden, allerdings wäre auf dem Gerät kein Platz dafür gewesen.

Hier eine kurze Sprachaufnahme auf dem Weg durchs Delay. Delay-Zeit und Feedback werden moduliert, teilweise von der durch Pegelspitzen getriggerten Hüllkurve der Roll-o-Decks Sektion:

Der Federhall für den Field Kit FX

Die Hallsektion ist im Grunde nur die Treiber und Empfängerstufe, die zum Betrieb einer Hallspirale benötigt werden. Die Spirale selbst muss man separat erwerben. Diese gibt es von den verschiedensten Herstellern. KOMA Elektronik selbst bietet auch eine Hallspirale als Teil des Field Kit FX Expansion-Packs an.

Die Qualität und auch die Länge des Halls hängen natürlich direkt damit zusammen, mit welcher Hallspirale das Gerät betrieben wird. Bei der Auswahl gibt es ein paar Punkte zu beachten, in der Bedienungsanleitung wird das aber gut und detailliert beschrieben. Ich habe in den Klangbeispielen zwei verschiedenen Spiralen verwendet, eine von Beltron/Accutronics und eine von TubeAmpDoctor (TAD).

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Hallspirale

Die für die Klangbeispiele verwendeten Hallspiralen

Die Verbindung zur Hallfeder wird üblicherweise über Cinch-Anschlüsse hergestellt. Die Pegelanpassung erfolgt über einen Gain-Regler. Zur Bearbeitung des Signals, bevor es in den Hall geleitet wird, steht ein einfaches Filter mit fester Resonanz zur Verfügung, das sich in Cutoff regeln und auch extern modulieren lässt. Einen klassischen Resonanzparameter gibt es hier nicht, dafür jedoch die Möglichkeit, das Ausgangssignal des Halls wieder in den Filtereingang zurückzuschicken. Der hierfür zuständige Feedback-Parameter lässt sich manuell und via CV steuern.

Zwischen Lowpass und Bandpass kann umgeschaltet werden, ich persönlich fand den Bandpassmodus in fast allen Fällen die bessere Wahl.

Hier eine Sprachaufnahme: Cutoff wird moduliert, zwischen Lowpass und Bandpass wird umgeschaltet und auch am Feedback-Regler wird schließlich gedreht …

Für experimentelle Klangforschung und Liebhaber von Industrial, Noise oder Neuer (ernster) Musik bietet das Spiel auf der Hallspirale gutes Klangfutter. Dadurch dass das Filter VOR der Hallspirale liegt, wirkt das Filter leider nicht auf das Spiel mit der Hallspirale.

Im Folgenden eine experimentelle Improvisation mit der Spirale und den Effekten (ACHTUNG: nichts für Menschen, die nur tonale Klanggebilde als Musik empfinden). Erst wird die Hallspirale (TAD) trocken gespielt, geht dann in den Frequency-Shifter, der Shifter ins Delay, das Delay auf den Ausgang und von dort in den Hall-Eingang (Gain unten). Für Feedback wird gelegentlich Gain aufgedreht.

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Die VCAs/der MIXER des Field Kit FX

Um Effekte und Eingangssignal zu vereinen, steht ein Mixer bereit.

Der Clou der Mixersektion ist, dass jeder Kanal VCA-gesteuert sein kann. Es lässt sich also die Lautstärke jedes Kanals individuell automatisieren. So können Effekte dynamisch ein- und ausgeblendet werden, es lassen sich Tremoloeffekte erzeugen usw.

Hier zwei Beispiele mit einer schnöden Kadenz, in beiden Fällen kommt der Klang von einem Casio Kinderkeyboard. Zuerst trocken, dann mit einem vom Mixer VCA erzeugten Tremolo. Im zweiten Beispiel kommen im letzten Durchgang ein leicht in der Frequenz modulierter Frequenzschieber, im Tempo moduliertes Delay und der Hall hinzu:

Die Kanäle 1-3 sind identisch aufgebaut: Sie verfügen über einen Lautstärkeregler und einen einfachen Klangregler (Tilt EQ). Wird dieser nach links gedreht, werden die Bässe betont, dreht man ihn nach rechts wird es höhenbetonter. Das funktioniert gut und klingt auch angenehm. Insbesonders zu wuchtige Signale aus der Hallspirale können so verschlankt werden.

Kanal 4 verzichtet auf den Klangregler und kann dafür Eingangsignale mit Hilfe eines Gain-Reglers zusätzlich verstärken. Schön, das zu haben, aber brauchen tue ich so eine hohe Verstärkung eher VOR den Effekten. Da ich den Mixer meistens verwende, um die Effektausgänge und das trockene Signale, das parallel in die Effekte geht, zusammenzumischen, habe ich für die hohe Verstärkung an dieser Stelle bisher keine Verwendung gehabt. Aber das kommt vielleicht noch …

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Roll-o-Decks CV Generator

Hinter Rollo-o-Decks verbirgt sich die Sequencer- bzw. Hüllkurvensektion des Field Kit FX.

Im Sequencer-Modus gibt es 4 Schritte und mit dem Threshold-Regler lässt sich das Tempo der Sequenz einstellen.

Sobald dem Threshold-Regler ein CV-Signal zugewiesen wird, stellt Threshold die Spannung ein, bei deren Überschreiten der Sequencer einen Schritt weiterschaltet. So kann z.B. eine Zufallsspannung von außen zugeführt werden und der Sequencer springt nur bei hohen Werten auf den nächsten Schritt. Mit Audiosignalen funktioniert das leider nicht direkt. Ein Audiosignal müsste zuerst einem Envelope-Follower zugeführt werden, um den Sequencer zu steuern. Mit CV-Signalen, bzw. Triggersignalen klappt es aber gut.

Hier ein Klangbeispiel mit freilaufendem Sequencer, der den Frequenzschieber, Cutoff des Halls und via externem Abschwächer auch die Delay-Zeit zyklisch moduliert. Basismaterial ist ein Pattern eines Casio Kinderkeyboards.

Im Hüllkurven-Modus läuft die ADSR-Hüllkurve im Loop, so dass sich die Hüllkurve als in der Schwingungsform variabler LFO verwenden lässt – sehr clever.

Ist Threshold einem CV-Signal zugewiesen, lässt sich die Hüllkurve mit Gate-Signalen triggern oder mit Threshold ein Wert festlegen, ab dem die Hüllkurve startet.

Mit etwas Fingerspitzengefühl funktioniert das sogar direkt mit Audiosignalen. So lässt sich aus einem Audioeingangssignal begrenzt eine Steuerspannung ableiten. Beispielsweise könnte die Hüllkurve nur bei Bassdrum und Snaredrum ausgelöst werden. Der nicht vorhandene Envelope-Follower lässt sich so verschmerzen.

Im Folgenden ein Klangbeispiel, bei dem das Audiosignal die Hüllkurve triggert, die dann wiederum diverse Parameter steuert. Der Bass-Klang, zu Beginn trocken, kommt von einem Casio Kinderkeyboard.

Der Koma Field Kit FX in der Praxis

Beim Kauf des Field Kit FX sollte man neben den offensichtlichen Patch-Kabeln noch ein paar passive Abschwächer einplanen, das erhöht den Spaß und ist z. B. bei Steuerung der Delay-Zeit beinahe unabdingbar. Auch Multiples bzw. stackable Kabel sind unbedingt notwendig, wenn man eine parallele Signalbearbeitung machen möchte.

Als optionales Zubehör bietet KOMA Elektronik ein Expansion-Pack an. Dieses beinhaltet:

  • eine passende Hallspirale
  • zwei Kontaktmikrofone
  • ein Mono-auf-Stereo-Adapterkabel (Stereoklinke auf 2 Monoklinken)
  • drei Patch-Kabel
  • ein 3,5 mm Klinken-Attenuator-Kabel

Das Kit ist guter Startpunkt, die Patch-Kabel aber kaum ausreichend und Stackables sind auch nicht dabei. Wer schon in der Eurorack-Welt zu Hause ist, kann aber sofort loslegen.

Wie bei vielen Modularsynthesizern ist die offene Struktur des Field Kit FX Segen und Fluch zugleich: Schon bei simplen Patches verbarrikadieren die Patch-Kabel zuweilen den Weg zu den Bedienelementen. Um dem etwas entgegenzusetzen, hätte ich mir ein paar normalisierte Buchsen gewünscht. Beispielsweise einfach nur die Ausgänge der drei Effektsektionen auf je einem eigenen Mixerkanal anliegen zu haben, würde einen schönen Startpunkt bilden…

Hier das Foto eines einfaches Patches mit einem parallel auf alle Effekte gelegten Eingangssignal. Das trockene Signal und die Effektausgänge gehen direkt auf die Mixerkanäle. Dazu komm noch etwas CV-Modulation vom Roll-o-Decks, teilweise über externe Abschwächer parallel auf mehrere CV-Eingänge geführt. Zugegebenermaßen wären längere Kabel hier wohl die bessere Wahl gewesen. So kommt man an manche Regler nur noch mit sehr spitzen Fingern heran.

Test: KOMA Elektronik Field Kit FX, Effektgerät Eurorack

Abgesehen davon macht es wirklich Freude, mit dem Field Kit FX zu arbeiten. Viel Funktionsumfang auf wenig Platz und trotz einer gewissen Portion LoFi klingt es nicht billig. Für mein kleines to-go Modularsystem ist das Field Kit FX die richtige Ergänzung. Die zusätzliche Hüllkurve ist immer willkommen. Und es passt immer noch in die Ecke einer Tasche (wenn man die Hallfeder zu Hause lässt) …

Auch im Zusammenspiel mit dem ersten Field Kit macht sich das Field Kit FX als kleines mobiles Klanglabor sehr gut. Der Envelope-Follower und der LFO des Field Kit sind in dieser Konfiguration willkommene Modulatoren für die Parameter des Field Kit FX. Besonders schätze ich in dieser Kombination die Möglichkeit, Piezos und andere Quellen zu verstärken, BEVOR sie in die Effekte gehen und danach im Mixer zusammengemischt zu werden.

Fazit

Das Field Kit FX ist eine potente, kleine, modulare Multieffekt-Kiste zu einem guten Preis. Die Effekte sind für sich genommen gut, aber eher der LoFi-Ecke zuzuordnen. Durch die direkte Erreichbarkeit der Parameter und die freie Verschaltung regt das Field Kit FX zum Probieren an. Die clevere Modulationsmatrix ermöglicht eine schnelle Zuweisung von CV-Signalen, die Roll-o-Decks-Sektion als CV-Generator ist erstaunlich flexibel. Insbesondere der spannungssteuerbare Mixer macht einfach Spaß. Als nachteilig empfinde ich, dass sich der Looper nicht synchronisieren oder antriggern lässt. So liegt er oft brach, wenn andere Taktgeber ins Spiel kommen. Das Field Kit FX ist die perfekte Ergänzung zu kleinen transportablen Modularsystemen bzw. semimodularen Synthesizern, macht aber auch als Standalone-Effektbaukasten eine gute Figur.

Plus

  • modulare Struktur
  • kompakt und handlich (je nach Größe der gewählten Hallfeder)
  • Sequencer/Hüllkurvensektion sehr flexibel
  • unkompliziertes CV Routing
  • umfangreiches Handbuch

Minus

  • Looper kann nicht synchronisiert oder getriggert werden

Preis

  • Field Kit FX: 249,- Euro
  • Field Kit FX Expansion-Pack: 64,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Marco Korda  AHU

    Tolle Kiste! Aber jetzt brauche ich unbedingt ein CASIO Kinderkeyboard…. :-D….

    Ich war direkt animiert, Dub, Noise Dub oder Industrial-Kram damit zu fabrizieren. Ganz schön vielfältig, was das Kistchen bietet.

    Als Besitzer eines Koma-Gerätes kann ich einen anderen Eindruck nicht verbergen: die Rauschfahne ist leider hoch und scheinbar typisch für KOMA. Die sehr guten und zahlreichen Klangbeispiele haben das bestätigt. Trotzdem ein sehr inspirierendes FX-Kit. Super! Und nicht mal teuer. Danke für den sehr guten Test.

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      AMAZONA Archiv

      Mit ’nem CASIO kann ich zwar nicht dienen, aber ein Yamaha PSR 740 gammelt hier bei mir schon Jahre rum. Kannste haben.

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          AMAZONA Archiv

          So übel ist das Dingen gar nicht mal. Konnteste Gesang mit Harmonien durchjagen, virtuelle Zugriegelorgel drin, die Samples waren teilweise inspirierend. Die Flöte z.B. ist echt geil. Hatte ich glatt in ’nem Track verwurstet. War richtig teuer und nah am Highend dran, so um 2000.

          https://soundcloud.com/wellenstrom/the-face-of-war (Flöte PSR 740, glaube, die FX- Sounds waren auch draus)

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      Leo Solter  RED

      Hallo Marco Korda,

      es freut mich, dass Dir der Testbericht gefallen hat und Du Dich gleich so vielfältig klanglich animiert fühlst :-) Und Du hast recht bezüglich des Rauschens in manchen Einstellungen. Das hätte ich im Text noch erwähnen sollen, irgendwie ist es mir aber wohl weggerutscht. Dafür habe ich die Rauschfahne, so vorhanden, in den Beispielen am Ende bewusst stehen lassen…

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    Son of MooG  AHU

    Interessante Kiste. Das 3,5 mm Klinken-Attenuator-Kabel im Expansion Pack ist übrigens kein Satzfehler; auf der KOMA Homepage gibt es ein entsprechendes Foto…

  3. Profilbild
    lightman  AHU

    Ich find das Teil funktional so geil, ich krieg‘ mich gar nicht mehr ein, aber mit der Patcherei hab ichs ehrlich gesagt nicht so. Wenns dann schon wieder mit speziellen Kabeln und Abschwächern und sowas losgeht, muß ich immer an mich halten, um nicht das Interesse zu verlieren.

    In diesem Fall würde ich aber vielleicht eine Ausnahme machen, denn ich glaube, der Apparat und ich könnten gute Freunde werden. Ein bißchen Module und CV-Geschichten habe ich ja schon im Setup. Mal sehen. Würde mir das Teil auf alle Fälle mit dem Expansion Kit kaufen, wenn schon, denn schon.

  4. Profilbild
    Ashatur  AHU

    Super Artikel… bei den Soundbeispielen musste ich gleich an Manu Digital denken.
    Ich muss schon gestehen als alter Dub Fan wird dieses Kästchen gerade richtig Interessant für mich.

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