Test: Io Instruments Themisto, Euporie, Sinope für Eurorack

13. Juni 2020

Neue Module aus Berlin

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020 und noch immer entlehnen Menschen die Namen galaktischer Objekte, um ihre musikalischen Produkte zu taufen. Io Instruments dringt dafür nicht in unbekannte Galaxien vor, sondern bedient sich, quasi vor der Haustür, bei den zahlreichen Monden des Jupiter. So auch beim VCO Themisto, dem VCF Euporie und dem VCA Sinope.

io instruments themisto europie sinope eurorack module

Io Instruments Themisto, Europie und Sinope mit Freunden

Io Instruments präsentierten sich auf der Superbooth 2019 erstmals einem breiten Publikum. Die Firma wurde von den beiden Synthesizer-Freaks Frank Kumm und Uwe Georg Giegler gegründet. Letzteren kennen Analogfans vermutlich von seiner Arbeit für MFB, wo er bei vielen Geräten (Dominion-Serie, Tanzbären u. a.) seinen Input einbrachte und diese auf Messen und in Videos demonstrierte.
Bei Io Instruments hat man eine langfristige Strategie vor Augen. Man gab bereits Pläne für eine Groovebox, einen Synthesizer und einen analogen Mixer bekannt. Doch als erstes wird eine Modulserie realisiert, die sowohl Basismodule als auch Spezialisten umfassen wird. Der Grundansatz von Io Instruments ist es, hochwertige Module mit kleinen Extras zu einem vergleichsweise günstigen Preis anzubieten.
Io stellte uns ein paar erste Serienmodelle sowie ein paar Prototypen zur Verfügung. In diesem Bericht geht es um Themisto, Euporie und Sinope, also Oszillator, Filter und VCA. Die gehören in jede modulare Basisausstattung. Die spezielleren Module Himalia, Pasiphae und Sponde sehen wir uns dann beim nächsten Mal genauer an.

io instruments eurorack module 2

Die Module von Io Instruments kommen säckeweise

Die Gestaltung der Module

Die Io-Module fallen optisch sofort auf. Das dunkelblaue, leicht gemusterte Panel hebt sich zwischen Alu-Frontplatten und schwarz lackierten Oberflächen gut ab, es ist aber auch nicht zu flippig, wie man es bei diversen „Boutique“-Herstellern immer mal wieder sieht.
Die Reglerkappen sind zwar in mehreren Farben vorhanden, doch durch ihre Pastelltöne angenehm unaufdringlich. Außerdem folgen die Farben einem Schema, soweit es geht. Alles was mit Tune in Verbindung gebracht werden kann (zum Beispiel auch Cutoff), ist graugrün, klangbeeinflussende Parameter haben rote Regler, CV-Eingänge haben blaue Regler usw. Hat man mehrere Io-Module im Rack, ist das nicht nur ansehnlich, sondern auch praktisch.
Allerdings hat man sich gegen eine Beschriftung der Buchsen und Regler entschieden und stattdessen Symbole aufgeführt. Das folgt zwar ebenfalls einer Logik und die Symbole sind aufeinander abgestimmt, ist aber bei der Einarbeitung etwas gewöhnungsbedürftig. Auch wenn man nur einzelne Io-Module zwischen anderen Fabrikaten im Rack hat, wird man wohl gelegentlich zweimal hinsehen müssen, ob man die richtige Buchse erwischt.

io instruments themisto 1

Die Io-Module sind flach genug für Skiff-Cases

Mechanisch gibt es zu erwähnen, dass die Module alle sehr flach aufgebaut sind und somit problemlos auch in Skiff-Cases eingebaut werden können. Die Module sind großzügig bemessen, so dass sich auch bei vielen gesteckten Patch-Kabeln immer noch gut bedienen lassen. Die Regler haben einen sehr angenehmen Drehwiderstand und erlauben präzise Einstellungen, wo es drauf ankommt. Da stört es kaum, dass sie nicht mit der Frontplatte verschraubt sind.
Mit Anleitungen gibt man sich sparsam, es wird nur eine Karte mit einer beschrifteten Grafik mitgeliefert. Auf YouTube gibt es jedoch ausführliche Demos. Für die Standardmodule ist dies sicherlich ausreichend, aber ob das bei den bereits angekündigten komplexen Module ausreicht?

Io Instruments Themisto

Dieser VCO sieht auf den ersten Blick recht standardmäßig aus, doch er hat auf seinen 12 TE Breite ein paar Besonderheiten zu bieten. Der gesamte Frequenzbereich kann mit dem Tune-Regler komplett durchfahren werden, Oktavlagen müssen nicht umgeschaltet werden. Trotzdem lässt sich die gewünschte Frequenz sicher einstellen und dann mit Finetune genau abstimmen. Alternativ lässt sich Themisto in einen LFO-Modus umschalten.
Es gibt gleich sechs Audioausgänge: Sinus, Dreieck, Sägezahn, Ramp, Rechteck/Puls und einen Rechteck-Suboszillator. Der Sub-OSC kann in der Phaselage invertiert werden.
Um die Schwingungsformen so unverfälscht wie möglich beurteilen zu können, habe ich Io Instruments Themisto direkt mit meinem Audiointerface verbunden. Allerdings lieferte der VCO zu viel Dampf, den die Wandler auch mit heruntergeregeltem Gain nicht wirklich beherrschen konnten. Also musste ich über den VCA Sinope gehen und so den Pegel etwas zügeln. Dann zeigten sich die Schwingungsformen sehr sauber, beinahe schon ideal. Auch der Sinus, der bei analogen VCOs bekanntermaßen immer die größte Herausforderung darstellt.
Zur Klangveränderung gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Pulsbreite des Rechtecks lässt sich von 0% bis 100% regeln bzw. modulieren, reicht also bis ins akustische Aus. Je nach Modulationsquelle ist somit auch eine Rhythmisierung des Rechtecksignals möglich.
Dazu kommen die Funktionen Hardsync, exponentielle FM für Vibrato, Bending und ähnliche Modulationen sowie lineare FM für akustische Modulation im Audiobereich. Beide FM-Eingänge sind simultan nutzbar.

io instruments themisto himalia

Io Instruments Themisto – Himalia gibt es bei nächsten Test

Ein sehr nützliches Feature findet sich beim CV-Eingang. Dieser hat eine gepufferten Thru-Buchse, über die sich die Steuerspannung zum nächsten VCO weiterschleifen lässt, ohne dass ein extra Multiple benötigt wird. Alternativ kann Themisto mit einem CV-Signal über den Systembus versorgt werden, sofern dieser von einem MIDI- oder einem Bus-Access-Modul damit versorgt wird. Auf der Platine von Themisto muss dafür ein Jumper umgesetzt werden.
Auch der Sync-Eingang, der übrigens im LFO-Modus als Reset genutzt werden kann, besitzt solch eine praktische Thru-Buchse.

Den Klang eines Oszillators zu beschreiben, ist naturgemäß nicht ganz einfach. Io Instruments Themisto kann sich klar mit deutlich teureren VCOs messen. Die Signale sind klar, stabil und haben trotzdem noch Lebendigkeit. Wenn man das Rechteck synchronisiert und moduliert, macht Themisto gut Alarm und durch die Rhythmisierung via PWM lassen sich Sequenzen nochmals auf dieser Ebene erweitern. Der saubere Sinus macht sich speziell bei der linearen FM positiv bemerkbar. Man kann durch den gesamten, weiten Frequenzbereich sweepen und hört nur selten Punkte, an dem das Signal umzukippen droht. Für Formantklänge ist da viel Spielraum.

Io Instruments Euporie

Dieses reine Tiefpassfilter ist nur das erste von weiteren Filtermodulen, die bereits in der Planung bzw. Entwicklung bei Io Instruments sind. Das 12 TE breite Modul fällt eher durch seine Schaltung, als durch neuartige Funktionen auf. Intern arbeitet ein 4-Pol-Filter, das jedoch drei Abgriffe mit eigenen, parallelen Ausgängen besitzt: 24 dB, 12 dB und 6 dB. Zusätzlich ist ein auf 150 Hz festgelegtes 12 dB Hochpassfilter vorhanden, das sich auf Knopfdruck zuschalten lässt, um bei Bedarf zu starke Bassanteile abzusenken.
Der Charakter des Filters, genauer gesagt der Resonanz, kann zwischen zwei Modi gewechselt werden: Moog und Sallen-Key. Der Unterschied springt schnell ins Ohr, denn die Resonanz spricht schon sehr früh an und geht ungefähr ab der 12 Uhr-Position des Reglers in die Selbstoszillation über. Bei Moog ist die Resonanz recht rund und stabil. Bei Sallen-Key ist sie etwas lauter und wirkt dadurch schärfer, ist aber auch unstet, speziell wenn der Gain des Eingangs hochgeregelt wird. Das verschafft Overdrive, aber wirkt sich natürlich auch auf das Resonanzverhalten aus. Obendrein gibt es noch einen Regler, mit em die Resonanz an sich noch verzerrt werden kann.
Da die Resonanz so früh anspricht und in die Selbstoszillation übergeht, kann das Filter auch als Oszillator genutzt werden. Es ist ein extra 1 V/Okt-Eingang vorhanden, der eigentlich für das normale Keytracking gedacht ist, hier aber auch wie der Key-CV-Eingang eines Oszillators genutzt werden kann.

io instruments sponde euporie

Io Instruments Euporie – Sponde gibt es beim nächsten Test

Ansonsten gibt es reichlich Modulationseingänge. Allein für die Cutoff sind noch drei weitere CV-Eingänge vorhanden, ein linearer und zwei exponentielle, alle mit Abschwächer. Die beiden exponentiellen Eingänge besitzen Thru-Buchsen, über die man die anliegenden Modulationssignale zu einem anderen Modul weiterleiten kann. Auch hier spart man ein Multiple und kann so zum Beispiel das Hüllkurvensignal zum VCA gleich weiterleiten.

Ein Filterklang ist in erster Linie Geschmackssache. Fraglos sind die Möglichkeiten der Resonanzbeeinflussung hier so vielfältig, wie man es sonst bei kaum einem Filter findet. Doch die Resonanz wirkt für mich bei höheren Werten zu aufgesetzt und dominierend. Mir gefällt eine weniger spitze, dafür breiter färbende Resonanz besser, wenn sie sich allmählich in den Klang integriert. Deshalb habe ich beim Test die Resonanz meist gering dosiert und den 6 dB-Modus genutzt (obwohl dessen Reso auch ordentlich zulangt). Doch das ist eine persönliche Meinung. Freunde von prägnanten Filter/Reso-Klängen werden die Qualitäten von Euporie sicherlich zu schätzen wissen und herzhaft an den Resonanzparametern tweaken.

Io Instruments Sinope

Jedes Modularsystem braucht ein Endglied in der Signalkette, also einen VCA. Das 16 TE breite Modul Sinope ist ein dualer VCA mit zwei unabhängigen, diskrete aufgebauten Kanälen. Pro Kanal gibt es jeweils einen linearen und einen exponentielle Steuereingang sowie einen Offset-Regler.
Die VCAs können für Audio- und CV-Signale genutzt werden. Parallel zu den normalen Ausgängen liegen die Signale noch jeweils invertiert an parallelen Ausgängen an.
Dank seines großen Headrooms arbeitet Sinope nahezu verzerrungsfrei, selbst wenn man sehr hohe Pegel hineinschickt. Auch bei stark dynamischen Signalen bleibt die ganze Bandbreite unverfälscht erhalten. Die Overload-LEDs bringt man jedenfalls nicht so ohne Weiteres zum Leuchten.
Mit dem Offset lassen sich insbesondere Steuerspannungen gut dosieren, um etwa ein LFO-Signal in der negativen Auslenkung zu begrenzen.
An das Zusammenspiel der parallelen Steuereingänge, Abschwächer und dem Offset muss sich erst einmal gewöhnen, da arbeitet Sinope etwas anders als herkömmliche VCAs, kann dafür aber auch mehr. Die beiden Kanäle lassen sich gut für eine Abhängigkeit nutzen, etwa ein Tremolo, das durch eine Hüllkurve abhängig von Tastendruck gesteuert wird oder ähnliches. Die wahre Stärke des Moduls liegt allerdings in dem überaus guten, verfärbungsfreien Klang. Ein guter VCA gehört sowieso in jedes System, da man sich mit einem „billigen“ Endverstärker die Qualität der gesamten vorangestellte Signalkette kaputtmacht.

io instruments sinope pasiphae

Io Instruments Sinope – Pasiphae … Sie wissen schon

Fazit

Io Instruments liefert einen starken Einstand ab. Alle getesteten Module haben eine hervorragende Klangqualität und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wo bekommt man sonst einen FM-tauglichen VCO mit integriertem Suboszillator für 149,- Euro? Auch das Filter und der duale VCA sind gemessen an ihren Möglichkeiten als günstig zu bezeichnen. Während Themisto als analoger VCO universell einsetzbar ist, spricht das Filter Euporie schon eher einen bestimmten Geschmack an. Der VCA Sinope wiederum ist ein Modul, das in allen Lagen Verwendung finden kann.

Wer beispielsweise ein Modularsystem aufzubauen gedenkt und dafür Bedarf an diesen Basismodulen hat oder sein System um die eine oder andere Komponente erweitern will, kann Io Instruments Themisto, Euporie und Sinope bedenkenlos mit in seine Überlegungen einbeziehen.
Glücklicherweise geht die Reise von Io Instruments weiter und ich darf schon mal spoilern, dass man da ebenso wenig enttäuscht wird.

Plus

  • generell: sehr gute Klangqualität
  • Themisto: integrierte Suboszillator, saubere Schwingungsformen
  • Europie: flexibel formbare Resonanz
  • Sinope: verzerrungsfreier Klang

Minus

  • Euporie: das Resonanzverhalten ist Geschmackssache

Preis

  • Themisto: 149,- Euro
  • Euporie: 129,- Euro
  • Sinope: 159,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    penishead  AHU

    Moin der Jim, danke für den Test der IO Module. Auch ich konnte hier noch einige Denkanstösse zur Verwendung der Module mitnehmen. Wenn der VCA tatsächlich so eine gute Audioqualität hat, dann sollte ich mir den evtl. auch noch holen. „einfache“ VCAs habe ich genug. Übrigens, in den Leserstorys habe ich einzelne Test der Module ebenfalls eingestellt. Dort gibt es den Themisto, Euporie und in Kürze den Sponde.

  2. Profilbild
    Jovigak

    Danke für den Test und die guten Klangbeispiele (danke auch an Penishead für Deine Tests).
    Was mir bei der schönen grafischen Gestaltung ein wenig nachteilig erscheint, ist die fehlende Beschriftung der Anschlüsse und Potis. Zwar wird der Signalfluss hier illustriert, aber für diejenigen, die mehrere Eurorack-Module unterschiedlicher Hersteller haben, wird es schwierig sein, sich die Funktion nur an Hand der Symbole zu merken. Das fällt bei der Konzentration auf ein einzelnes Modul innerhalb eines Tests natürlich nicht ins Gewicht, aber im Praxisalltag stelle ich mir das schwierig vor.
    Wie seht Ihr das?

    • Profilbild
      penishead  AHU

      Also, ich finde das überhaupt nicht schwierig. Das ist Gewöhnunssache. Man muss eben seine Module schon kennen und wer nur ein bißchen damit umgeht, der wird keine Schwierigkeiten haben. Das gleiche trifft ja auch auf Make Noise Module zu.

    • Profilbild
      Son of MooG  AHU

      Mir ist eine Beschriftung auch lieber; Waveform-Symbole sind ebenfalls ok. In meinem System befinden sich Module von 14 Herstellern, da will man nicht immer wieder im Manual nachsehen müssen.

  3. Profilbild
    Doc  

    Hallo der Jim,

    Filter und dessen Resonanzverhalten – da scheiden sich die Geister.

    Der / das / die Filter bzw Resonanz von Behris DM12 und Neutron sagt mir überhaupt nicht zu.
    Nutz beim Neutron eigentlich nur noch das Patchfeld.

    Habs mehr mit den Klassikern – Moog, ARP, Roland .. etc…. ist bestimmt auch altersbedingt.

    Klang – und Hörgewohnheiten sind halt subjektiv

    Guter Test… Danke

  4. Profilbild
    Florian Anwander  RED

    > den 6 dB-Modus genutzt (obwohl dessen Reso auch
    > ordentlich zulangt).
    Ich habe zwar den Schaltplan nicht gesehen, aber ich vermute schlicht, dass sich der Resonanzpfad nie ändert. Zumindest, wenn das Filter vom Jupiter 8 adaptiert wurde, dann wird der Resonanzpfad immer vom 24dB Ausgang beliefert. Dass ein 6dB Tiefpass in diesen Schaltungen stabil resonieren könnten, würde mich doch eher wundern.

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