Test: Behringer Eurorack Go Case mit 2x140TE

13. Juni 2020

Behringer Eurorack-Case to Go

Das ging jetzt aber schnell! Kaum in unseren News angekündigt, ist das Behringer Eurorack Go Case auch schon bei uns im Testlabor. Wir werden testen, wie es um die Qualität bestellt ist, ob das vielversprechende Go im Namen hier auch mobil bedeutet und was das Case wo möglich sonst noch für den aufgerufenen Preis bietet.

Go! Ausgepackt!

Da steht nun die riesige Kiste und der erste Gedankenblitz ist: Also für ein mobiles Case vielleicht ein wenig groß geraten – oder? Aber die Entwarnung kommt beim Auspacken: Thomann hat es wie immer mit der Umverpackung sehr gut gemeint, das Case kam sicher ver- und eingepackt in perfektem Zustand an und entpuppt sich dann doch als durchaus handlich.

Aus der Verpackung schält sich kurz darauf das auf den ersten Blick sehr robuste, aber schicke schwarze Case, dazu das Handbuch mit dem schon obligatorisch beiliegendem Behringer-Sticker und die kabelmäßig zweigeteilte Stromversorgung, hier als externes Netzteil. Das mehrsprachige und gut strukturierte Handbuch gibt es auch auf der Webseite zum Behringer Eurorack Go Case als PDF im umweltfreundlichen Download.

Was ist das Behringer Eurorack Go Case?

Das Behringer Eurorack Go bietet als leicht angewinkeltes Gehäuse auf zwei Reihen (6 HE) Platz für je 140 Teileinheiten, also insgesamt 280 TE für die Aufnahme von Modulen im Eurorack-Format. Es kann liegend, aber auch durch einen auf der Rückseite angebrachten ausklappbaren Standfuß stehend betrieben werden. Der ausgeklappte Standfuß gibt dem Case einen rutschfesten und stabilen Halt, da wackelt nichts.

Der Arbeitswinkel, sowohl im Standbetrieb als auch im liegenden Betrieb, ist ergonomisch gut vorgewählt, deshalb benötigt man auch keine weiteren Einstellmöglichkeiten, die womöglich die Stabilität des Gehäuses beeinträchtigt hätten. Auf der Rückseite befindet sich mittig oben ein eingearbeiteter Tragegriff sowie seitlich ein Netzschalter und eine Power-Eingangsbuchse für die Aufnahme des Netzsteckers aus dem externen Netzteil.

Das Case besteht aus äußerst stabilem Kunststoff und wirkt durch die Verarbeitung mit geringen Spaltmaßen sehr wertig. Dieses wertige Gefühl wird durch das ordentliche Gewicht von 3,9 kg durchaus subjektiv verstärkt.

Behringer Eurorack GO Userbild Stromversorgung Bussystem

Die äußeren Abmessungen des Go betragen 311 x 723 mm, wobei das Case 112 mm tief ist. Diese Tiefe lässt sich aber als verbindliche Einbautiefe durch die innenverbaute Technik natürlich nicht nutzen, sodass in der oberen Reihe eine Einbautiefe für Module nur von bis zu 40 mm Tiefe zur Verfügung steht und in der unteren Reihe Module mit maximal 62 mm Einbautiefe Platz finden können.

Behringer Eurorack GO Herstellerbild Handbuch Maximum Depht

Durch den in das Gehäuse eingelassenen Standfuß reduziert sich diese Einbautiefe für Module in der unteren Reihe im mittleren Bereich von 57 mm auf ganz mittig gesehen dann maximale 47 mm.

Die Stromversorgung des Behringer Eurorack Go

Das Netzteil ist definitiv ausreichend stark dimensioniert und liefert ohne nennenswerte Nebengeräusche auf der +12 V Leitung 3000 mA, auf der -12 V Leitung 1000 mA und auf der selten genutzten 5 V Leitung ebenfalls erstaunliche 1000 mA.

Behringer Eurorack GO Herstellerbild Handbuch Stromversorgung Zonen

Das Bus-System im Case ist in drei Zonen eingeteilt und hier sollte man laut Handbuch auch tunlichst darauf achten, dass man die Module auf diese Zonen sauber aufteilt und nicht eine Zone die Hauptlast aller Module trägt. Dazu stehen dann auch satte 32!!! (in Worten zweiunddreißig) Steckplätze für die Stromversorgung von Modulen zur Verfügung. Beim Einbau der Eurorack-Module folgt praktischerweise auch gleich ein erstes kleines Aha-Erlebnis:

Behringer Eurorack GO Userbild Moduleinbau

Erst hatte ich die obere Reihe bestückt und dann sah ich plötzlich die Stecker des Bus-Systems nicht mehr! Aber keine Panik! Man kommt auch von der unteren Reihe her bequem an die benötigten Sockel heran, da diese für die untere Reihe auch verpolungsfrei, aber hier abgewinkelt nach unten zugänglich angebracht sind. Da haben sie in der Entwicklungsabteilung bei Behringer wirklich mitgedacht!

Streit der Bequemlichkeit

Für die zwei Reihen stehen für den Einbau von Modulen 96 Gleitmuttern, sogenannte Sliding Nuts im Format M3 zur Verfügung. Klingt viel, aber wird natürlich durch vier geteilt, sodass am Ende pro Reihe nur 24 Muttern für einzubauende Module zur Verfügung stehen. Bei vielen kleinen Eurorack-Tools im 4 TE-Format wird das hier Angebotene trotz ausreichender Power-Steckplätze womöglich eng.

Behringer Eurorack GO Userbild Sliding Nuts

Persönlich finde ich die Entscheidung von Behringer, auf Sliding Nuts zu setzen, eher suboptimal, denn ich bevorzuge lieber Rails mit Threaded Strips, da dieses Muttern Verschieben und Ausrichten bei einem schnellen Modulwechsel eher hinderlich ist, aber das ist natürlich Geschmacks- und auch Geduldsache. Bastler sagen einfach: Mir doch egal! Aber ehrlich? Diese Threaded Strips bieten den Vorteil, immer gleich genormter Lochabstände und man hat dadurch immer ein Loch für die Aufnahme der Schraube zur Verfügung. Diese bequeme Option fiel sicher dem Rotstift zum Opfer und hätte wohl auch den Preis des Behringer Eurorack Go Case in die Höhe getrieben. Naja, so wird der Einbau der Module für mich zu einer gewissen Fummelei. Hilfreich ist hierbei auf jeden Fall der Trick, sich mit einem kleinen Magneten die Muttern zur Schraubenöffnung des Modules zu ziehen.

Beachten sollte man beim Einbau von Modulen auch, dass man im besten Fall immer unter einem Modul noch Reservemuttern freilässt, sonst muss man bei einem spontanen Umbau im Case gleich alle Module wieder herausnehmen um die nun benötigten Muttern zu suchen oder eben diese für die Montage nebenan freigeben zu können. Das spricht also nicht unbedingt für ein mobiles Case, bei dem dann doch ab und zu mal ein spontaner Modulwechsel ansteht.

Mobiles oder stationäres Eurorack?

Und überhaupt? Wofür das Go im Namen des Cases nun genau steht, erschließt sich mir irgendwie nicht wirklich: Ja durch den eingebauten Handgriff ist es tragbar und ich kann es an diesem auch wunderbar von einem zum anderen Zimmer tragen, aber längere Touren würde ich mit einem vollen Case mit dem Gewicht nicht machen wollen, da dieses ja je nach Modulauswahl noch einmal ordentlich zulegt. Man kennt das ja: 5 kg können auf einem längeren Weg schon seltsam schwer werden.

Behringer Eurorack GO Userbild Voll bestückt

Auch in einen vollbeladenen Tourbus würde ich ein vollbestücktes Behringer Eurorack Go Case nicht unbedingt legen wollen. Warum? Ganz einfach! Es fehlt ein Deckel und so würden die teuren Module bei unsanfter Fahrweise möglicherweise Schaden nehmen. Das Risiko wird wohl niemand auf sich nehmen wollen – oder?

Bleibt also nur das Studio oder natürlich auch das Heimstudio und da macht das Behringer Eurorack Go tatsächlich eine sehr gute und elegante Figur. Hat man seine endgültige Modulkonfiguration gefunden, entfällt ja quasi auch das lästige Mutternsuchen.

Fazit

Genug gemeckert! Eurorack-Cases sind in der Regel ordentlich teuer und damit meistens auch die erste Einstiegshürde. Was Behringer für den aufgerufenen Preis hier anbietet, ist einfach absolut unschlagbar! Man zahlt beim Go für jede zu nutzende Teileinheit nicht mal einen Euro, genau gerechnet sind es tatsächlich in diesen Preisbereichen mickrige 93 Cent! Auf den Punkt gebracht: Das Eurorack Go von Behringer bietet viel Platz für Module in einem hübschen, stabilen Gehäuse mit ausreichend starker Stromversorgung. Was braucht man am Ende mehr als Behringer? Go!

Plus

  • Verarbeitung
  • viel Platz für Module
  • Ergonomie
  • ausreichend starke Stromversorgung
  • Preis

Minus

  • Sliding Nuts
  • kein Deckel

Preis

  • 259,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    smoo  

    Mit einer Aale sind die sliding Nuts kein Problem. Habe ich im anderen einreihigen Case von Behringer auch.Man hat einfach ca 1/3 länger pro Modulbefestigung.

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      Dirk E. aka Xsample  RED

      Wenn alle sich an die Normung halten, dann sollten bei Threaded Strips aber keine Lücken zwischen den Modulen entstehen oder irre ich?

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    Filterpad  AHU

    Passen dort grundsätzlich 4 Behringer Racksynths rein oder muss man aufpassen wegen der Maße und/oder Verbindungen?

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      Dirk E. aka Xsample  RED

      Aufpassen muss man schon, da auch die Behringer Racksynths unterschiedliche TE haben. Der Wasp und der Model D haben jeweils 70 TE, davon würden also 4 Stück in die 280 TE passen. Neutron und K2 z.B. haben 80 TE, die passen dann nicht nebeneinander rein …

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        hejasa  AHU

        abgesehen davon wird die Stromversorgung für vier Racksynths wahrscheinlich nicht ausreichen, ein Model D braucht z.B. 1000 mA. Man sollte also gut nachrechnen, bevor irgendetwas in dieser Richtung verbaut wird.

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    anandaATamazona

    Danke für den schönen Bericht. Ich kann die Behringer Entscheidung mit den Nuts überhaupt nicht nachvollziehen. Rotstift? Klar, die Nuts kosten ein paar Cent, die Rails ein paar Euro… aber dann lieber Rails und 20€ teurer verkaufen.

    Mich würde interessieren ob man die Schienen simpel rausbekommt (auf den Bildern sieht es so aus dass außen Schraublöcher sind) um eben Rails reinschieben zu können. Dann ist es ein schönes und vor allem auch praktikables Case.

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      maiberger

      Ja, bekommt man ganz einfach raus. War das erste was ich bei meinem Behringer Go ausprobiert habe.

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      Monolith2063  

      Behringer hatte auf seinem Facebook Kanal seinen potenziellen Kunden die Frage gestellt, welche Befestigungsart bevorzugt würde. Sie haben auch darauf hingewiesen, dass das Zukaufteile sind und sie bei den Leisten das Case etwas teurer machen müssten. Jedenfalls gab es eine Diskussion, vielen war aber die Bequemlichkeit egal, die wollten nur Geld sparen. Von daher…

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    pestomusic

    Ich hatte mir ja eigentlich fest vorgenommen, mich nicht vom Modular-Hype anstecken zu lassen, aber für den Preis das Case mit ein paar (analogen) Drumstimmen, ein paar Filter- und Sequencermodulen zu füllen, ist doch sehr verlockend. Ich hasse Euch, Amazona :D

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    Asphyxer  

    So, super, das nächste Thema für mich. Jetzt gehen mir langsam die Ausreden aus. Werde wohl doch anfangen, Module einzusetzen.

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      Dirk E. aka Xsample  RED

      Das sollte man nicht so eng als allgemein gültiges Urteil sehen. Ein Test ist mehr oder weniger ein Orientierungspunkt und unterliegt natürlich auch der subjektiven Meinung eines Menschen. Ich habe ja meinen persönlichen Standpunkt zu den Sliding Nuts beschrieben und den vermutlichen Hintergrund genannt. Deshalb gab es beim Preis das Plus. Hätten sie Threading Strips verbaut, wäre es wohl andersherum. Wie gesagt, der Test soll einem möglichen Kaufinteressenten Anhaltspunkte liefern und jeder kann dann für sich auch die persönlich zu setzenden Schwerpunkte gewichten. Wenn Du lieber Sliding Nuts magst, dann setze für Dich virtuell einfach das Plus davor und damit hat es für Deine Kaufentscheidung möglicherweise nur noch ein Minus. Wenn Dich der fehlende Deckel auch nicht interessiert .. umso besser .. kein Minus. :)

  6. Profilbild
    hejasa  AHU

    Das Rack gefällt mir, sehr schön, dass die Einbautiefen angegeben sind. Ich hatte schon die Befürchtung, dass tiefere Module z.B. der Doepfer 101 – 2 VCO mit seinen 55 mm nicht verbaubar wäre.
    Guter Test und gute Orientierungshilfe, danke!

  7. Profilbild
    Ruby  

    Ist für dieses Case ein Decksaver in Planung? Bräuchte etwas Sicheres wie Tip Tops Mantis.

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