Test: RODE RODECaster Pro, Digitalmischer Multimedia

8. April 2019

Multimedia Mixer für Homerecording und Blogger

 

Test: RODE RODECaster Pro, Digitalmischer Multimedia

Test: RODE RODECaster Pro, Digitalmischer Multimedia

Podcasts gibt es eine gefühlte Ewigkeit und werden immer wieder als trendiges Medium neu entdeckt. Das nutzt auch die Branche und viele Anbieter schnüren Einsteigerpakete fürs „Personal Podcasting“ zusammen. Der australische Mikrofonhersteller RODE geht einen Schritt weiter und präsentiert mit dem RODECaster Pro die weltweit erste und eigenständig nutzbare Podcast-Produktionsstation. Dabei wendet sich RODE vorwiegend an Medienschaffende, die nicht primär mit Audiotechnik vertraut sind und ein Gerät suchen, mit dessen Hilfe man im Handumdrehen sendefähiges Audiomaterial erstellen kann. Zur NAMM 2019 wurde bereits das erste Update angekündigt, das seit Anfang März für alle erhältlich ist. Wir wollten dieses abwarten um das Gerät auf aktuellem Stand zu präsentieren. Überhaupt ist Nachhaltigkeit bei RODE ein Thema, weitere Funktionen sollen entsprechend nachgereicht werden. Im Prinzip ist der RODECaster Pro nach dem AI-1 das zweite Interface, dieses haben wir hier getestet.

Schick sieht er schon mal aus und leuchtet wie Tokio bei Nacht. Hier das offizielle Vorstellungs-Video:

Jeder kann heute ein Star werden oder glaubt es zumindest, die Selbstwahrnehmung spielt da so manchen Streich, aber das ist ein anderes Thema. Ich bin zwar der Auffassung, dass der Erfolg einer Audiosendung primär am Inhalt zu messen ist, die Sprachverständlichkeit muss aber in allen Abhörsituationen passen. Ohne Erfahrung ist das nicht ganz trivial, denn schließlich ist es ein weiter Weg von der guten Stimme bis in den Computer. Dann noch Nachbearbeiten, Publizieren und ein Jingle muss auch noch her. So wäre die Frage zu klären, was der RODECaster Pro mit einem Preis von rund 650,- Euro anders oder besser macht als spezielle Einsteigerpakete. Eines sei vorweg verraten, Kenner werden bei den Begriffen Aphex Aural Exciter und Big Bottom aufhorchen. Hören wir zu Anfang doch mal, wie das Teil so klingt.

Der RODECaster Pro im Überblick

RODECaster Pro Seite

Im Prinzip ist er gleichermaßen Digitalmixer mit Bluetooth, vierkanaliger Kopfhörerverstärker, Effektprozessor, Jinglemaschine und Audiorecorder. Daraus folgt, dass man bei vorhandener Steckdose mit Mikrofon und Speicherkarte direkt loslegen kann.

Der RODECaster Pro eignet sich genauso gut für Live-Shows und Videoanwendungen, denn das Audiosignal lässt sich auch per USB an den Computer oder ein Smartphone schicken. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Audiorecorder ist auch das direkte Mitschneiden von Telefongesprächen ohne Loopback möglich und vermeidet, dass der Gesprächspartner sich selbst hört. Daher ist der RØDECaster Pro sogar für wissenschaftliche Zwecke interessant, wenn Telefoninterviews in hoher Qualität zum Transkribieren aufgezeichnet werden sollen.

RODECaster Pro ausgepackt

Beim Auspacken wird man als Einsteiger direkt gefeiert. „Nice“ würde wohl der Newcomer dazu sagen und hätte das Gefühl, dass alleine der Kauf des Produkts den Erfolg garantiert. Spaß beiseite, jung geblieben würde ich das unkritisch zielgruppenorientiert nennen. So thront das Gerät unter einigen Papp-Flyern, die nicht nur den RØDECaster Pro selbst, sondern auch Bedienungshinweise zeigen und das Beschriften der Pads ermöglichen.

Das sparsame Zubehör liegt direkt darunter, als da wären Netzteil mit verriegelbarem Netzkabel, Kaltgerätekabel und USB-Verbindung vom Typ-A auf Typ-C mit zwei Metern Länge, bei dem Preis hätte man ruhig ein dynamisches PodMic beilegen können. Dies ist ebenfalls neu und wird von RØDE aufgrund der exzellenten Abstimmung zum RODECaster Pro empfohlen. Da wünscht man sich noch einen Schwanenhals um es direkt hinten anzustecken. Das pultförmige Gehäuse ist mit etwa 2,5 cm im Kern recht schlank und liegt nur auf der Vorder- und Rückseite auf. Mit 1,98 kg ist es recht leicht und 35 cm breit, 27,5 cm tief und misst an der dicksten Stelle 8,2 cm. Unter dem Gerät ist Platz um einen Organizer oder Notizblock unter zuschieben.

RODECaster Pro Rückseite

Die Rückseite umfasst vier verriegelbare XLR-Buchsen für die Mikrofone, den Mini-Klinkeneingang für Smartphones, vier 6,35 mm Kopfhöreranschlüsse, zwei Ausgänge für die Abhöre, den microSD-Schacht auch für Speicherkarten jenseits von 32 GB, USB Typ-C- und Kensington-Buchse sowie den Netzteilanschluss mit Schraubgewinde.

Das hat man sich gut überlegt, denn versehentliches Abziehen könnte fatale Folgen haben. Gleiches gilt für den Powerschalter, eine Softtaste mit weitem Hub, beim Abschalten erfolgt sinnigerweise eine Sicherheitsabfrage. Eigentlich fehlt nur noch ein Batteriefach, genügend Platz unterhalb ist schließlich vorhanden. Für Headsets liegen die Buchsen etwas ungünstig, man hätte besser Kopfhörer- und Mikrofonanschlüsse jeweils direkt nebeneinander platzieren sollen.

Das Kunststoffgehäuse ruht auf einem gummierten Untergrund, die Deckplatte aus schwarzem Aluminium ist damit verschraubt und zieht sich nach hinten über das Anschlussfeld. Wäre die Beschriftung auf die Kante gedruckt worden, könnte man sie auch von vorne lesen. Immerhin befinden sich die Mikrofonbuchsen auf Linie mit den zugehörigen Reglern. Rechts neben dem Touchscreen ist die großflächige Aufnahmetaste untergebracht. Im rechten Teil befinden sich fünf rastende Regler aus Aluminium für die jeweiligen Kopfhörerausgänge und die Hauptlautstärke. Diese sitzen ausreichend fest auf der Frontplatte und laufen absolut sauber. Ein fünfter zum ersten parallel geschalteter Kopfhöreranschluss in 3,5 mm Klinkenmanier befindet sich rechts an der Gehäusefront.

Die größte Fläche nehmen die acht 100 mm Kanalzüge ein. Die ersten vier bedienen die Mikrofonlautstärke, darauf folgen Smartphone, Bluetooth, USB und der Jingle-Player, so dass man auf insgesamt zwölf Kanäle kommt. Über den Bluetooth- und Mikrofonreglern befindet sich je eine Taste für den Direktzugriff auf Kanaleinstellungen. Unten befinden sich mit Ausnahme des Jingle-Players je zwei Tasten. Eine davon schaltet eine oder mehrere Kanäle über den Master-Kopfhörer zur besseren Kontrolle solo, der zweite mutet das Signal im Mix.

Über die anderen Ausgänge wird übrigens stets der Main-Mix ausgegeben. Ganz rechts befinden sich die nicht anschlagsdynamischen Trigger-Pads mit einer Kantenlänge von je drei Zentimeter. Insgesamt ist die Verarbeitung zwar gut, allerdings fühlt sich die Aluminiumdeckplatte nicht sonderlich wertig an. Die Ecken weisen geringe Spaltmaße auf und die Beschichtung wirkt irgendwie fragil. Das könnte in dieser Preisklasse durchaus besser gelöst werden, ein Gehäuse aus Vollkunststoff hätte mich deutlich mehr beeindruckt.

Die Illumination sieht schon cool aus, die grauen Tasten leuchten halb hell und erstrahlen bei aktivierter Funktion. Einzig die Bluetooth-Taste leuchtet bei ausgeschaltetem Modul nicht, die Aufnahmetaste pulsiert nur dann dunkelrot, wenn eine Speicherkarte aufnahmebereit ist. Die Beleuchtung kann unabhängig vom Display gedimmt oder abgeschaltet werden, bei den großen Tasten sieht man allerdings deutlich, wo sich die LED befindet. Alle LEDs sind mehrfarbig, wie man es bei den Pads und farbcodierten Mikrofontasten sieht.

Der kontrastreiche und hochauflösende Touchscreen ist übersichtlich und reagiert zuverlässig, allerdings muss man die Symbole und Regler direkt treffen. Das finde ich gar nicht schlecht, denn dadurch werden Fehlbedienungen vermieden. Die Fader mit angenehmem Widerstand haben eine Fingermulde und sind auch für Grobmotoriker gut geeignet, schleifen aber in Teilen etwas und hätten besser gedämpft sein können. Die Pegeldarstellung erfolgt ebenfalls auf dem Touchscreen und ist für mich mit Seheinschränkungen gut zu erkennen. Das gilt nicht für den vertikalen Blickwinkel, Farb- und Kontrastveränderungen sieht man schon aus geringer Distanz.

Die inneren Werte des RODECaster Pro

Das Benutzerinterface des RØDECaster Pro ist sehr einfach und übersichtlich aufgebaut. Das Zahnrad oben links führt ins Menü, während der Aufnahme wird ein Symbol zum Setzen von Markierungen eingeblendet. In der links abgesetzten Leiste springt man einen Punkt zurück oder direkt zur Hauptseite. Seit Firmware 1.1.0 hat man die Menüpunkte etwas mehr verschachtelt, trotzdem bleibt der Inhalt mit wenigen, großflächigen Symbolen stets übersichtlich. Die Systemsprache ist allerdings Englisch, daher muss man schon einige Begriffe kennen, wenn man die Grundeinstellungen vornimmt.

RODECaster Pro Hauptseite

Der RODECaster Pro richtet sich primär an Sprachanwendungen, weshalb Musiker aufgrund fehlender Instrumenteneingänge enttäuscht werden. Playbacks könnte man zwar über TRRS, Bluetooth oder USB einspielen, für Instrumente bietet sich allerhöchstens die Miniklinkenbuchse an. Als Audio-Interface steht die intern fest definierte Auflösung von 24 Bit bei 48 kHz Abtastung zur Verfügung, ASIO oder asynchroner Modus gibt es nicht. Latenzarmes Arbeiten ist damit vor Allem unter Windows nicht gegeben, dafür ist er USB-Class-kompatibel und versteht sich auch mit Mobilgeräten. Seit Firmware 1.1.0 ist eine Multitracking-Option hinzu gekommen, die das 2×2-Interface bei Bedarf um ein weiteres mit 14 Spuren ergänzt. Die ersten beiden enthalten den Main-Mix, die übrigen zwölf orientieren sich an den Kanalzügen, so dass man auch das USB-Signal vom Computer ohne ausgeblendeten Rückkanal abgreifen kann. Die Einzelspuren können auch unbearbeitet übernommen werden, so dass man neben dem Main-Mix eine Rohfassung zur Nachbearbeitung hat.

Der integrierte microSD-Rekorder zeichnet nur den Main-Mix auf, man kann diesen in Verbindung mit dem Computer als Backup-Rekorder nutzen. Dabei ist das Format ebenfalls fest auf Linear-PCM bei 24 Bit Wortbreite und 48 kHz Abtastung vorgegeben, bei 8 GB stehen über sieben Stunden Aufnahmezeit zur Verfügung. Bei einer eigenständigen Lösung hätte ich einen integrierten MP3/AAC-Encoder erwartet, gleiches gilt für eine Schnittfunktion. Die Dateien liegen alle in einem Ordner und werden durchnummeriert, wie „POD00001.WAV“. Varianten stehen derzeit nicht zur Verfügung. Ist keine Speicherkarte eingelegt, kann mit der Aufnahmetaste ein Timer gestartet und über das Display genullt werden.

Die Mic-Preamps sind als Class-A-Verstärker ausgeführt und liefern zwar mit einem Dynamikumfang von 100 dB keine Rekordwerte, das fällt jedoch bei reinen Sprachanwendungen nicht ins Gewicht. Der Rauschabstand des RØDECaster Pro mit gewichteten 125 dB ist hingegen ein guter Wert und deutet auf das insgesamt geringe Eigenrauschen hin. Die Impedanz der Mikrofoneingänge ist mit 600 Ohm angegeben, die Verstärkungsleistung von +55 dB reicht für die meisten dynamischen Mikrofone gerade noch aus.

Panoramaeinstellungen fehlen, das ist für Interviewsituationen allerdings kein Nachteil und hier bleibt nur die Nachbearbeitung in der DAW. Über vier Direktwahltasten lässt sich sofort das Einstellungsfenster für den jeweiligen Eingang aufrufen, seit Firmware 1.1.0 hat man diese zur besseren Orientierung farblich gekennzeichnet. Hier werden neben Modellen von RØDE (PodMic, Procaster, Broadcaster, NT1, NT1-A und NT2-A) auch allgemein dynamische und Kondensatormikrofone eingerichtet. Dabei wird je Profil die Vorverstärkung angepasst und bei Bedarf die Phantomspeisung aktiviert, die für jeden Eingang separat geschaltet wird. Das klingt einerseits einfach, bringt andererseits aber auch ein Problem mit sich. Passt man nicht auf und wählt ein falsches Mikrofonmodell, wird die Speisespannung mitunter ungewollt aktiviert.

RODECaster Pro Voice-Einstellungen

Gerade die Mikrofoneinstellungen hat man bei der Aktualisierung umgebaut. Zuvor wurden die Einstellungen in drei Reiter gruppiert und fassten diese etwas besser zusammen. Die vier Oberpunkte Mikrofonauswahl, Gain mit Phantomspeisung, Stimmeneinstellung und Effekte sorgen für etwas mehr Verschachtelung. So hat man die Funktionen im Menü „Voice“ in je einen Unterpunkt gruppiert, zuvor waren die Einstellungen für Stimme und Sprechweise auf einer Seite sichtbar. Diese können in je drei Stufen festgelegt werden, konkret beeinflussen sie EQ- und Gate-Parameter. Der RØDECaster Pro ist bezüglich der Auswirkungen jedoch nicht auskunftsfreudig, was übrigens für alle Effektparameter gilt.

RODECaster Pro Effektseite

Neben Kompressor (Homogenität bei der Lautstärke), De-Esser (Reduktion störender Sibilanten), Hochpassfilter (Reduktion tiefer Frequenzen) und Noise Gate (zur Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen) lassen sich als Weiteres die Effekte Aural Exciter und Big Bottom von Aphex aktivieren. Weiterhin steht eine Ducking-Funktion zur Verfügung (seit Version 1.1.0 für alle Mikrofonkanäle), so dass der Moderator stets in das Gespräch eingreifen kann. Über einen globalen Schalter lassen sich alle Effekte für jeden Kanal komplett deaktivieren. Der Wert der Vorverstärkung wird in einer Zahl von 0 bis 55 angegeben und entspricht dem dB-Wert. Schön ist die Pegelanzeige, die bei der Gain-Regelung unterstützt. Wechselt man zu einem anderen Mikrofonkanal, bleibt die letzte Einstellungsseite erhalten und man kann Parameter vergleichen und anpassen. Hören Sie im Folgenden die Auswirkungen der Effekteinstellungen.

Die Effekte von Aphex sind insofern eine Besonderheit, als dass sie im Broadcasting-Umfeld bekannt und sehr beliebt sind, weil sie für mehr Lebendigkeit und Fülle sorgen. Es gibt sie auch eigenständig als Aphex Aural Exciter 204, der ausführliche Test sei als Lektüre an dieser Stelle empfohlen. Der Aural Exciter kümmert sich um die Höhen, der Big Bottom um tiefe Frequenzen. Sie sind weder Shelving-Filter, noch Equalizer, sondern reichern das Signal um Harmonische und Obertöne an. Für alle anderen Eingänge gibt es keine Effekteinstellungen, hier stehen optionale Presets für Musik und Sprache zur Verfügung. Eine Summenbearbeitung ist nicht vorgesehen, schnelle Fader.Fahrten sorgen übrigens für hörbare Lautstärkesprünge.

Als besonders praktisch erweist sich die schnelle Stummschaltung mit den nahezu geräuschlosen Tasten. Die Trümpfe ausspielen kann der RØDECaster Pro in Interviewsituationen, wenn man auf nasale Headsets im Piloten-Sound verzichten will und eine feste Gesprächsrunde mit mehreren Teilnehmern aufzeichnet. Ein passender Koffer mit Tischstativen, Mikrofonen und Kabel könnte den RØDECaster Pro in das ultimative Interview-Kit verwandeln. Werfen wir noch ein Ohr auf die Voice-Einstellungen.

Die Kopfhörerausgänge sind kräftig und wie beschrieben einzeln regelbar. In den erweiterten Einstellungen kann für hochohmige Kopfhörer eine globale Verstärkung zugeschaltet werden, davor warnt ein Fähnchen schon beim Auspacken. Als Weiteres steht eine Lautstärkenbegrenzung zur Verfügung, die allerdings ziemlich pumpt und das Audiosignal unnatürlich wirken lässt. Das ist besonders für das Monitoring ungünstig, weil sich die Lautstärkeverhältnisse so nicht ordentlich beurteilen lassen. Das geringe Eigenrauschen ist vorbildlich und nur bei extrem niederohmigen Kopfhörern wahrzunehmen, für In Ears ist selbst der frontseitige Anschluss zu kräftig.

RODECaster Pro Padseite

Der RØDECaster Pro verfügt über 512 MB internen Speicher für die Pads. Wahlweise lassen sich Audiodateien vom Computer mit der speziellen Software übertragen, es können aber auch Aufnahmen im Gerät erstellt werden. Im einfachsten Fall kopiert man sich einen Effekt vom Smartphone oder kann sogar ein Interview mitschneiden, um es später im Podcast einzufügen. Dabei werden auch FLAC- und WAV-Dateien erkannt, letztere dürfen nicht zu groß sein. In der Software lässt sich jeweils ein Name mit bis zu 12 Zeichen vergeben und eine von neun Farben festlegen, auch das Verhalten jedes Pads wird hier verändert. So können Aufzeichnungen beim Antippen ununterbrochen bis zum Ende laufen, durch erneutes Antippen getriggert oder gestoppt werden. Die Änderungen wirken sich sofort im Betrieb aus, so dass man die Pads auch während einer Performance belegen kann,  selbst während etwas abgespielt wird. Nachteilig ist allerdings, dass das Überschreiben zum Verlust vorhandener Audiodaten führt. Verwendet man versehentlich zur Aufnahme das Pad des Intros, darf man dieses neu kopieren. Ärgerlich, wenn man gerade keinen Rechner zur Hand hat. In den Speicher kopierte Daten lassen sich auch nicht sichern, weil kein Zugriff über USB möglich ist. Eine Backup-Funktion auf die microSD-Karte wäre ebenso sinnvoll, wie eine Steuerung per Bluetooth. Größe und Länge der Clips werden übrigens durch den Speicher begrenzt. So konnte ich unterschiedlich lange Dateien im WAV- und FLAC-Format direkt auf das Gerät ziehen. Mir fehlt weiterhin ein Schreibschutz für die Pads und die Möglichkeit, die Aufnahme synchron zum Intro zu starten oder zu beenden.

Telefonieren mit dem RODECaster Pro

Ferngespräche lassen sich wahlweise über Bluetooth, USB und die TRRS-Buchse auch gleichzeitig führen. Dabei ist es fast egal, welches Smartphone man nutzt, allerdings schränken manche Dienste die Übertragungswege ein. FaceTime lässt sich als Beispiel nur über Klinkenkabel nutzen, ab dem iPhone 7 geht dies nur mit dem Lightning-Adapter. Will man TeamSpeak, Discord oder Skype über USB verwenden, muss man die Funktion „Mix-Minus“ aktivieren. Dann wird auch beim USB-Anschluss der Rückkanal zur Echovermeidung gekappt. Hier hat RØDE mitgedacht, denn im Multichannel-Modus nutzt man das 2×2-Interface zur Kommunikation und kann zugleich die Spuren 1 und 2 über das Mehrkanal-Interface abgreifen.

RODECaster Pro Telefonieren

Der TRRS-Eingang in Form einer 3,5 mm Klinkenbuchse eignet sich nicht nur für Smartphones. Hieran lassen sich Audiorekorder und andere Zuspieler anschließen. Allerdings hätte RØDE ein TRRS-Kabel beilegen können, denn eines zu finden ist gar nicht so einfach. So verfügen die meisten Klinkenkabel nur über drei Adern (TRS) und Kabeltester erkennen TRRS nicht unbedingt. Man sieht es jedoch am Stecker, dass es seitlich drei statt zwei Kontakte gibt. Verwendet man ein gewöhnliches TRS-Kabel, wird dies vom Smartphone erkannt und das interne Mikrofon wird verwendet. Unabhängig davon kann man den Gesprächspartner im Pult hören, hat dann aber keinen Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Mixer.

An dieser Stelle würde sich Bluetooth anbieten, leider unterstützt der RØDECaster Pro jedoch nur das verlustbehaftete Headset- und Handsfree-Profil (HSP/HFP) ohne HD-Voice. Somit sind Audioqualität und Dynamik begrenzt, so dass der Gesprächspartner mit 8 KHz dumpf klingt und die Stimmen aus dem Pult auf der Gegenseite schnell verzerren. In folgendem Beispiel demonstrieren wir die unterschiedlichen Verbindungsmöglichkeiten.

Pro und Contra zum RODECaster Pro

Wie man im ersten Beispiel hört, bin ich einerseits sehr angetan. Mich begeistert die Begrenztheit auf das Wesentliche bei minimalem Aufwand. An einem Mischpult ist gerade bei Telefon-Interviews viel zu verkabeln und zu beachten, die Lautstärkeverhältnisse müssen stimmen und gute Dynamikprozessoren fehlen meistens, ein externer Rekorder ist ebenfalls nötig. Beim RØDECaster Pro steuere ich aus, schalte die Kanäle stumm, drücke auf Aufnahme und fahre das Intro ab. Leider jedoch auch mit der Gefahr, dass etwas schief gehen kann, dann muss ohnehin nachgeschnitten werden. Pausieren lässt sich die Aufnahme derzeit nicht, jedoch können Audiomarken wie erwähnt über den Touchscreen zur Nachbearbeitung eingefügt werden. Natürlich geht es nicht kompromisslos, wenn ein Gerät einfach und noch dazu flexibel sein soll. Trotzdem kann der RØDECaster Pro die Arbeit deutlich vereinfachen, vor Allem für technisch unkundige Anwender mit hohem Qualitätsanspruch. Jedoch nicht nur für diese, so passt er absolut in mein Anwenderprofil.

Auf der anderen Seite ist der RØDECaster Pro nicht ohne Fehl und Tadel, manch vermisste Eigenschaft und auch die anfängliche Euphorie kann ich nicht ganz nachvollziehen. Eine Pausenfunktion durch mehrfachen oder langen Druck auf die Aufnahmetaste wäre doch sicher realisierbar. Auch dass man per Computer nicht auf den internen und externen Speicher zugreifen kann, steht im Widerspruch zur Möglichkeit, Interviews auf die Pads aufzuzeichnen. Die Sicherung von O-Tönen fällt damit weg, ebenso relativiert sich Bluetooth durch fehlendes HD-Voice. MP3/AAC und eine Schnittfunktion würden die Eigenständigkeit unterstreichen, die Panorama-Einstellung der Mikrofone könnte ihn flexibler machen. Trotzdem zeigt RØDE, dass man sich bereits beim ersten Update viele Gedanken gemacht hat und vielleicht lässt sich manches nachträglich lösen, auch wenn HD-Voice für das Bluetooth-Modul wohl eher nicht dazugehören wird. Luft nach Oben ist definitiv vorhanden, auch wenn das Gebotene durchaus überzeugt. Ob der Preis dafür gerechtfertigt ist, muss jeder für sich entscheiden. Wer jedoch keine anderen Möglichkeiten hat oder sich nicht mit audiotechnischen Grundlagen befassen und einfach nur Inhalte produzieren will, wird den Kauf sicher nicht bereuen.

Fazit

RODE beschreitet mit dem RODECaster Pro neue Wege und präsentiert einen auf Podcasting zugeschnittenen Digitalmixer mit Mikrofon- und Kopfhörerverstärker, hochwertigen Effekten im Channelstrip, Bluetooth, USB und Pads für Jingles und eigene Aufnahmen. Telefoninterviews sind eine weitere Stärke, sowie eine hohe Klangqualität bei zugleich einfacher Bedienung. HD-Voice über Bluetooth fehlt ebenso, wie ein MP3-Komprimierer und eine Schnittfunktion, die Nutzung der Pads könnte ebenfalls etwas flexibler sein. Rode verspricht eine langfristige Produktpflege durch Updates, die den RODECaster Pro hoffentlich noch etwas aufwerten. Zum Testzeitpunkt stand die Systemsoftware 1.1.0 zur Verfügung und mit dieser kann er durchaus überzeugen.

Plus

  • übersichtliches und intuitives Bedienkonzept
  • gute Ergebnisse dank internem Channelstrip
  • Multichannel-Interface für flexible Einbindung
  • Mitschneiden von bis zu drei Telefongesprächen
  • Bluetooth

Minus

  • Bluetooth ohne HD-Voice
  • keine interne Schnittfunktion
  • kein interner Komprimierer

Preis

  • Ladenpreis: 649,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Kingfisher  

    Mit einem Stereo Audio Eingang zum Anschluss von Instrumenten, Sampler und Co hätte ich mir das Teil vielleicht geholt, aber so.

  2. Profilbild
    Stephan Merk  RED 1

    Inzwischen wurde die Firmware 1.2.0 veröffentlicht, die Aufnahme kann jetzt durch langen Druck auf die Aufnahmetaste pausiert werden, auch ist die Mehrspuraufzeichnung auf die microSD-Karte möglich, der Aufnahmestatus wird nun ebenfalls mehrfarbig gekennzeichnet.

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