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Test: RCF ART 915-A Aktivbox

Aktiver Lautsprecher mit europäischem Wumms

13. Januar 2022
Test: RCF ART 915-A Aktivbox

RCF ART 915-A Aktivbox

Die ART Serie von RCF hat bisher bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen, insbesondere da die aktiven Fullrange-Boxen im Bezug auf ihre Abmessungen einen sehr „erwachsenen“ Ton ablieferten, der zum Teil deutlich über dem liegt, was man sonst in dieser Leistungs- und Abmessungsklasse gewohnt ist. Als dritter Vertreter der ART Serie liegt uns nunmehr mit der RCF ART 915-A das Schlachtschiff der Reihe vor, das  erstmals auch in Sachen Abmessungen eine Kategorie höher ansetzt als seine Mitstreiter.

Aufbau und Konzeption der RCF ART 915-A

Was als erstes im direkten Vergleich zu der von den Abmessungen her kleineren 932-A auffällt, ist der geringere Preis! Größere Box, geringerer Preis, wie kann das sein, werden sich jetzt wohl viele fragen. Die Frage relativiert sich, wenn man sich den Preis der 912-A ansieht, die preislich tatsächlich auch unterhalb der 915-A angesiedelt ist. Was also macht 3 statt 1 so außergewöhnlich?

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Der Unterschied ist wohl in der Lautsprecherbestückung zu sehen, wobei hier dem Hochtöner in Kombination mit der Crossover-Frequenz nochmals eine besondere Rolle zukommt. Wird bei der 93er Serie ein 3 Zoll Neodyn-Kompressionstreiber mit einer Crossover-Frequenz von 800 Hz, einer vergleichsweise tiefen Übergabe abgetrennt, arbeitet die 91er Serie mit einem traditionellen 1,75 Kompressionstreiber, der bei 1800 Hz trennt. Im Gegenzug bedeutet dies, dass der Tieftöner in der Mittenwiedergabe besser unterstützt wird und das typische Mittenloch, das in der klassischen 15/1 Kombination gerne einmal auftaucht, in dieser Kombination deutlich seltener vorkommt. Des Weiteren schaffen die Neodyn-Kombinationen 2 dB mehr Schalldruck, was sich in Form von 133 dB gegenüber 131 dB Max SPL @ 1 m niederschlägt. RCF gibt übrigens an, dass alle Tieftöner über 200 Stunden lang getestet werden, um eventuelle Qualitätsprobleme aufzuspüren, bevor sie ausgeliefert werden.

RCF ART 915-A Test

RCF ART 915-A Front

Die RCF ART 915-A wird in Italien gefertigt

Ansonsten lehnt sich der Aufbau sehr stark an die anderen Vertreter der 9er Reihe an, die bereits bei den kleineren Varianten überzeugen konnten. Auch hier wird das gesamte Produkt in Italien gefertigt, was zum einen dem allgegenwärtigen Lieferkettenproblem mit China entgegenwirkt und zum anderen den Produktionsstandort Europa mit seinen höheren Standards in Sachen Arbeits- und Menschenrechte unterstützt. Man mag mich naiv nennen, aber ich werde wohl immer ein „Support Your Local Dealer“ Sympathisant bleiben, wenngleich garantiert auch in der RCF ART 915-A einige elektronischen Komponenten aus China stammen werden.

Auch dieser Vertreter der 9er Serie glänzt mit einem großen Einsatzbereich aufgrund der hohen Flexibilität. Aufgrund ihrer unsymmetrischen Gehäuseform kann die RCF ART 915-A gleich mehrere Beschallungsoptionen abdecken, wobei das voluminöse Äußere in Kombination mit entsprechenden Subwoofern schon eindeutig in Richtung Klein-PA schielt. Auch ohne entsprechende Woofer-Unterstützung wird der eine oder andere DJ die Hochständer Variante als mobile Beschallungsanlage nutzen, die wohl auch für kleine Säle ausreichen dürfte. Des Weiteren bietet sich die Verwendung als Floormonitor und Sidefill-Betrieb an, wobei jedoch die Standfestigkeit bzw. Kippsicherheit für den regulären Wedge-Betrieb völlig ausreicht, jedoch nicht an die Standsicherheit eines reinen Wedge heranreicht. Des Weiteren verfügt das System über M10 Gewindeeinsätze an der Ober- und Unterseite bzw. Seitenteilen des Gehäuses für geflogene Festinstallationen. Für den Hochständerbetrieb verfügt die Box am Boden über einen robusten 36 mm Flansch aus Stahl.

RCF ART 915-A Test

RCF ART 915-A Rückseite

Mit den Abmessungen von 717 x 415 x 410 mm (H x B x T) ist die Box bzgl. Transportabilität im mittleren Segment einzuordnen, wobei das 24,2 kg Gewicht ordentlich an den Armen zieht und für die Hochständer-Platzierung ggf. eine zweite Person benötigt wird. Das Gehäuse der RCF ART 915-A wird aus Polypropylen gefertigt, was mit einer Kombination von vergleichsweise geringem Gewicht und guter Elastizität sowohl interne Vibrationen als auch grobere Einwirkungen von außen gut abfedern sollte. Für einen besseren Schutz würde ich auch die entsprechende Schutzhülle von RCF empfehlen, die separat erworben werden kann. Auch wenn es sie „nur“ um eine Beschallungsanlage handelt, abgewetzte Boxen hinterlassen immer einen minderwertigen Eindruck.

Für eine gute Handhabung und einen leichten Transport sorgen zwei großzügige Griffmulden an den Seiten, die nicht nur den Tragekomfort erhöhen, sondern auch das Wuchten auf einen Hochständer deutlich erleichtern. Die von den kleineren Modellen bekannten zwei Griffschlitze auf der Oberseite / Unterseite des Gehäuses fehlen hier, wohl da ein Gewicht jenseits der 20 kg Marke in dieser Form nicht mehr adäquat zu transportieren wäre. Die Lautsprecherbestückung besteht aus einem 15“ Tieftöner aus hauseigener Fertigung und einem 1,75 Zoll Hochtontreiber, die zusammen 1050 Watt RMS (ca. 500 Watt Sinus) leisten können und für Zahlenfetischisten mit 2100 Watt Peak protzen. Der Frequenzgang des Systems wird mit 45 – 20000 Hz angegeben, der horizontale Abstrahlwinkel beträgt 100°, der vertikale Abstrahlwinkel 60°. Auch bei dieser Reihe verweist der Hersteller als Besonderheit auf die neue Filtertechnologie mit dem Namen „Firphase“, die laut Firmenprospekt „ein transparentes Klangbild, absolute Klarheit und ein perfektes Stereobild bei minimalen Latenzen ohne Phasenverzerrung“ gewährleisten soll.

Im Bereich Zubehör bietet RCF in der Tat ein reichhaltiges Angebot an Ständern und Halterungen, sowohl für den bodennahen, als auch den geflogenen Betrieb. Hier lohnt es sich einmal auf die Website des Herstellers zu gehen, ob man eventuell etwas findet, was dem persönlichen Use Case am nächsten kommt.

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RCF ART 915-A Test

RCF ART 915-A Anschlüsse

Die Rückseite der RCF ART 915-A

Wie auch bei den anderen beiden Vertretern der 9er Serie, die bereits besprochen wurden, befinden sich alle Anschlüsse auf der Rückseite des Gehäuses, wobei RCF die Bedienungsmöglichkeiten hier ebenfalls auf ein Minimum zusammengestrichen hat und die gesamte klangliche Signalverwaltung auf ein davor geschaltetes Mischpult überträgt. Inwieweit dies einen Vor- oder Nachteil darstellt, muss jeder Anwender für sich selber herausfinden, Fakt jedoch bleibt, dass der Vorteil einer spartanischen Ausstattung darin liegt, dass auch weniger geübte Benutzer relativ schnell mit einem derartigen System arbeiten können, wenn es darum geht, saubere Verstärkung zu erzielen.

Sämtliche Regler sind sehr tief im Gehäuse verbaut und somit sehr gut vor externen Einwirkungen geschützt, sofern diese flächig auf dem Panel anliegen. Die Ausrichtung und Anordnung ist mit der 932-A identisch, womit wir auch hier folgende Bedienungselemente vorfinden. Eine XLR/TRS-Kombieingangsbuchse, kombiniert mit einem Lautstärkeregler dienen als Eingangsverwaltung. Zudem ermöglicht ein Druckschalter eine grobe Vorauswahl bzgl. des anliegenden Signalpegels, bestehend aus den Presets „Linear“, „Boost“ und „Stage“, deren jeweilige Aktivierung über zwei grüne LEDs abgelesen werden kann. Einen Gain-Regler sucht man leider auch hier vergebens, sodass man bei der Ausgabe des Signals über das Mischpult im Master-Bereich tunlichst die Overload-Anzeigen im Auge behalten sollte. Für den Daisy-Chain-Betrieb bietet das System noch zusätzlich einen XLR-Ausgang. Der Systemzustand kann zudem über zwei LEDs (Signal – grün und Limiter – rot) abgelesen werden.

Abschließend gibt es im unteren Bereich des Gehäuses unterhalb der Kühlungsrippen des Systems noch den On/Off-Schalter zzgl. der Kaltgerätebuchse nebst intern verbauter Hauptsicherung. Das System verfügt über kein Multispannungsnetzteil und ist entweder für 220 – 240 Volt oder 100 – 120 Volt Netzspannung zugelassen. Entsprechend unterschiedlich verhalten sich auch die Werte der verwendeten Feinsicherungen.

RCF ART 915-A Test

RCF ART 915-A Flansch

Die RCF ART 915-A in der Praxis

Natürlich ist der Einsatzbereich der RCF ART 915-A sehr breit aufgestellt, aber der primäre Verwendungszweck wird sehr wahrscheinlich die Verwendung als einfach zu transportierende Beschallungsanlage im DJ- oder PA-Bereich sein. Hier kann die RCF ART 915-A tatsächlich ihre Stärken voll ausspielen, was insbesondere in der Kombination einer vergleichsweise guter Transportabilität zusammen mit einem leistungsstarken Pegel einhergeht. Dennoch musste die Fullrange-Box auch wie bereits andere Aktivboxen vorher, meine Standard-Testroutine für flexible Fullrange-Boxen über sich ergehen lassen, sprich den Betrieb als Floormonitor im Studio, Hochständerbetrieb Indoor und Hochständer Betrieb Outdoor bis zu einer Entfernung von 50 m.

In der Tat erkennt man bereits bei linearer Einstellung, dass der verwendete 15 Zoll Tieftöner deutlich mehr Luft bewegt als die etwas kleineren Schwestermodelle und dadurch insbesondere im Tiefbassbereich eine bessere und stabilere Präsens ermöglicht. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass man sich bei der RCF ART 915-A je nach verwendetem Klangmaterial und Größe des zu beschallenden Bereichs sich ggf. einen Subwoofer sparen kann. Trotz der Leistungsdaten darf man natürlich nicht allzu hohe Ansprüche an eine echte „Körperlichkeit“ im Tiefbass stellen, allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass diese Form der Performance ohnehin nur bei echten Dance-Events gewünscht ist und bei einem „normalen“ Betrieb im Party-Bereich teilweise sogar als störend empfunden wird.

Hier bietet die RCF ART 915-A eine sehr geschmackvolle Lösung an, die sich ohne großen Aufwand installieren und betreiben lässt. Interessant fand ich persönlich die Mittenwiedergabe des Systems. Generell bin ich in Sachen Erwartungshaltung bei einer 15/1-Kombination immer schon ein wenig auf das klassische Mittenloch vorbereitet, bei dem der Tieftöner aufgrund seiner Masse zu träge ist und der Hochtöner es nicht hinunter schafft. Umso mehr war ich erfreut, dass RCF dieses Problem überraschend gut in den Griff bekommen hat. Ob es an dem etwas größeren Kompressionstreiber oder der höheren Flexibilität des 15-Zöllers lag, konnte ich nicht ganz herausfinden, allerdings überzeugte mich das klangliche Ergebnis auf ganzer Linie. Selten hat mich z. B. die Gitarrenwiedergabe bei einer 15/1-Kombination so überzeugt, wie bei der RCF ART 915-A.

Des Weiteren überzeugt das System klanglich mit einer sehr stabilen Wiedergabe, die bis kurz vor Limitereinsatz vergleichsweise ausgewogen und ohne unangenehme Schärfe daherkommt. Insgesamt muss man auch diesem RCF System insbesondere im Bezug auf seinen trotz europäischer Fertigung geradezu als günstig anzusehenden Preises eine sehr gute Bewertung inklusive einer hohen Flexibilität bzgl. des Einsatzgebietes attestieren.

RCF ART 915-A Test

RCF ART 915-A in Einsatz

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Fazit

Mit der RCF ART 915-A führt der italienische Hersteller eine druckvoll klingende Fullrange-Box mit einem sehr stabilen Headroom und unerwartet guter Mittenwiedergabe in seinen Reihen. Das System ist bzgl. seiner Verwendung aufgrund der Trapezform sehr flexibel und überzeugt mit einem neutralen Grundklang, der bei Bedarf einen sehr hohen Pegel inklusive ordentlichem Schalldruck offeriert. Wer eine leistungsfähige Lautsprecherbox sucht und teilweise auf einen Woofer verzichten möchte, sollte das System auf jeden Fall einmal ausprobieren.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Flexibilität

Preis

  • 699,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Umusaza

    RCF-Qualität eben; da gibt’s sicher nicht viel zu kritisieren – die wissen, wie man Lautsprecher baut.

    Was ich aber im Text NICHT verstehe ist das: >> die zusammen 1050 Watt Peak, also ca. 500 Watt Sinus, leisten können und für Zahlenfetischisten mit 2100 Watt Peak protzen << Was ist den die 'Peak'-Leistung ? Und warum schreibt man hier einmal ''1050 Watt Peak'' - dann aber, wenige Worte später ''für Zahlenfetischisten ... 2100 Watt Peak'' ? Vor doch einigen Jahrzehnten lernte ich, dass unter allen Leistungsangaben einzig die ''RMS''-Leistung vergleichbar ist, weil sie definiert ist. Diese scheint hier bei ''ca. 500 Watt'' zu liegen - doch wie ist hier die Peak-Leistung definiert ... und warum werden gleich zwei verschiedene Peak-Leistungen genannt, die dazu noch im Verhältnis von 1:2 liegen ?

    • Profilbild
      Klang X

      Laut der Daten ist das so aufgeteilt:

      GESAMTLEISTUNG:
      2100 W Peak

      HF BEREICH:
      700 W Peak
      TIEFE FREQUENZEN:
      1400 W Peak

      Ist aber ohnehin nur ein Werbejoke, genauso wie „…mit einem Wisch ist alles weg…“ alles nur Werbe-blablabla.

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      Danke für den Hinweis, ganz klar ein Schreibfehler meinerseits. Die richtige Bezeichnung lautet:

      – ca. 500 Watt Sinus
      – 1050 Watt RMS
      – 2100 Watt Peak

      • Profilbild
        Umusaza

        Joo, danke Axel – das macht die Sache klar.
        Dennoch: NUR die RMS-Angabe ist wirklich definiert, somit Verstärkerleistungen untereinander (so halbwegs) vergleichbar.
        Bei Lautsprechern kommt dann ja immerhin noch deren Wirkungsgrad an – also der Schalldruck pro vom Verstärker in die Box gedrücktes Watt, gemessen in einem Meter Abstand.
        Der Wirkungsgrad der generell hochgezüchteten Lautsprecherchassis von RCF liegt ja stets im oberen Bereich – diesbezüglich hätte ich bei diesen Powerboxen keinen Zweifel.

        Einen Sinus-Sweep mit 500 W will ich allerdings nicht unbedingt auf selbst eine Box dieses Kalibers geben – im Mittel- & Hochtonbereich ergeben sich bei 500 Watt sicher Überlastungsprobleme, die dann auch flott den Treiber gefährden können.

        Mit Programm-Material im genannten RMS-Bereich hätte ich da keinerlei Probleme – dafür steht dort ‚laut & deutlich‘ eben der Hersteller professioneller Boxen drauf … eben ‚RCF‘ !

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