Test: M-Audio AIR 192 14, 8, 6, 4, Air Hub, USB-Audiointerfaces

30. Dezember 2019

Love is in the AIR 192|14

maudio air 192 14 interface

M-Audio AIR 192 14, 8, 6, 4, Air Hub, USB-Audiointerfaces

Das AIR 192|14 ist das Flaggschiff der neuen AIR-Serie von M-Audio. Mit diesen aktuellen Interfaces, von denen es aktuell fünf Varianten gibt, kommen ein Paar kompakte Devices unter den Christbaum. M-Audio nannte sich einst Midiman und hatte mit Avid die M-Powerd-Serie aufgelegt, die Pro Tools mit einem hauseigenen Interface bundelte. Nicht erst seitdem haben sich die Hardware-Spezialisten einen Namen im unteren und mittleren Preissegment der Audiointerfaces gemacht. Auf das M-Audio AIR 192|14 habe ich stellvertretend für die neue AIR-Serie einen genaueren Blick geworfen.

Der erste Eindruck des M-Audio AIR 192|14

Das M-Audio AIR 192|14 kommt mit allem, was man zum Loslegen braucht: Netzteil, verschiedene USB-Kabel, dem Device selbst und einem Download-Link zu den Windows-Treibern.

maudio air 192 14

Das Interface selbst macht einen sehr robusten und wertigen Eindruck. Die Bedienelemente sind auch für meine Hände groß genug und wirken stabil. Eventuell hätte der große Volume-Knopf noch etwas stabiler sein dürfen (bzw. sich stabiler anfühlen dürfen), aber das ist Jammern auf höchstem Niveau, das Poti geht absolut in Ordnung! Die Marktbegleiter liefern oft sehr viel weniger robuste Hardware aus.Die Lautstärkepotis für die beiden Kopfhörerwege sind leider etwas wacklig. Gerade an dieser Stelle (vorne, unten) und mit dieser Funktion hätten die Potis doch etwas robuster ausfallen dürfen.

Den noch immer obligatorischen MIDI-Anschluss bietet das Audiointerface auch. MIDI-In und -Out über mitgelieferte Spezialkabel, denn auf der Rückseite wäre es mit zwei DIN-Buchsen wohl doch etwas eng geworden. So speist das Interface über Miniklinken die beiden MIDI-Spezialkabel.

M-Audio AIR 192|14 Unboxing

Alles in allem ist der erste Eindruck deutlich positiv, gerade was die Schalter und Potis angeht. Die Treiberinstallation auf Windows lief schnell und sicher. Etwas irritierend erscheint, dass der Installer die Redistributables von C++ 32 Bit installieren will und das in der Version von 2012. Seltsam, denn die Treiber selbst sind brandaktuell (gerade einen Monat alt) und das Testsystem ist 64 Bit durch und durch. Anhänger des angebissenen Obstes werden erst gar nicht mit Treibern behelligt, da das Interface class-compliant für macOS ist.

Oberflächliches vom M-Audio AIR 192-14

Die Oberfläche des M-Audio AIR 192|14 ist sehr aufgeräumt und übersichtlich. Hier scheint sich jemand wirklich Gedanken über die Aufteilung der Bedienelemente gemacht zu haben. Das ist nicht ganz so selbstverständlich wie man glauben sollte, vor allem in dieser Konsequenz, die hier gezeigt wird.

Wir alle haben oder hatten Equipment, das immer erst ein paar Momente „wie war das doch gleich“ erforderte, bis man es wieder zielsicher bedienen kann. Hier ist das ganz anders. Ich war zu keinem Zeitpunkt versucht oder genötigt, ins Handbuch zu blicken oder gar eine Suchmaschine zu behelligen.

M-Audio AIR 192|14

Rückansicht

Die ersten vier Eingänge des AIR-14 sind für Mikrofon- und Line-Signale geeignet und bieten Phantomspannung an. Letztere ist nur paarweise (jeweils für Kanal 1/2 sowie 3/4) schaltbar. Das geht vollkommen in Ordnung. Zum einen sollte Phantomspeisung auch bei Mikrofonen, die diese nicht benötigen, zu keinen Problemen führen (wohlgemerkt sollte), zum anderen ist bei vielen Interfaces dieser Art oft die Phantomspannung nur für alle Inputs gemeinsam schaltbar. Sehr positiv fällt auf, dass die Schiebeschalter für die Phantomspannung jeweils mit einer orangenen LED Feedback geben, ob diese eingeschaltet ist. Da diese Art von Schalter es erlauben, die Stellung (oben oder unten) sehr leicht abzulesen, hätte es für meinen Geschmack keine LED gebraucht. Da aber viele Marktbegleiter diese LED einsparen, auch wenn schlecht erkennbare Taster Verwendung finden, erscheint die Lösung beim M-Audio AIR 192|14 umso vorbildlicher. So ist auch bei schlechter Beleuchtung oder im Eifer des Gefechts gute Ablesbarkeit gegeben, sehr schön.

Die Eingänge 5 und 6 stehen Instrumenten zur Verfügung und haben auch wie die ersten vier Kanäle ein Gain-Poti zum Einpegeln. Darauf hat man bei den Eingängen 7 und 8 vollkommen verzichtet – man erwartet Line-Pegel. Bei einem solchen Interface finde ich das nicht so ganz plausibel. Wer schließt seinen Gerätepark an ein solches Interface an? Mir leuchtet dieses Feature am ehesten zum Anschluss für einen Sub-Mixer oder Battle-/DJ-Mixer ein.

Zur Überwachung des Pegels sind für die ersten sechs Kanäle vier LEDs vorgesehen. Die Pegelanzeige wird auf der digitalen Ebene abgegriffen. Man verzichtet auch auf eine Clip-LED (die digital sowieso nicht die gleiche Aussagekraft hat wie auf analoger Ebene) und beschriftet die oberste LED mit 0 dB, das erscheint ehrlicher und präziser.

Wie es der Name des Interfaces schon vermuten lässt, liegt die maximale Sampling-Frequenz bei 192 kHz. Zwar nicht im Namen zu erkennen, aber gut sichtbar auf dem Gehäuse vermerkt: Die maximale Wortbreite liegt bei 24 Bit.

M-Audio AIR 192|14

Der ASIO-Treiber wirkt etwas lieblos

Signale auf Wanderschaft: Das Routing beim M-Audio AIR 192|14

Das M-Audio AIR 192|14 bietet vier Ausgänge. Kanal 1 und 2 sind fix als Haupt-Ausgangsbus vorgesehen, trotzdem liegen alle vier als Klinkenbuchsen an der Gehäuserückseite an. Für jeden der beiden unabhängigen Kopfhörerausgänge kann per Schalter definiert werden, ob dieser mit Kanal 1/2 oder 3/4 beschickt wird. Per Schalter wohlgemerkt, sehr komfortabel. Außerdem wird hier mit LEDs auch noch ein optisches Feedback gegeben, welches Kanalpaar für welchen Kopfhörer geschaltet ist.

Das Direct-Monitoring ist auch auf dem Frontpanel komplett kontrollierbar. Mit dem Poti „Monitor-Mix“ wird zwischen dem Direktsignal, das am M-Audio AIR 192|14 als Eingangssignal anliegt, und dem Signal aus dem Rechner (USB) hin und her geblendet.

Ich selbst mag Lösungen wie in Total-Mix von RME lieber (eine richtige Mixmatrix aus Eingangs- und Ausgangsquellen), jedoch sind diese nicht so intuitiv und einfach zu bedienen und schon gar nicht auf solcher Hardware mit einem einfachen Poti. Außerdem ist das Crossfading zwischen Direct-Monitoring und DAW-Signal etabliert, basta.

M-Audio AIR 192|14

Im Einsatz

Mit dem Drucktaster „Direct Monitor“ wird das Monitoring zwischen Mono und Stereo umgeschaltet. Das bezieht sich aber nur auf das Direktsignal aus dem Interface. Steht der Schalter auf Stereo, was mit einer blauen LED darüber angezeigt wird, wird Kanal 1 nach links und Kanal 2 nach rechts usw. zugewiesen. Das DAW-Signal bleibt davon unberührt.

Ist der Druckschalter auf Mono geschaltet (grüne LED darunter), werden alle Eingänge mittig eingespielt. Etwas schade ist, dass auf dem Kopfhörer das Direct-Monitoring nicht mehr zu hören ist, wenn die Kanäle 3 und 4 als Ausgänge gewählt sind.

M-Audio AIR 192|14

Frontanschlüsse

Das M-Audio AIR 192|14 ganz praktisch

In der Praxis ist das M-Audio AIR 192|14 geradezu auffällig unauffällig: Klanglich gibt sich das gute Stück sehr neutral und fällt unter keinem Aspekt negativ auf. Das Eigenrauschen scheint sogar überdurchschnittlich niedrig zu sein, die Performance weiß zu überzeugen. Es gab im Test keine Aussetzer, Abstürze oder Vergleichbares.

Die grafische Oberfläche des ASIO-Treibers unter Windows wirkt etwas lieblos und geht auf einem großen Monitor schnell verloren. Da macht das GUI von ASIO4ALL schon mehr her. Nichtsdestotrotz macht der ASIO-Treiber genau das, was er soll – was will man mehr. Die Buffer-Größe wird in Samples angegeben. Auf dem Testsystem (steinalter core2quad, ja mit Absicht), war auch mit kleineren Buffer-Größen der Treiber bzw. der Rechner nicht aus dem Tritt zu bekommen. Der Sequencer zeigt die üblichen Werte an, da gab es keine Überraschungen.

M-Audio AIR 192|14 Unboxing

Im Einsatz

Die gute Visualisierung mit den LEDs auf dem Frontpanel erlaubt ein schnelles und intuitives Bedienen. Die wackeligen Kopfhörerpotis an der vorderen Unterseite sind allerdings ein kleines Manko. Immerhin lässt sich hier gut ein günstiger Kopfhörerverstärker anschließen. Je nach Setup und räumlichen Gegebenheiten ist ein solches Vorgehen sowieso anzuraten. Die Instrumenteneingänge sind – vollkommen folgerichtig – auf der Vorderseite, neben den Kopfhörerbuchsen, so muss das sein.

Im Lieferumfang befindet sich auch ein Software-Paket. Neben Pro Tools First M-Audio Edition, Ableton Live Lite, Eleven Lite, Avid Effects Collection befinden sich noch ein paar AIR Content Pakete. Somit kann der stolze Besitzer gleich loslegen und braucht (theoretisch) kein Geld mehr in die Hand zu nehmen.

Die neue Familie: M-Audio AIR

M-Audio AIR 192|4

Der kleine Bruder

Neben dem M-Audio AIR 192|14 sind noch weitere Familienmitglieder am Start. Das M-Audio 192|4 ist das Kleinste im Bunde. Mit etwas über 100,- Euro bietet es dem geneigten Einsteiger zwei Eingänge und zwei Ausgänge, allerdings nur einen davon als Mikrofoneingang. Für Sänger, Sprecher, Gitarristen etc. durchaus eine Option. Die Hardware-Oberfläche ist ähnlich aufgeräumt, wie beim großen Bruder.

Als Bundle mit der Bezeichnung M-Audio AIR 192|4 Vocal Studio Pro ist das gute Stück gleich mit Mikrofon, Kabel und Kopfhörer für ca. 200,- Euro Ladenenpreis zu erstehen.

Mit dem M-Audio AIR 192|6 (ca. 140,- Euro) und M-Audio AIR 192|8 (ca. 200,- Euro) sind noch zwei Zwischengrößen lieferbar, die – im Prinzip – über die gleichen technischen Daten wie der große und der kleine Bruder verfügen.

M-Audio AIR 192|4

Der AIR 192|4 mit seinen Frontanschlüssen

Der M-Audio AIR Hub folgt seinem Vorfahren, dem M-Track Hub. Er bietet keine Eingänge, sondern „nur“ einen Stereoausgang in 24 Bit und 96 kHz. Damit weicht er von seinen Geschwistern ab, die bis zu 192 kHz Sampling-Frequenz ermöglichen, wie bereits im Produktnamen zu erkennen ist. Den Besitzer wechselt der AIR Hub für 79,- Euro.

maudio air 192 14

Fazit

Das M-Audio AIR 192|14 macht einen sehr positiven Eindruck. Die Hardware wirkt sehr robust und alltagstauglich. Auch der mobile Einsatz sollte dem kleinen Schwarzen nichts anhaben, pflegliche Behandlung vorausgesetzt.

Die Schalter und Potis sind von der Größe und Robustheit her wirklich ein Highlight! Es macht richtig Spaß, hier Hand anzulegen. Das können wenige Marktbegleiter von sich behaupten. Auch die Ablesbarkeit der Schalterstellungen und das Feedback per LED sind pragmatisch gelöst und praxistauglich. Das M-Audio AIR 192|14 ist dabei allerdings angenehm klein und nicht übergroß, ich mag es.

Klanglich ist das USB-Interface klasse. Die Vorverstärker sind sauber, rauschen nicht übermäßig und die Wandler liefern ein sehr klares Klangbild. Da stört das etwas unschöne GUI des ASIO-Treibers unter Windows schon ein bisschen weniger. Ich persönlich hätte ja gerne noch Inputs über ADAT oder MADI, aber das ist eine andere Preisklasse. Leider gibt es in der AIR-Serie keinen Vertreter dazu, sehr schade.

Wer ein gutes Interface sucht und mit maximal acht Eingängen und vier Ausgängen klarkommt, wird mit dem M-Audio AIR 192|14 definitiv fündig. Die Latenz ist unauffällig und entspricht den Herstellerangaben. Wer mit der gebotenen Kanalzahl nicht zu Rande kommt, wird wohl bei einem der Kollegen ins Portfolio schauen müssen, ansonsten gilt hier eine glasklare Kaufempfehlung.

Plus

  • Robustheit der Hardware
  • Potis und Schalter sind griffig
  • Schalterpositionen sind gut ablesbar
  • durchdachtes Konzept
  • Klang
  • USB3-Interface mit USB-C-Buchse am Gehäuse
  • zwei getrennte Kopfhörerausgänge
  • stabile Treiber
  • MIDI-In/Out
  • Latenz

Minus

  • Potis der Kopfhöreranschlüsse
  • keine Erweiterbarkeit über ADAT oder Vergleichbares
  • ASIO-Treiber unter Windows wirkt etwas lieblos
  • MIDI-Schnittstelle nur über ein Spezialkabel

Preis

  • M-Audio AIR 192|14: 294,- Euro
  • M-Audio AIR 192|8: 199,- Euro
  • M-Audio AIR 192|6: 137,- Euro
  • M-Audio AIR 192|4: 115,- Euro
  • M-Audio AIR 192|4 Vocal Studio Pro: 199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    bluebell  

    Das Gerät ist Class Compliant, alle Features sind direkt am Gerät einstellbar und der Windows-Treiber ist daher spartanisch? Alles richtig gemacht!

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      Florian Scholz  RED

      Jein! Wäre das Gerät vollkommen Class Compliant, würde es ohne Treiber unter Windows funktionieren. Außerdem wirkt sich CC nicht auf ASIO aus ;)

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        Hectorpascal  AHU

        Habe noch nie erlebt das eine unbedeutende Treiber-GUI einen Minuspunkt ausmacht. Der von RME ist auch nicht gerade hübsch. :)

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          Florian Scholz  RED

          Was fehlt? Auf meinem Testsystem wurde das Interface zwar angezeigt (in der Systemsteuerung), aber es konnte nicht angesteuert werden. M-Audio verspricht das ja auch nicht, von daher: alles gut.
          Das Treiber-Interface von RME ist wirklich 1990er von der Optik her, und nicht toll gelöst. Ich finde es jedoch deutlich besser, zumal ja auch ein Mixer mitgeliefert wird. Auf einem HD-Monitor ist der M-Audio Treiber weniger angenehm zu bedienen wie de von RME. Ich wollte es nur erwähnen…

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        bluebell  

        Ich bin kein Windows-Experte, aber es wundert es mich schon lange nicht mehr, dass WIndows für Class Compliant-Geräte zusätzliche Treiber braucht (zumindest für geringe Latenzen), Apple-Geräte und Linux nicht.

        Ich vermute mal, das Gerät ist hinreichend Class Compliant für Apple und Linux, so wie es die kleineren Scarletts Gen1 und Gen2 (Solo, 2i2, 2i4) sind, will heißen ohne Treiberinstallation mit geringen Latenzen nutzbar.

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          Florian Scholz  RED

          Ich vermute eher, dass die Geräte nicht wirklich Class Compliant sind. Ich habe auch Audiohardware getestet, die CC ist, und unter Windows so schnell verfügbar war wie ein USB-Stick. Niedrige Latenzen sind mit CC-Geräten (in Grenzen) unter WIndows erreichbar. „Zur Not“ mit ASIO4All. Unter Apple passiert ein wenig mehr als die „einfache“ CC…
          In der Summe finde ich das M-Audio aber richtig geil…

  2. Profilbild
    gaffer  AHU

    Die Geräte finde ich grösstenteils gelungen. Der nicht regelbare ⅞ würde mich z.B. überhaupt nicht stören. Sobald ein Hardwaresynth dabei ist, der sowieso Ausgangsregler hat, haut das hin. Ein fader Beigeschmack bleibt allerdings immer dann, wenn die Marketingabteilung auf dicke Hose machen will. 192/14, daraus kann ich ich rein gar nichts rauslesen ausser 192 kHz. Die 14 steht dann für? Du kannst 14 mal raten, was da bedeutet und kommst nicht drauf? Etwa 8 Eingänge, 4 Ausgänge und 2 Kopfhörer, alles zusammengezählt? Da hätte ich die MIDI Ports dazugenommen, wenn schon, denn schon und 192/18 hingeschrieben.

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