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Test: Ploytec Pi L Squared, Hybrid-Synthesizer


E = πλ²!

Der Ploytec Pi Lambda Squared (oder kurz: „Pi L Squared“) ist ein winziger, würfelförmiger Hybrid-Synthesizer, der über die MIDI-Schnittstelle gesteuert und versorgt werden kann und seine Signale an der gegenüberliegenden Cinch-Buchse ausgibt.

Bildschirmfoto 2013-09-26 um 10.19.06

Die Firma Ploytec ist Brancheninsidern bereits als Entwickler von USB-Treibern und Interfaces für einige große Player der Audiobranche ein Begriff. Ein Prototyp des Pi L Squared wurde auf der diesjährigen Musikmesse präsentiert; lautstark sorgte er dort für Aufmerksamkeit auch unter all jenen Besuchern, die ihn zunächst übersehen hatten. In Anlehnung an das berühmte Einsteinsche Postulat beschreibt Ploytech die von dem Instrument ausgehende Energie mit der Formel E = πλ².

Der kleine Synthesizer wird mittlerweile in Taiwan gefertigt, im Oktober soll er zum Preis von 99 Euro im Handel aufschlagen. Ich habe eines der ersten Exemplare ausprobiert, welches uns freundlicherweise ohne Vorwarnung und Begleitschreiben in einem gepolsterten Briefumschlag zugesandt wurde.

Größenvergleich mit einigen typischen Alltagsgegenständen.

Größenvergleich mit einigen typischen Alltagsgegenständen

Innere Werte

Der Pi L Squared wird mit einem MIDI-Interface verbunden und empfängt dann – unveränderbar – auf Kanal 1. Die in der MIDI-Stromschleife fließenden 5mA bei 5 Volt Spannung reichen zur Versorgung des Instruments aus. Natürlich ist dieser „Lastfall“ in der MIDI-Spezifikation nicht vorgesehen; elektrische Defekte am „antreibenden“ MIDI-Ausgang sind trotzdem nicht zu erwarten, da spezifikationsgemäß ausgeführte MIDI-Interfaces sogar kurzschlussfest sind. Falls das eine oder andere Interface schwächelt, kann der PI L Squared auch über eine USB-Buchse vom Typ Micro B („Handy-Ladegerät“) versorgt – nicht aber programmiert oder gespielt – werden.

Aus der Anleitung: Anschlüsse der "Black Box"

Aus der Anleitung: Anschlüsse der „Black Box“

Der Pi L Squared ist die Inkarnation einer Black Box und fasziniert zunächst durch seinen geradezu provokanten Minimalismus: Im Inneren werkeln ein mit passiven Bauelementen beschalteter Mikrocontroller von Atmel, ein ungepufferter CMOS-Inverter und ein effizienter Spannungsregler. Letzterer hat die herausfordernde Aufgabe, aus der wackelnden MIDI-Datenleitung eine ordentliche Versorgungsspannung für Controller und Inverter zu generieren. Letzterer wieder wird als Ausgangsstufe missbraucht, ein Trick, der in ähnlicher Form auch in diversen Gitarrenpedalen zur Anwendung kommt, da diesen Bausteinen ein angenehmes, „röhrenähnliches“, Sättigungsverhalten nachgesagt wird. Der Mikrocontroller ist für die eigentliche, subtraktiv arbeitende, Pulswellen- Klangerzeugung zuständig, quasi nebenher erledigt er die Aufgabe eines  MIDI-Interfaces.

Für Nicht-Elektroniker: Der Pi L Squared besticht durch eine „hardwarenahe“ Klangerzeugung und eine kreative Zweckentfremdung aller drei verbauten Chips, bei deren Entwicklung sicher niemand daran gedacht hat, dass sie einmal die zentrale Rolle in einem – hüstel – „Musikinstrument“ spielen werden.

Gerackt!

Gerackt!

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Marius Seifferth AHU

    Guter Testbericht und auch sehr interessantes Konzept. Kommt nicht mehr alle Tage vor, dass jemand „aus fast nichts“ etwas baut. Bei dem Klang bin ich aber ein bisschen zweigeteilt. Teilweise klingt es ja schon irgendwie „rockig“ und manchmal auch „schön weit“ aber auch irgendwie eine Spur zu kaputt und als ob zu wenig Saft drin wäre. hhmmm…..

    • Profilbild
      falconi RED

      Du hast Recht, die Klangbeispiele haben teils einen etwas bröseligen Einschlag, und natürlich ist das auch ein wesentlicher Charakterzug des Pi L Squared.
      Ich muss den Synthesizer dennoch ein wenig in Schutz nehmen. Natürlich sind auch beim Pi L Squared sämtlich Controller mit 127 Stufen aufgelöst. Da man hier jedoch ohne Umwege – insbesondere Controller-„Kennlinien“ – auf die Hardware zugreift, bedeutet das noch nicht, dass alle 127 Stufen auch musikalisch sinnvoll einzusetzen sind; manchmal ist es nur ein eng begrenzter Bereich (zutreffend z.B. bei der Filterresonanz und dem Bitshifter). Ich habe recht ungezwungen drauflos geschraubt, was auch großen Spaß macht – „soviel Artefakt war nie“, einen stabilen Klangcharakter aber eher verhindert.
      Wer den Synthesizer musikalisch sinnvoll einsetzen will, sollte dosierter vorgehen und sinnvolle Wertebereiche sorgfältig ausloten. Die gibt’s durchaus, und dann klingt der Pi L Squared „kräftig“ und „lowbittig“ zugleich…

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        Marius Seifferth AHU

        hhmmm…. so hab ich das noch gar nicht betrachtet. Vielleicht werd ich mir das Würfelchen mal, nach meinem Umzug, zulegen. Noch etwas was nicht’s mit ihm zu tun hat, aber hier auf den Bildern zu sehen ist: Lohnt sich der VP-9000 heute noch? Ist des Stretching und Pitching tatsächlich so gut, dass man nur eine Taste absampeln braucht? Ein bisschen „off topic“, ich weiss :-D

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          falconi RED

          Hallo,
          mit dem Pi L Squared zieht es sich bequemer um als mit einem Modularsystem, und er macht sich auch gut in einem „mobilen Setup“, sofern eine MIDI-Buchse vorhanden ist.

          Zum „off-topic“ antworte ich Dir per Mail.

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          rez_azel

          Hallo, ich denke, das was der Roland VP kann, machen heute viele Softsynths (Harmor, Alchemy, jeder Sampler mit Granular-Stretching, IK SampleTank und Ableton Live) wesentlich besser. Ich habe mir mal die „Variphrase Sampling CD“ von mbits zugelegt. Das klingt schon alles sehr nett, aber für realistische Klänge wird „nur eine Taste sampeln“ eben nie reichen. Der VP wurde ja auch zu einer Zeit entwickelt, als Speicher noch horrend teuer war, da klang das Konzept schon verlockend :) Aber eigentlich ist der VP schon eher was zum Drumloop in Richtung Lo-Fi verwursteln. So was ähnliches wie Live in Hardware ist ja glaube ich auch der Octatrack…

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            falconi RED

            Der VP-9000 hat einen recht spezifischen, „glockigen“ Klangcharakter, den ich sehr schätze, und den man auch bei den alten Daft Punk-Produktionen oder beim „Funk Soul Brother“ gut heraushören kann. Auch ohne „VariPhrase“ klingt er immerhin so gut wie alle Hardware-Sampler von Roland (also sehr gut), er hat aber nur sechs Stimmen, keinerlei Hüllkurven, und ein Filter gibt es nur in der Effektsektion. Seit dem Verschwinden von Windows 95/98/ME gibt es zudem keine Möglichkeit mehr, das Gerät vom Rechner aus zu steuern.

            Der VP9000 ist einer der Gründe, warum in meinem Rechner immer noch eine SCSI-Karte steckt, und im benutze ihn immer dann, wenn es die Zeit in einer Produktion zulässt, wobei ich jedes Mal einen Horror davor habe, weil die Vorbereitungszeit so lange ist. Hinterher bin ich oft froh, weil oft etwas Besonderes dabei herauskommt.

            Ein Neueinstieg in den VP9000 halte ich für wenig sinnvoll…

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    Hans-Peter Wagner

    Im Jahre 1985 aus nem C-64 wäre das Unglaublich. Aber jetzt echt…. wer kauft sowas denn

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    Markus Schroeder RED

    Klasse Test, Falk!
    Vor allem sind die vielen Hintergund Infos interessant.
    Hätte ich mir nicht gerade ein Pitch-Shifter Pedal und einen Video-Synthesizer gekauft wäre DAS die Anschaffung des Jahres geworden. Aber wenn da noch ein Bausatz kommt warte ich vielleicht doch lieber auf den.

    Mit iPad /iPhone!!! LOL, MIDI DIN Interface (iRig, Mobilizer II etc.) und TouchOSC/ Lemur sicher ein super Set. Wäre auch eine super Ergänzung zu meinem ReMote SL Controller.

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    falconi RED

    Ja, super, danke. und vielleicht einfach als Vorsatz für’s neue Jahr aufheben.
    Liebe Grüße von Warschau nach … Tokio ???

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      Markus Schroeder RED

      Danke, auch liebe Grüße nach Polen. Leider bin ich noch in D. Hab noch jede Menge zu tun hier, im Frühling gehts wieder nach Hause, nach der Musikmesse ’14.

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    falconi RED

    Die Ungereimtheiten mit „abreißenden Hüllkurven“ und gelegentlichen „Tickergeräuschen“ sind geklärt:
    Es ist wichtig, dass der Pi L Squared, sofern man ihn denn mit MIDI-Clockdaten versorgt, um z.B. den LFO dazu zu synchronisieren, diese MIDI-Clock wirklich permanent empfangen kann. In Cubase ist das Haken in den „Projekt-Synchronisationseinstellungen“: „MIDI-Clock-Befehle im Stop-Modus setzen.“
    Während meines Tests kamen die Clockdaten nicht aus dem Sequencer, sondern aus meinem „Masterkeyboard“, dem microKORG. Durch Umschalten der Quellen in Cubase und den Wechsel zwischen „Live“- und „Sequenzerbetrieb“ wurde der Strom der MIDI-Clockdaten unterbrochen; es kommt dann zu den im Test beschriebenen Problemen.

    Markus Medau, der Entwickler, schrieb mir:

    „Das Verhalten ist so: Wenn Du den PL2 ansteckst, hängt er erstmal im Bootloader. Schickst Du einen MIDI Clock, wird er zum Metronom („Tick – tick – tick“). In diesem Zustand kann man Firmwareupdates einspielen.

    Mit dem ersten MIDI Event verlässt er den Bootloader und läuft los. Bricht der MIDI Clock ab, macht der PL2 einen Reset, da ja auch die Hüllkurve diesem folgt und sonst hängenbleiben würde. (Der tiefere Grund liegt bei den CE/FCC Tests; wenn der Chip keinen Clock mehr hat, wird der Watchdog nicht mehr resettet. Das kann ja auch die Folge von Hochspannungsstörung im Labor sein.)

    Ich danke Dir für den Hinweis auf das Problem, Falk! Wir werden einen entsprechenden Bedienhinweis in die endgültige Version des Handbuches aufnehmen!“

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    MidiDino AHU

    Ich bin von den rauhen Tönen sehr angetan. Inzwischen gibt es einen Editor auf der Homepage des Herstellers (Win), der die (experimentelle) Erstellung von ‚Presets‘ erleichtert. Auch sind viele Soundbeispiele zu hören. Echt geil, der winzige Würfel!

  8. Profilbild
    falconi RED

    Danke für den Tipp, schau‘ ich mir gerne an. Übrigens gibt’s ein Interview mit Markus Medau in der aktuellen KEYS.

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Ploytec Pi L Squared

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